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Kolbe (Familienname)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Kolbe ist ein deutscher Familienname.<ref name="Familiennamenbuch">Familiennamenbuch, Naumann, H., VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1987</ref> Er kommt auch in Dänemark vor.<ref name="Bahlow">Deutsches Namenlexikon, Bahlow, H., 1. Aufl., Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1972</ref>

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Herkunft und Bedeutung

Übername

Die meisten Erklärungen führen den Familiennamen Kolbe auf Übernamen zurück.

Waffe oder Narrenstock

Übername für eine Person, die diese Waffe (Keule) herstellt, trägt (Fußsoldat) oder benutzt (pars pro toto); daher auch als Übername von Rittern bezeugt (z. B. Kolbe-Adel); in Hinsicht auf den Narrenstock: Ein närrischer (oder sonderbarer) Mensch.

Althochdeutsch colbo, kolbo, cholbo, cholpo; mittelniederdeutsch kolve, mittelhochdeutsch kolbe [m.]: Streitkolben, Keule, dicker Stecken, Stiel mit dickem Ende (vergl. auch Fruchtstand von Pflanzen), Bolzen, Gewehrkolben, Mörserkeule; aber auch Narrenstock (Narrenkolbe bedeutet „Wunderlichkeit“, Marotte), Hirtenstock, Spielstock, Stablaterne;<ref name="Familiennamenbuch"/><ref name="AltdeutschesWörterbuch">Altdeutsches Wörterbuch, Schade, O., 2. Auflage, Halle a.d.S., Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1882</ref><ref name="MittelhochdeutschesWörterbuch">Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, M. Lexer, Leipzig, Verlag von Hirzel, 1872</ref><ref name="TrübnersDW">Trübners Deutsches Wörterbuch, Berlin, Walter de Gruyter & Co., 1939–1943</ref><ref name="DWGrimm">Deutsches Wörterbuch, Grimm, Jacob und Wilhelm, Leipzig, Verlag von S. Hirzel, 1873</ref><ref name="HeintzeCascorbi">Die Deutschen Familiennamen, geschichtlich, geographisch, sprachlich, Heintze-Cascorbi, 7. Aufl., Buchhandlung des Waisenhauses GmbH, Halle/S., Berlin, 1933</ref><ref name="DNGottschald">Deutsche Namenkunde - unsere Familiennamen, Gottschald, M., 5. Aufl., Walter de Gruyter, Berlin, New York, 1982</ref><ref name="ULVG">Universal-Lexikon der Vergangenheit und Gegenwart oder Neuestes encyclopädisches Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe, Pierer, Altenburg, Verlagsbuchhandlung (1869)</ref> verwandt mit dem altnorwegischen kólfr, altschwedisch kolver, kolf, dänisch kolbe, isländisch kólfr (Wurzelknollen), polnisch und russisch kolba, vielleicht auch litauisch kulbe (Pfeil, Wurfspeer, Keule).<ref name="DWGrimm"/>

Belege

  • Sie truogen kolben unde bogen<ref name="MittelhochdeutschesWörterbuch"/>
  • Niemann … sieht nun, daß der eine Soldat Besten mit der Kolbe in den Nacken stößt (Wedekind<ref name="TrübnersDW"/>
  • Dem einen schlug er mit dem Kolben die breite Fresse noch breiter Kortwich<ref name="TrübnersDW"/>)
  • … vor der Preuszenkolbe laufen alle flink (Immermann<ref name="DWGrimm"/>)
  • Wer es sach dasz zween hinaus gingen ('vors Dorf') und zweiten oder zankten sich an der steinbrücken, reiszen ('zücken') sie kolbe oder schwerdt …<ref name="DWGrimm"/>
  • … gelob ich die Kunst zu halten zu eren und underweisung fürsten und herren, ritter und knecht nach auserweisung des kampfes, den zu lernen mit sper, schwert, kolben, degen, Fechtmeisterschwur (L. Sollinger)<ref name="DWGrimm"/>
  • Trüge jeder Narr einen Kolben, das Holz würde teuer (Simrock<ref name="TrübnersDW"/>)
  • Man sol narren mit kolben lûsen Luther, Simplicissimus (lausen heißt „vernünftig machen“, aber auch Witzwort aus der Badersprache, frei übersetzt etwa „mit dem Hammer den Scheitel ziehen“)<ref name="MittelhochdeutschesWörterbuch"/><ref name="DWGrimm"/>
  • Den toren dunket nihtes guot wan daz, er mit sînem kolben tuot, d. h. „Narren halten nur ihr eigenes Tun für sinnvoll“<ref name="MittelhochdeutschesWörterbuch"/>
  • Dieser narr ist an dem ziele, du verdienst die kolbe dir (Goethe<ref name="DWGrimm"/>)

Haartracht

Übername für eine Person, die durch eine spezielle Haartracht oder durch ein Fehlen derselben, vielleicht aber auch durch eine besondere Kopfform auffällt.

Kolbe [f.], mundartlich für Haupt;<ref name="Bahlow"/> nordböhmisch: kulbe; thüringisch, sächsisch,<ref name="DWGrimm"/> ostdeutsch-schlesisch:<ref name="Bahlow"/> Kolbe, auch Haupthaar; bezeichnet auch eine männliche Haartracht im 16. Jahrhundert, bei der das gleichmäßig herabgekämmte Haar über der Stirn, den Ohren und im Nacken waagerecht geschnitten war. Die Kolbe wurde immer kürzer und bedeckte später kaum noch die Ohren;<ref name="Bahlow"/><ref name="DWGrimm"/><ref>Brockhaus Enzyklopädie, 17. Edition, F.A.Brockhaus, Wiesbaden, 1970</ref><ref>Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Band 14, Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich, 1975</ref> aber auch als die Variante, bei der das Haar über der Stirn hochgekämmt und nach hinten zurückgelegt ist, war sie den Narren (siehe auch 1.) eigentümlich;<ref name="TrübnersDW"/> auch obere Fläche des Kopfes, besonders wenn die Haare abgeschoren sind,<ref name="ULVG"/> vergl. auch latein. calvus ‘kahl’. Wichtiger Beleg zur Identität: 1550 in Zittau ein Steinmetzmeister Thomas Kolbe, der auch Kölbel, Kölbichen, Kelbigen, Heub(e)l u. Heubt (= Haupt) genannt wird.<ref name="Bahlow"/>

Belege

  • Es beginnt ihm die Kolbe zu mengen, d. h. „er bekommt graue Haare“<ref name="Bahlow"/>
  • Er gab ihm ein- oder zweimal tüchtig auf die Kolbe; Wieland<ref name="TrübnersDW"/>
  • Da wolt er ihm (der Pabst Luthern) die kolbe lausn, das ihm die haar ufn kopfe sausn; Postreuter<ref name="DWGrimm"/>
  • Denn sie müssens erfaren wie man den narren die kolben lauset; Luther,<ref name="DWGrimm"/> d. h. einen durch Schläge belehren<ref name="TrübnersDW"/>
  • Was hängt ihr so die kolbe nieder? Wieland<ref name="DWGrimm"/>
  • Dasz Schwarz Christoph eine grosze person gewesen, eine schwarze krause kolbe gehabt; scr. rer. siles.<ref name="Bahlow"/><ref name="DWGrimm"/>
  • Umme de tidt (1559) heft man erstlick, wo allen bekandt, angefangen kolven to dragen; Neocorus<ref name="DWGrimm"/>

Gestalt

  • Übername für eine Person, die durch grobe oder gedrungene Gestalt auffällt.

Mittelhochdeutsch kolbe bedeutet „Keule“, also ein gedrungener, dicker, derber, grober Mensch<ref name="Familiennamenbuch"/><ref name="EWB">Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen, Brechenmacher, J. K., 2. Aufl., C.A.Starke Verlag, Limburg a.d. Lahn, 1960/63</ref>

  • Übername für eine Person, die durch Glupschaugen auffällt.

Niederdeutsch kulpen, külpen bedeutet „glotzen“.<ref name="DNGottschald"/>

Berufsname

Als Berufsname kann sich Kolbe vom Fallenstellen herleiten.

Aus dem Jagdwesen: Kolbe ist ein wie eine Pyramide beschnittener Fichtenbusch, um damit Vögel auf Leimruten zu fangen.<ref name="DWGrimm"/><ref name="ULVG"/>

Varianten des Namens

Namensträger

A

  • Albert Kolbe (1871–1941), deutscher Jurist und Politiker, Oberbürgermeister von Stargard
  • Alfred Kolbe (1884–1950), österreichischer Jurist und Verwaltungsbeamter
  • Andrea Büsing-Kolbe (* 1940), deutsche Klassische Archäologin

B

C

Carl Kolbe

D

E

  • Edmund Kolbe (1898–1983), deutscher Maler
  • Emma Kolbe (1850–1913), samoanisch-amerikanische Unternehmerin und Plantagenbesitzerin
  • Ernst Kolbe (1876–1945), deutscher Maler und Lithograf
  • Étienne Kolbe (1809–1834), deutscher Maler

F

G

  • Georg Kolbe (1877–1947), deutscher Bildhauer
  • Gustav Kolbe (1809–1867), deutscher Verwaltungsjurist, Direktor der KPM
  • Günther Kolbe (* 1959), deutscher Jurist und Präsident des Landessozialgerichts

H

Hans Kolbe

I

  • Ivo Kolbe (* 1977), deutscher American-Football-Spieler

J

Josef Kolbe

  • Josefine Kolbe, österreichische Tischtennisspielerin
  • Jürgen Kolbe (1940–2008), deutscher Germanist, Schriftsteller und Kommunalpolitiker

K

L

M

N

O

  • Otto Kolbe (1904–um 1974), deutscher Maler, Grafiker und Bühnenbildner

P

  • Paul Kolbe (1848–1933), deutscher Militärschriftsteller

Peter Kolbe

R

S

Sebastian Kolbe

Stefan Kolbe

T

U

V

  • Victor Kolbe (1809–1888), Rittergutsbesitzer, Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstags

W

Wilhelm Kolbe

  • Willy Kolbe (1901–1945), deutscher Widerstandskämpfer und NS-Opfer
  • Winrich Kolbe (auch Rick Kolbe; 1940–2012), US-amerikanischer Fernsehregisseur und Fernsehproduzent

Sonstige Personen

  • Adilbero Colbo 1135 zu Köln<ref name="EWB"/>
  • Cuonrad Colbe 1152, Herren von Schipf<ref name="EWB"/>
  • Conrad Colb 1165 Schenke zu Worms<ref name="EWB"/>
  • Ritter Litzelkolbe 1244 Wetzlar<ref name="Bahlow"/>
  • Diether Kolbelin 1309 zu Straßburg<ref name="EWB"/>
  • Haus zum Kolben 1356 in Straßburg<ref name="EWB"/>
  • Niklos Kolbe 1396 in Glatz<ref name="Bahlow"/>
  • Joh. zum Kolben 1437 in Worms<ref name="EWB"/>
  • Schwingenkolb 1483 in Augsburg<ref name="Bahlow"/>
  • Kolbenheyer (öst. Dichter) meint Kolbenhauer, der hölzerne Kolben fertigt<ref name="Bahlow"/><ref name="HeintzeCascorbi"/>
  • Rauschkolb<ref name="HeintzeCascorbi"/>
  • Oberleutnant Kolbe, Pilot des Flugzeugs mit dem Werner Mölders umgekommen ist.<ref>Werner Mölders - Flug zur Sonne - von Fritz von Forell</ref>

Einzelnachweise

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