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Karżcino

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Vorlage:Infobox Ort in Polen

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Herrenhaus Karzin
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Gutshof

Karżcino (deutsch Karzin; slowinzisch Kãřcänɵ<ref>Eintrag im „Slowinzischen Wörterbuch“ von Friedrich Lorentz. Zum System der Slowinzisch-Lautschrift von Lorentz, vgl. „Slowinzische Grammatik“, S. 13–16 (scan 40–43), anschließend die Lautlehre.</ref>) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Es gehört zur Landgemeinde Redzikowo (Reitz) im Powiat Słupski (Stolper Kreis).

Geographische Lage

Das Dorf liegt in Hinterpommern, etwa elf Kilometer nordöstlich der Stadt Słupsk (Stolp).

Nachbargemeinden sind: im Westen Machowino (Groß Machmin), im Norden Gąbino (Gambin), im Osten Wrzeście (Freist) und im Süden Lubuczewo (Lübzow).

Das Gemeindegebiet besteht aus Wald, Ackerland und einem Wiesental, das von dem Flüsschen Faul Beek durchzogen wird.

Geschichte

Karzin wird in einer Urkunde von 1281 als zur St.-Petri-Kirche in Stolp gehörig genannt. Das Dorf war in Form eines Gassendorfs angelegt worden. Herzog Mestwin II. von Pommerellen überließ das Dorf dem Kloster Belbuck als Ausstattung für das Prämonstratenser-Nonnenkloster in Stolp. 1389 und 1523 werden Georg Mitzlaff bzw. Hans Mitzlaff als Besitzer genannt. 1781 verkauft Major Günther von Göckingh das Gut an die Gemahlin des Johann Ernst Friedrich von Stojentin zu Giesebitz.

1784 hatte Karzin drei Vorwerke, eine Wassermühle, fünf Bauern, vier Kossäten, eine Schmiede und einen Schulmeister bei insgesamt 25 Feuerstellen (Haushalten).<ref>Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern (Ludwig Wilhelm Brüggemann, Hrsg.). II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 949–950.</ref>

Seit 1805 wird die Familie von Lettow als Besitzer genannt. Im Jahre 1882 erbte Robert von Puttkamer das Rittergut von dem Bruder seiner Mutter bzw. dessen Frau, einer geborenen von Sprenger. Die Puttkamers blieben bis 1945 im Besitz des Guts. Zuletzt war die Witwe Margarete von Puttkamer aus dem Hause Nipkau Eigentümerin des Guts Karzin.

Im Jahr 1910 hatte der Ort 342 Einwohner, davon 102 in der Landgemeinde und 240 im Gutsbezirk; in der Ortschaft gab es eine Mühle und eine Ziegelei.<ref>Karzin, Dorf und Rittergut, Kreis Stolp, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org)</ref> Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Karzin größtenteils in die Landgemeinde Karzin eingegliedert, der Rest in die Landgemeinde Lübzow.<ref>Amtsbezirk Lübzow (Territorial.de)</ref>

Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Karzin eine Fläche von 11,9 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen gab es fünf Wohnstätten, an denen zusammen 41 bewohnte Wohnhäuser standen:<ref>Die Gemeinde Karzin im ehemaligen Kreis Stolp in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)</ref> Vorlage:Mehrspaltige Liste 1939 lebten 368 Einwohner in Karzin, das eine Fläche von 1186 Hektar umfasste.

Das Dorf gehörte zum Amts- und Standesamtsbezirk Lübzow und lag im Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Stolp. Karzin gehörte bis 1945 zum Landkreis Stolp im Regierungsbezirk Köslin der Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Letzter Bürgermeister war Ewald Kroll.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Karzin am 8. März 1945 von sowjetischer Infanterie besetzt. Die Rote Armee nahm das Gut in eigene Verwaltung. Nachdem ganz Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt worden war, trafen im Sommer 1945 bewaffnete Polen ein, die Gehöfte und Häuser übernahmen. Es begann die Zuwanderung von Polen aus Gebieten östlich der Curzon-Linie und die Vertreibung der deutschen Dorfbewohner. Bis die sowjetischen Soldaten abzogen, wurde ein Teil der arbeitsfähigen Dorfbewohner auf dem Gut festgehalten, die letzten Dorfbewohner verließen 1950 das Dorf.

Später wurden in der Bundesrepublik Deutschland 178 und in der DDR 79 aus Karzin vertriebene Dorfbewohner ermittelt.<ref>Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern: Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit. Lübeck 1989, S. 600–601 (Ortsbeschreibung Karin; PDF; 753 kB)</ref>

Das Dorf ist heute Teil der Gmina Redzikowo im Powiat Słupski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Kirche

Vor 1945 war der überwiegende Teil der Bevölkerung von Karzin evangelischer Konfession. Karzin gehörte mit den Dörfern Klein Machmin, und Bedlin zum Kirchspiel Weitenhagen (Wytowno), dem auch noch die Kirchengemeinde Groß Machmin angeschlossen war. Es lag im Kirchenkreis Stolp-Stadt in der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Vor 1945 war Karzin mit einem eigenen Gemeindesaal eine eigene Predigtstätte.

Die seit 1945 anwesende überwiegend römisch-katholische polnische Bevölkerung gehört zur 1968 neu errichteten katholischen Pfarrei Wytowno, das dem Dekanat Ustka (Stolpmünde) im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen zugeordnet ist. Evangelische Kirchenglieder betreut das Pfarramt der Heilig-Kreuz-Kirche in Słupsk in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Schule

In der im Jahre 1932 einstufigen Volksschule unterrichtete ein Lehrer 67 Schulkinder.

Verkehr

Karżcino ist über die Wojewodschaftsstraße 213<ref>Straßenkarte PL003: Hinterpommern. Köslin – Stolp – Danzig. 9. Auflage, Höfer-Verlag, Dietzenbach 2005. ISBN 978-3-931103-14-9.</ref> (Słupsk – Wicko (Vietzig) – Krokowa (Krockow) – Celbowo (Celbau)) im Abzweig Lubuczewo (Lübzow) zu erreichen.

Der Ort war bis 1945 Bahnstation an der – jetzt nicht mehr existierenden – Kleinbahnstrecke Stolp–Dargeröse (heute Dargoleza) der Stolper Bahnen. Heute ist Słupsk die nächste Bahnstation.

Persönlichkeiten des Ortes

  • Otto Knoop (1853–1931), Sammler von pommerschen Volkssagen, Erzählungen und Märchen
  • Robert Viktor von Puttkamer (1828–1900), preußischer Staatsmann, 1891–1899 Oberpräsident der Provinz Pommern

Literatur

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Gmina Redzikowo