Knappe (Bergbau)
Als Knappe,<ref name="Quelle 1" /> oder auch Bergknappe, bezeichnete man früher im Bergbau einen Bergmann, der unter Tage arbeitete.<ref name="Quelle 2" /> Später wurde dann ein Bergmann, der seine Lehre erfolgreich abgeschlossen hatte, als Bergknappe bezeichnet.<ref name="Quelle 3" /> Der Beruf Knappe war ein Ausbildungsberuf im Bergbau, die Lehrzeit dauerte drei Jahre.<ref name="Quelle 4" />
Wortherkunft und Anwendung
Abgeleitet wird der Begriff Knappe von Knabe (Junge).<ref name="Quelle 5" /> Der Begriff Bergknappe wird somit hergeleitet von Bergknabe.<ref name="Quelle 3" /> Zunächst galt die Bezeichnung Knappe oder Bergknappe nur für junge Bergleute, die zwar keine Grubenjungen mehr waren, aber auch noch keine Häuer waren.<ref name="Quelle 6" /> Im Laufe der Jahre wurde der Begriff dann verallgemeinert und die Bezeichnung Knappe galt für alle Bergleute.<ref name="Quelle 3" /> In den einzelnen Bergbausparten gab es für die Knappen noch der Bergbausparte entsprechende Zusätze zur Bezeichnung Knappe. So war ein Knappe im Erzbergbau ein Erzknappe, ein Knappe im Salzbergbau wurde Salzknappe genannt.<ref name="Quelle 6" /> Die Gesamtheit aller Bergleute, die auf Bergwerken arbeiteten, wurde als Bergknappschaft bezeichnet.<ref name="Quelle 7" /> Der Verband sämtlicher Bergleute wurde als Knappschaft bezeichnet.<ref name="Quelle 8" /> Die Knappschaft war somit die Genossenschaft der Knappen.<ref name="Quelle 9" /> In ihr war ein Unterstützungsfonds integriert, die Büchsenkasse, der Vorläufer der Knappschaftskasse, in die die Knappen Beiträge zur Unterstützung der kranken Bergleute oder der Bergmannswitwen einzahlten.<ref name="Quelle 8" /> Verwaltet wurde die Büchsenkasse vom Knappschaftsschreiber.<ref name="Quelle 7" /> Der Begriff Knappschaft wurde später auch zur Bezeichnung aller Berg- und Hüttenleute eines Bergreviers verwendet.<ref name="Quelle 1" /> Alle acht bis zehn Jahre trafen sich die Knappen zu einer feierlichen Zusammenkunft, diese Zusammenkunft nannten sie Knappschaft halten.<ref name="Quelle 7" /> Ein besonderes Ehrenzeichen der Knappschaft war die Bergknappschaftsfahne, die den Knappen für ihre treuen Dienste vom Landesherrn verliehen worden war. Die Bergknappschaftsinsignien sind die gekreuzten Werkzeuge Schlägel und Eisen.<ref name="Quelle 6" /> Aufgrund der sich entwickelnden Knappschaftsregularien wurde die Anwendung neu geregelt. So wurde seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jeder Berg- und Hüttenmann vereidigt und in das Zechenregister und in die Knappschaftsrolle des jeweiligen Bergreviers eingetragen. Nur eingetragene Berg- und Hüttenleute galten als Bergknappen.<ref name="Quelle 10" />
Knappe als Ausbildungsberuf
Bis zur Änderung des Bergrechtes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Knappe quasi Staatsbeamter. Mit Einführung des Inspektionsprinzips verloren die Knappen sämtliche bisherigen Privilegien.<ref name="Quelle 11" /> Im Jahr 1940 wurde der „Knappe im Steinkohlenbergbau“ vom Reichswirtschaftsminister als Lehrberuf anerkannt. Außerdem wurden vom Ministerium für diesen Lehrberuf die Ausbildungsinhalte festgelegt.<ref name="Quelle 12" /> Zusätzlich wurden vom Reichswirtschaftsministerium die Prüfungsordnung für den Lehrberuf Knappe im Steinkohlenbergbau erlassen.<ref name="Quelle 13" /> Zwei Jahre später wurde ein Berufsbild für den „Knappen im Erzbergbau“, inklusive einer Prüfungsordnung, vom selben Ministerium erlassen.<ref name="Quelle 14" /> Die Ausbildung dauerte drei Jahre. Ausgebildet wurde sowohl über als auch unter Tage.<ref name="Quelle 13" /> Am Ende der Ausbildung erfolgt eine Prüfung vor einem Prüfungsausschuss.<ref name="Quelle 12" /> Nach bestandener Prüfung erhält der Bergmann den Knappenschein.<ref name="Quelle 14" /> Er darf nun im Schichtlohn beschäftigt werden und, sobald er das 18. Lebensjahr vollendet hat, darf er auch im Gedinge beschäftigt werden.<ref name="Quelle 13" /> Allerdings darf ein Knappe noch nicht selbstständig bergmännische Arbeiten durchführen, da hierfür ein Hauerschein erforderlich ist.<ref name="Quelle 14" /> Um diesen zu erhalten, muss der Knappe noch weitere praktische Erfahrung erwerben und an einem Hauerlehrgang teilnehmen, an dessen Ende die Hauerprüfung steht, die er mit Erfolg absolvieren muss.<ref name="Quelle 13" />
Trivia
Der Name der Tagebauarbeitersiedlung Knappenrode, des benachbarten Tagebaurestlochs Knappensee sowie der Straßenname Knappenweg zum Beispiel in den sächsischen Bergstädten Freiberg und Brand-Erbisdorf zeugt von diesem Berufsstand.
Die Spieler des deutschen Fußballvereins FC Schalke 04 werden auch als „Die Knappen“ bezeichnet.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Quelle 1">Carl Hartmann: Handwörterbuch der Mineralogie, Berg-, Hütten- und Salzwerkskunde. Erste Abtheilung A bis K, gedruckt und verlegt bei Bernhard Friedrich Voigt, Ilmenau 1825.</ref> <ref name="Quelle 2"> Carl von Scheuchenstuel: IDIOTICON der österreichischen Berg- und Hüttensprache. k. k. Hofbuchhändler Wilhelm Braumüller, Wien 1856.</ref> <ref name="Quelle 3">Tilo Cramm, Joachim Huske: Bergmannssprache im Ruhrrevier. 5. überarbeitete und neu gestaltete Auflage, Regio-Verlag, Werne 2002, ISBN 3-929158-14-0.</ref> <ref name="Quelle 4">Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage. Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7.</ref> <ref name="Quelle 5">Heinrich Veith: Deutsches Bergwörterbuch mit Belegen. Verlag von Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1871, S. 78, 291–293.</ref> <ref name="Quelle 6">Carl Friedrich Richter: Neuestes Berg-und Hütten-Lexikon. Erster Band, Kleefeldsche Buchhandlung, Leipzig 1805.</ref> <ref name="Quelle 7">Entdeckte Geheimnisse oder Erklärung aller Kunstwörter und Redensarten bey Bergwerken und Hütten-Arbeiten nach alphabetischer Ordnung in zween Theilen. Bey Johann Heinrich Kühnlin, Helmstedt 1778.</ref> <ref name="Quelle 8">Carl Hartmann (Hrsg.): Handwörterbuch der Berg-, Hütten- u. Salzwerkskunde der Mineralogie und Geognosie. Erster Band, Zweite gänzlich neu bearbeitete Auflage, Buchhandlung Bernhard Friedrich Voigt, Weimar 1859.</ref> <ref name="Quelle 9">Moritz Ferdinand Gätzschmann: Sammlung bergmännischer Ausdrücke. Zweite wesentlich vermehrte Auflage, Verlag von Craz & Gerlach, Freiberg 1881.</ref> <ref name="Quelle 10">Erklärendes Wörterbuch der im Bergbau in der Hüttenkunde und in Salinenwerken vorkommenden technischen und in Salinenwerken vorkommenden technischen Kunstausdrücke und Fremdwörter. Verlag der Falkenberg’schen Buchhandlung, Burgsteinfurt 1869.</ref> <ref name="Quelle 11">Lorenz Pieper: Die Lage der Bergarbeiter im Ruhrgebiet. J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin 1903, S. 28–29, 37.</ref> <ref name="Quelle 12">Fritz Pamp: Die Zeche Sterkrade. Das Ausbildungszentrum auf dem ehemaligen Kokereigelände von 1938 bis 1992. In: Osterfelder Bürgerring. (Hrsg.): Der Kickenberg, Osterfelder Heimatblatt. Nr. 20, Walter Perspektiven GmbH, Oberhausen September 2011, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|1864-7294|0}}{{#ifeq:1|0|[!] }}{{#ifeq:0|1
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|{{#invoke:TemplUtl|failure|ISSN ungültig}}}}}}
}}, S. 4–6.</ref> <ref name="Quelle 13">Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Hrsg.): Die Berufsausbildung im Steinkohlenbergbau der Länder der Gemeinschaft. Luxemburg 1956, S. 31, 47–50, 65–68, 72, 79, 80, 118–119.</ref> <ref name="Quelle 14">Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Hrsg.): Die Berufsausbildung im Eisenerzbergbau der Länder der Gemeinschaft. Luxemburg 1959, S. 39, 41, 47, 51, 52, 66, 71–75, 85.</ref> </references>