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Krähenberg (Meteorit)

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Vorlage:Infobox Meteorit

Datei:Meteorit Krähenberg.jpg
Karte mit Impakt

Der Krähenberg-Meteorit, auch Krähenberger Meteorit oder kurz der Krähenberger genannt, ist ein meteoritischer Festkörper kosmischen Ursprungs, der 1869 auf der Sickinger Höhe in der Feldgemarkung der Ortsgemeinde Krähenberg im heutigen Landkreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz niederging. Er gehört zu den mehr als 50 Meteoriten in Deutschland, die bislang offiziell anerkannt wurden.

Nach Untersuchungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts handelt es sich um einen 4,7 Milliarden Jahre alten<ref name="meteor_1988" /> Steinmeteoriten, der wegen der eingeschlossenen Silikat-Schmelzkügelchen, der Chondren, zu den Chondriten gerechnet wird. Nach dem Eisengehalt im Olivin und nach seiner Textur wird er als LL5-Chondrit klassifiziert.

Eine Zusammenstellung von Artikeln zu individuellen Meteoriten, die aus wissenschaftlichen, historischen oder anderen Gründen interessant sind, enthält die Liste von Meteoriten.

Geographische Lage

Der Einschlagspunkt des Meteoriten liegt in der Gewanne Obere Ohmbach auf einer Höhe von rund 280 m ü. NHN<ref name="LANIS" /> am Hang etwa 300 m südlich der damaligen Bebauungsgrenze von Krähenberg. Wenige Meter östlich fließt von Nord nach Süd der knapp 2,2 km lange<ref name="WW" /> Ohmbach vorbei; dies ist ein linker Zufluss des Auerbachs, der am Ober- und Mittellauf auch Wiesbach genannt wird.

Geschichte

Visuelle und akustische Wahrnehmung

Der Meteorit schlug am 5. Mai 1869 etwa um 18:32 Uhr<ref name="rem3" /> in ein Wiesengelände ein. Dabei soll ein „lautes Getöse“ zu hören gewesen sein und unmittelbar vorher das Objekt am Himmel als sogenannte Feuerkugel in einem äußerst „brillanten“ Weiß geleuchtet haben.

Von Zeitzeugen liegen mehrere Beobachtungen des Meteoriteneinschlags vor.<ref name="pfaelzischer-merkur_2009-07-20" /> Nach Angaben des Landwirts Heinrich Lauer, der sich zusammen mit einem weiteren Mann und einem kleinen Mädchen auf einem Acker in der Nähe der Einschlagsstelle aufgehalten hatte, war der Meteorit zwei Fuß (etwa 60 cm) tief in den Boden eingedrungen. Das noch warme Objekt wurde von Lauer und seinem Begleiter ausgegraben.<ref name="pfaelzischer-merkur_2009-07-20" />

Der aus der Pfalz stammende Naturforscher Georg von Neumayer notierte in seinem Bericht, der am 1. Juli 1869 vorgelegt wurde, das Ereignis sei so laut gewesen, dass in der näheren Umgebung die Vermutung aufgekommen sei, „die Eisenbahn sei bei Homburg<ref name="rem2" /> in die Luft gesprungen und käme Dampf auslassend von oben herab.“<ref name="rheinpfalz_2010-02-28" />

Der Einschlag war angeblich nicht nur in der Westpfalz (z. B. in Kusel,<ref name="pfaelzischer-merkur_2009-07-20" /> 23 km entfernt) zu hören, sondern auch bis in die Vorder- und Südpfalz; genannt werden Gleisweiler (45 km, in der Nähe von Landau) und Speyer (70 km).<ref name="meteor_1988" /> Sogar in Wiesbaden<ref name="pfaelzischer-merkur_2009-07-20" /> (100 km) wurde das Ereignis registriert.

Umgang mit dem Objekt

Etwa zehn Tage lang war der Meteorit im Schulhaus von Krähenberg ausgestellt. Dann wurde er ins Historische Museum der Pfalz in Speyer gebracht, das ihn noch im Sommer 1869 kaufte; Gemeinde und Grundstückseigentümerin erhielten je 100 Gulden. Mehr als zwanzig Jahre hindurch versuchte die damals zuständige königlich-bayerische Staatsregierung immer wieder, das Fundstück der mineralogischen Staatssammlung in München einzuverleiben; am 18. November 1891 jedoch lehnte der pfälzische Landrath, dessen Nachfolgegremium der Bezirksverband Pfalz ist, das Ansinnen endgültig ab.<ref name="meteor_1988" />

Noch heute befindet sich der Meteorit im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Originalgetreue Replikate sind im Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim und im Urweltmuseum Geoskop auf Burg Lichtenberg ausgestellt. Das Krähenberger Dorfgemeinschaftshaus verfügt über eine weitere Nachbildung, die aus eingefärbtem Gips besteht und die Größe des Originals besitzt.<ref name="pfaelzischer-merkur_2009-07-20" /> Der Zeichenlehrer Metz von der Speyerer Gewerbeschule fertigte noch im Juni 1869 eine Form aus Gelatine, die den Guss von Nachbildungen aus Gips ermöglichte.<ref name="palatina_1869" />

Kleine Stücke – Gesamtgewicht unter 40 Gramm – wurden zwischen 1899 und 1906 für wissenschaftliche Zwecke an Institute und Museen in München, London und Wien abgegeben; daher ist das Objekt geringfügig leichter als anfänglich.

Meteoritenweg mit Gedenkstein

Am Einschlagsort bei Krähenberg, wo ein Gedenkstein mit Informationstafel an das Ereignis erinnert,<ref name="pfaelzischer-merkur_2009-07-20" /><ref name="rheinpfalz_2010-02-28" /> führt seit 2009 der 30 km lange Meteoritenweg vorbei. Er hat folgenden Verlauf: Schmitshausen, Dorfmitte (

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In geringer Entfernung gibt es zwei weitere Touristenwege: östlich seit 1978 der Mühlenweg im Wallhalbtal, westlich die Nordroute der historischen Pfälzer Jakobswege.

Vorlage:Hinweis Seiten-Koordinaten

Eigenschaften und Beschaffenheit

Gestalt, Gewicht und Größe

Der Krähenberg-Meteorit hatte ursprünglich „31½ Pfund“<ref name="meteor_1988" /> Gewicht, was 15,75 kg<ref name="rem1" /> entspricht. Er besitzt das Aussehen und die Ausmaße eines flachen und nahezu runden Brotlaibs, dessen größter Durchmesser etwa 30 cm beträgt, während die Dicke bei 18 cm liegt.<ref name="mm_1949-05-04" /> Er ist einer der seltenen „orientierten“ Meteorite; diese nehmen beim Flug durch die Erdatmosphäre eine stabile Lage ein. Die auf der Abbildung sichtbare gewölbte „Brustseite“, beim Flug die Vorderseite des Meteoriten, ist infolge der Erhitzung bei der raschen Durchquerung der Erdatmosphäre deutlich aufgeschmolzen und zeigt radiale Fließstrukturen, sogenannte Regmaglypten, die anschließend wieder erstarrt sind.<ref name="lfu.bayern" />

In der Literatur findet sich kein Beleg, ob jemals versucht wurde, aus den Parametern Masse und Eindringtiefe die Endgeschwindigkeit des Objekts vor dem Einschlag zu berechnen.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Bald nach dem Fall des Meteoriten begannen wissenschaftliche Untersuchungen. Chemische „Analysen besagen, der Meteorit habe zu 3,5 % aus metallischen und zu 96,5 % aus steinigen Gemengteilen bestanden.“<ref name="mm_1949-05-04" /> „Spuren von Kieselerde, Bittererde, Manganoxydul, Eisenoxydul, Eisen, Schwefel, Nickel, Phosphor, Chromoxyd, Tonerde, Kalk, Kali, Natron und Zinnoxyd“ seien festgestellt worden.<ref name="palatina_1869" /> Die ersten umfassenden Ergebnisse von chemischen und petrographischen Untersuchungen veröffentlichte 1870 der in Bonn habilitierte Mineraloge und Geologe Gerhard vom Rath.<ref name="meteor_1988" /> Seine ein Jahrhundert lang umstrittene Feststellung, der Kalium­anteil des Meteoriten habe – bei einem Steinmeteoriten noch nie beobachtet – den Natrium­anteil überstiegen, wurde erst 1969 bestätigt.<ref name="kempe-mueller_1969" /> Das Kalium ist allerdings nicht gleichmäßig verteilt, sondern in zentimetergroßen dunklen Einschlüssen, die auf Schnittflächen deutlich sichtbar sind, als kaliumreiches Glas enthalten.<ref name="wlotzka-et-al" />

Ursprung

Datei:DEU Krähenberg COA.svg
Kometen- statt Meteoritendarstellung im Ortswappen von Krähenberg

Das Wappen der Gemeinde, 1979 geschaffen, symbolisiert im oberen (heraldisch) linken Geviert den Meteoriteneinschlag durch die Abbildung eines Kometen. Dabei handelt es sich dem Wortlaut der Wappenbeschreibung nach („fallender goldener Komet“<ref name="debus" />) offensichtlich um eine Verwechslung zwischen Meteorit und Komet – die Leuchtspur des Meteoriten wird als Kometenschweif abgebildet – und nicht um eine Anspielung auf den mutmaßlichen Ursprung des Meteoriten. Hierüber gibt es unterschiedliche Theorien:

Dass der Meteorit von einem Kometen stammen müsse, postulierte 1871 Georg von Neumayer.<ref name="neumayer" /> Angesichts des Datums käme vor allem der Halleysche Komet in Frage, dessen bei Perihel-Durchläufen verlorenes Material sich längs seiner Bahn verteilt hat. Jedes Jahr kreuzt die Erde diese Bahn zweimal; dabei macht sich die Kometenmaterie in Form von Sternschnuppen bemerkbar. Die Erscheinungen, die um den 6. Mai auftreten und denen sich der Krähenberg-Meteorit zeitlich zuordnen ließe, werden nach ihrem scheinbaren Ausgangspunkt beim Stern Eta im Sternbild Wassermann Eta-Aquariiden genannt. Der zweite auf Halley zurückgehende Meteorstrom ist derjenige der Orioniden, die ihr Maximum alljährlich am 19./20. Oktober erreichen. Ein weiterer Hinweis auf den Halleyschen Kometen, dem wegen seines geringen Reflexionsvermögens eine recht dunkle Oberfläche zugesprochen wird, ist die vergleichbar dunkle Farbe des Krähenberg-Meteoriten.

Heute neigt die Wissenschaft allerdings eher zu der Annahme, dass Steinmeteoriten nicht von Kometen stammen. Die Meteoritenfälle verteilen sich nämlich statistisch gleichmäßig über das ganze Jahr, und eine Beziehung zu den Kometendurchgängen und ihren Sternschnuppen besteht nicht.<ref name="heide" /> Außerdem besteht der Kometenkern aus lockerem, gasreichem Material und enthält keine größeren Gesteinsbrocken. So dürfte auch der Krähenberg-Meteorit wie die anderen LL-Chondriten von einem Asteroiden stammen, möglicherweise von (25143) Itokawa.<ref name="lfu.bayern" />

Literatur

  • Nicht von dieser Welt. Bayerns Meteorite. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Augsburg 2012, ISBN 978-3-936385-92-2, S. 52–55.
  • Reinhard Flößer: Der Meteorit von Krähenberg. In: Michael Geiger und Hans-Wolfgang Helb (Hrsg.): Naturforschung, Naturschutz und Umweltbildung. POLLICHIA-Sonderveröffentlichung. Nr. 23. Neustadt an der Weinstraße 2015, ISBN 978-3-9812974-3-0, S. 80–81.

Film

Auf dem Internationalen Naturfilmfestival Naturale 2006/2007 stellte Ewald Knoll aus Knopp-Labach den 2006 gedrehten Dokumentarfilm Der Krähenberger vor. Der 16-Minuten-Film, der sowohl online als auch auf DVD verfügbar ist, berichtet über den Meteoriteneinschlag und das spätere Schicksal des Objekts.<ref name="naturale" /><ref>Der Krähenberger (Meteorit) – Astronomie auf YouTube, abgerufen am 14. Juni 2021.</ref>

Weblinks

Commons: Meteorit Krähenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen

<references>

<ref name="meteor_1988">

Wilfried Briegel: Der Himmelsstein von Krähenberg. (PDF; 1,5 MB) In: Meteor – Zeitschrift für Meteoritenkunde, Nr. 11, Lüdenscheid. 1988, S. 27–30, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref>

<ref name="LANIS">

Ungefährer Standort des Gedenksteins am Einschlagsort (Google Maps zeigt den Gedenkstein korrekt einige Meter südsüdwestlich) auf: <ref name="DE-RP_LANDIS-Karte">Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise)</ref>, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref>

<ref name="WW">

<ref name="DE-RP_WW">GeoExplorer der Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)</ref>.</ref>

<ref name="rem3">

Die quasi „digital“ wiedergegebene Uhrzeit des Einschlags stammt aus späterer Zeit. Sie könnte ungefähr durch den Wissenschaftler von Neumayer festgehalten oder nachträglich aus einer wesentlich unbestimmteren Angabe wie „kurz nach halb sieben Uhr abends“ umgeformt worden sein.</ref>

<ref name="pfaelzischer-merkur_2009-07-20">

<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der große Knall bleibt unvergessen (Memento vom 22. Dezember 2012 im Internet Archive) in Pfälzischer Merkur. Zweibrücken, 20. Juli 2009.</ref>

<ref name="rem2">

Die Bahnlinie Homburg–Kaiserslautern ist 7 km (Luftlinie) entfernt.</ref>

<ref name="rheinpfalz_2010-02-28">

Der Knall aus dem All. In: Die Rheinpfalz am Sonntag. Ludwigshafen 28. Februar 2010.</ref>

<ref name="Meteoritenweg">

Der Meteoritenweg. Ortsgemeinde Großbundenbach, abgerufen am 6. Juni 2021 (Wegbeschreibung mit Höhenprofil auf S. 1 und Übersichtskarte auf S. 11).</ref>

<ref name="rem1">

Infolge eines Umrechnungsfehlers wird in der Literatur oft 16,5 kg angegeben.</ref>

<ref name="mm_1949-05-04">

Wilfried Briegel: Abschnitt „Wissenschaftliche Analysen“. (PDF; 1,5 MB) S. 29, abgerufen am 6. Juni 2021 (zitiert aus Mannheimer Morgen vom 4. Mai 1949).</ref>

<ref name="lfu.bayern">

1869 bei Krähenberg (Pfalz). (PDF; 218,36 kB) Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref>

<ref name="palatina_1869">

Keller: Der Meteorstein von Krähenberg. In: Palatina, Nr. 79. 1. Juli 1869, S. 318, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref>

<ref name="kempe-mueller_1969"></ref>
<ref name="wlotzka-et-al"></ref>
<ref name="debus">

Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3.</ref>

<ref name="neumayer">

Georg von Neumayer: Der Meteorit von Krähenberg. In: XXVIII. & XXIX. Jahresbericht der Pollichia. 1871, abgerufen am 14. Juni 2021.</ref>

<ref name="heide">

Fritz Heide; Mitarbeit Frank Wlotzka: Kleine Meteoritenkunde. 3. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 1988, ISBN 3-540-19140-2.</ref>

<ref name="naturale">

Festivalkatalog Amateure 2006/2007. (PDF; 83 kB) Internationales Naturfilmfestival Naturale, S. 15, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref> </references>

Koordinaten: 49° 19′ 35,8″ N, 7° 27′ 55,8″ O

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