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Knudsgilde (Flensburg)

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Datei:Holm 45, Flensburg Seitenfluegel.jpg
Der Knudsgildehof, von dem aus die Knudsgilde Flensburg faktisch regierte. Heute wird der Hof Holm 45 zumeist einfach nur Holmhof genannt.

Die Knudsgilde in Flensburg wurde im 12. Jahrhundert zu Ehren des Herzogs von Schleswig Knud Lavard gegründet. Vorbild war die bereits bestehende Knudsgilde in der Stadt Schleswig. Die nach und nach im skandinavischen Raum vielerorts gegründeten Knudsgilden übten in ihrer Hochzeit große Macht aus. Selbiges galt für die Flensburger Gilde.

Geschichte

Anfänge und Einflussnahme

Um 1170 wurde die zweite Siedlung der Flensburger Kernstadt gegründet. An dieser Gründung, der Siedlung Sankt Marien, waren möglicherweise Kaufleute aus Schleswig, die zu den Schleswiger Knudsgildenbrüdern gehörten, beteiligt.<ref name="M&F-Knudsgilden">Marsch & Förde, Knudsgilden, 7. Dezember 2002; abgerufen am 9. Februar 2017</ref><ref name="M&F-Flensburg">Marsch & Förde, Flensburg, 20. Juni 2004; abgerufen am 9. Februar 2017</ref> In der Marienkirche besaß die Gemeinschaft einen eigenen Altar.<ref>Flensburg-Online. Stadtgeschichte – Flensburg quer durch die Jahrhunderte. Knudsgilde, abgerufen am 12. Februar 2017</ref> Irgendwann in dieser Zeit entstand sodann der Flensburger Ableger der Knudsgilde. Noch heute ist die Satzung der Gemeinschaft, die um 1200 in altdänischer Sprache aufgezeichnet wurde, erhalten.<ref>Vgl. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 290.</ref><ref name="Oeding-Knudsgilde">Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 2009, Artikel Knudsgilde.</ref> Die Satzung (Skraa, seltener auch Schrage)<ref>Als „Skraa“ beispielsweise bezeichnet in: Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 2009, Artikel Knudsgilde. Als „Schrage“ beispielsweise bezeichnet in: Flensburg-Online. Stadtgeschichte – Flensburg quer durch die Jahrhunderte. Knudsgilde, abgerufen am 12. Februar 2017</ref> stammt damit aus der Zeit König Knuds VI. (1162–1202).

Die Knudsgilde Flensburgs regierte die Stadt faktisch<ref name="M&F-Knudsgilden" /> vom Knudsgildenhof, dem Hof Holm 45, der heute zumeist einfach nur Holmhof genannt wird.<ref name="Oeding-Knudsgilde" /><ref>Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, S. 178 f. (beachte dort die zwei Abschnitte Holm 43 und Holm 45) sowie: Eiko Wenzel, Henrik Gram: Zeitzeichen, Architektur in Flensburg. Handewitt 2015, S. 37.</ref> Die Knudsgilde hatte nicht nur Einfluss auf die Politik der Stadt, sondern auch einen kulturellen Einfluss auf die Stadt. Über Jahrhunderte feierte die Knudsgilde das Pfingstgelage mit einem Vogelschießen, wofür eine Vogelschießstange auf der Exe, früher Ratsherrenkoppel genannt, stand.

Niedergang

Nach der Knudsgilde wurden in Flensburg weitere Gilden anderer Berufsgruppen gegründet. Seit 1362 ist die Kalandsgilde bezeugt und seit 1377 die Laurentiusgilde, seit 1379 die St.-Gertruds-Gilde sowie seit ca. 1420 die Marien-Kaufmanns-Gilde.<ref>Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 386 f.</ref><ref name="M&F-Knudsgilden" /> Der Einfluss des Konkurrenten Hanse wuchs und minderte auch den Einfluss der Flensburger Knudsgilde. Die übrige Flensburger Bürgerschaft setzte außerdem das eigene Stadtrecht und eine Ratsverfassung durch, was ebenfalls zur Minderung des Einflusses beitrug.<ref name="Oeding-Knudsgilde" /> Aber auch die Hanse sollte ihren eigenen Niedergang im 15. und 16. Jahrhundert durchleben.<ref name="Oeding-Hafen">Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 2009, Artikel Hafen.</ref> Nach der Reformation lösten sich zeitgleich die meisten Knudsgilden auf.<ref name="Oeding-Knudsgilde" /> In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde auch die Flensburger Knudsgilde offiziell vom Rat der Stadt aufgehoben.<ref name="M&F-Knudsgilden" /> Nach dem Einflussverlust der Hanse erlangte der Flensburger Hafen im 16. Jahrhundert die größte Bedeutung in seiner Geschichte.<ref name="M&F-Flensburg" /><ref name="Oeding-Hafen" /> Flensburg wurde noch vor Kopenhagen zur größten Handelsstadt im dänischen Herrschaftsbereich.<ref name="M&F-Flensburg" />

Datei:Gartenbereich mit Blick auf St. Knudsborg, Bild 02.JPG
Seit 1844 die Heimstätte der Knudsgilde: die Knudsborg am Hillig-Water Gang (Helligvandsgangen) / Munketoft 33

Neue Knudsgilde

In Flensburg existiert aber bis heute noch eine Gemeinschaft, die sich auf die frühere Knudsgilde beruft. Seit den 1840er Jahren ist die besagte Schützengilde von St. Johannis nachweisbar, die bis heute den Namen St. Knudsgilde trägt. 1844 wurde das Vereinsheim dieser neuen Knudsgilde namens St. Knudsborg errichtet.<ref>Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel Knud-Laward-Straße.</ref><ref>Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, S. 600 f.</ref><ref name="Tageblatt-Salutschüsse">Drei Salutschüsse für den Prinzen. In: Flensburger Tageblatt, 18. Mai 2012; abgerufen am 10. Februar 2017</ref> Ins öffentliche Bewusstsein tritt die Knudsgilde am „Knudstag“, den sie am 25. Juni eines jeden Jahres begeht.<ref name="Tageblatt-Tag">Der Tag der Knudsbrüder. In: Flensburger Tageblatt, 6. Juni 2013; abgerufen am 11. Februar 2017</ref> Ihr Schutzpatron Knud Laward (1096–1131) war – nach der Heiligsprechung durch Papst Alexander III. im November 1169 – am 25. Juni 1170 in der St.-Bendts-Kirche in Ringsted beigesetzt worden.<ref>Vgl. Gedenkschild Knud Laward, Schutzpatron der Knudsgilde in Flensburg bei der Knud-Laward-Straße, Flensburg, abgerufen am 12. Februar 2017</ref> Die Gildenbrüder erinnern mit einem Gang zum Flensburger Rathaus am besagten Tag an die ehemals große politische Bedeutung der Flensburger Knudsgilde, auf die sie sich berufen. Zudem wollen sie mit ihrem Aufmarsch die Verbindung zur Stadt lebendig halten. Zu diesem festlichen Anlass tragen die Gildenbrüder Frack und Zylinder. Ihr Marsch durch die Stadt wird von einem Orchester und einer Pferdekutsche begleitet. Beim Rathaus angekommen, werden sie traditionell vom Oberbürgermeister, dem Stadtpräsidenten oder einem anderen hohen Vertreter der Stadt empfangen. 2013 gehörten zur Gilde 85 Mitglieder, darunter die Ehrenmitglieder Prinz Henrik von Dänemark und dessen Söhne König Frederik von Dänemark und Prinz Joachim zu Dänemark.<ref name="Tageblatt-Tag" /><ref>St. Knudsgilde feiert. In: Flensburger Tageblatt, 26. Juni 2014; abgerufen am 11. Februar 2017</ref><ref name="Tageblatt-Salutschüsse" /> Die Ehrenbrüderschaft ist keine neue Entwicklung. Zu den Ehrenbrüdern gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg beispielsweise auch der Flensburger Oberbürgermeister Jacob Clausen Möller. Es werden nur dänischsprachige Mitglieder aufgenommen.<ref>http://www.knudsgildet-flensborg.dk/de/forside/</ref>

Literatur

  • Sankt-Knudsgilde. Verlag Kunze, Flensburg 1926.

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

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