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Kehrwert

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Der Kehrwert (auch der reziproke Wert oder das Reziproke) einer von <math>0</math> verschiedenen Zahl <math>x</math> ist in der Arithmetik diejenige Zahl, die mit <math>x</math> multipliziert die Zahl <math>1</math> ergibt; er wird als <math>\tfrac{1}{x}</math> oder <math>x^{-1}</math> notiert.

Eigenschaften

Kernaussagen

Datei:Hyperbola one over x.svg
Der Graph der Kehrwertfunktion ist eine Hyperbel.
Datei:Complex inversion function.svg
Kehrwertbildung in der komplexen Zahlenebene: P',Q',R'and S' sind die Kehrwerte von P, Q, R and S.

Je näher eine Zahl bei <math>0</math> liegt, desto weiter ist ihr Kehrwert von <math>0</math> entfernt. Die Zahl <math>0</math> selbst hat keinen Kehrwert und ist auch kein Kehrwert. Die durch <math>y=f(x)=\tfrac1x</math> beschriebene Kehrwertfunktion (siehe Abbildung) hat dort eine Polstelle. Der Kehrwert einer positiven Zahl ist positiv, der Kehrwert einer negativen Zahl ist negativ. Dies findet seinen geometrischen Ausdruck darin, dass der Graph in zwei Hyperbeläste zerfällt, die im ersten bzw. dritten Quadranten liegen. Die Kehrwertfunktion ist eine Involution, d. h., der Kehrwert des Kehrwerts von <math>x</math> ist wieder <math>x.</math> Ist eine Größe <math>y</math> umgekehrt proportional zu einer Größe <math>x,</math> dann ist sie proportional zum Kehrwert von <math>x.</math>

Den Kehrbruch eines Bruches, also den Kehrwert eines Quotienten <math>\tfrac ab</math> mit <math>a, b\neq 0,</math> erhält man, indem man Zähler und Nenner vertauscht:

<math>\frac {1}{\frac{a}{b}}=\frac ba</math>

Daraus folgt die Rechenregel für das Dividieren durch einen Bruch: Durch einen Bruch wird dividiert, indem man mit seinem Kehrwert multipliziert. Siehe auch Bruchrechnung.

Den Kehrwert <math>\tfrac 1n</math> einer natürlichen Zahl <math>n</math> nennt man einen Stammbruch.

Auch zu jeder von <math>0</math> verschiedenen komplexen Zahl <math>z = a + b \mathrm i</math> mit reellen Zahlen <math>a, b</math> gibt es einen Kehrwert <math>\tfrac{1}{z}.</math> Mit dem Absolutbetrag <math>|z| = \sqrt{a^2+b^2}</math> von <math>z</math> und der zu <math>z</math> konjugiert komplexen Zahl <math>\overline{z} = a - b \mathrm i</math> gilt:

<math>\frac{1}{a + b \mathrm i} = \frac{1}{z} = \frac{\overline{z}}{z\overline{z}} = \frac{\overline{z}}{|z|^2} = \frac{a - b \mathrm i}{a^2 + b^2} = \frac{a}{a^2 + b^2} - \frac{b}{a^2 + b^2} \mathrm i</math>

Beschreibt man die Kehrwertbildung einer komplexen Zahl als Funktion <math>f(z) = \frac{1}{z}</math>, so erhält man eine Möbiustransformation. In der komplexen Zahlenebene entspricht die Kehrwertbildung geometrisch dem Hintereinanderausführen einer Kreisspiegelung am Einheitskreis und einer Spiegelung an der reellen Achse (siehe Zeichnung).

Summe aus Zahl und Kehrwert

Die Summe aus einer positiven reellen Zahl und ihrem Kehrwert beträgt mindestens <math>2.</math><ref>Roger B. Nelsen: Beweise ohne Worte, Deutschsprachige Ausgabe herausgegeben von Nicola Oswald, Springer Spektrum, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016, ISBN 978-3-662-50330-0, Seite 145</ref><ref>Roger B. Nelsen: Proof without Words: The Sum of a Positive Number and Its Reciprocal Is at Least Two (four proofs) Mathematics Magazine, vol. 67, no. 5 (Dec. 1994), S. 374</ref>

<math>x+\frac{1}{x}\ge 2</math>

Beweisvariante 1 (Figur 1):

<math>\left(x+\frac{1}{x}\right)^2\ge 4 \cdot x \cdot \frac{1}{x}\Leftrightarrow x+\frac{1}{x}\ge 2</math>

Beweisvariante 2 (Figur 2):

<math>\frac{1}{x}\ge 2-x \Leftrightarrow x+\frac{1}{x}\ge 2</math>

Beweisvariante 3 (Figur 3):

<math>\left(x+\frac{1}{x}\right)^2=2^2+\left(x-\frac{1}{x}\right)^2</math> (nach dem Satz des Pythagoras)
<math>\Leftrightarrow \left(x+\frac{1}{x}\right)^2\ge2^2 \Leftrightarrow x+\frac{1}{x}\ge 2</math>

Beweisvariante 4 (Figur 4):

Nach dem Strahlensatz sind die Dreiecke <math>DEF</math> und <math>DBC</math> ähnlich. Es gilt <math>\frac{x}{1}=\frac{1}{\frac{1}{x}}</math>. Ohne Beschränkung der Allgemeinheit wird hier <math>x\ge 1</math> vorausgesetzt.
<math>\frac{1}{2} \cdot 1 \cdot x + \frac{1}{2} \cdot 1 \cdot \frac{1}{x} \ge 1 \cdot 1 \Leftrightarrow \frac{x}{2} + \frac{1}{2x} \ge 1 \Leftrightarrow x^2+1 \ge 2x \Leftrightarrow x+\frac{1}{x}\ge 2</math>

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Grafische Veranschaulichung der Beweisvarianten

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Summe zweier Kehrwerte

Datei:Kehrwertsumme Planfigur.svg
Figur 5

Die Summe der Kehrwerte zweier positiver reeller Zahlen <math>a</math> und <math>b</math> mit der Summe <math>1</math> beträgt mindestens <math>4</math>:

<math>\frac{1}{a}+\frac{1}{b}\ge 4</math> für <math>a+b=1</math>.

Beweis:

Gemäß Figur 5 gilt:

<math>4ab\leq 1\Leftrightarrow\frac{1}{ab}\ge 4</math>
<math>\frac{1}{a}+\frac{1}{b}=\frac{a+b}{ab}=\frac{1}{ab}\ge 4</math>,

was zu beweisen war.<ref>Claudi Alsina, Roger B. Nelsen: Perlen der Mathematik - 20 geometrische Figuren als Ausgangspunkte für mathematische Erkundungsreisen, Springer Spektrum, Springer-Verlag GmbH Berlin 2015, ISBN 978-3-662-45460-2, Seiten 237 und 301</ref>

Summe aufeinanderfolgender Kehrwerte

Für jede natürliche Zahl <math>n>1</math> gilt

<math>\frac{1}{n}+\frac{1}{n+1}+\frac{1}{n+2}+...+\frac{1}{n^2}>1</math>.

Den Beweis liefert die Abschätzung

<math>\frac{1}{n}+\frac{1}{n+1}+\frac{1}{n+2}+...+\frac{1}{n^2}>\frac{1}{n}+\left(\frac{1}{n^2}+\frac{1}{n^2}+...+\frac{1}{n^2}\right)=\frac{1}{n}+\frac{1}{n^2}\left(n^2-n\right)=\frac{1}{n}+1-\frac{1}{n}=1</math>.<ref>Ross Honsberger: Gitter - Reste - Würfel Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1984, ISBN 978-3-528-08476-9, S. 155</ref>

Beispiele

  • Der Kehrwert von <math>1</math> ist wiederum <math>1</math>.
  • Der Kehrwert von <math>0{,}001</math> ist <math>1000</math>.
  • Der Kehrwert von <math>2</math> ist <math>\tfrac{1}{2}=0{,}5</math>.
  • Der Kehrwert des Bruches <math>\tfrac{2}{5}</math> ist <math>\tfrac{5}{2}=2\tfrac{1}{2}=2{,}5</math>.
  • Der Kehrwert der komplexen Zahl <math>3 + 4 \mathrm i</math> ist <math>\tfrac{1}{3+4\mathrm i} = \tfrac{3}{25} - \tfrac{4}{25}\mathrm i</math>.

Verallgemeinerung

Eine Verallgemeinerung des Kehrwerts ist das multiplikativ Inverse <math>x^{-1}</math> zu einer Einheit <math>x</math> eines unitären Ringes. Es ist ebenfalls durch die Eigenschaft <math>x^{-1}\cdot\ x=x\cdot\ x^{-1}=1</math> definiert, wobei <math>1</math> das Einselement des Ringes bezeichnet.

Wenn es sich z. B. um einen Ring von Matrizen handelt, so ist das Einselement nicht die Zahl <math>1,</math> sondern die Einheitsmatrix. Matrizen, zu denen keine inverse Matrix existiert, heißen singulär.

Verwandte Themen

Literatur

Hintergrundwissen für Lehramtsstudenten zur Arithmetik:

  • {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />