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Kurtatsch

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(Weitergeleitet von Kurtatsch an der Weinstraße)
Kurtatsch an der Weinstraße
ital.: Cortaccia s.s.v.
Wappen
Wappen von Kurtatsch an der Weinstraße
Wappen von Kurtatsch an der Weinstraße
Datei:Kurtatsch an der Weinstraße in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Überetsch-Unterland
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2024)
2.238/2.232
Sprachgruppen: 95,79 % deutsch
03,96 % italienisch
00,25 % ladinisch
Koordinaten 46° 19′ N, 11° 13′ OKoordinaten: 46° 19′ N, 11° 13′ O
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Meereshöhe: 212–1856 m s.l.m. (Zentrum: 333 m s.l.m.)
Fläche: 30,19 km²
Dauersiedlungsraum: 9,6 km²
Fraktionen: Entiklar, Graun, Oberfennberg, Penon
Nachbargemeinden: Predaia (TN), Margreid, Neumarkt, Roveré della Luna (TN), Ton (TN), Tramin
Postleitzahl: 39040
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021024
Steuernummer: 80010130211
Bürgermeister (2025): Andreas Anegg

Kurtatsch an der Weinstraße ([<templatestyles src="IPA/styles.css" />kʊrˈtatʃ]; italienisch: Cortaccia sulla Strada del Vino) ist eine Gemeinde mit 2232 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) in Südtirol (Italien). Kurtatsch zählt zu den an der Südtiroler Weinstraße gelegenen Dörfern im Unterland und ist eines der südlichsten Dörfer des deutschen Sprachraums.

Geografie

Datei:Kurtatsch von Pinzon.JPG
Kurtatsch mit dem dahinter aufragenden Mendelkamm von Nordosten aus gesehen

Die Gemeinde Kurtatsch befindet sich im Unterland, einem Abschnitt des Etschtals im Süden Südtirols, auf der orografisch rechten (westlichen) Talseite. Der Hauptort, Kurtatsch (260–410 m s.l.m.), liegt leicht erhöht am Hangfuß des Mendelkamms. Der darunterliegende und zum Gemeindegebiet gehörende Abschnitt der Talsohle, der im Norden an Tramin, im Osten an Neumarkt und im Süden an Margreid grenzt, reicht bis an die Etsch. Etwas südlich des Hauptorts liegt, ebenfalls nur wenig über dem Talboden, die Fraktion Entiklar (210–240 m).

Höher gelegen und über die mittelgebirgigen Hangleisten des Mendelkamms verstreut erstrecken sich mehrere Gehöfte, Weiler und dörfliche Siedlungen, die zu weiteren vier Fraktionen gerechnet werden. Auf einem Hochplateau im Norden des insgesamt 30,19 km² großen Gemeindegebiets befindet sich Graun (790–840 m); westlich oberhalb des Hauptorts und Entiklars liegen Hofstatt, eine Streusiedlung ohne echtes Dorfzentrum, und das auf Hangterrassen verteilte Penon (580–620 m); im Süden des Gemeindegebiets schließlich erhebt sich der Fennberg, auf dessen nördlicher Plateauhälfte die Fraktion Oberfennberg (1160–1170 m) Platz findet. Die sich westlich über den Kurtatscher Siedlungsflächen erhebenden Höhen des zur Nonsberggruppe gerechneten Mendelkamms tragen die Grenze zum Trentino. Unter den wenig markanten Gipfeln dort bildet das Tresner Horn (1812 m) den höchsten Punkt des Gemeindegebiets.

Geschichte

Kurtatsch wird erstmals urkundlich im sogenannten Vigiliusbrief aus dem 11. Jahrhundert als „Curtasze“ genannt.<ref name="huter">Franz Huter: Der sogenannte Vigiliusbrief. Ein Beitrag zur Geschichte des älteren Urkundenwesens der Bischöfe von Trient. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 50, 1936, S. 35–72, Bezug S. 52 doi:10.7767/miog.1936.50.12.35.</ref> Die Herkunft des Namens Kurtatsch (vgl. lat. curtis: der Hof) wird von Fachleuten als eine Ansammlung höher gelegener Höfe angesehen.

Vorgeschichte

Römerzeitliche Statue des Mercurius, die im Hof des Widums der Vigiliuskirche gefunden wurde
Römerzeitliche Statue des Mercurius, die im Hof des Widums der Vigiliuskirche gefunden wurde

Eine Reihe von Streu- und Lesefunden belegt eine Besiedlung einiger Plätze in der mittleren und späten Steinzeit. In der zeitweise zu Kurtatsch gehörenden Ortschaft Rungg wurde ein bronzezeitlicher Menhir gefunden, der auf das 3. Jahrtausend v. Chr. datiert wird und sich jetzt im Ferdinandeum in Innsbruck befindet.<ref>Ferdinandeum: Vor- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Sammlungen. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. September 2018; abgerufen am 15. Mai 2019.</ref> Vor dem Pflegeheim in Kurtatsch wurde ein Menhir-Rohling gefunden, auch in Graun weisen mehrere Schalensteine in die Bronzezeit. Der Kurtatscher Heimatforscher Luis Hauser fand in Fennhals einen Kupferschmelzplatz mit Schmelzöfen, der sich zeitweise im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen befand und nun teilweise im Museum Zeitreise Mensch in Kurtatsch ausgestellt ist.<ref>Gemeinde Kurtatsch: Geschichtliches. Abgerufen am 15. Mai 2019.</ref>

Antike

Auf dem Gebiet des heutigen Kurtatsch wurden zahlreiche römerzeitliche Funde gemacht, besonders auf dem Hügel der heutigen Pfarrkirche. Dort wurden Reste einer römischen Villa gefunden. Im Nockerischen fand man Holzteile eines Weinstocks, die auf das 3. Jahrhundert datiert wurden.<ref>Weingut Baron Widmann: Historisches. Abgerufen am 15. Mai 2019.</ref>

Spektakulär war der Fund eines Marmortorsos im Jahr 1860 im Lichthof des heutigen Widums. Die 68 cm hohe Statue stellt den römischen Gott Mercurius dar und befindet sich im Museum des Schlosses Buonconsiglio in Trient (zum Zeitpunkt des Fundes gehörte die Pfarrei Kurtatsch noch zum Erzbistum Trient). Der Statue wurden vermutlich im Zuge der Christianisierung Kopf und Hände abgeschlagen.<ref>Gemeinde Kurtatsch (Hrsg.): Kurtatsch und sein Gebiet im Wandel der Zeit. Mit Beiträgen von Johann Mayr, Veronika Gruber, Luis Hauser, Josef Nössing, Oswald Schiefer, Martin Schweiggl und Siegmund Schweiggl. Kurtatsch 1995, S. 84 (online).</ref>

Da sich unter dem Presbyterium der heutigen Pfarrkirche ein Säulenkreis mit einem Durchmesser von sechs Metern befindet, liegt die Vermutung nahe, dass die christliche Kirche auf einem römischen Tempel erbaut wurde.<ref>Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 84.</ref> Gefundene Säulenstücke sind aus roten Marmor und haben einen Durchmesser von 32 cm.<ref>Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 84.</ref> Wo sich heute der Pfarrsaal befindet, war früher ein Urnenfeld, wovon jedoch nur wenige Tonscherben zeugen.<ref>Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 87.</ref> Bei der Errichtung des Parkplatzes neben der Pfarrkirche 1970 wurde ein römerzeitlicher Steinsarkophag gefunden. Ein römerzeitlicher Mühlstein befindet sich zurzeit im Stadtmuseum Bozen. Auch Münzen der makedonischen Könige Alexander der Große, Alexander IV., Philippus III. und Antigonus I. wurden ausgegraben.<ref>Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 85.</ref>

Mittelalter

Nach dem Zusammenbruch des West-Römischen Reiches war Kurtatsch um 580 Sitz einer langobardischen curtis. Es war damit auch Gerichtsort, dessen Bezeichnung als curtis regia auf den heutigen Ortsnamen überging. Ob der Ort eine langobardische Burg aufwies, ist nicht bekannt, genauso ob es im 6. Jahrhundert bereits eine arianische Kirche gegeben hat.<ref name="huter" /> Es dürfte zumindest ein Sitz des Langobarden-Herzogs Ewin von Trient gewesen sein. Hierauf weisen Grundmauerreste hin, die man beim Straßenbau fand.

Datei:Kurtatsch, St. Vigil.jpg
Pfarrkirche St. Vigilius

Der Ort gehörte kirchlich wie eine Reihe anderer Orte an der Westseite des südlichen Unterlandes seit der Christianisierung zum Bistum Trient und war Bischofsland.<ref>Otto Stolz: Die Ausbreitung des Deutschtums in Südtirol im Lichte der Urkunden. 5 Bände. München-Berlin 1927–1932, Band 2, S. 111.</ref> Im Jahr 1328 ist die Vigiliuskapelle als Teil der Pfarre Kaltern („ecclesia et capela sancti Vigillii de Cortaz plebis Caldari“) bezeugt.<ref>Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 1. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2005, ISBN 88-901870-0-X, S. 244, Nr. 442.</ref> Rätselhaft ist eine zweite frühe Kapelle, die Valentin von Rätien geweiht war. Valentin war ein Wanderbischof, der um 420 n. Chr. aus dem Norden kam, nach Trient gewandert ist und später in einer Klause bei Meran gestorben sein soll.<ref>Südtiroler Sagenschatz, Wahrheit und Sage (1949), S. 512 [Schlern Publ.].</ref> Die Kapelle oder Kirche, die in einigen wenigen Urkunden genannt wurde, ist heute abgängig.

Im Jahre 855 wurde ein „predium in Lenticlare [heute Entiklar] … in Curtazze“ dem Bistum Trient zusammen mit anderen Gütern zwischen Tramin und Kurtatsch von einem Henericus geschenkt [TUB I/1, n. 13]. Zu dieser Zeit muss es bereits eine Kirche gegeben haben. Diese frühe Kirche geht auf die Gründung und Schenkung „ecclesia … ss. Quiricus et Jolitta de Tramino et Lenticlarum“ zurück, die von „Regineri et Heinricus f.c. comitis lege vivente Langobardorum“ durchgeführt wurde und deren Text sich in einer gefälschten Urkunde (um 1190) befindet. 1022 erschien in „Curtazze una ecclesia ad Curtasca et una ecclesia in Curono“ (Kurtatsch und Graun).<ref name="huter" /> Hieraus wird deutlich, dass zu dieser Zeit Graun ein Ableger der Kirche von Kurtatsch gewesen sein dürfte. Vermutlich im 11. Jahrhundert wurde die Kirche St. Vigilius errichtet, die 1337 das erste Mal erwähnt wird. Der Kirchturm ist romanisch. Die Kirche gehörte zur Pfarre Kaltern und wurde erst 1515 zu einer eigenen Pfarre erhoben.

Datei:Kurtatsch Strehlburg mit Kapelle.jpg
Ansitz Strehlburg, 1492 erstmals urkundlich erwähnt

Die Herrschaft übten seit dem 11. Jahrhundert die Bischöfe von Trient aus, die vom Kaiser damit belehnt worden waren.<ref>Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 108.</ref> Während der Auseinandersetzungen zwischen den Bischöfen von Trient mit Meinhard II. besetzte dieser das Gebiet um Tramin. Dessen Söhne erstatten das Gericht Tramin 1307 dem Trientner Bischof zurück, das Gebiet um Kurtatsch blieb hingegen bei der Grafschaft Tirol und erhielt in Entiklar ein Gericht. Dieses wurde an unterschiedliche Familien verpfändet, ab 1564 wurde es vom Landesfürsten zentral verwaltet. Grundeigentümer waren im Spätmittelalter fast allein die Grafen von Tirol und die Bischöfe von Trient.<ref>Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 111.</ref> Erst ab dem 14. Jahrhundert verkauften die Grundherren zunehmend Grundeigentum in Kurtatsch, womit die bauliche Entwicklung des Dorfes beginnt.

15. bis 17. Jahrhundert

Im 15. und 16. Jahrhundert wurden mehrere stattliche Ansitze gebaut. Die Strehlburg wurde erstmals 1492 erwähnt und ist für ihren biblischen Freskenzyklus aus dem 16. Jahrhundert bekannt (Erschaffung Evas, Sündenfall, Urteil des Salomo, die drei Jünglinge im Feuerofen).<ref>Hanns-Paul Ties: Bildwelten des Adels. Wandmalereien der Spätrenaissance in Südtiroler und Trentiner Ansitzen (online).</ref> Im Ansitz Freienfeld befinden sich gut erhaltene Fresken mit Grotesken, Darstellungen der Metamorphosen des Ovid und dem Urteil des Paris.<ref>Tourismusverein Südtiroler Unterland: Ansitz Freienfeld. Abgerufen am 15. Mai 2019.</ref>

1555 eskalierte ein jahrhundertealter Streit um die Weidenutzungsrechte auf der orografisch rechten Seite der Etsch, als 500 Leute von der rechten Seite der Etsch (Kurtatscher, Traminer und Kalterer) mit Spießen, Hellebarden, Seitenwehren und Büchsen bewaffnet gegen die Neumarktner aufmarschierten.<ref>Helmuth Gritsch (Hg.): Neumarkt an der Etsch. Verein für die Ortspflege Neumarkt, Neumarkt 1997, S. 133.</ref>

In den 1620er Jahren wurden mehrere Frauen und Männer als angebliche Zauberer und Hexen festgenommen, unter anderem Barbara Köll, die vom Kurtatscher Gericht als Hexe verurteilt wurde; sie wurde enthauptet und auf dem „Galgenackerle“ verbrannt.<ref>Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 161–165.</ref><ref>Heinz Tiefenbrunner: Über Hexenwesen und Hexenprozesse am ehemaligen Gericht Kurtatsch. Der Schlern. Bd. 67, 1993, S. 300–317.</ref> Der Schriftsteller Herbert Rosendorfer arbeitete diesen Fall in seinem Theaterstück „Die Hexe von Kurtatsch“ auf.<ref>theatertexte.de: Rosendorfer, Herbert: Die Hexe von Kurtatsch. Ein historisches Volksstück in 12 Szenen., 25. Januar 2011, abgerufen am 29. April 2026.</ref> Im 17. Jahrhundert was das Gebiet mehrmals von der Pest (Fleckfieber) und von Malaria betroffen.

18. und 19. Jahrhundert

1777 wurde das Kurtatscher Gericht mit dem Traminer Gericht vereinigt, der neue Gerichtsherr war der venezianische Graf Albrizzi, 1806 (bayrische Besetzung) wurde das Gericht dem Gericht Bozen zugeteilt, 1817 wieder selbstständig, und 1830 Kaltern zugeteilt. 1805 wurde Tirol Bayern eingegliedert. Nach dem Scheitern des Tiroler Volksaufstands gegen Bayern und das napoleonische Frankreich wurde das Gebiet des Unterlandes 1810 als Dipartimento dell'Alto Adige Teil des Königreiches Italien (bis 1813). Nach dem Fall Napoleons und der Neuordnung Europas wurde Tirol Teil des neuen österreichischen Kaiserreichs – das Heilige Römische Reich war zwischenzeitlich aufgelöst worden.<ref>Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 187.</ref> Die Grundherrschaft wurde 1849 aufgelöst.

Die Etschebene wurde in der Neuzeit radikal verändert: Während im Mittelalter Auen und Sümpfe die Ebene prägten, wurden die Flussläufe der Etsch im 18. und 19. Jahrhundert zurückgedrängt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Kalterer Abzugskanäle errichtet, gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Etsch begradigt. Aufgrund der Expansion des Obstanbaus in der Talsohle verschwanden im 20. Jahrhundert auch die letzten Auen.<ref>Georg Praxmarer: Landschaftsplan Gemeinde Kurtatsch. In: Beschlüsse der Landesregierung Nr. 1586 vom 13. Mai 2008, 13. Mai 2008, abgerufen am 24. Juni 2024.</ref> In den 1860er Jahren wurde entlang der Etsch eine Eisenbahnlinie gebaut.

20. und 21. Jahrhundert

Datei:Altlehen 1.jpg
Bauernhof Ansitz Altlehen

Kurtatsch gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zur Grafschaft Tirol und damit zu Österreich-Ungarn. Innerhalb Tirols war Kurtatsch dem Gerichtsbezirk Kaltern zugeordnet, der wiederum Teil des Bezirks Bozen war. Mit dem Vertrag von Saint-Germain kam Kurtatsch 1920 zusammen mit dem Großteil Tirols südlich des Alpenhauptkamms zum Königreich Italien. Als 1927 auf diesen ehemals österreichischen Gebieten die beiden Provinzen Bozen und Trient entstanden, wurde Kurtatsch wie auch einige andere umliegende Gemeinden der mehrheitlich italienischsprachigen Provinz Trient zugeschlagen. Mit dem Sturz Mussolinis und dem deutschen Einmarsch in Norditalien 1943 geriet Südtirol – und damit auch Kurtatsch – als Operationszone Alpenvorland direkt unter nationalsozialistische Herrschaft. Mit Kriegsende 1945 gelangte das Gebiet wieder unter italienische Verwaltung und Kurtatsch wurde wieder Teil der Provinz Trient. Erst 1948 wechselte Kurtatsch von der Provinz Trient zur Provinz Bozen.

Die Gemeinde Kurtatsch veränderte sich im 20. Jahrhundert auch geografisch: 1913 verlor sie die Fraktion Söll, im Jahr 1978 die Fraktion Rungg an Tramin. Auch die kirchliche Zugehörigkeit änderte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts: Die seit jeher zum Erzbistum Trient gehörige Pfarrei Kurtatsch kam am 6. August 1964 durch die päpstliche Bulle Quo aptius mit dem gesamten Unterland zur neu gestalteten Diözese Bozen-Brixen.<ref>ORF: Diözesen feiern 50. Geburtstag., 5. August 2014, abgerufen am 21. April 2020.</ref>

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde im unteren Teil des Dorfes, westlich der Vigilius-Kirche, ein nüchterner Gemeindebau mit Rathaus, Kindergarten und Arztpraxis errichtet. Dieser Teil gilt heute als Dorfzentrum. Seit 1971 trägt die Gemeinde den werblichen Zusatz „an der Weinstraße“ im amtlichen Namen.<ref>Flora Brugger: Wie Südtirol seine Weinstraße bekam. Südtirol Online, 13. September 2021, abgerufen am 14. September 2021.</ref> Im Jahr 1993 wurde die Schlagersendung Lustige Musikanten mit Marianne und Michael in Kurtatsch aufgezeichnet.<ref>YouTube: Lustige Musikanten aus Kurtatsch, 1993, präsentiert von Marianne & Michael., 1993, abgerufen am 23. Juni 2024.</ref> Im Jahr 2001 vermurten Grauner Bach und Breitbach Teile des Dorfes Kurtatsch, weswegen Rückhaltebecken erbaut wurden.<ref>Provinz Bozen: Kurtatscherbach: Umfangreiche Sicherungsarbeiten gehen zu Ende., 13. März 2007, abgerufen am 23. Juni 2024.</ref> 2015 wurde die Pfarre Kurtatsch der Seelsorgeeinheit Tramin eingegliedert und verlor dadurch einen ortsansässigen Pfarrer (500 Jahre nach der Erhebung zur eigenständigen Pfarre im Jahr 1515).

Politik

Bürgermeister im 20. Jahrhundert

Österreich-Ungarn:

  • Johann Gruber: 1900–1904<ref>Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 237.</ref>
  • Vigil Pomella: 1904–1913
  • Johann Kofler: 1913–1922

Königreich Italien und Zeit des Faschismus:

  • Franz Orian: 1922–1924
  • Dr. Gottardi (Podestà): 1924–1925
  • Ernesto De Varda (Podestà): 1925–1926
  • Giovanni B. Lorenzi, eigentlich Hans Lorenz (Podestà): 1926–1935 (gestorben wahrscheinlich im Februar 1945 im Konzentrationslager Dachau oder Buchenwald<ref>Gemeinde Kurtatsch 1995, S. 238.</ref>)
  • Cav. Candido Sartori (Podestà): 1935–1937
  • Dr. Pontecchi (Podestà): 1937–1938
  • Giulio Imeni (Podestà): 1938–1940
  • Tito Giacometti (Podestà): 1940–1942
  • Enrico Vielmetti (Podestà): 1942–1943

Nationalsozialistische Besetzung (Operationszone Alpenvorland):

  • Franz Orian: 1943–1945

Königreich Italien und Italienische Republik:

  • Franz Folladori: 1945–1952
  • Johann Peer: 1952–1960
  • Vigil Peer: 1960–1980
  • Oswald Schiefer: 1980–2010
  • Martin Fischer: 2010–2020
  • Oswald Schiefer: 2020–2025
  • Andreas Anegg: seit 2025

Wappen

Datei:Kurtatsch Steinhauer Margoni Santo cortaccia.JPG
Gemeindewappen

In Blau ein goldenes Posthorn mit ebensolchen Quasten, begleitet von je zwei goldenen sechszackigen Sternen oben und unten. Das ursprüngliche Wappen dürfte sich aus den Familienwappen der begüterten Familie „an der Platten“ (Jagdhorn) und der Familie Masseregn (vier Sterne) zusammengesetzt haben. Daraus entstand später durch die reichere Ausgestaltung des ursprünglich einfachen Jagdhornes, so wie es heute noch auf einem Weihwasserbecken der Kirchenumfriedungsmauer aus dem 16. Jahrhundert erhalten ist, das heutige Posthorn.

Bevölkerung

Kurtatsch ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine weitgehend deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen.

Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen
Sprache 1981<ref name="astat1981">Volkszählung 1981 – Die amtliche Bürgerzahl und die Sprachgruppen in Südtirol nach Gemeinde und Bezirk. Landesinstitut für Statistik der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, März 1983, abgerufen am 9. Dezember 2024.</ref> 1991<ref name="astat2001">Volkszählung 2001 – Berechnung des Bestandes der drei Sprachgruppen in der Provinz Bozen-Südtirol. Landesinstitut für Statistik der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, August 2002, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Dezember 2021; abgerufen am 9. Dezember 2024.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/astat.provinz.bz.it</ref> 2001<ref name="astat2001" /> 2011<ref name="astat2024">Ergebnisse Sprachgruppenzählung 2024 – Berechnung des Bestandes der drei Sprachgruppen in der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol. Landesinstitut für Statistik der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, Dezember 2024, abgerufen am 9. Dezember 2024.</ref> 2024<ref name="astat2024" />
Deutsch 97,98 % 97,61 % 96,21 % 96,25 % 95,79 %
Italienisch 2,02 % 2,17 % 3,44 % 3,36 % 3,96 %
Ladinisch 0,00 % 0,23 % 0,35 % 0,38 % 0,25 %

Die zehn häufigsten Nachnamen im Jahr 2024 waren Mayr, Terzer, Peer, Pomella, Gruber, Kofler, Parteli, Mair, Schweiggl und Dibiasi.<ref>Landesinstitut für Statistik astat: Statistisches Gemeindeprofil Kurtatsch an der Weinstraße., 2. Semester 2025, abgerufen am 29. April 2026.</ref>

Wirtschaft

Datei:Ansitz Freienfeld in Kurtatsch 2020.png
Ansitz Freienfeld

Die Haupterwerbsquelle der Menschen von Kurtatsch sind Wein- und Obstbau. Während im Tal weitläufige Obstplantagen bewirtschaftet werden (ca. 600 ha), wächst an den Hängen rund um und oberhalb von Kurtatsch Wein internationaler Güte (ca. 330 ha). 45 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig, in insgesamt 300 Betrieben (Stand: 2023).<ref>Gemeinde Kurtatsch: Wissenswertes. Abgerufen am 15. Mai 2019.</ref> Die wichtigsten in Kurtatsch ansässigen Weinproduzenten sind die Kellerei Kurtatsch (eine Genossenschaft), das Weingut Baron Widmann und die Schlosskellerei Tiefenbrunner.

Verkehr

Für den Kraftverkehr ist Kurtatsch in erster Linie durch die Weinstraße erschlossen, die nahe am Dorfzentrum vorbeiführt. Die östliche Seite der Talsohle wird von der A22 und der Brennerbahn durchquert. Letztere bietet dort am Bahnhof Margreid-Kurtatsch – im Gemeindegebiet von Margreid gelegen – eine Zugangsstelle.

Bildung

Datei:Brunnen - panoramio (71).jpg
Historischer Ortskern

Auf dem Gemeindegebiet befinden sich drei Grundschulen im Hauptort Kurtatsch, in Graun und in Penon, die zusammen dem deutschen Schulsprengel der Nachbargemeinde Tramin angeschlossen sind.<ref>Schulsprengel Tramin. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.</ref>

Sehenswürdigkeiten

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Datei:Kurtatsch Naturdenkmal Kalksinterquelle.jpg
Kalksinterquelle

Sehenswerte Baudenkmäler sind vor allem die stattlichen Ansitze Strehlburg, Freienfeld, Staffelfeld (Baron von Widmann), Nussdorf, Nussegg, Fohrhof, Eberlehof, Finkenhof und Altlehen. Der mit Fresken bemalte Ansitz Freienfeld befindet sich im Besitz der Gemeinde, die Keller werden von der Kellerei Kurtatsch genutzt. Im Ansitz Staffelfeld befindet sich das Weingut Baron Widmann. Der Ansitz Strehlburg (samt Kapelle) ist für seinen Freskenzyklus aus der Renaissance bekannt, er befindet sich in Privatbesitz. Daneben befindet sich die Ortenburg aus dem 15. Jahrhundert, deren Tor mit einer hohen Mauer umgeben ist. Der Ansitz Tiefenbrunner in Entiklar ist Sitz der Schlosskellerei Tiefenbrunner.

Beliebte Wanderwege sind der Weinlehrpfad, der an mehreren Naturdenkmälern vorbeiführt (unter anderem an der Kalksinterquelle und an mehreren Wasserfällen), der Weg Murundum entlang der Natursteinmauern sowie der Apfelweg, der nach Tramin führt.<ref>Südtirols Süden: Themenwege., 29. April 2026, abgerufen am 29. April 2026.</ref>

Über Kurtatsch gelangt man auf den Fennberg und zum Fennberger See.

Die Familie Schweiggl betreibt seit 1976 das Museum Zeitreise Mensch, das die Geschichte Südtirols mit Schwerpunkt Kurtatsch zeigt. Das Museum stellt unter anderem eine der best erhaltenen frühen Schmelzanlagen Europas aus: Der ca. 3500 Jahre alte Kupferschmelzofen wurde in den 1970er Jahren von Luis Hauser in Fennhals entdeckt.<ref>Museum Zeitreise Mensch: Kupferschmelzer zur Bronzezeit., abgerufen am 23. Juni 2024.</ref>

Persönlichkeiten

Literatur

  • Johann Mayr, Veronika Gruber, Luis Hauser, Josef Nössing, Oswald Schiefer, Martin Schweiggl, Siegmund Schweiggl: Kurtatsch und sein Gebiet im Wandel der Zeit. Brixen 1995 (online).
  • Leo Andergassen: Die Kirchen von Kurtatsch. Bozen 2006.
  • Siegmund Schweiggl, Wolfgang Schweiggl: Auf Zeitreise in Südtirol. Objekte erzählen Geschichte. Neumarkt 2023.

Weblinks

Commons: Kurtatsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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Vorlage:Klappleiste/Ende Vorlage:Klappleiste/Anfang Aldein | Altrei | Andrian | Auer | Branzoll | Eppan | Kaltern | Kurtatsch | Kurtinig | Leifers | Margreid | Montan | Neumarkt | Pfatten | Salurn | Terlan | Tramin | Truden Vorlage:Klappleiste/Ende

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