Kloster Lindow
Kloster Lindow ist ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster und adliges Fräuleinstift am Wutzsee in der Stadt Lindow (Mark), im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg.
Lage und Bedeutung
Das Kloster liegt auf einer Halbinsel nordöstlich der Lindower Altstadt am Wutzsee. Während die meisten Teile der mittelalterlichen Anlage zerstört sind, blieben einige Bauten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts aus der Zeit des evangelischen Damenstifts erhalten.
Die Stichstraße "Am Kloster" verbindet das Kloster sowohl mit der Lindower Altstadt als auch mit den nach Gransee und Rheinsberg führenden Landstraßen. Ursprünglich führte die Straße nach Gransee westlich direkt am Kloster vorbei. Nördlich und westlich des Klosters lagen die Gärten. Sie erstreckten sich bis zur heutigen „Amtsfreiheit“.
Das Gebäudeensemble in seiner Gesamtheit zeugt von Geschichte, Wirkung und Struktur des Klosters. Als Hauskloster der Grafen von Arnstein hat es eine herausragende Rolle bei der Besiedlung der Herrschaft Ruppin gespielt. Seine umfangreichen Besitzungen und Einkünfte machten es zu einem der reichsten Klöster im nördlichen Brandenburg, dessen Einfluss weit über das Ruppiner Land hinausreichte. Nach Einzug der Reformation und der Umwandlung in ein evangelisches Damenstift beziehungsweise landesherrliches Domänenamt hatte es nach wie vor wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt Lindow.<ref name=":2">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Geschichte
Das Kloster wurde vermutlich um 1230 im Temnitzgebiet am Südufer des Katerbowsees bei Netzeband gegründet. Möglicherweise gehörte es anfangs dem Prämonstratenser-Orden an. Wohl auf Betreiben der Ruppiner Grafen, welche damals ihr Herrschaftsgebiet nach Norden ausdehnten, wurde das Kloster um 1240 nach Lindow verlegt. Vermutlich war es zu dieser Zeit bereits ein Zisterzienserinnenkloster. 1334 wird das Kloster erstmals urkundlich erwähnt. Mit dem Bau der Klostergebäude dürfte bald nach der Ansiedlung des Konvents in Lindow, das heißt um die Mitte des 13. Jahrhunderts, begonnen worden sein. Vermutlich bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts waren Klosterkirche und Konventgebäude fertiggestellt. Weitere Bauten kamen im späten 15. Jahrhundert hinzu, so Klosterscheune und Klosterschule. Die Grafen von Arnstein als Besitzer der Herrschaft Ruppin bestimmten Lindow neben dem Dominikanerkloster in Neuruppin als Hauskloster und statteten es reich mit Landbesitz und Einkünften aus.<ref name=":2" /> Nach dem Tod des letzten Grafen von Lindow-Ruppin fiel das Kloster 1524 an die Mark Brandenburg. Zu dieser Zeit gehörte es zu den reichsten Klöstern der Mark; zu seinen Besitzungen gehörten 90.000 Morgen Land, 18 Dörfer, 20 wüste Feldmarken, neun Wassermühlen sowie mehrere Fischteiche und Seen, darunter der Große Stechlinsee.<ref>Infotafeln am Eingang zum Klostergelände.</ref> In Lindow unterhielt das Kloster ein Hospital und ein Beginenhaus. In der Klosterschule wurden die Töchter des Ruppiner Adels erzogen. Der Konvent umfasste vor der Reformation 36 Nonnen, die vor allem dem regionalen Adel, aber auch bürgerlichen Familien entstammten. 1362 wird ein Propst genannt, der zugleich Pfarrer der Stadtgemeinde war. Das Kloster besaß das Patronatsrecht über 15 Mutter- und Filialkirchen, darunter die 1457 gegründete Lindower Stadtkirche. Erst seit dem 15. Jahrhundert sind Äbtissinnen namentlich bekannt. Die Quellenlage zur Geschichte des Klosters ist dürftig, es wird aber in einer Papsturkunde von 1501 als monasterium monialium in Lindow ordinis s. Benedicti erwähnt.<ref>Vat. Arch. Regg. Vat. 862. fol. 205 f.</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Nach der Reformation 1542 wurde das Kloster aufgehoben. Der Konvent trat zum neuen Glauben über und wurde allmählich in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Die kurfürstliche Domänenverwaltung übernahm das Klostergut und führte es als Amt Lindow weiter. 1551 gehörten dem Stift eine Domina als Vorsteherin und 14 Konventualinnen an. Während des Dreißigjährigen Kriegs zerstörten kaiserliche Truppen des Feldmarschalls Matthias Gallas am 18. Oktober 1638 große Teile der Klosteranlage und vernichteten dabei auch das Klosterarchiv. Ab 1696 war Lindow ein „Hochadeliges Fräuleinstift“ zur Versorgung lediger Töchter des märkischen Adels. Allerdings galt das Stift als verarmt; zeitweise lebten darin nur noch vier Stiftsdamen mit ihrer Domina. Das Stift erlebte nun einen spürbaren Niedergang und musste seinen verbliebenen Besitz allmählich verkaufen. Das Domänenamt wurde 1764 aufgelöst und dem Amt Alt Ruppin unterstellt. Das durch die Domina Ilse Margarethe von Rochow-Plessow aus eigenen Mitteln erbaute Dominat wurde 1752 errichtet. Aus dieser Zeit stammen auch die Statuten der Einrichtung.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Frau von Rochow entschied sich später für ein weltliches Leben und heiratete den mecklenburgischen Gutsbesitzer Moritz Henning Leopold von Oertzen-Blumenau.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Aus der Zeit als Fräuleinstift stammt auch das 1801 erbaute Konventualinnenhaus.
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlangte das Stift wieder wirtschaftliche Stabilität und konnte elf Stiftsdamen aufnehmen. 1875 erfolgte die Umwandlung zum „Landesherrlichen Fräuleinstift Kloster Lindow“ unter Leitung einer Oberin. Grundbesitzer aus der Mark Brandenburg standen der Einrichtung ehrenamtlich als Stiftshauptleute vor, so unter anderem Albert Graf von Zieten-Schwerin, General Ferdinand von Zeuner und Adolf von Kriegsheim-Barsikow.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Zu seiner Zeit war Pauline von Schierstädt die Oberin.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Der Stiftshauptmann führte die Ordination der durch Wahl bestimmten Domina durch, die im Vorfeld dem preußischen König zur Bestätigung unterbreitet wurde.
1946 wurde aus dem „Fräuleinstift“ das „Evangelische Stift Kloster Lindow“. In einigen Stiftsgebäuden wurde 1947 ein Altenpflegeheim eingerichtet, betreut vom Diakonissenhaus Salem in Berlin-Lichtenrade, danach vom Diakonissenhaus Friedenshort Heiligengrabe.
In den Jahren 2009 bis 2022 ließ das Stiftskapitel des Evangelischen Stifts Kloster Lindow unter dem Vorsitz des Geodäten, Bauingenieurs und Theologen Horst Borgmann die Klosteranlage instandsetzen und inhaltlich erweitern (Kirche unter freiem Himmel, Garten des Buches, Josef-Hainz-Bibliothek, Friedrich-Justus-Perels-Gedenkstätte).<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Nachdem das Stiftskapitel beschlossen hatte, sich aufzulösen, ging das Kloster in das Eigentum der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz über, die es 2023 an den gegenwärtigen Eigentümer, die Lafim Diakonie, verkaufte.<ref>Märkische Oderzeitung vom 02.04.2023: Kloster Lindow verkauft: Das sind die Pläne des neuen Eigentümers mit der Immobilie</ref> Die Lafim Diakonie betreibt in unmittelbarer Nähe des Klosters das „Evangelische Seniorenheim Kloster Lindow“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20221003013526
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Sehenswürdigkeiten
Konventgebäude
Der Südgiebel des Konventgebäudes ist ein Wahrzeichen der Stadt Lindow.
Das Gebäude wurde vom letzten Drittel des 13. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert erbaut und im 16. Jahrhundert teilweise erneuert. Nach seiner Zerstörung 1638 wurde es bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts weitgehend abgetragen. Heute stehen lediglich die Giebelseiten und Teile der Längsmauern des als Konventgebäude bezeichneten Ostflügels des Klosters. Der große Rechteckbau besteht aus quaderförmig behauenen und schichtenweise vermauerten Feldsteinen sowie aus Ziegelmauerwerk. An den Giebel- und Längsseiten sind spitzbogige Portal- und Fensteröffnungen vorhanden. Das Äußere des Gebäudes war ursprünglich verputzt und farbig dekoriert. Insbesondere am Nordgiebel finden sich noch Putzreste mit Schmuckritzungen (Zirkelblumen, Rosetten). Unter dem südlichen Teil liegt der Keller.
Die Ruine des Konventgebäudes war bereits zu Zeiten Theodor Fontanes nicht mehr sicher betretbar. In seinem Roman Der Stechlin schreibt er: „Verblieben nur noch die zwei Schmalseiten, von denen die eine nichts als eine von Holunderbüschen übergrünte Mauer, die andere dagegen eine mächtige hoch aufragende Giebelwand, war dieselbe, die man schon aus einiger Entfernung beim Anritt gesehen hatte. Sie stand da, wie bereit, alles unter ihrem ständig drohenden Niedersturz zu begraben, und nur das konnte wieder beruhigen, daß sich auf der höchsten Spitze der Wand ein Storchenpaar eingenistet hatte. Störche, deren reines Vorgefühl immer weiß, ob etwas hält oder fällt.“<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Im Laufe der Zeit verschlechterte sich die Situation weiter. Die Seitenwände waren teilweise eingestürzt und abgetragen, der Keller war eingestürzt, im Inneren befand sich ein Kleingarten, Fahrräder und Boote wurden abgestellt.
Im Jahr 2012 begann die durch das EU-Programm LEADER geförderte Instandsetzung des Konventgebäudes.<ref>Erhaltung de Klosteranlage Lindow durch Sicherung der Ruine des Klausurgebäudes und Freilegung des dazugehörigen Kellers zu dessen Aufwertung und Erschließung für die touristische Nutzung, Schild am Eingang des Klosters</ref> Vor Beginn der Arbeiten wurde der Gebäudebestand im Rahmen einer Bachelorarbeit durch terrestrisches Laserscanning einerseits und durch automatische Mehrbildphotogrammetrie erfasst. Die Genauigkeit beider Verfahren liegt bei ein bis zwei Zentimetern. Aus den Punktwolken können sowohl Orthofotos der einzelnen Fassaden als auch Schnitte in beliebiger Lage und Höhe abgebildet werden.<ref>Anja Mattern und Matthias Möllerke: 3D-Modellierung einer Klosterruine in Lindow/Brandenburg, Bachelorarbeit, Berliner Hochschule für Technik (BHT) 2013.</ref>
Die Ruine konnte wiederhergestellt werden. Der Keller ist instandgesetzt worden und kann nun wieder betreten werden. Die Ruine des Konventgebäudes wird für Lesungen und für kleine Konzerte genutzt.
Die Holztüren der Ruine des Konventgebäudes wurden durch schmiedeeiserne Türen mit den Motiven Zisterzienserlilie (im Süden), Wappen der Stadt Lindow (im Westen) und Ritzmotive des Nordgiebels (im Norden) ersetzt.<ref>Erhaltung der Klosteranlage Lindow durch Sicherung der Ruine des Klausurgebäudes und Freilegung des zugehörigen Kellers zu dessen Aufwertung und Erschließung für die touristische Nutzung, Hinweisschild am Klostereingang</ref>
Klosterkirche
Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut, 1638 zerstört und Mitte des 18. Jahrhunderts abgetragen. Der zuletzt noch vorhandene Ostgiebel ist nach 1803 eingestürzt. Die Kirche war ehemals ein einfacher Rechteckbau aus Feldsteinen und teilweise aus Ziegeln. In der Mitte der Kirche befindet sich ein Doppelgrab, vermutlich das Stiftergrab. 1934 und 1935 wurden die Fundamente freigelegt und teilweise durch eine niedrige Feldsteinmauer markiert. An der Stelle des ehemaligen Hochaltars steht ein Holzkreuz. In der Apsis sind die letzten Stiftsdamen unter schlichten Sandsteinplatten beerdigt.
Die Klosterkirche ist mit geteilten Baumstämmen bestuhlt, die aus Fällungen auf dem Klostergelände gewonnen wurden (die ursprüngliche Bestuhlung ist erneuert worden). Die Kirche wird wieder regelmäßig als „Kirche unter freiem Himmel“ für Andachten und Bestattungsfeiern genutzt.<ref name=":2" />
Klosterschule
Die Klosterschule ist das einzige erhaltene Gebäude des Klosters. Es wurde Ende des 15. Jahrhunderts erbaut und vermutlich ursprünglich als Schule oder Gästehaus genutzt. Später erfolgten nacheinander Nutzungen als Armen-, Beginen- und Pförtnerhaus. Heute ist es ein Wohnhaus.
Der zweigeschossige Feldstein-Ziegelbau mit Satteldach gibt einen guten Eindruck der damaligen Bauweise. Die Wände bestehen großenteils aus schichtenweise versetzten Feldsteinen; die Hausecken und die Giebel sind dagegen aus Backsteinen gemauert. Das Äußere war ehemals verputzt und mit einer teilweise noch vorhandenen Ritzquaderung überzogen. An der Nordseite befinden sich das Hauptportal und ein breites Spitzbogenfenster. Auch an der West- und Südseite befanden sich ehemals große, jetzt vermauerte Spitzbogenfenster.<ref name=":2" /> Der Westgiebel weist eine Blendgliederung auf. Innen im Erdgeschoss war ehemals eine Diele mit barocker Treppe und rechts davon vermutlich ein als Schlafzimmer genutzter Raum. 1991 und 1992 wurde das Gebäude durchgreifend modernisiert. Das barocke Dachwerk mit liegender Stuhlkonstruktion ist dagegen erhalten.
Klosterscheune
Die außerhalb des Klostergeländes ehemals an der Straße von Lindow nach Gransee stehende Klosterscheune ist vermutlich Ende des 15. Jahrhunderts erbaut worden. Das Gebäude wurde zuletzt als Scheune genutzt. Die ursprüngliche Nutzung ist unklar, vielleicht als Wirtschaftsgebäude oder Konversenhaus. Es ist auch möglich, dass es sich um eine Kapelle gehandelt hat, welche erst im 18. Jahrhundert zur Scheune umgewandelt wurde. Unter der Scheune befand sich ehemals ein Keller mit Balkendecke. Die südliche Seite des Feldstein-Ziegel-Baus weist drei hohe Spitzbogenfenster auf. Nördlich ist ein Wohngebäude angebaut.<ref name=":2" />
Dominat
Das Dominat wurde 1752 durch Domina Ilse von Rochow vermutlich als Fachwerkhaus errichtet (Reste im Giebel sind erhalten). Dabei wurde der mittelalterliche Keller einbezogen. Das Haus ist seitdem ein eingeschossiger massiver Putzbau mit Krüppelwalmdach. Auffallend ist der hohe Feldsteinsockel, der ehemals mit Segmentbogenfenstern ausgestattet war. In der Mitte der jeweils symmetrischen Fassaden ist eine Freitreppe mit Terrasse. Im Innern ist zwischen dem Vorder- und Hinterflur eine zentrale Treppe zum Dachboden mit hohem doppelt stehendem Dachstuhl. Unter dem Haus befinden sich zwei tonnengewölbte Kellerräume, die teilweise aus großformatigen Ziegeln gemauert sind.
Konventualinnenhaus
Das Haus wurde 1800 und 1801 durch den Baukondukteur Brasch jun. erbaut. 1935 und 1936 wurde es durch Max Neumann nach Osten erweitert. Dabei wurden die Grundmauern eines mittelalterlichen Vorgängerbaus aufgefunden. Das Haus ist ein zweigeschossiger Putzbau mit Walmdach. Die Fassade weist ein frühklassizistisches Dekor auf. Das Innere wurde im 20. Jahrhundert größtenteils erneuert. Der Dachstuhl ist doppelt stehend. Hinter dem Haus befindet sich ein eingeschossiges Fachwerk-Hofgebäude.<ref name=":2" />
Amtshaus
Das Amtshaus ist das ehemalige Hauptgebäude des Klosters. Es wurde 1766 Wohnsitz des Amtsvorstehers Bayersdorff. Vermutlich wurde es 1841 an Privatbesitzer verkauft und 1863 durch den bestehenden Bau ersetzt, der 1942 von Musikprofessor Zeidler in Kirchenbesitz überging.
Das Haus ist ein eineinhalbgeschossiger Putzbau auf hohem Feldsteinsockel und mit Satteldach. In der Mitte der Ostseite befindet sich eine Terrasse mit Freitreppe sowie ein Altan auf polygonalen Ziegelpfeilern. Unter dem westlichen Seitenflügel liegt ein gewölbter Keller, der vermutlich Teil der 1638 zerstörten Propstei ist. Das Erdgeschoss hat einen zentralen Flur mit Treppe ins Obergeschoss und mehreren bauzeitlichen Türen. Der westliche Hausseitenflügel ist 1998–2000 für das Evangelische Seniorenstift Kloster Lindow umgebaut worden.<ref name=":2" />
Lindenhaus
Das Lindenhaus wurde 1935 und 1936 von Max Neumann erbaut. Der zweigeschossige massive Putzbau, dessen symmetrische Fassade historisierenden Bezug auf das Amtshaus und die Baukunst um 1800 nimmt, betont den Eingang zum Kloster.<ref name=":2" /> Das Haus hat eine zentrale Freitreppe, darüber einen Altan auf Pfeilern. Innen gibt es einen zentralen Flur mit Breitbalustertreppe zum Obergeschoss.
Justus-Perels-Haus
Das Haus wurde von der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg 1954–56 als Tagungsstätte erbaut. Da die beabsichtigte Nutzung durch die Behörden der DDR nicht zugelassen wurde, wurde es ab 1956 als Feierabendhaus, Leichenaufbewahrungsstätte und auch als Hotelpension genutzt. Da keine bauliche Unterhaltung vorgenommen wurde, war das Haus ab 2019 ohne Nutzung.<ref name=":2" />
Das Justus-Perels-Haus ist ein zweigeschossiger Massivbau mit Satteldach. Sockel und Erdgeschoss sind aus unverputztem Feldsteinmauerwerk. Die Fenstereinfassungen und die Hausecken sind dagegen aus Ziegeln gemauert. Innen befindet sich eine zentrale Diele mit Ziegelboden und Breitbalustertreppe. Die bauzeitliche Ausstattung ist weitgehend vollständig.
Auf der Grundlage des Evangelischen Kirchenvertrages Brandenburg<ref>Vertrag zwischen dem Land Brandenburg und den evangelischen Kirchen in Brandenburg (Evangelischer Kirchenvertrag Brandenburg) vom 8. November 1996(GVBl I/97 (Nr.2) S. 4, 13)</ref> konnte eine Hüllensanierung (Dach, Fassade, Fenster) durchgeführt werden, um die Bausubstanz des ungenutzten Hauses zu erhalten.
Gefördert mit LEADER-Mitteln wurde das Haus in den Jahren 2017 bis 2020 instandgesetzt und einer neuen Nutzung zugeführt. Im Dachgeschoss und im Obergeschoss befinden sich Wohnungen. Im barrierefrei zugänglichen Erdgeschoss sind neben barrierefreien Toiletten und einer kleinen Küche die Josef-Hainz-Bibliothek – eine der umfangreichten theologischen Fachbibliotheken im Land Brandenburg – und die von der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand eingerichtete Gedenkstätte für Friedrich Justus Perels untergebracht.<ref>Umbau des Justus-Perels-Hauses zu einer öffentlichen multifunktionalen Bikdungs-, Begegnungs- und Gedächtnisstätte durch Instandsetzung des Saales für Bildungsveranstaltungen und Andachten, Bau von zwei barrierefreien Toiletten und einer Küche, Einrichtung einer Klosterbibliothek und einer Justus-Friederich-Perels-Gedenkstätte. Hinweisschild am Eingang des Klosters</ref>
Waschhaus
Das kleine im Osten der Klosteranlage am Wutzsee gelegene Fachwerkhaus mit Ziegeleinfassungen und überstehendem Satteldach wurde um 1900 errichtet. Nach langjähriger Nutzung als Ferienunterkunft wurde es kernsaniert und wird heute als Jagdhütte genutzt.<ref name=":2" />
Remise
Die heute im hinteren westlichen Teil des Klostergeländes gelegene Remise ist ein Fachwerkbau mit Ziegelausfachungen und Walmdach. An der südlichen Giebelseite befindet sich ein Einfahrtstor. Das Gebäude wurde vermutlich im 18. Jahrhundert über dem Chorfundament der Klosterkirche errichtet. 1934 wurde es abgebrochen und an der heutigen Stelle etwas verkleinert wieder errichtet.<ref name=":2" />
Friedhof
Nördlich des Konventgebäudes befindet sich der Friedhof der Stiftsdamen. Einige Sandsteingrabmale aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie Gusseisenkreuze aus dem 19. Jahrhundert sind sehenswert. Die Grabmale in der östlichen Reihe wurden mit Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz<ref>Trügerische Ruhe auf den Friedhöfen - Dem Untergang geweiht, monumente, Heft April 2016</ref> und private Spenden restauriert. Ein Teil der Friedhofsfläche wird weiterhin für Bestattungen genutzt.
Lindenhof
Die mit zahlreichen Gehölzen unterschiedlichen Alters bestandene Fläche zwischen Klausurgebäude, Lindenhaus sowie dem nördlich angrenzenden Friedhof wird als „Lindenhof“ bezeichnet. Zwei Wege verlaufen von der Treppe neben dem Konventgebäude zur Klosterkirche und zum Friedhof.<ref name=":2" />
Auf der Fläche des Lindenhofes und der Klosterkirche wurden nach einem Plan der Landschaftsarchitektin Susanne Geitz etwa siebzig Bäume gefällt. Nachdem die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin eine Ersatzpflanzung von siebzig Bäumen angeordnet hatte, rief das Stiftskapitel zu Baumspenden auf („Deine Linde für Lindow“). Diese Aktion hatte zahlreiche Baumpatenschaften zur Folge, so dass die Auflage vollständig erfüllt werden konnte. Der Weg von der Treppe neben dem Konventgebäude zur Klosterkirche ist wieder im Stil der Romantik mit jungen Bäumen bepflanzt.
Der Kreuzgang ist südlich der Klosterkirche und westlich des Südflügels des Konventgebäudes angelegt. Seine von Kay Kohlmeyer ergrabenen Fundamente sind gut erhalten und befinden sich etwa knietief unter Geländeoberfläche.<ref>Mit Spaten und Hightech - Berliner Studenten graben am Lindower Kloster und verwenden neben klassischem Werkzeug auch moderne Aufnahmetechnik, Ruppiner Anzeiger vom 31. Mai 2016</ref> Die Ecken des Kreuzganges sind örtlich gekennzeichnet.<ref>Dusan Fekete: Bestandsaufnahme und Wiederherstellung der historischen Anlage des Klosters Lindow, Bachelorarbeit, BHT Berlin, 16.09.2015</ref>
Garten des Buches
Der am 26. Juni 2019 von Martina Münch eröffnete Garten des Buches ist ein jüdisch-christlich-muslimischer Lehr- und Schaugarten im Kloster Lindow. Er wurde im Auftrag des Klosterstiftes angelegt und zeigt etwa siebzig Pflanzenarten aus Tanach, Bibel und Koran.<ref>Interreligiöser "Garten des Buches" in Brandenburg eröffnet auf evangelisch.de, gesehen am 14. Juli 2019</ref> Der Garten verbindet die Tradition der Klostergärten mit dem Konzept der Bibelgärten, beschränkt sich dabei aber bewusst nicht auf die christliche Religion, sondern nimmt die jüdische Perspektive mit in den Blick, weil sich Christentum und Judentum einen großen Teil der biblischen Texte teilen. Hinzugenommen wurde die muslimische Tradition, denn die mediterranen Pflanzen spielen auch in der koranischen Überlieferung eine zentrale Rolle. Schließlich sollen auch die Menschen einbezogen werden, die keiner dieser Traditionen entstammen.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Der Garten des Buches wurde mit LEADER/ELER-Mitteln gefördert.<ref>Aufbau einer interreligiösen Gartenanlage "Garten des Buches", Aufstellen von Sitzgelegenheiten und Gartenkunstwerken sowie einer Zufahrt zum Justus-Perels-Haus auf dem Gelände des Klosters Lindow, Informationstafel am Klostereingang</ref>
Konzept
Dem Konzept des Gartens liegt der Gedanke der abrahamitischen Wurzel von Judentum, Christentum und Islam zugrunde. Als Bezeichnung für den Garten wurde deshalb das „Buch“ gewählt. Gemeint ist die jeweils Heilige Schrift Tanach, Bibel und Koran. Der Garten ermöglicht das Kennenlernen dieser drei großen Weltreligionen und lädt dazu ein, die Gemeinsamkeiten und Verbindungen zwischen den abrahamitischen Religionen und Kulturen zu entdecken und dadurch Vorurteile abzubauen. Zugleich wird kulturhistorisches Wissen über Pflanzen, Gartenbau und Verwertung vermittelt und damit der zentrale Gedanke der Klosteranlage als Mittelpunkt von Bildung und Wissenschaft zur Geltung gebracht. Mit der multireligiösen Ausrichtung kommt der gesamte Kulturkreis des Nahen Ostens in den Blick.
Als Verbindungselement zwischen den verschiedenen Religionen wurden Pflanzen gewählt, die für sich stehen und gleichzeitig über sich hinausdeuten, indem sie Zugänge zum Buch aufschließen und dazu einladen, die Texte der jeweils anderen oder auch der eigenen Tradition kennenzulernen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Gartenanlage
Im Zentrum steht ein begehbares Labyrinth, welches sich an das Labyrinth von Chartres anlehnt. Der Weg des Betrachters deutet auf das Abschreiten des Lebensweges hin. Er führt in eine Mitte. Zu ihr hin durchschreitet der Besucher oder die Besucherin konzentrische Kreise. Das Zentrum ist im Blick; der Weg kann an verschiedenen Stellen unterbrochen oder abgebrochen werden. Der jeweilige Kreis kann an unterschiedlichen Stellen selbständig verlassen werden und es kann ein weiterer Schritt Richtung Zentrum gegangen werden. Symbolisch ist dadurch die individuelle Mündigkeit berücksichtigt. Unterschiedliche Wege und Abzweigungen führen alle zum Ziel.<ref name=":1">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Baum der Ökumene
Der Ausweg aus dem Labyrinth führt zum Baum der Ökumene. Er vereint symbolisch die drei Religionen Judentum, Christentum und Islam als Zweige einer gemeinsamen Wurzel. Auf dem Stamm eines Danziger Kernapfels sind drei Sorten veredelt worden: Müschens Rosenapfel, eine Apfelsorte aus Mecklenburg-Vorpommern, Landsberger Renette, eine alte Apfelsorte aus Landsberg an der Warthe, und Prinzenapfel, eine norddeutsche Kultursorte.<ref name=":1" />
Roggenfeld
Das Roggenfeld im Kloster Lindow entstand aus Saatkörnern vom Roggenfeld an der Kapelle der Versöhnung in Berlin. Dort wurde 2005 auf dem ehemaligen Todesstreifen an der Berliner Mauer ein Getreidefeld angelegt, das symbolisch die Wandlung des Grenzstreifens aufnimmt und die Ausbreitung und das Aufgehen der Saat des Friedens und der Versöhnung zwischen Völkern und Menschengruppen symbolisiert.<ref name=":0" />
Klostergärten
Die ursprüngliche Gestaltung der Klostergärten ist unbekannt. Nach Jahrhunderten des Verfalls erfolgten gärtnerische Verschönerungen wohl erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts im Sinne einer romantisierenden Darstellung der Klosteranlage. Diese wurden bis heute mehrfach verändert.<ref name=":2" />
Barrierefreiheit im Klostergelände
Ein wesentlicher Teil des Klostergeländes war für Menschen mit Bewegungseinschränkungen kaum zu erreichen. Daher wurde ein Erschließungsweg nördlich des Dominats angelegt. Er ermöglicht es Rollstuhlfahrern, den Klosterfriedhof zu erreichen und auch an Veranstaltungen in der Ruine des Konventgebäudes und an der Kirche unter freiem Himmel teilzunehmen. Auch die Anlage des Gartens des Buches ist auf Menschen mit Bewegungseinschränkungen ausgerichtet, Beschilderungen sind in Brailleschrift und mit Pflanzenrelief ausgeführt. Tischbeete ermöglichen das Berühren und Ertasten der Pflanzen. Die Arbeiten zur Herstellung der Barrierefreiheit wurden durch LEADER-Mittel öffentlich gefördert.<ref>Herstellung barriererfeier Zugänge (Rampen, Handläufe)zur ehemaligen Kirche und zum Konventgebäude und einer barrierefreien Wegführung zwischen den Gebäuden sowie Schaffung von Transparenz durch Ersatz blickdichter Türen durch schmiedeeiserne Tore auf dem Gelände des Lindower Klosters, Informationsschild am Eingang des Klosters</ref>
Klosterschatz
Die Gebäude des Klosters und die Urkunden sind bei der Plünderung und beim Brand 1638 zerstört worden. Liturgische Geräte sind jedoch erhalten geblieben und bilden den Lindower Klosterschatz. Er besteht aus Kelch, Patene und Ziborium. Bis 2023 befand sich der Klosterschatz in der Obhut der Evangelischen Kirchengemeinde Lindow. Nach der Auflösung des Klosters ist er vom Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz restauriert worden. Er befindet sich dort im Magazin.
Kloster Lindow in der Literatur
Kloster Lindow wird von Theodor Fontane außer im oben zitierten Stechlin auch in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg und im Roman Vor dem Sturm erwähnt. Es diente zudem als Vorbild für das Kloster Wutz im Roman Der Stechlin, wobei das Klosterleben auch von Kloster Dobbertin inspiriert wurde.
Literatur
- Dirk Schumann: Lindow – von der landesherrlichen Klosterstiftung zum adeligen Fräuleinstift. In: Camilla Badstübner-Kizik, Edmund Kizik (Hrsg.): Entdecken, erforschen, bewahren. Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege. Festgabe für Sibylle Badstübner-Gröger zum 12. Oktober 2015. Lukas-Verlag, Berlin 2016, S. 186–199.
- Werner Dumann: Das Kloster Lindow. Von den Anfängen bis zur Gegenwart und die Bedeutung für die Stadt Lindow. Herausgegeben von der Evangelischen Kirchengemeinde Lindow. RVR, Ruppin 1995.
- Max Neumann: Kloster Lindow. Beiträge zu seiner Geschichte und Baugeschichte. Verlag und Buchhandlung Kitzing, Neuruppin & Lindow 1937.
- Erich Becker: Stadt, Kloster u. Umgegend in Vergangheit und Gegenwart, Karl Elling, 1929.
Weblinks
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Einzelnachweise
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