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Kennwort: Reiher

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Kennwort: Reiher ist ein im Winter 1963/64 gedrehtes Kriegsfilmdrama des Regisseurs Rudolf Jugert mit Peter van Eyck, Marie Versini und Fritz Wepper in den Hauptrollen. Seine Uraufführung fand am 27. März 1964 statt.

Handlung

Belgien und Frankreich im vorletzten Kriegswinter 1944: Der amerikanische Jagdflieger Philip Sturgess ist über dem von den Deutschen besetzten Westeuropa abgeschossen worden. Er hat Glück im Unglück, eine einheimische Widerstandsgruppe, genannt „River Line“, nimmt ihn unter seine Fittiche und versteckt ihn. Sturgess ist nicht der einzige alliierte Soldat, den die Widerständler bei sich aufgenommen haben. Auch Sturgess’ Landsmann Frewers wird von ihnen versteckt. Später stößt auch noch der britische Major Barton, der unter dem Decknamen „Der Reiher“ agiert, dazu.

Zentrale Ansprechpartnerin der Widerstandsgruppe ist die Französin Marie, eine zierliche, ernste, junge Frau, die unter anderem die verschiedenen ländlichen Verstecke – Bauernhöfe und abgelegene Häuser – für die drei Männer organisiert. Ihr Ziel ist es, die drei Männer bis ins neutrale Spanien zu schmuggeln. Doch bald kommt ein schrecklicher Verdacht auf. Einer der drei alliierten Soldaten soll ein Spion der Nazis sein.

Der Verdacht fällt schließlich auf den besonnenen und erfahrenen Barton, der von sich behauptet, einem deutschen Kriegsgefangenenlager entflohen zu sein. Man hält über ihn heimlich Gericht, stimmt ab und kommt zum Schluss, dass er hingerichtet werden soll, auch wenn es keinerlei handfeste Beweise gibt. Die Gefahr sei zu groß, so glaubt man, dass die Aktionen der „River Line“ an den Gegner verraten werden könnten. Major Barton wird erstochen, doch als bald neue Alliierte auf der Flucht zu der Widerstandsgruppe hinzustoßen, die Barton von früher kennen, stellt sich diese Exekution als ein schrecklicher Irrtum heraus.

Produktionsnotizen

Kennwort: Reiher, der zunächst den Arbeitstitel Unternehmen Reiher trug, war die letzte Kinofilminszenierung Rudolf Jugerts.

Nach seiner Mitwirkung in Die Brücke spielte Fritz Wepper hier ein weiteres Mal in einem bewegenden Antikriegsfilm mit.

Für Marie Versini war diese Rolle eine seltene Gelegenheit, ihr Können in Deutschland auch außerhalb der Karl-May-Filmreihe zu zeigen. Es sollte die überzeugendste und anspruchsvollste Leinwandrolle ihrer gesamten Karriere werden.

Die Kostüme entwarf Ina Stein, die Bauten Wolf Englert unter der Mithilfe von Bruno Monden. Petrus Schloemp und Rüdiger Meichsner, später zwei bekannte Kameraleute, assistierten hier Wolf Wirth und Hans Jura, die für Kennwort: Reiher beeindruckende Schneelandschaften einfingen.

Der Film basiert auf der Vorlage eines Romans von Charles Morgan, The River Line.<ref>Dt. Ausg.: Charles Morgan: Der Reiher. Roman („The River Line“, 1949). Rowohlt, Reinbek 1991, ISBN 3-499-12618-4 (EA Stuttgart 1954).</ref>

Im nicht-deutschsprachigen Ausland fand Kennwort: Reiher trotz guter Besprechungen keinen Verleih.

Kritiken

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Es spreizt sich Peter van Eyck als vielsprachiger Kriegsphilosoph à la Jünger mit Sätzen wie ‚Verantwortung ist das harte Brot, das man zum sauren Wein essen muß‘; Walter Rilla als rundherum gebildeter Literaturprofessor zitiert beim milden Schein echter Bienenwachskerzen einen Monolog aus dem ‚Prinz von Homburg‘ und kommt mit seiner französischen Seele nicht ins Reine; das Untergrundvölkchen aus der Mottenkiste fabriziert Lyrismen über Krieg, Ehre, Tod und Freiheit, und Marie Versini, von Winnetous Schwester zur Volksschullehrerin verkommen, zeigt Pullover- und Rockmoden und gegen Ende ein paar Tränen. Wolf Wirth streunt, wie gehabt, mit seiner Kamera flink durchs Unterholz und visiert einen abgeschossenen US-Luftwaffenleutnant neckisch aus der Perspektive des Niederwildjägers an. 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In Das große Personenlexikon des Films ist in der Biografie Rudolf Jugerts über seine Kino-Abschlussinszenierung zu lesen: „In seiner 16jährigen Kinotätigkeit besitzen vor allem sein Debütwerk und sein letzter Spielfilm größere Bedeutung. (…) „Kennwort: Reiher“ erzählt in nüchternen, klaren Winterbildern von einem britischen Major, der während des Zweiten Weltkriegs in einer Atmosphäre aus Misstrauen und Verdächtigungen vom französischen Widerstand als Nazi-Spion verdächtigt und daraufhin erschossen wird -- eine dramatische Geschichte von Unsicherheit und Argwohn in einer Zeit, in der schon der bloße Verdacht tödliche Folgen haben kann.“<ref>Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 4: H – L. Botho Höfer – Richard Lester. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 261.</ref>

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Im Lexikon des Internationalen Films heißt es: „Beachtlicher deutscher Versuch, die Verkehrung der Ordnung durch den Krieg in verschiedenen Ausprägungen darzustellen.“<ref>Klaus Brüne (Red.): Lexikon des Internationalen Films, Bd. 4. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1987, S. 1998, ISBN 3-634-43209-8 (1 CD-ROM).</ref>

Die Zeitschrift Cinema bemerkt zu dem Film: „Spannende Fabel aus dem Widerstand.“<ref>Vorlage:Cinema</ref>

Auszeichnungen

Obwohl kein besonders großer Erfolg an der Kinokasse, wurde Kennwort: Reiher mit zahlreichen Auszeichnungen, darunter mehrfach mit dem Deutschen Filmpreis, bedacht.

Das Filmband in Gold ging an Kennwort Reiher in den Kategorien Abendfüllender Spielfilm (Produzent Franz Seitz junior), Beste Filmarchitektur (Wolf Englert), Beste Kameraführung (Wolf Wirth und Hans Jura) und Bester Nachwuchsschauspieler (Fritz Wepper).

Er erhielt 1964 von der FBW das Prädikat Wertvoll.

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

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