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Kernkraftwerk Mezamor

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Kernkraftwerk Mezamor
Datei:Metsamor NPP aerial view 1.jpg
Kernkraftwerk Mezamor
Kernkraftwerk Mezamor
Lage
Koordinaten 40° 10′ 57″ N, 44° 8′ 33″ OKoordinaten: 40° 10′ 57″ N, 44° 8′ 33″ O
 {{#coordinates:40,182472222222|44,1425|primary
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Land ArmenienDatei:Flag of Armenia.svg Armenien
Daten
Eigentümer Energieministerium der Republik Armenien
Betreiber Aktiengesellschaft Armenisches Kernkraftwerk
Kommerzieller Betrieb 6. Okt. 1977

Aktive Reaktoren (Brutto)

1  (408 MW)

Stillgelegte Reaktoren (Brutto)

1  (408 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2010 2286,544 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme 78654,83 GWh
Stand 16. Mai 2010
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Mezamor ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), auch Medzamor, englische Transkription: Metsamor), zur Zeit der Armenischen SSR hieß es Kernkraftwerk Oktemberjan, ist das einzige Kernkraftwerk in Armenien und des gesamten Kaukasus. Es ist nach der nahe liegenden modernen Stadt Mezamor ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) und dem gleichnamigen Fluss Mezamor benannt, aus dem das Kernkraftwerk auch sein Kühlwasser bezieht. Das Betriebsgelände befindet sich 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Jerewan, im Nordosten der Provinz Armawir.

Datei:Metsamor aerien.jpg
Die Kühltürme des Kernkraftwerks

Geschichte

Das Kernkraftwerk besteht aus zwei Druckwasserreaktoren vom sowjetischen Typ WWER-440/270<ref name="IAEA PRIS-pdf" /> (eine Version des WWER-440/230<ref name="NEI 5th"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />NEI Source Book 5th edition (Memento vom 14. Oktober 1999 im Internet Archive) (englisch)</ref>). Die Version 270 hat noch zusätzlich seismische Verbesserungen.<ref name="NEI 5th" /> Der Block 1 wurde am 15. Dezember 1976 zum ersten Mal kritisch, der Block 2 am 5. Januar 1980. Die erste Netzsynchronisation des ersten Blocks erfolgte 1976, die von Block 2 1980.<ref name="IAEA" /> Im Dezember 1976 fuhr der erste Block das erste Mal in voller Nennleistung, der zweite Block im November 1977.<ref name="NTIS #PB82-133455"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Technology and Soviet Energy Availability – November 1981 – NTIS order #PB82-133455 (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive) (PDF; 5,8 MB), S. 122 (englisch)</ref>

Der Grund für den Bau war die Armut an fossilen Energieträgern der Armenischen SSR. Eigner ist das armenische Energieministerium. Das Kernkraftwerk wird betrieben von der Aktiengesellschaft Armenisches Kernkraftwerk.

1989 mussten beide Reaktoren nach dem Erdbeben von Spitak vorläufig abgeschaltet werden. Dies geschah auf politischen Druck der Vereinigten Staaten, denn die Reaktoren haben in 90 km Entfernung vom Epizentrum das Erdbeben relativ unbeschadet überstanden. Sie waren aufgrund des Erdbebenrisikos in der Region mit einer erhöhten technischen Robustheit gebaut worden<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />IAEO-Infos dazu (Memento vom 24. Dezember 2020 im Internet Archive)</ref>. Mezamor-2 wurde 1996 nach einigen Verbesserungsmaßnahmen, durchgeführt mit russischer Hilfe, wieder in Betrieb genommen. Mezamor-1 hingegen wurde endgültig stillgelegt.

Am 4. Juni 2014 wurde die Betriebserlaubnis von Mezamor-2 bis zum 10. Juni 2019 verlängert; Russland unterstützt Armenien bei Instandsetzungsarbeiten.<ref>arka.am: PSRC extends Armenian NPP’s license for electricity production for 10 years vom 4. Juni 2014</ref>

Sicherheit

Mezamor gilt als recht unsicheres Kernkraftwerk, da es nicht nur technisch veraltet ist, sondern auch in einer stark erdbebengefährdeten Region liegt. Einer der wenigen Vorteile gegenüber anderen Leichtwasserreaktor-Typen ist der absperrbare Reaktor-Kühlkreislauf: Sollte ein Leck auftreten, kann dieses mit Ventilen isoliert werden, was bei anderen Reaktortypen aufgrund der höheren hydrodynamischen Kräfte und des relativ zur Leistung kleineren Wasserinventars nicht möglich ist (sie sind ausschließlich auf die Notkühlung angewiesen)<ref>US-Department of Energy: Nuclear Power Plant Profiles and Accomplishments</ref>. Die Anlage erzeugt rund 40 % des in Armenien erzeugten elektrischen Stromes und erlaubt dem Staat, bis zu 150 Megawatt nach Georgien zu exportieren.<ref name="EURASIANET"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Armenia’s energy situation 26. April 2005 (Memento vom 14. September 2006 im Internet Archive) (englisch)</ref> Voraussetzung für eine Abschaltung Mezamors ist nach Ansicht der armenischen Regierung der Bau eines neuen Reaktors mit einer Leistung von mindestens 1000 MW, für den Kosten in Höhe von vier Milliarden US-Dollar veranschlagt werden.<ref name="DESTINATIO"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Sicherheit des armenischen Kernkraftwerkes bleibt umstritten (Memento vom 11. April 2011 im Internet Archive) (deutsch)</ref>

Den Auftrag über den Rückbau des stillgelegten Reaktors 1 hat ein Konsortium erhalten, das von der deutschen Nukem Technologies GmbH angeführt wird und dem auch der deutsche Staatskonzern Energiewerke Nord GmbH angehört, der in Deutschland mit dem Rückbau der ehemaligen DDR-Kraftwerke Greifswald und Rheinsberg betraut ist.<ref>Auftrag zur Stilllegung von Armenia 1. Nuklearforum Schweiz, 3. April 2014</ref>

Bis heute (Juli 2015) liegen Absichten, jedoch keine konkreten Pläne für einen Reaktorneubau vor. Armenien plant mit Hilfe der russischen Regierung Mezamor 2 nachrüsten zu lassen, um eine Laufzeitverlängerung zu ermöglichen. Ein Abkommen darüber wurde im Dezember 2014 unterschrieben, im Februar 2015 wurde eine Vereinbarung über ein russisches Darlehen unterzeichnet, das 30 Millionen US-Dollar betragen soll.<ref>Russland spricht Mittel für Laufzeitverlängerung von Armenia 2. Nuklearforum Schweiz, 13. April 2015</ref><ref>Finanzierungsvereinbarung für Laufzeitverlängerung von Armenia 2 unterzeichnet. Nuklearforum Schweiz, 16. Februar 2015</ref>

Mit den Nachrüstungen könnte Mezamor 2 bis 2026 weiterbetrieben werden und würde damit viel später vom Netz genommen, als die baugleichen Einheiten in den EU-Ländern Kernkraftwerk Greifswald in Deutschland, Kernkraftwerk Kosloduj in Bulgarien und Kernkraftwerk Bohunice in der Slowakei, die wegen massiver Sicherheitsbedenken alle bereits vom Netz genommen wurden.

Störfälle

Am 15. Oktober 1982 kam es zu einem Kurzschluss in einer Bor-Pumpe von Block 1. Der elektrische Schutz der Pumpe funktionierte nicht, weshalb das Kabel und der Motor überhitzten. Dadurch brach an mehreren Stellen am Kabel ein Feuer aus. Der Rauch gelangte bis in die Schaltwarte des Blocks. Das Feuer sprang auf vier parallel liegende Kabel über und breitete sich weiter aus. Durch die Zerstörung mehrerer Kabel der Steuerung kam es zu einer Reihe von Störungen. Der Feueralarm in den Kabelschächten schlug an, jedoch versagte die Löschfunktion. Das Feuer zerstörte die Stromleitungen der Dieselgeneratoren und auch die Stromkabel zum externen Stromnetz. Der Brand verursachte einen Totalausfall des Kraftwerks. Es wurden improvisierte Stromleitungen gelegt um die Nachzerfallswärme aus dem Reaktor abführen zu können. Die rauchgefüllte Schaltwarte wurde „bedient“, indem die Operateure einzeln hineineilten, kurze Manipulationen vornahmen und wieder herauseilten, da keine Gasmasken vorhanden waren. Das Maschinenhaus brannte vollständig ab. Nach dem Feuer wurde ein manuelles Abschaltsystem in die Bor-Pumpen eingebaut und die Kabel mit einer feuerfesten Hülle versehen. Auch das Feuerschutzsystem wurde verbessert. Außerdem wurden häufiger Kontrollen der Kabel durchgeführt.<ref name="NEI 5th" /><ref>G. Medwedew: Verbrannte Seelen (Das Fanal Tschernobyl), 1989.</ref>

Militärische Drohungen seitens Aserbaidschan

Am 16. Juli 2020, während der Grenzstreitigkeiten mit Armenien, drohte der Sprecher des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums Vagif Dargahli, das Kernkraftwerk anzugreifen.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: The Times, 17. Juli 2020 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Forbes, 17. Juli 2020 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Newsweek, 17. Juli 2020 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL, 17. Juli 2020 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Er sagte, ins Deutsche übersetzt: „Die armenische Seite sollte im Hinterkopf behalten, dass unser Land überlegene Raketen besitzt, die einen Präzisionsschlag gegen das Kernkraftwerk Mezamor durchführen können, was zu einem großen Desaster für Armenien führen würde“.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: tass.com, 17. Juli 2020 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Armeniens Außenministerium reagierte auf die Drohung, es zeige das „Ausmaß der Verzweiflung und die Krise der Vernunft der politisch-militärischen Führung von Aserbaidschan“, es sei eine „ungeheuerliche Verletzung des Völkerrechts im Allgemeinen und des ersten Zusatzes der Genfer Konventionen im Speziellen. Solche Drohungen demonstrieren eindeutig den Staatsterrorismus und die Genozid-Absicht von Aserbaidschan“.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Statement by the MFA of Armenia on threats of the Ministry of Defence of Azerbaijan to launch a missile strike at the Armenian Metsamor Nuclear Power Plant.] In: mfa.am. Ministry of Foreign Affairs of Armenia, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Sonstiges

2011 behauptete National Geographic, Mezamor sei heutzutage womöglich das gefährlichste Kernkraftwerk der Welt. Laut Darstellungen des Fotografen Stefano Morelli, der im Januar 2016 die Gegend besucht hatte, leben hier trotz aller Risiken rund 10.000 Menschen, darunter 1.000 Mitarbeiter des Kernkraftwerks.

Der World Nuclear Association zufolge erzeugte das Kernkraftwerk Mezamor 2016 31 Prozent der Gesamtelektrizität der Republik Armenien.<ref>Perspective | Is this place in the shadow of the ‘world’s most dangerous nuclear plant’? Abgerufen am 11. November 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Mezamor hat insgesamt zwei Blöcke:

Reaktorblock<ref name="IAEA">Power Reactor Information System der IAEA: „Armenia, Republic of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)</ref> Reaktortyp<ref name="IAEA PRIS-pdf">IAEA PRIS – Nuclear Power Reactors in the World, Reference Data Series No.2 (englisch; PDF; 1,7 MB).</ref> Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Mezamor 1 WWER-440/270 376 MW 408 MW 01.07.1969 22.12.1976 06.10.1977 25.02.1989
Mezamor 2<ref>Der Reaktorblock war von 1989 bis 1996 außer Betrieb.</ref> 01.07.1975 05.01.1980 03.05.1980 (2036 geplant)<ref>Armenien setzt Gremium zur Untersuchung von Optionen für eine neue Kernkraftanlage ein, Caucasus Watch, 13. Juni 2023, abgerufen am 14. Juni 2023.</ref>

Siehe auch

Weblinks

Commons: Kernkraftwerk Mezamor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />