Kurgan (Grabhügel)
Kurgan ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), kurgán (Hügel, Hügelgrab)) bezeichnet einen großen, aus Erde oder Steinen aufgeschütteten kegelförmigen Grabhügel in osteuropäischen Ländern. In anderen Gebieten sind andere Bezeichnungen üblich, so im Deutschen als Hügelgrab, im romanischen und englischen Sprachraum als Tumulus. Solche Grabhügel wurden ab der Jungsteinzeit bis in die Antike angelegt, an einigen Orten bis ins Mittelalter. Sie befinden sich häufig in der Republik Moldau, Russland, Polen, der Ukraine und der transkaukasischen Trialeti-Kultur (mittlere Bronzezeit). Auch in Südost- und Mitteleuropa gibt es zahlreiche Kurgane. Die meisten der in oder unter den Hügeln liegenden Grabkammern sind über die Jahrtausende ausgeraubt worden, aber immer noch werden bei archäologischen Ausgrabungen aufsehenerregende Funde gemacht.
Etymologie
Für das russische Wort kurgán gibt es zwei Hauptquellen: Zum einen wird eine Herleitung vom alttürkischen korgan (Zuflucht, Festung) und dem mitteltürkischen kurgan (Festung, Festungswall, Hauptschrein) angenommen. Beide werden als Lautverschiebung des alttürkischen korıgan betrachtet, mit der Wortwurzel korı- (schützen, verteidigen) und dem alttürkischen Suffix -gan.<ref>Eintrag kurgan. In: Etymologisches Türkisches Wörterbuch Nişanyan.</ref> Zum anderen wird kurgán vom alttürkischen Wortstamm qur- abgeleitet, ursprünglich aus Urtürkisch *kur- (ein Gebäude errichten, gründen). Eine klare Trennung zwischen dem russischen kurgán und dem urtürkischen *kōrɨ-kan (Zaun, Schutz) ist aber schwierig herzustellen.<ref name="Starostin">Einträge *Kōrɨ- und *Kur-. In: Sergei Anatoljewitsch Starostin u. a.: Etymological Dictionary of the Altaic Languages. Brill, Leiden 2003.</ref>
Steinzeit und Bronzezeit
Die Kurgane der Jungsteinzeit und der Bronzezeit (ab dem 5. Jahrtausend v. Chr.) wurden von Angehörigen der Jamnaja-Kultur (auch „Ockergrabkultur“) zumeist entlang von Flussläufen errichtet. Sie enthalten eine Grabkammer mit einem einzelnen männlichen Skelett, manchmal zusammen mit Skeletten einer oder mehrerer Frauen und Untergebenen, die offensichtlich zum Begräbnis geopfert wurden. Grabbeigaben sind oft Waffen, in späteren Gräbern auch geopferte Pferde und ganze Wagen.
Die litauische Archäologin Marija Gimbutas hat ab 1956 eine Reihe dieser grabhügelbauenden Völker der späten Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit in Russland, der Ukraine und der Republik Moldau aufgrund gemeinsamer Merkmale ihrer Bestattungen als „Kurgankultur“ zusammengefasst.
Eisenzeit
In der Eisenzeit (1. Jahrtausend v. Chr.) wurden Kurgane vor allem von Skythen und Sarmaten im eurasischen Raum errichtet, vorwiegend auf den höchsten Erhebungen in der eurasischen Steppe. Diese Grabhügel bildeten oft eine Kette von fünf bis zehn Kilometern Länge, die vielleicht auch der Gebietsabgrenzung diente. In der Öffentlichkeit wurden Funde aus dieser Epoche vor allem wegen des Goldes der Skythen bekannt. Seit Jahrzehnten werden hier immer wieder in Einzelgräbern auch Frauenskelette gefunden. Die US-amerikanische Archäologin Jeannine Davis-Kimball unterteilt diese in vier Gruppen, je nach Art und Anzahl der Grabbeigaben in „Kriegerinnen, Priesterinnen, Krieger-Priesterinnen und Frauen des Herdes“. Davis-Kimball sieht hierin Hinweise auf die Gleichstellung der Frau in sarmatischen Stämmen, die als ein möglicher Ursprung des Amazonen-Mythos diskutiert wird.
Experimentelle Archäologie
Die experimentelle Archäologie zeigt, dass zum Bau eines Kurgan-Grabhügels in Steppengebieten rund 100 Personen einen Monat lang beschäftigt gewesen sein müssen, ohne die Auskleidung der Grabkammern mit Holz oder Stein. Das Holz für die Grabkammern wurde häufig in den bewaldeten Winterquartieren geschlagen und über weite Strecken zum Ort der Bestattung transportiert. Fertige Kurgane konnten eine Höhe von 20 Metern erreichen.<ref>Kurgan – „Kanonenhügel“, Eva Höllwarth, Bessarabiendeutscher Verein, 23. August 2023</ref>
Siehe auch
Literatur
- Jeannine Davis-Kimball et al.: Kurgans, Ritual Sites, and Settlements: Eurasian Bronze and Iron Age. 2001.
- Ljudmila Konstantinowna Galanina u. a.: Die Kurgane von Kelermes: „Königsgräber“ der frühskythischen Zeit (= Steppenvölker Eurasiens. Band 1). Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau 1997, ISBN 5-89526-001-2 (Neuauflage 2003: ISBN 3-8053-2807-9; durchsuchbare Ansicht in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
- Anatoli Nagler: Kurgane der Mozdok-Steppe in Nordkaukasien (= Archäologie in Eurasien. Band 3). Marie Leidorf, Espelkamp 1996, ISBN 3-89646-252-0 (Doktorarbeit 1993).
- Andrzej Buko: Archeologia Polski wczesnośredniowiecznej. Odkrycia – hipotezy – interpretacje, Warschau 2005.
Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Deutsches Archäologisches Institut: Sensationsfund: 2500 Jahre alte Skythenmumie aus mongolischem Eiskurgan geborgen ( vom 6. Juni 2007 im Internet Archive) (2006)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Deutsches Archäologisches Institut: Arzhan – Eine skythische Fürstennekropole in Tuva, Südsibirien ( vom 8. Juni 2009 im Internet Archive) (2003)
- Filmdokumentation über archäologische Ausgrabung eines Kurgans L.I.S.A.video in 10 Episoden
- Nečaeva mogila, höchster Kurgan der Skythen in der Pontischen Steppe
Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Archäologischer Fachbegriff
- Archäologischer Fundplatz (Skythen)
- Archäologischer Fundplatz (Jungsteinzeit)
- Archäologischer Fundplatz (Bronzezeit)
- Archäologischer Fundplatz (Eisenzeit)
- Pferdebestattung
- Ur- und Frühgeschichte (Osteuropa)
- Grabhügel
- Grabform (Ur- und Frühgeschichte)