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Karl Friedrich Borée

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Karl-Friedrich Borée (geboren als Karl Friedrich Boeters; * 29. Januar 1886 in Görlitz; † 28. Juli 1964 in Darmstadt) war Schriftsteller und Rechtsanwalt.

Leben

Sein Vater, der Chirurg Ernst Boeters, ermöglichte ihm ein Studium der Nationalökonomie und Rechtswissenschaften in Berlin. Anschließend promovierte er zum Dr. jur., bevor er 1913 als Assistent seine Laufbahn an der juristischen Fakultät in Berlin fortsetzte. Im Ersten Weltkrieg wurde Borée als Soldat bereits 1915 in Serbien schwer verwundet<ref name=":0">Karl Friedrich Borée: Mein Weg zur Literatur. In: Dor und Der September. Roman. Mit einem autobiographischen Text von Karl Friedrich Borée und einem Nachwort von Axel von Ernst. 1. Auflage. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2018, ISBN 978-3-940357-71-7, S. 273–276.</ref> und nach einem langwierigen Krankenhausaufenthalt entlassen. Ab 1919 wurde er in der Stadtverwaltung von Berlin-Frohnau beschäftigt, wechselte aber schon 1920 nach Königsberg, wo er bis 1924 Stadtrat war. Danach hatte er für zehn Jahre eine Anwaltskanzlei in Berlin, ging aber spätestens ab 1934 ausschließlich seinen schriftstellerischen Ambitionen nach.<ref name=":1">Karl Friedrich Borée im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> In der Zeit des Nationalsozialismus wurde eines seiner Werke verboten, ansonsten konnte er weiter publizieren, was auf eine Mitgliedschaft seinerseits in der NS-Zwangsorganisation der Reichsschrifttumskammer schließen lässt. 1946 trat er in die SPD ein und fing an, Beiträge im Berliner Tagesspiegel zu veröffentlichen, ab 1952 war Borée Sekretär der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung mit Sitz in Darmstadt.<ref name=":2">Axel von Ernst: Karl Friedrich Borée-Eine Nachbemerkung zum Autor. In: Frühling 45. Chronik einer Familie. Roman. Mit einer Nachbemerkung zum Autor. 2. Auflage. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2020, ISBN 978-3-940357-60-1, S. 453–461.</ref> Seine letzte Wohnung hatte er in dem Mietshaus Rüdesheimer Str.102 in Darmstadt, wo er auch verstarb. Borée war Protestant.<ref name=":3">August Scholtis: Borée, Karl Friedrich. In: Hermann Kunisch (Hrsg.): Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1965, S. 119–120.</ref>

Zum Werk

Laut eigener Aussage unternahm Borée mit ca. 10 Jahren seine ersten schriftstellerischen Versuche, deren Ergebnisse er jedoch im Alter von 15 Jahren verbrannte. Die nächsten belletristischen Werke schrieb er erst 14 Jahre später unter den Eindrücken des Krieges, wobei diese, anders als in seiner Jugendzeit, nicht lyrischer Natur, sondern Prosa waren.<ref name=":0" />

Seinen Durchbruch erzielte er schließlich 1930 mit dem Liebesroman „Dor und der September“, in welchem es um die Beziehung zwischen einem ca. 40-jährigen Kriegsrückkehrer und einer 20-jährigen Medizinstudentin geht<ref>Karl Friedrich Borée. Dor und der September. Roman. In: Lilienfeld Verlag. Lilienfeld Verlag, abgerufen am 25. April 2024.</ref>, und welcher als Reaktion auf eine reale, eineinhalb Jahre andauernde, Affäre Borées entstand.<ref name=":0" /> Daraufhin widmete sich Borée nun vollends der Schriftstellerei und brachte 1936 sein nächstes Werk „Das Quartier an der Mosel“ heraus, welches jedoch durch die Nationalsozialisten als „unsoldatisch“<ref name=":3" /> verboten wurde.<ref>Liste der verbannten Bücher. Quartier an der Mosel. In: Berlin.de. Hauptstadtportal des Landes Berlin, abgerufen am 24. April 2024.</ref> Fortan durfte er zwar weiter publizieren, doch fand er durch die zuvor geschehene Verfemung sehr viel weniger Anklang.<ref>Axel von Ernst: "Ein Dingtod unter Millionen Menschentoden". Karl Friedrich Borées Abschied von Königsberg. Ein Nachwort von Axel von Ernst. In: Ein Abschied. Roman. Mit einem zusätzlichen Text von Karl Friedrich Borée und einem Nachwort von Axel von Ernst. 1. Auflage. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2019, ISBN 978-3-940357-77-9, S. 171–180.</ref> Nach dem Krieg schrieb er bis zu seinem Tod Essays, Novellen, Romane, Kurzgeschichten und Erzählungen, schaffte es aber auch in der BRD nicht mehr an seinen frühen Erfolg anzuknüpfen.<ref name=":4">Arno Lubos: Geschichte der Literatur Schlesiens. III. Band. Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn, München 1974, S. 373 f.</ref>

Borée wird grob mit der Stilepoche der Neuen Sachlichkeit assoziiert.<ref>Frank Raepke: Borée, Karl Friedrich. In: Wilhelm Kühlmann (Hrsg.): Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Literaturraumes. 2, vollständig überarbeitet Auflage. 2 Boa-Den. Walter de Gruyter, Berlin 2008, S. 93–94.</ref> Sein literarischer Nachlass wird durch das Schiller-Archiv in Marbach verwaltet.<ref>A:Borée, Karl Friedrich - [Bestand, Nachlass]. In: dla-marbach.de. Deutsches Literaturarchiv Marbach, abgerufen am 25. April 2024.</ref>

Ehrungen

Werke (Auswahl)

  • Arbeiter-Tarifverträge der Gemeinde-Kritik auf Grund der Praxis. Preußisches Verwaltungsblatt 34 (1920)<ref name=":2" />
  • Dor und der September. 1930
  • Das Quartier an der Mosel. Rütten & Loening<ref name=":2" />, Frankfurt 1936
  • Kurze Reise auf einen anderen Stern. 1937
  • Die Geschichte eines Unbekannten. 1938
  • Maria Nehls. 1939<ref name=":1" />
  • Diesseits von Gott; Essay. Piper-Verlag, München 1941
  • Die halbvollendete Schöpfung. Gespräche über ein Thema der Natur. R. Piper., München 1948
  • Ein Abschied. 1951; Neuausgabe: Düsseldorf : Lilienfeld Verlag, 2019, mit einem zusätzlichen Text von Karl Friedrich Borée und einem Nachwort von Axel von Ernst, ISBN 978-3-940357-77-9
  • Frühling 45. Chronik einer Berliner Familie. 1954. Neuauflage: Frühling 45. Chronik einer Berliner Familie. Roman. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2017, ISBN 978-3-940357-60-1, auch als E-Book erhältlich: ISBN 978-3-940357-61-8
  • Belehrendes und ergötzliches Büchlein von der Darmstädter Strassenbahn. HEAG, [Darmstadt] [1957]
  • Verworrenes Quartier. 1958<ref name=":4" />
  • 10 [Zehn] Jahre Arbeit der Wiederaufbau GmbH Darmstadt. Reba-Verlag, Darmstadt [1959]
  • Semiten und Antisemiten. Europäische Verlags-Anstalt, Frankfurt a. M. 1960
  • Spielereien und Spiegelungen. Roether, Darmstadt 1961
  • Erlebnisse. Roether, Darmstadt 1964

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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