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Klitoridektomie

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Klitoridektomie (griechisch aus: κλειτορίς kleitorís ‚Kitzler‘ und ἐκτέμνω ektémnō ‚ich schneide aus‘) ist der medizinische Fachausdruck für die operative Entfernung der Klitoriseichel, dem außenliegenden Teil der Klitoris.<ref>Klitoridektomie In: Roche Lexikon Medizin. 5., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Urban & Fischer, München 2003, ISBN 3-437-15150-9.</ref> Die vollständige oder teilweise Entfernung der Schamlippen, teilweise zusammen mit weiteren Teilen der Vulva, wird als Vulvektomie bezeichnet.

Aktuell findet die häufigste Anwendung der Klitoridektomie im Rahmen der (in Europa strafbaren) Beschneidung weiblicher Genitalien statt; eine Anwendung unter einer medizinischen Indikation gibt es dagegen nur in Ausnahmefällen.

Rituelle Praxis

Aus den Ursprüngen der antiken Beschneidungspraktiken entstand in einigen Kulturen der Brauch, Mädchen und Frauen im Rahmen eines Initiationsritus die Klitoriseichel zu entfernen. Heute wird die Durchführung der „Klitoridektomie ohne zwingende medizinische Indikation“ von der WHO, UNICEF und vielen Menschenrechtsorganisationen als „Weibliche Genitalverstümmelung“ (Female Genital Mutilation, FGM) der betroffenen Mädchen und Frauen bezeichnet und bekämpft.

Die Frauen der Skopzen praktizierten religiös motiviert, neben einer Ablation ihrer Brüste, die Klitoridektomie.

Medizinhistorische Anwendungen

In Europa und Nordamerika wurde die Klitoridektomie noch bis ins 20. Jahrhundert hinein als Behandlung der damals als pervers betrachteten Selbstbefriedigung, der Nymphomanie<ref>Norbert Finzsch: “We know the lesbian habits of kleitoriaxein […] which justify the resection of the clitoris”: Cliteridectomy in the West, 1600 to 1988. In: Gender Forum. Special Issue: On Clitoridectomy. (PDF; 1,1 MB) 2018, Band 67, S. 9–28.</ref><ref>Norbert Finzsch: Der Widerspenstigen Verstümmelung: Eine Geschichte der Kliteridektomie im „Westen”, 1500-2000 (= Gender, Diversity, and Culture in History and Politics. Band 1). 1. Auflage, Transcript Verlag, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8376-5717-3.</ref> und der weiblichen Hysterie empfohlen. Die Methode wurde 1866 vom englischen Gynäkologen Isaac Baker Brown in einem Buch über die „Heilbarkeit verschiedener Formen des Wahnsinn, der Epilepsie, Katalepsie und Hysterie bei Frauen“ vorgestellt.<ref>Isaac Baker Brown: On the Curability of Certain Forms of Insanity, Epilepsy, Catalepsy, and Hysteria in Females. Hardwicke, London 1866 (Volltext).</ref>

1923 schrieb Maria Pütz in ihrer Dissertation:

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Medizinische Indikation

Eine Klitoridektomie wird bei einer von einem Tumor befallenen Klitoris unter medizinischer Indikation angewandt.<ref>Klitoridektomie. In: Willibald Pschyrembel: Pschyrembel, medizinisches Wörterbuch. 259., neu bearbeitete Auflage. de Gruyter, Berlin / New York 2002, ISBN 978-3-11-016523-4, S. 863.</ref><ref>G. Bastert, S. D. Costapp: Vulvakarzinom. In: Siegfried Seeber: Therapiekonzepte Onkologie. Springer, Berlin u. a. 1993, ISBN 978-3-540-56872-8, S. 501–508.</ref>

Kosmetische Klitoridektomie

Im Jahr 2011 beschrieben der psychiatrische Gutachter David Veale und der Chirurg Joe Daniels im Fachblatt Archives of Sexual Behavior den Fall einer 33-jährigen Frau, die aus persönlichen, ästhetischen Erwägungen eine Klitoridektomie anstrebte. Nach Prüfung auf psychiatrische Kontraindikationen und eingehender, informierter Einwilligung wurde ihrem Wunsch schließlich stattgegeben und die Operation durchgeführt.<ref name="Veale11">D. Veale, J. Daniels: Cosmetic Clitoridectomy in a 33-Year-Old Woman. In: Archive of Sexual Behavior, 12. August 2011, PMID 21837517.</ref> Die Entscheidung wurde von anderen Autoren kritisiert, welche eine mündige Einwilligung als nicht gegeben ansehen und stattdessen eine Psychotherapie als angemessen gesehen hätten.<ref>S. B. Levine: Fashions in Genital Fashion: Where Is the Line for Physicians? In: Archives of sexual behavior. Band 1–2, 2011, doi:10.1007/s10508-011-9849-7.</ref><ref>R. C. Friedman: Assessing How a Woman Feels About Her Clitoris. In: Archives of sexual behavior. Band 1–4, 2011, doi:10.1007/s10508-011-9852-z.</ref> Dem wurde von Veale entgegnet, dass die Patientin nach Abklärung aller Befunde vollständig psychisch gesund war, sie sich über Risiken und Folgen vollständig bewusst war und kein äußerer Zwang vorlag. Die Patientin wurde in regelmäßigen Abständen nachuntersucht und zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden.<ref>D. Veale: Cosmetic Clitoridectomy in a 33-Year-Old Woman: Reply to Friedman (2011) and Levine (2011). In: Archives of sexual behavior. Band 1–2, 2012, doi:10.1007/s10508-012-9953-3.</ref>

Rechtliche Bewertung der „Klitoridektomie ohne medizinische Indikation“

Bei Minderjährigen ist die Klitoridektomie ohne medizinische Indikation nach dem Recht vieler Staaten (u. a. aller Staaten der Europäischen Union) eine Straftat.<ref name="Antwort der Bundesregierung">Bundestagsdrucksache 16/1391: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sibylle Laurischk, Dr. Karl Addicks, Burkhardt Müller-Sönksen, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP vom 8. Mai 2006, zur Thema „Schutz von Frauen und Mädchen vor der Verstümmelung weiblicher Genitalien“ (PDF; 184 kB). S. 3.</ref>

Die Klitoridektomie bei erwachsenen Frauen kann auf Einwilligung und unter gutachterlichem Ausschluss von Zwang und psychischen Störungen zumindest in Großbritannien durchgeführt werden.<ref name="Veale11" />

Nach deutschem Recht ist die Klitoridektomie ohne Indikation mindestens als Gefährliche Körperverletzung nach {{#switch: juris

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Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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