Karl Ludwig von Grünne
Karl Ludwig Grünne, Graf von Pinchard (* 25. August 1808 in Wien; † 15. Juni 1884 in Baden (Niederösterreich)) war ein österreichischer General.
Herkunft
Er war der einzige Sohn des Generals der Kavallerie Philipp Ferdinand Grünne (* 15. Mai 1762;† 26. Jänner 1854) und dessen Ehefrau Rosalie von Felz (Feltz) (* 10. Februar 1779; † 1811).
Leben und Wirken
Karl Ludwig Grünne trat 1828 in das Ulanenregiment seines Vaters ein. 1838 wurde er zum Major befördert, 1843 zum Oberst und zugleich Vorsteher des Hofstaats bei Erzherzog Stephan. 1847 zum k.k. wirklichen geheimen Rat ernannt, erfolgte im August 1848 die Berufung zum Obersthofmeister des damaligen Erzherzogs und späteren Kaisers Franz Joseph I. Am 19. Oktober 1848 wurde er zum Generalmajor, am 2. Dezember 1848 zum ersten Generaladjutanten des nunmehrigen Kaisers ernannt, dessen Militärkanzlei er ab jenem Tage leitete. In dieser Stellung wurde Grünne am 12. Juli 1850 zum Feldmarschallleutnant befördert.
Nach der Niederlage Österreichs im Sardinischen Krieg, 1859, richtete sich der Unmut der Bevölkerung und der Armee speciell gegen Grünne, dem man stellvertretend für den in Armee und Volk vorherrschenden Geist, der große Neuerungen nicht aufkommen ließ, Schuld am Ausgang des Krieges gab.<ref name="nfp|16|06|1884|02">† Graf Karl Ludwig Grünne. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 16. Juni 1884, S. 2, oben links. (online bei ANNO).</ref>
Mit Handschreiben vom 20. Oktober 1859 enthob ihn der Kaiser seines Postens als erster Generaladjutant in Gnaden, bestellte ihn uno actu zum Oberststallmeister unter anderem der Spanischen Hofreitschule und zeichnete ihn mit dem Großkreuz des St.-Stephans-Ordens aus. Grünne behielt auf Wunsch des Kaisers die Capitänstelle der Leibgarde-Gendarmerie.<ref>Artikel in: Wiener Zeitung, 23. Oktober 1859, S. 1 (online bei ANNO).</ref><ref name="bbb|17|06|1884|01">Graf Grünne †. In: Badener Bezirks-Blatt, 17. Juni 1884, S. 1. (online bei ANNO).</ref>
Am 22. November 1864 wurde Graf Grünne zum General der Kavallerie befördert, am 23. August 1865 zum Inhaber des Ulanenregiments Nr. 1 und 1865 Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies.
Das Amt des Oberststallmeisters bekleidete Grünne, dessen Gesundheit in jenen Tagen schon beträchtlich angegriffen war, bis zum 3. November 1875.<ref name="bbb|17|06|1884|01" /> Mit Eintritt in den Ruhestand lebte er (während der Sommermonate) in Baden<ref group="Anm.">Florahof, Frauengasse 3–5. – In: Paul Tausig: Berühmte Besucher Badens. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt Baden bei Wien. Konegen, Wien 1912, Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek., Google Books</ref> in völliger Zurückgezogenheit.
Ab 1883 war er Mitglied des Herrenhauses, das Oberhaus des österreichischen Reichsrates, musste jedoch mit Rücksicht auf seine körperliche Verfassung vielen Sitzungen fernbleiben.
Graf Grünne war ein Günstling von Erzherzogin Sophie gewesen, mit starkem Einfluss auf den jungen Franz Joseph. Die ungebrochene Anerkennung Grünnes durch das Erzhaus zeigte sich unter anderem darin, dass sowohl Kaiser Franz Joseph I.<ref>Locales. (…)Graf Grünne schwer erkrankt. In: Badener Bezirks-Blatt, 14. Juni 1884, S. 5 Mitte. (online bei ANNO).</ref> als auch Kronprinz Rudolf in Begleitung seiner Gemahlin, Stephanie,<ref name="bbb|17|06|1884|02">Locales. Hofnachrichten. In: Badener Bezirks-Blatt, 17. Juni 1884, S. 2. (online bei ANNO).</ref> dem Erkrankten jeweils einen Hausbesuch abstatteten.
Nach Einsegnung in der k.k. Hofkirche (Frauenkirche, Maria die Glorreiche) in Baden bei Wien wurde der Leichnam Graf Grünnes nach Dobersberg überführt, wo am 19. Juni 1884 in der Familiengruft die Beisetzung erfolgte.<ref name="bbb|21|06|1884|02">Das Leichenbegängniss des Grafen Grünne. In: Badener Bezirks-Blatt, 21. Juni 1884, S. 2 ff. (online bei ANNO).</ref>
Familie
Karl Graf Grünne heiratete am 16. Mai 1831 Caroline, eine geborenen Gräfin von Trauttmansdorff-Weinsberg.<ref group="Anm.">* 29. Februar 1808 in Wien; † 19. März 1886 in Baden. – Siehe: (…) F4. Karoline (…) In: genealogy.euweb.cz, 18. August 2008, abgerufen am 23. Dezember 2010.
Kleine Chronik. (…) Leichenbegängniß. In: Wiener Zeitung, Beilage, 22. März 1886, S. 4, oben rechts. (online bei ANNO).</ref> In späteren Jahren vollzog das Paar eine Trennung, nicht auf Basis einer gerichtlichen, sondern einer Privatscheidung im gegenseitigen Einverständnisse.<ref name="bbb|17|06|1884|01" /> Der Ehe entstammten drei Töchter sowie zwei Söhne, darunter:<ref name="nfp|16|06|1884|02" />
- Karoline (* 5. Juli 1832; † 1911) ⚭ 1852 Graf Koloman von Széchényi (1824–1914), Eltern von Manó Széchényi
- Philipp (* 4. November 1833; † 25. März 1902), Feldmarschall-Lieutenant, Träger de Goldenen Vließ<ref>https://www.austro-hungarian-army.co.uk/biog/gruennep.html</ref> ⚭ 1878 Klothilde von Thun und Hohenstein (* 5. Januar 1854)
- Maria Anna (* 8. Juli 1835; † 1906) ⚭ 1862 László Graf Szapáry (* 1831, † 1883), Eltern von Friedrich von Szapáry (* 1869, † 1935)
- Rudolf Ferdinand Karl (* 19. September 1838), Oberst a. D.
- Therese Lidwina Josephine (* 1. August 1840) ⚭ 1864 Graf Humbert Czernin von und zu Chudenitz (* 15. Januar 1827; † 39. November 1910)
Literatur
- Meyers Konversations-Lexikon. Vierte Auflage, Band 7, S. 876.
- Grünne Karl Graf. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 91.
- Oscar Criste: Grünne, Karl Ludwig Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 49, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 602 f.
- Marianne (Gräfin) Szapáry:<ref group="Anm.">Grünnes Urenkelin, * 2. August 1911 in Baden, † 17. April 1988 in Sydney. – Siehe: L.F.M. van de Pas: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The Descendants of Count Ferenc Szapary de Muraszombath Szechysziget et Szapar (6 generations). (…) Countess Maria Anna Szapary de Muraszombath (…) ( vom 16. März 2008 im Internet Archive) (englisch). In: worldroots.com, abgerufen am 27. Dezember 2010.</ref> Carl Graf Grünne. Generaladjutant des Kaisers Franz Joseph 1848 – 1859. Dissertation. Universität Wien, Wien 1935.<ref>Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.</ref>
- Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, 1908, S.337f
Weblinks
- Eintrag zu Karl Ludwig von Grünne im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon)
- k.u.k. Oberststallmeisteramt: Die k.u.k. Oberstallmeister (1562–1883), Wien 1883, auf Heraldisch-Genealogische Gesellschaft „Adler“, (verantwortl. Christa Mache) link zu Adler-Wien
Einzelnachweise
<references />
Anmerkungen
<references group="Anm." />
Vorsitzender des Ministerrats: Karl Ferdinand von Buol-Schauenstein
Minister: Alexander von Bach | Andreas von Baumgartner | Karl Ludwig von Bruck | Anton Csorich von Monte Creto | Karl Ludwig von Grünne | Johann Franz Kempen | Karl von Krauß | Franz Seraphin von Nádasdy | Bernhard von Rechberg | Franz Seraph von Stadion | Leo von Thun und Hohenstein | Ferdinand von Thinnfeld | Georg von Toggenburg
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Grünne, Karl Ludwig von |
| ALTERNATIVNAMEN | Gruenne, Karl Ludwig von Pinchard; Pinchard Gruenne, Karl Ludwig von |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer General |
| GEBURTSDATUM | 25. August 1808 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 15. Juni 1884 |
| STERBEORT | Baden (Niederösterreich) |
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- General der Kavallerie (Österreich-Ungarn)
- Militärperson (Kaisertum Österreich)
- Mitglied des Herrenhauses (Österreich)
- Träger des k.u. Sankt Stephans-Ordens (Großkreuz)
- Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies (Österreich, 19. Jahrhundert)
- Großkreuz des Wilhelmsordens
- Großkreuz des Hausordens Albrechts des Bären
- Grünne (Adelsgeschlecht)
- Titulargraf
- Person (Baden, Niederösterreich)
- Geboren 1808
- Gestorben 1884
- Mann