Kommet, ihr Hirten
Kommet, ihr Hirten ist ein Weihnachtslied, das aus Böhmen stammt und dessen Titel im Original Nesem vám noviny („Wir bringen euch eine Nachricht“) lautet.<ref name="Radio Prag">Nesem vám noviny, Text und Melodie bei Radio Prag.</ref><ref>Vgl. Jaromír Koláček: Vánoce s kytarou. Weihnachten mit Gitarre. 1990, S. 9 (Dreistimmiger Satz und tschechischer Text der 1. und 3. Strophe).</ref> Die heute bekannte Fassung wurde erstmals 1870 veröffentlicht.
Geschichte
Die gelegentlich in der Literatur zu findende Angabe, die Melodie sei bereits seit 1605 als böhmisches Weihnachtslied bekannt,<ref>Gustav Kneip, Willi Schäferdiek (Hrsg.): Deutschland im Volkslied. Peters, Frankfurt am Main 1958, S. 388.</ref><ref>Norbert Linke: Die Stimme Schlesiens im Weihnachtslied. In: Jahrbuch für schlesische Kirchengeschichte, Band 72 (1993), ISSN 0075-2762, S. 197–206, hier: S. 203 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> ist nicht belegt und kann aus den Unterlagen des Deutschen Volksliedarchivs nicht bestätigt werden.<ref name="Ameln">Konrad Ameln: Altböhmische Weihnachtslieder. In: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie 21 (1977), ISSN 0075-2681, S. 162–165.</ref> 1847 wurde die Melodie im Katolicky kancionál in Olmütz erstmals gedruckt.<ref name="Liederkunde">Ulrich Parent, Martin Rößler: 48 – Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun. In: Gerhard Hahn, Jürgen Henkys (Hrsg.): Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch. Band 2. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-50321-0, S. 34–36.</ref> Auch die handschriftliche Überlieferung meist ländlicher Herkunft ist, obwohl nicht genau datiert, der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zuzuordnen<ref name="Ameln" /> und somit nur unwesentlich älter als der Erstdruck. Konrad Ameln datiert die Melodie aus stilistischen Gründen um das Jahr 1700.<ref name="Ameln" />
Die Weise ist eine Bordun-Melodie, wie sie in der Volksmusik weit verbreitet ist. Sie weist etwa Ähnlichkeiten mit dem deutschen Volkslied Lieber Nachbar, ach borgt mir doch eure Latern<ref>Ernst Anschütz: Musikalisches Schulgesangbuch. Heft 1. Reclam, Leipzig 1824, Nr. 86, S. 33 (Digitalisat der Herzog August Bibliothek).</ref> auf, aber auch mit der Violinstimme der Weihnachtskantate des Freiberger Kantors Johann Samuel Beyer (1669–1704), ohne dass jeweils ein unmittelbarer Einfluss der böhmischen Melodie anzunehmen wäre.<ref name="Ameln" />
Der deutsche Text wurde vor 1868 von dem Leipziger Kapellmeister Carl Riedel frei nach dem Original verfasst. Riedels Fassung wurde unter dem Titel Die Engel und die Hirten erstmals 1870 in seiner Sammlung Altböhmische Gesänge für gemischten Chor veröffentlicht.<ref name="Liederkunde" />
Das Lied steht in der Tradition der Hirtenlieder, die die Verkündigung der Geburt Jesu durch die Engel an die Hirten und deren nachfolgenden Gang zum Stall von Bethlehem aus der Weihnachtsgeschichte (Vorlage:Bibel/Link) zum Thema hat. Gegenüber den volkstümlichen Liedern dieser Gattung erreichte Riedels Text „durch seinen gehobenen Stil ein viel breiteres Publikum“.<ref>Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 10 Auflage. Atlantis, Zürich 2003, ISBN 3-254-08213-3, S. 110–111.</ref>
Das Lied ist bis heute beliebt und sowohl im Evangelischen Gesangbuch (EG 48)<ref name="Liederkunde" />, im Mennonitischen Gesangbuch (MG 260) als auch in einigen Diözesananhängen des alten (1975) wie auch des neuen katholischen Gesangbuchs Gotteslob (2013) zu finden.
Im englischsprachigen Raum ist das Lied mit dem Text Come, All Ye Shepherds bekannt, den Mari Ruef Hofer (1848–1929) 1912 verfasste.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Come, All Ye Shepherds ( des Vorlage:IconExternal vom 28. März 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei cyberhymnal.org</ref><ref>Come, All Ye Shepherds bei carols.org.uk</ref> Die niederländische Fassung Komt nu gij herders fand 2001 Eingang in das neue Gesangbuch Liederen voor de Gemeentezang der niederländischen Baptisten (Lied Nr. 185).
Eine alternative Melodie zu Carl Riedels Text komponierte Hermann Tromsdorf 1968.<ref>Hildegard Meyberg (Hrsg.): Laßt uns singen in der Weihnachtszeit. Auer, Donauwörth 1985, ISBN 3-403-01602-1, S. 134.</ref>
Liedtext und Melodie
| Carl Riedel | tschechischer Originaltext<ref>Kurt Pahlen: Die schönsten Weihnachtslieder der Welt. Heyne, München 1981, ISBN 3-453-41444-6, S. 136 f.</ref><ref name="Radio Prag" /> | deutsche Nachdichtung<ref>Gottfried Natalis, Ernst Klusen: Das Weihnachtsbuch der Lieder. Insel, Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-458-31857-7, S. 176 f.</ref> |
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| <poem>
1. Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun, Kommet, das liebliche Kindlein zu schaun, Christus, der Herr, ist heute geboren, Den Gott zum Heiland euch hat erkoren. Fürchtet euch nicht! 2. Lasset uns sehen in Bethlehems Stall, Was uns verheißen der himmlische Schall; Was wir dort finden, lasset uns künden, Lasset uns preisen in frommen Weisen: Halleluja! 3. Wahrlich, die Engel verkündigen heut Bethlehems Hirtenvolk gar große Freud: Nun soll es werden Friede auf Erden, Den Menschen allen ein Wohlgefallen: Ehre sei Gott! </poem> |
<poem style="font-style:italic">
1. Nesem vám noviny, poslouchejte, z betlémské krajiny, pozor dejte, slyšte je pilně a neomylně, slyšte je pilně a neomylně, rozjímejte. 2. Syna porodila čistá panna, v jesličky vložila Krista Pána. Jej ovinula a zavinula, jej ovinula a zavinula, plenčičkama. 3. K němužto andělé z nebe přisli, i také pastýři jsou se sešli, jeho vítali, jeho chválili, jeho vítali, jeho chválili, dary nesli. 4. Anděl Páně jim to sám přikázal, když se jim na poušti všem ukázal: k Betlému jíti neprodlévati, k Betlému jíti neprodlévati, hned přikázal. 5. Ejhle, při Kristovu narozeni, stal se div veliký v okamženi: nebo noc tmavá se proměnila, nebo noc tmavá se proměnila, v světlo denní. </poem> |
<poem>
1. Hört unsre Botschaft, die wir euch gebracht, was wir in Bethlehem sahen zur Nacht, lauscht unsern Worten an allen Orten, lauscht unsern Worten an allen Orten, Menschen gebt acht! 2. Euch gab den Heiland die Jungfrau rein, legt in die Krippe das Jesulein, hat ihn geborgen, hüllt ihn mit Sorgen, hat ihn geborgen, hüllt ihn mit Sorgen in Tücher ein. 3. Engel des Himmels, sie nahten fürwahr; rings von den Feldern der Hirten Schar, brachte dem Herren, um ihn zu ehren, brachte dem Herren, um ihn zu ehren Weihgaben dar. 4. Gott sandt’ den Engel zu rufen sie all’, der aus der Wüste sie wies nach dem Stall, dorthin zu eilen, ohne zu weilen, dorthin zu eilen, ohne zu weilen, ihnen befahl. 5. Und alle sahen das Wunder vollbracht: Dunkel verwandelt zu blendender Pracht; allen zur Wonne, hell wie die Sonne, allen zur Wonne, hell wie die Sonne strahlte die Nacht. </poem> |
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Kom -- met,_ ihr_ Hir -- ten,_ ihr_ Män -- ner_ und_ Fraun,
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Den Gott zum Hei -- land euch hat er -- ko -- ren.
Fürch -- tet__ euch__ nicht!
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Weblinks
- Kommet, ihr Hirten – Text und Melodie (Midi) bei ingeb.org
- Kommet, ihr Hirten – Carl Riedel, Altböhmisches Weihnachtslied bei lieder-archiv.de
- Kommet, ihr Hirten im Liederprojekt von SWR2 und Carus-Verlag
- Kommet, ihr Hirten in der christlichen Liederdatenbank
Einzelnachweise
<references />