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Kriechende Gämswurz

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Kriechende Gämswurz
Datei:Doronicum pardalianches J2.JPG

Kriechende Gämswurz (Doronicum pardalianches)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Gattung: Gämswurzen (Doronicum)
Art: Kriechende Gämswurz
Wissenschaftlicher Name
Doronicum pardalianches
L.

Die Kriechende Gämswurz<ref name="FloraWeb" /><ref name="Haeupler2000" /> (Doronicum pardalianches), auch Kriechende Gemswurz<ref name="Rothmaler2002" /> geschrieben und kurz Gemswurz genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gämswurzen (Doronicum) innerhalb der Familie Korbblütler (Asteraceae).<ref name="Euro+Med" /> Sie ist auf der nordöstlichen Iberische Halbinsel und in Zentraleuropa verbreitet.

Beschreibung

Datei:Doronicum pardalianches Sturm56.jpg
Illustration aus Sturm
Datei:Doronicum pardalianches inflorescence (15).jpg
Ausschnitt eines Gesamtblütenstandes mit Blütenkörben von unten, gut sichtbar ist die Korbhülle

Erscheinungsbild und Laubblatt

Die Kriechende Gämswurz wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 50 bis 100, selten bis zu 150 Zentimetern.<ref name="FloraWeb" /> Sie bildet lange, unterirdische, fleischige, mehr oder weniger flaumig behaarte bis kahle Rhizome als Überdauerungsorgane;<ref name="Fernández2003" /> sie sind ausläuferartig, enden manchmal mit Knospen<ref name="Fernández2003" /> und führen so zu einer vegetativen Vermehrung, dadurch werden flächige Bestände gebildet.<ref name="Haeupler2000" /> An den Knoten der Rhizome befinden sich glänzende, weiß-getönte Haare (Trichome).<ref name="Fernández2003" /> Der aufrechte, auch im oberen Bereich kaum verzweigte<ref name="Fernández2003" /> Stängel ist zottig behaart<ref name="Rothmaler2002" /> und nur in den unteren zwei Dritteln beblättert.<ref name="Fernández2003" /> Die Internodien sind immer länger als die in ihrer Nähe befindlichen Laubblätter.<ref name="Fernández2003" />

Die Laubblätter sind grundständig und wechselständig am Stängel verteilt angeordnet. Der Blattstiel der Grundblätter weist eine Länge von 4,5 bis 27 Zentimetern und einen Durchmesser von 1 bis 4,5 Millimetern auf.<ref name="Fernández2003" /> Die zur Blütezeit manchmal noch vorhandenen Grundblätter besitzen eine einfache Blattspreite, die bei einer Länge von 3,6 bis 16,5 Zentimetern sowie einer Breite von 3,3 bis 14 Zentimetern eiförmig mit breit-herzförmiger Spreitenbasis und stumpfem oberen Ende<ref name="Fernández2003" /> fast ganzrandig und beiderseits behaart ist.<ref name="FloraWeb" /> Die Stängelblätter sind fast ganzrandig und auf beiden Seiten behaart.<ref name="FloraWeb" /> Der dicht behaarte und schwach geflügelte Blattstiel der unteren Stängelblätter<ref name="FloraWeb" /> weist eine Länge von meist 6 bis 10 (3,4 bis 27) Zentimetern und einen Durchmesser von 1 bis 1,5 Millimetern auf. Die unteren Stängelblätter sind den Grundblättern ähnlich und besitzen eine einfache Blattspreite, die eine Länge von 3,3 bis 22 Zentimetern sowie eine Breite von 2,3 bis 11 Zentimetern aufweist. Die mittleren Stängelblätter sind sitzend sowie stängelumfassend und besitzen eine einfache Blattspreite, die bei einer Länge von meist 5 bis 9 (2,7 bis 15,3) Zentimetern sowie einer Breite von 3 bis 6 (1,6 bis 10) Zentimetern geigenförmig ist. Die oberen Stängelblätter besitzen eine einfache Blattspreite, die bei einer Länge von meist 2,6 bis 6 (1 bis 10) Zentimetern sowie einer Breite von meist 1 bis 2 (0,2 bis 5,5) Zentimetern eiförmig-elliptisch bis eiförmig-lanzettlich ist; sie sind manchmal hochblattartig.<ref name="Fernández2003" />

Datei:Doronicum pardalianches J1.JPG
Körbchenförmiger Blütenstand mit Zungen- und Röhrenblüten, Detail

Blütenstand und Blüte

Die Blütezeit reicht von Mai bis Anfang Juli. In einem lockeren, doldentraubigen Gesamtblütenstand stehen meist zwei bis sechs (ein bis acht) körbchenförmige Teilblütenstände zusammen.<ref name="FloraWeb" /> Die drüsig behaarten Blütenstandsschäfte weisen eine Länge von meist 5 bis 7 (0,5 bis 20) Zentimeter und einen Durchmesser von meist 0,8 bis 1 (0,5 bis 2) Millimetern auf. Die Blütenstandshülle ist so lang wie oder manchmal länger als die Zungenblüten und weist einen Durchmesser von 1 bis 3,3 cm auf. Die krautigen Hüllblätter sind bei einer Länge von meist 1,2 bis 1,4 (1 bis 1,7) Zentimetern sowie einer Breite von meist 1 bis 1,5 (0,7 bis 2,7) Millimetern eiförmig-pfriemlich und immer mit spitzem oberen Ende. Die Hüllblätter besitzen mit spitzen, steifen Trichomen in mehreren Reihen in gleichen Abständen bewimperte Ränder und drüsig oder nichtdrüsig Trichomen auf ihren Flächen. Der Korbboden ist flaumig behaart oder kahl. Die Blütenkörbe weisen bis zu den Spitzen der Strahlenblüten einen Durchmesser von 2 bis meist gut 5 Zentimetern auf.<ref name="Fernández2003" />

Die Blütenkörbe enthalten goldgelbe Zungen- (= Strahlen-) und Röhrenblüten (= Scheibenblüten). Bei den Zungenblüten sind die Kronen bei einer Länge von 1,1 bis 2,5 cm und einer Breite von (1 bis) meist 2 bis 3,5 Millimetern länglich-elliptisch mit einer dreizipfeligen Zunge.<ref name="Fernández2003" /> Bei den Röhrenblüten weisen die Kronen eine Länge von 4 bis 6 Millimetern einen Durchmesser von 1 bis 2,5 Millimetern auf.<ref name="Fernández2003" />

Frucht

Die Achänen besitzen eine schwarze, warzige Oberfläche und sind bei den Strahlen- und Scheibenblüten unterschiedlich (Heterokarpie). Die kahlen 1,7 bis 3,5 mm langen und 0,7 bis 1,3 mm breiten Achänen der Strahlenblüten besitzen keinen Pappus. Die behaarten, 1,2 bis 1,8 Millimeter langen und 0,7 bis 1 Millimeter breiten Achänen der Scheibenblüten besitzen einen weißen, (2,5 bis) meist 3 bis 4 Millimeter langen Pappus (Haarkrone).<ref name="Fernández2003" />

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 30; es liegt meist Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 60, selten 120 vor.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Fernández2003" />

Vorkommen und Nutzung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Kriechenden Gämswurz umfasst die nordöstliche Iberische Halbinsel und Zentraleuropa. Es gibt Fundortangaben für Spanien, Andorra, Frankreich, Italien, die Schweiz, Deutschland und die Niederlande. In weiteren Ländern wie in Belgien, Dänemark, Schweden, Großbritannien, Irland und Tschechien ist sie ein Neophyt.<ref name="Euro+Med" /> Sie gedeiht in Höhenlagen von 0 bis 1800 Metern in Wäldern, Wiesen, Hecken und entlang von Fließgewässern.<ref name="Fernández2003" /> Sie kommt in Pflanzengesellschaften der Verbände Carpinion und Fagion vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die Kriechende Gämswurz ist nährstoffanspruchsvoll und kommt in Deutschland in frischen Laubwäldern und Gebüschen vor. Sie gilt in Deutschland als einheimisch.<ref name="Haeupler2000" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+ (feucht), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

Sie wurde früher als Heilpflanze, später als Zierpflanze in Gärten und Parks angepflanzt, verwilderte und bürgerte sich als Neophyt ein.<ref name="Haeupler2000" /><ref name="Fernández2003" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Doronicum pardalianches erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 885.<ref name="Euro+Med" /> Das Artepitheton pardalianches bedeutet „Panther würgend“.

Trivialnamen

Für die Kriechende Gämswurz bzw. Gemswurz bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Althee (Zillertal, Salzburg), Althet, Dorantwurzel, Gamswurz (Lungau), Gemsenwurz, Graffoy, Kraftwurz (Ulm), Schwindelkraut, Schwindelgemswurz, Schwindelwurz (Kärnten) und Waldrosen (Pinzgau, Fusch).<ref name="Pritzel1882" />

Quellen

Literatur

  • Ines Álvarez Fernández: Systematics of Eurasian and North African Doronicum (Asteraceae: Senecioneae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden, 2003, Volume 90, Nummer 3, S. 319–389. doi:10.2307/3298534 eingescannt bei biodiversitylibrary.org. Doronicum pardalianches auf Seite 373–375.
  • Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland, Band 4: Gefäßpflanzen: Kritischer Band, 9. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2002, ISBN 3-8274-0917-9.
  • Amy Trauth Nare: Doronicum. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 20: Magnoliophyta: Asteridae, part 7: Asteraceae, part 2 (Astereae, Senecioneae), Oxford University Press, New York und Oxford, 2006, ISBN 0-19-530564-7. Doronicum pardalianches Linnaeus. S. 612 - textgleich online wie gedrucktes Werk.

Einzelnachweise

<references> <ref name="FloraWeb"> Doronicum pardalianches L., Kriechende Gämswurz. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Doronicum pardalianches L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Haeupler2000"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Fernández2003"> Ines Álvarez Fernández: Systematics of Eurasian and North African Doronicum (Asteraceae: Senecioneae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden, Volume 90, Nummer 3, 2003, S. 319–389. doi:10.2307/3298534 eingescannt bei biodiversitylibrary.org. Doronicum pardalianches auf S. 373–375. </ref> <ref name="Rothmaler2002"> Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland, Band 4, Gefäßpflanzen: Kritischer Band. 9. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2002, ISBN 3-8274-0917-9. </ref> <ref name="Pritzel1882"> Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 137. (eingescannt). </ref> <ref name="Euro+Med"> Werner Greuter, 2006+: Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Datenblatt Doronicum pardalianches In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Weblinks