Zum Inhalt springen

Kingstonit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kingstonit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1993-046<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Kgs<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Rh3S4<ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.02-060

2.DA.25
02.10.02.04
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe C2/m (Nr. 12)Vorlage:Raumgruppe/12<ref name="MM" />
Gitterparameter a = 10,4616(5) Å; b = 10,7527(5) Å; c = 6,2648(3) Å
β = 109,000(5)°<ref name="MM" />
Formeleinheiten Z = 6<ref name="MM" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6<ref name="AM" />
Dichte (g/cm3) berechnet: 7,52<ref name="MM" />
Spaltbarkeit gut nach [001]<ref name="MM" />
Bruch; Tenazität schwach muschelig; spröde<ref name="MM" />
Farbe bräunlichgrau
Strichfarbe schwarz
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz

Kingstonit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der idealisierten, chemischen Zusammensetzung Rh3S4<ref name="IMA-Liste" />, ist also chemisch gesehen ein Rhodiumsulfid. Da Kingstonit in der Natur allerdings neben dem Rhodium immer auch geringe Anteile an Iridium und/oder Platin enthält, wird die Formel meist mit (Rh,Ir,Pt)3S4<ref name="MM" /> angegeben. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente können sich dabei in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.

Kingstonit konnte bisher nur in Form hypidiomorpher bis xenomorpher Einschlüsse von etwa 15 bis 40 µm Größe<ref name="AM" /> in einem Platin-Eisen-Nugget gefunden werden. Das Mineral ist undurchsichtig, von bräunlichgrauer Farbe bei schwarzer Strichfarbe und zeigt einen metallischen Glanz.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Kingstonit 1993 am Bir Bir River bei Yubdo (Joubdo; Youbdo; Joubda) nahe Gimbi in der äthiopischen Region Oromia und beschrieben durch C. J. Stanley, A. J. Criddle, J. Spratt, A. C. Roberts, J. T. Szymański und M. D. Welch, die das Mineral nach Gordon Kingston (ehemals von der Cardiff University), um seine Beiträge zur Mineralogie der Platingruppen-Elemente sowie der Geologie der Erzlagerstätten zu würdigen.<ref name="MM" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Kingstonit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.02-060. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Kingstonit zusammen mit Cuproiridsit, Cuprorhodsit, Malanit und Xingzhongit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.02 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Kingstonit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Metallsulfide mit M : S = 3 : 4 und 2 : 3“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „M : S = 3 : 4“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.DA.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Kingstonit die System- und Mineralnummer 02.10.02.04. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=3:4“ in der „Wilkmanitgruppe“, in der auch Wilkmanit, Brezinait und Heideit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Kingstonit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12)Vorlage:Raumgruppe/12 mit den Gitterparametern a = 10,4616(5) Å; b = 10,7527(5) Å; c = 6,2648(3) Å und β = 109,000(5)° sowie 6 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="MM" />

Bildung und Fundorte

Über die genauen Bildungsbedingungen ist bisher nichts bekannt, da Kingstonit bisher nur in einer Probe gefunden wurde, einem 1,5 cm großen Nugget und Typmaterial des Minerals Prassoit.<ref name="AM" /> Die Lagerstätte, aus der die Probe stammt, besteht aus den Gesteinen Dunit und Pyroxenit. An weiteren Mineralvergesellschaftungen konnten noch Bowieit, Cuprorhodsit, Ferrorhodsit, Isoferroplatin, Laurit, Osmium und Tetraferroplatin nachgewiesen werden.

Außer seiner Typlokalität Bir Bir River in Äthiopien konnte das Mineral bisher (Stand: 2011) an keinem weiteren Ort nachgewiesen werden.<ref name="Mindat" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="AM"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="MM"> </ref> <ref name="Mindat"> Kingstonite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 20. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>