Dobrzyca (Będzino)
Dobrzyca (Vorlage:DeS) ist ein Dorf in der Landgemeinde Będzino bei Koszalin in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.
Geographische Lage
Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern am Oberlauf des Flüsschens Wonne, das östlich von Kołobrzeg in die Ostsee mündet. Die Entfernung nach Koszalin im Osten beträgt etwa 17 Kilometer.
Nachbargemeinden sind Słowienkowo (Wolfshagen) sowie Będzino (Alt Banzin) im Nordosten und Wierzchominko (Varchminshagen) im Südosten.
Geschichte
Kordeshagen (vormals auch Cordeshagen oder Curdshagen) war früher ein altes Lehen der Familie von Kameke.<ref>Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern (Ludwig Wilhelm Brüggemann, Hrsg.). II. Teil, 1. Band, S. 555, Nr. 14.</ref> Im Jahr 1340 war Kurd von Kameke der Besitzer von Kordeshagen.<ref>Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen (Heinrich Berghaus, Hrsg.). III. Teil, 1. Band, Anklam 1867, S. 574.</ref> Im Dorf liegt ein 12 Morgen großer See.
Mitten im Dorf lagen zwei Vorwerke: Niederhof, zu dem eine Windmühle gehörte, und Altenhagen (oder Endehof) mit einer Schäferei. Um das Jahr 1780 gab es im Dorf 23 Bauern, einen Halbbauern, einen Kossäten, zwei Predigerbauern, einen Gasthof, einen Prediger, einen Küster und insgesamt 50 Feuerstellen (Haushalte). Auf der Feldmark des Dorfs, Schmollenhagen genannt, lebten weitere sechs Kossäten.
Am 13. Oktober 1921 erfolgte die Eingliederung des Gutsbezirks Kordeshagen in die Landgemeinde Kordeshagen.<ref>Amtsbezirk Kordeshagen (Territorial.de)</ref>
Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Kordeshagen eine Flächengröße von 17,1 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 183 bewohnte Wohnhäuser an vier verschiedenen Wohnstätten:<ref name=stuebs />
- Kordeshagen
- Schmollenhagen
- Siedler-Kolonie Falkenburg
- Steinkrausfelde
Um 1935 hatte Kordeshagen unter anderem drei Gasthöfe, eine Niederlassung der Spar- und Darlehnskasse, eine Apotheke, fünf Gemischtwarenläden, eine Maschinenfabrik, eine Mühle, zwei Schmieden, zwei Stellmachereien, vier Tischlereien und zwei Viehhandlungen.<ref>Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1053 (Google Books).</ref>
Bis 1945 gehörte die Landgemeinde Kordeshagen zum Kreis Köslin in der preußischen Provinz Pommern. Kordeshagen war Sitz des Amtsbezirks Kordeshagen.
Nachdem die Region gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt worden war, wurde Kordeshagen von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Der Ortsname Kordeshagen wurde zu Dobrzyca polonisiert. Die Einheimischen Kordeshagens wurden bis etwa 1947 von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben.
Im Jahr 1992 wurde mit der Anlage von thematischen Gärten unter dem Namen „Hortulus Dobrzyca“ begonnen, die im Jahr 2014 bereits 28 Gärten zu verschiedenen Themen umfassen. Dazu gehören Gärten, die eine bestimmte Pflanzengesellschaft zeigen, wie auf Felsen, im Wald, in der Heide oder am Wasser verbunden mit Elementen der Gartenarchitektur und -kunst, genauso wie Gärten, die im Stile einer nationalen Kultur entwickelt wurden, wie der japanische, französische, englische oder Mittelmeergarten im Stil des Architekten Antoni Gaudí.<ref>https://hortulus.com.pl/</ref>
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1818 | 356 | Kirchdorf, adlige Besitzung<ref name="Krug" >Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 386, Ziffer 4168.</ref> |
| 1822 | 356 | Dorf mit Mutterkirche und Windmühle<ref name="FvR" >Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 247.</ref> |
| 1852 | 1104 | <ref>Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 307.</ref> |
| 1864 | 1336 | am 3. Dezember, im Dorf und Gutsbezirk, auf einer Fläche von 4731 bzw. 2041 Morgen<ref>Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin (9. Kreis Schlawe). Berlin 1866, S. 10–17, Ziffern 58 und 59.</ref> |
| 1867 | 1242 | am 3. Dezember, davon 1120 im Dorf und 122 im Gutsbezirk<ref name="PL">Preußisches Statistisches Landesamt: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staates und ihre Bevölkerung (VI. Kreis Köslin). Berlin 1873, S. 120–121, Ziffer 15, und S. 124–125, Ziffer 90.</ref> |
| 1871 | 1222 | am 1. Dezember, davon 1014 im Dorf (1005 Evangelische, drei Katholiken und sechs sonstige Christen) und 208 im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)<ref name="PL" /> |
| 1910 | 1215 | am 1. Dezember, davon 1076 im Dorf und 139 im Gutsbezirk<ref name="MeyersGaz" >Kordeshagen, Landkreis Köslin, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kordeshagen)</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref> |
| 1925 | 1281 | davon 1276 Evangelische, drei Katholiken und zwei Juden<ref name=stuebs > Die Gemeinde Kordeshagen im ehemaligen Kreis Köslin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)</ref> |
| 1933 | 1231 | <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref> |
| 1939 | 1263 | <ref name="MR" /> |
Kirche
Bis 1945 war die Bevölkerung von Kordeshagen überwiegend evangelischer Konfession. Kordeshagen war der Pfarrsitz des gleichnamigen Kirchspiels, zu dem noch die Orte Falkenburg, Hohenfelde, Schmollenhagen, Steinkrausfelde und Wolfshagen gehörten. Anfang der 1930er Jahre wurde zusätzlich die Kirchengemeinde Varchmin mit den Ortschaften Leistkenhagen, Sarge, Sydowswiese und Varchminshagen in den Pfarrsprengel integriert. Das Kirchenpatronat oblag den Rittergutsbesitzern der Güter im Kirchspiel, zu dem im Jahre 1940 mehr als 2300 Gemeindeglieder gehörten. Es lag im Kirchenkreis Köslin im Ostsprengel der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1779 zurück.<ref>Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 225 (Google Books).</ref>
Das Kirchengebäude, das zuvor der evangelischen Kirchengemeinde Kordeshagen als Gotteshaus gedient hatte, wurde 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet.
Die seit Vertreibung der einheimischen Bevölkerung nach 1945 hier anwesende polnische Einwohnerschaft ist überwiegend katholisch. Der Ort ist Sitz der Pfarrei St. Trinitatis (Trójcy Świętej) innerhalb des Dekanats Mielno (Großmöllen) im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen. Zugehörig zur Pfarrei, die mehr als 2400 Pfarrkinder zählt, sind die Filialkirchen Strzepowo (Strippow) und Wierzchomino (Varchmin) sowie die Messstation Uliszki (Steinkrausfelde).
Hier lebende evangelische Kirchenglieder sind in die Kirchengemeinde Zum Guten Hirten in Koszalin (Köslin) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen eingegliedert.
Pfarrer bis 1945
Zwischen der Reformation in Pommern (1538) und dem Ende des Zweiten Weltkriegs amtierten in Kordeshagen als evangelische Geistliche:
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Verkehr
Dobrzyca (Kordeshagen) liegt an einer südlichen Abzweigung von der polnischen Landesstraße 11 (ehemalige deutsche Reichsstraße 160) auf halber Strecke zwischen Koszalin (Köslin) und Kołobrzeg (Kolberg).<ref>Straßenkarte PL003: Hinterpommern. Köslin - Stolp - Danzig. Höfer Verlag, Dietzenbach 2005, 9. Auflage, ISBN 978-3-931103-14-9, Planquadrat A6.</ref>
Die nächste Bahnstation befindet sich in Słowienkowo (Wolfshagen) an der Bahnstrecke Koszalin–Goleniów.
Persönlichkeiten
- Ernst Bogislav von Kameke (1674–1726), verstarb hier und liegt hier begraben.
- Alexander Friedrich von Kameke, preußischer Staatsmann.
- Werner de Boor (1899–1976), lutherischer Theologe, amtierte in Kordeshagen als Pfarrer von 1928 bis 1932.
Literatur
- Kordeshagen, Landgemeinde und Rittergut, an der Wonne, Kreis Köslin, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kordeshagen (meyersgaz.org)
- Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 104–105 (Google Books).
- Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 2: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Cößlin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 555, Nr. 14.
- Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil III, Band 1, Anklam 1867, S. 358–359.
- Ernst Müller: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. Teil 2, Stettin 1912.
- Hans Glaeser: Das Evangelische Pommern. Teil 2, Stettin 1940.
Weblinks
- Amtsbezirk Kordeshagen (Territorial.de)
- Die Gemeinde Kordeshagen im ehemaligen Kreis Köslin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
- Katholische Pfarrei Dobrzyca
Einzelnachweise
<references />