Karl Mummenthey
Kunz Andreas Emil Karl Mummenthey (* 11. Juli 1906 in Aue; † 15. März 1968 in Siegen<ref>Sterberegister des Standesamtes Siegen Nr. 294/1968.</ref>) war ein deutscher Jurist und SS-Obersturmbannführer. Mummenthey wurde im Rahmen der Nürnberger Prozesse zu lebenslanger Haft verurteilt.
Leben
Mummenthey, dessen Vater Bankdirektor war, beendete seine Schulzeit 1924 mit der Mittleren Reife. Anschließend absolvierte Mummenthey eine Ausbildung zum Bankkaufmann, die er 1926 abschloss. Nach Ablegung eines Externenabiturs studierte Mummenthey Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig und der Universität Frankfurt am Main. Mummenthey legte 1934 das erste juristische Staatsexamen und 1937 das zweite juristische Staatsexamen erfolgreich ab.<ref name="Naasner350f">Walter Naasner (Hrsg.): SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung, Düsseldorf 1998, S. 350f.</ref>
Von 1925 bis 1933 war Mummenthey Angehöriger des Stahlhelm-Kampfbundes.<ref name="Schulte473">Jan Erik Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945. Paderborn 2001, S. 473</ref> Mummenthey wurde 1933 Mitglied der SA und wechselte von dort am 1. April 1934 zur SS (SS-Nummer 221.079).<ref name="Naasner350f"/> In der SS stieg er bis 1943 zum SS-Obersturmbannführer der Reserve der Waffen-SS auf. Am 17. Juni 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.302.359).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/29901317</ref><ref name="Naasner350f"/>
Ab Anfang 1938 war Mummenthey im SS-Verwaltungsamt unter Walter Salpeter tätig. Mummenthey war dort anfangs in der Rechtsabteilung und anschließend bei der SS-Wirtschaft eingesetzt.<ref name="Schulte473"/> Um dem Kriegsdienst nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zu entgehen, fand er mit Unterstützung von Salpeter Aufnahme in der Waffen-SS und blieb weiter im SS-Verwaltungsamt tätig.<ref name="Records1051f">Records of the United States Nuremberg War Crimes Trials, Vol. V. District of Columbia 1950, S. 10151f.</ref> Im neu entstandenen Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft (HAVW) war Mummenthey ab Anfang Dezember 1939 zugleich Hauptabteilungsleiter der Abteilungen III A 1 und III A 3. Nach Umstrukturierung des HAVW wurde er dort Anfang September 1941 stellvertretender Leiter im Amt W 1.<ref name="Naasner350f"/>
Im September 1939 wurde Mummenthey zweiter Geschäftsführer und im September 1941 erster Geschäftsführer des SS-Unternehmens Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH. Zusätzlich war Mummenthey von Anfang Februar 1942 nach Gründung des Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts bis Frühjahr 1945 Leiter des Amts W 1 – Steine und Erden im Reich.<ref name="Klee425">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 425.</ref>
Für die Deutschen Erd- und Steinwerke mussten KZ-Häftlinge unter inhumanen Arbeitsbedingungen unter anderem in Steinbrüchen Zwangsarbeit leisten. Mummenthey war daher mitverantwortlich für die nach dem Prinzip Vernichtung durch Arbeit umgekommenen KZ-Häftlinge.
Nach Kriegsende
Nach seiner Festnahme wurde Mummenthey von November 1946 bis Januar 1947 gemeinsam mit Hans Hohberg und Leo Volk durch den britischen War Criminals Holding Centre in Minden interniert. Dort mussten die Internierten den „Mindener Bericht“ verfassen.<ref name="Naasner350f"/> Dieser 244 Seiten umfassende Bericht sollte den Aufbau des WVHA und dessen wirtschaftliche Unternehmungen nachvollziehbar darstellen. Der Bericht wurde nach Naasner nicht als Beweismittel in den Nürnberger Prozessen herangezogen.<ref name="Naasner10f">Walter Naasner (Hrsg.): SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung, Düsseldorf 1998, S. 10f.</ref>
Im Prozess Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS wurde Mummenthey am 3. November 1947 vom United States Military Tribunal II wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Mitgliedschaft in verbrecherischen Organisationen für schuldig befunden.<ref name="Records1051f"/> Mummenthey wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, die Ende Januar 1951 auf zwanzig Jahre Haft reduziert wurde.<ref name="Schulte433">Jan Erik Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945. Paderborn 2001, S. 433</ref> Am 18. Dezember 1953 wurde er vorzeitig aus dem Kriegsverbrechergefängnis Landsberg entlassen.<ref name="Klee425"/> Nach der Haftentlassung war Mummenthey als Chefredakteur des Presseverlags der Deutschen Reichspartei tätig.<ref name="Schulte473"/>
Literatur
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- Walter Naasner (Hrsg.): SS-Wirtschaft und SS-Verwaltung. Das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt und die unter seiner Dienstaufsicht stehenden wirtschaftlichen Unternehmungen. Droste Verlag, Düsseldorf 1998, ISBN 3-7700-1603-3 (Schriften des Bundesarchivs 45a).
- Jan Erik Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung. Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933–1945. Schöningh, Paderborn u. a. 2001, ISBN 3-506-78245-2 (Zugleich: Bochum, Univ., Diss., 1999).
- Records of the United States Nuremberg War Crimes Trials, Vol. V. United States Government Printing Office, District of Columbia 1950. (Band 5 der „Green Series“)
Einzelnachweise
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