Kniereitvers
Ein Kniereitvers ist ein Kinderreim, der zu zweit im Spiel aufgesagt wird.
Das Kind reitet dem Elternteil zugewandt auf dessen Knien. Beide halten einander an den Händen, die die Zügel darstellen. Durch Auf- und Abwippen der Knie wird die Bewegung beim Reiten eines Pferdes imitiert. Der Vers wird gemeinsam gesungen oder aufgesagt. Am Ende des Reitspiels wird das Herunterfallen des Kindes gemimt. Es macht den Kindern Spaß, den „Sturz“ vom „Pferd“ zu erwarten und dann „gerettet“ zu werden.<ref name="Ziegler2017">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#if: | {{#if: Vorlage:Cite book/ParamBool | Vorlage:Toter Link/archivebot | Vorlage:Webarchiv/archiv-bot }}
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Deutschland
Hoppe hoppe Reiter
Im deutschen Sprachraum ist das Kniereitspiel „Hoppe hoppe Reiter“ am weitesten verbreitet.<ref name="LüdkeLüdke2013">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#if: | {{#if: Vorlage:Cite book/ParamBool | Vorlage:Toter Link/archivebot | Vorlage:Webarchiv/archiv-bot }}
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}}</ref> Dabei werden bei Plumps! die Knie geöffnet, das Kind rutscht bis fast auf den Boden und wird an den Händen wieder zurück auf die Knie gezogen.
<poem style="margin-left:2em;"> Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben. Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps! </poem>
Vereinzelt finden sich auch Versionen, die um ein oder mehrere Zeilen ergänzt worden sind, zum Beispiel:<ref>Hoppe hoppe Reiter, Video mit dem Kinderlied</ref> <poem style="margin-left:2em;"> Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben. Fällt er in die Hecken, fressen ihn die Schnecken. Fällt er in das grüne Gras, macht er sich die Hose nass. Fällt er in das Wasser, macht er sich noch nasser. Fällt er auf die Steine, tun ihm weh die Beine. Fällt er auf die Wurzeln, wird er weiter purzeln Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps! </poem>
Hoppe hoppe Reiter wird zu folgender Melodie gesungen: <score vorbis="1"> << \chords { d2 g2 d1 } \relative { \key d \major \tempo 4 = 120 a'4 a4 b4 b4 a2 fis4 } \addlyrics { Ho -- ppe- -- Ho ppe Rei- -- ter } >></score>
Zuck, zuck, zuck na Möhln
Im Folgenden wird ein plattdeutscher Kniereitvers aus Holstein wiedergegeben.<ref>Zuck zuck zuck na Möhlen, NDR, siehe Buchstabe "Z"</ref> Hermann Grote verfasste auch ein Kinderlied mit dem Titel „Zuck, zuck, zuck na’r Möhlen, Hans ritt up’n Föhlen (up’n Päre)“. <poem style="margin-left:2em;"> Zuck, zuck, zuck na Möhln, (Name des Erwachsenen) op den Gelln, (Name des Kindes) op de bunte Koh, so riet de beiden na Möhlen to. Mit een Sack vull Weeten, schall de Müller geeten, schall de Müller mohln, schött (Name des Erwachsenen) und (Name des Kindes) wellerholn. In Draw, in Draw, in Draw, in Galopp, in Galopp, in Galopp. </poem>
Pfalz, Hessen und Saarland
Der Kniereitvers „Hauderidillili“ aus der Pfalz lautet wie folgt:<ref>„hauderididillili“, Pfälzisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, abgerufen am 17. Juli 2025.</ref> <poem style="margin-left:2em;"> Hoppe, reire, geire; hauderidillili reire, reire iwwer de Grawe, stirzt er ’neiⁿ, so muß er’s hawe; wutsch! leire dreiⁿ, wutsch! leire dreiⁿ. </poem>
Ein Kniereitliedchen aus Südhessen<ref>hoppe, Südhessisches Wörterbuch, begründet von Friedrich Maurer, nach den Vorarbeiten von Friedrich Maurer, Friedrich Stroh und Rudolf Mulch, bearbeitet von Rudolf Mulch und Roland Mulch, Hessische Historische Kommission Darmstadt, Marburg, 1973–1977, Band 3, Spalte 701</ref> beschreibt anschaulich, wie ein Bauer ein noch nicht ausgebildetes Fohlen, möglicherweise einen Jährling, verkaufen möchte und von dem Fohlen in den Dreck geworfen wird: <poem style="margin-left:2em;"> Hoppe, hoppe drill, de Baur hodd e Fill, ’s Filliche wil nedd läfe, de Baur will’s verkäfe, dō spring’s Filliche weg, dō leit de Baur im Dreck. </poem>
Aus dem Saarland kommt die folgende Variante eines Kniereitliedes:<ref name='saar'>„hoppe, Interj.“, Pfälzisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, Bd. 3, Sp. 1172, Z. 34, abgerufen am 17. Juli 2025</ref> <poem style="margin-left:2em;"> Hoppe, hoppe, Reirer (Reiter), d’ Gail gehn uf die Weire (Weide), ’s Fillche, des lääft weg, de Peder liecht im Dreck. </poem>
Ein weiteres Beispiel aus dem Saarland lautet folgendermaßen:<ref name='saar'/> <poem style="margin-left:2em;"> Hoppe, hoppe, läßche, dort owwe steht e Schlößche; gucke drei Madame raus. Die äänt spinnt Weire, die anner spinnt Seire (Seide), die anner spinnt e roore Rock for unser liewe Herrgott. </poem>
Alemannischer Sprachraum
Im alemannischen Sprachraum sind mehrere Versionen des Reitspiels bekannt.
Ryte, ryte, Rössli
Der folgende Kniereitvers ist unter anderem im Kanton Aargau, im Kanton Schaffhausen und in einer ähnlichen Version im Kanton Zürich bekannt. Er verweist auf die Sage von den Drei Mareien, welche die Quellen in Baden überwacht haben sollen.<ref>Die drei Mareien, Mutabor Märchenstiftung</ref> Es wird nach derselben Melodie wie Hoppe hoppe Reiter gesungen.
<poem style="margin-left:2em;"> Ryte, ryte, Rössli, z’Bade staht es Schlössli, z’Basel staht es goldigs Huus, da lueged drei Mareye drus: Die erschti schnätzlet Chryde, di zweiti, die spinnt Syde, di dritti, die spinnt Haberstrau, bhüeti Gott mis Schätzeli au!<ref>Ryte, ryte, Rössli, Kinder aus dem Kinderchor der Musikschule Hünenberg</ref> </poem>
Joggeli chasch au ryte?
Das folgende Reitspiel ist u. a. im Kanton Zürich<ref>Joggeli chasch au riite?, Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich</ref> und im Kanton Bern bekannt, wobei das Kind Ja, ja, ja! und Nei, nei, nei! sagt. Bei diesem Kniereitvers das Kind auf dem Schoß nach hinten kippen lassen und an den Händen wieder aufrichten.<ref name='klein'>Unsere Lieblingsversli, auf kleinstadt.ch</ref> <poem style="margin-left:2em;"> Joggeli chasch au riite? – Ja, ja, ja! Häsch d’Bei uf beidne Siite? – Ja, ja, ja! Häsch em Rössli z’Frässe gäh? – Ja, ja, ja! Häsch em Rössli z’Trinke gäh? – Nei, nei, nei!
Dänn riite mer zum Brunne, und riited drü mal umme, da macht das Rössli trip und trap und wirft dä Joggeli hinde ab. </poem>
So ryte d’ Buure
Das Kind reitet auf den Knien des Elternteils; das Wippen wird von Stufe zu Stufe immer wilder. Diese Version ist im Kanton Schaffhausen bekannt. <poem style="margin-left:2em;"> So ryte d’Häre, d’Häre, d’Häre. So ryte d’Fraue, d’Fraue, d’Fraue. So ryte d’Buure, d’Buure, d’Buure. (Das Kind fällt fast runter.) </poem>
Literatur
- James R. Dow, Olaf Bockhorn: The study of European ethnology in Austria. Ashgate, Hants 2004, ISBN 0-7546-1747-5, S. 163 ({{#if: uhw-wqf-jYcC
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- Hans Magnus Enzensberger: Allerleirauh. Viele schöne Kinderreime. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1961. Taschenbuchausgabe: Insel, Frankfurt am Main 1974 u.ö., ISBN 978-3-458-31815-6, S. 61–81.
- Wilhelm Mannhardt: Germanische Mythen: Forschungen. Ferdinand Schneider, Berlin 1858, S. 526 ({{#if: WoVIAAAAMAAJ
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- Ludwig Tobler: Schweizerische Volkslieder. Huber, Frauenfeld 1882–1884, S. 241. Reprint: Olms, Hildesheim 1975, ISBN 3-487-40669-1 ({{#if: 7F6ftQRzQAAC
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