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Kanzler (Schiff, 1891)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kanzler p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDatei:Flag of Germany (1867–1919).svg Deutsches Reich
Schiffstyp Reichspostdampfer
Eigner Deutsche Ost-Afrika-Linie
Bauwerft Blohm & Voss, Hamburg
Baunummer 76
Baukosten 1,53 Mio. Mark
Stapellauf 22. November 1890
Indienststellung 24. März 1891
Verbleib Am 5. September 1891 gestrandet
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 100,8 m (Lüa)
Breite 12,5 m
Vermessung 2.838 BRT
 
Besatzung 48 Mann
Maschinenanlage
Maschine Verbunddampfmaschine
indizierte
Leistung
Vorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
1.900 PS (1.397 kW)
Höchst­geschwindigkeit 14,0 kn (26 km/h)
Propeller 1
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 3120 tdw
Zugelassene Passagierzahl 32 Erste Klasse
24 Zweite Klasse
38 Dritte Klasse

Der Reichspostdampfer Kanzler war das erste von insgesamt 20 Schiffen, die die Deutsche Ost-Afrika-Linie (DOAL) zwischen 1890 und 1914 für den Einsatz im Rahmen des Reichspostdampfervertrags mit dem Deutschen Reich bauen ließ. Als Küstendampfer für die Ostafrika-Route konzipiert, wurde die Kanzler 1891 in Dienst gestellt, strandete jedoch bereits auf ihrer zweiten Ausreise vor Kap Melano und sank. Die DOAL ersetzte sie zunächst durch einen ausländischen Dampfer und orderte anschließend einen Neubau mit gleichem Namen, der bis 1913 im Einsatz blieb.

Vorgeschichte

Der Schraubendampfer Kanzler entstand im Rahmen der Flottenplanung der DOAL, die eigens gegründet wurde, um die Reichspostdampfer-Subvention zu erhalten. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses mit dem Reich am 9. Mai 1890 verfügte die DOAL noch über keine eigenen Schiffe. Um die geforderten Termine zur Aufnahme des Postdienstes einhalten zu können, erwarb sie zunächst zwei Dampfer der Woermann-Linie, die unter den Namen Reichstag (2202 BRT, Baujahr 1889, Blohm & Voss) und Bundesrath (2192 BRT, Baujahr 1890, Blohm & Voss) in Dienst gestellt wurden. Beide Schiffe erfüllten die Anforderungen des Reichspostdampfervertrags und dienten als Übergangslösung.

Die Reichstag (vormals Eduard Bohlen I) begann am 23. Juli 1890 ihre erste vertraglich vorgeschriebene Versuchsfahrt und erreichte am 24. August Lamu sowie am 27. August Sansibar, die damals zum deutschen Einflussgebiet in Ostafrika gehörten. Vor der offiziellen Eröffnung der Reichspostdampferlinie am 4. März 1891 führten beide Schiffe jeweils zwei Rundreisen durch.

Für den regulären Dienst ließ die DOAL zunächst vier neue Dampfer bauen – zwei für die Hauptlinie und zwei für die Küstenlinien. Die Kanzler war eine der beiden Küstendampfer, die bei Blohm & Voss in Auftrag gegeben wurden. Sie sollte den Verkehr zwischen den kleineren Häfen entlang der ostafrikanischen Küste sicherstellen und ergänzte damit die größeren Reichspostdampfer auf der Hauptlinie. Ein sehr ähnliches Schiff entstand ebenfalls 1891 auf der Reiherstiegwerft und war als Kaiser bis 1912 im Dienst der DOAL.<ref>Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783782209908 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>

Einsatz und Verlust

<mapframe width="290" height="330" zoom="7" longitude="40.7000" latitude="-13.5533" text="Kurs des Reichspostdampfers Kanzler am Tag vor der Strandung. Dargestellt sind oben der Feuerturm Ibo und der letzte gesicherte Standort am Vortag der Strandung. Im Süden liegt die Strandungsstelle sowie der eigentliche Zielhafen auf der Ilha de Moçambique."> { "type": "FeatureCollection", "features": [ {

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In der Nacht zum 5. September, gegen 3 Uhr morgens, lief das Schiff plötzlich auf Grund und konnte trotz intensiver Bemühungen nicht mehr freigedreht werden. Durch die Strandung und den starken Wellengang wurde der Rumpf beschädigt, sodass Wasser eindrang. Nachdem sich Besatzung und Passagiere mit Hilfe der Rettungsboote in Sicherheit gebracht hatten, geriet das Schiff in den Morgenstunden zunehmend in Schräglage, kenterte und sank schließlich.<ref>Reichsamt des Inneren 1894, S. 175.</ref>

Der Küstendampfer Emin traf am 8. September zur Hilfe ein und nahm alle Schiffbrüchigen an Bord. Anschließend begann die Suche nach dem Wrack, an der sich auch das britische Kriegsschiff Mariner beteiligte – jedoch ohne Erfolg.<ref>Reichsamt des Inneren 1894, S. 176.</ref>

Die Untersuchung des Seeamts in Hamburg ergab, dass der Kapitän die durch den Passatstrom verursachte Kursversetzung nicht korrekt eingeschätzt hatte.<ref>Reichsamt des Inneren 1894, S. 170.</ref>

Ersatzmaßnahmen

Als kurzfristiger Ersatz erwarb die DOAL den vergleichsweise neuen Dampfer Tosari (2589 BRT, Baujahr 1890 bei Swan Hunter), der zuvor zur Deutschen Dampfschiffs-Rhederei (Kingsin-Linie) gehörte. Das Schiff wurde am 11. November 1891 unter dem Namen Admiral in Dienst gestellt. Da der Dampfer im Ausland gebaut worden war, entsprach das Schiff jedoch nicht den Anforderungen des Reichspostdampfervertrages. Deshalb wurde eigens für den Ersatz der gestrandeten Kanzler ein Neubau bei Blohm & Voss in Auftrag gegeben. Dieser trat am 18. Dezember 1892 ebenfalls unter dem Namen Kanzler seinen Dienst an und blieb bis 1913 im Einsatz.

Literatur

  • Arnold Kludas: Die Schiffe der deutschen Afrika-Linien 1880–1945. Gerhard Stalling, Oldenburg 1975, ISBN 3-7979-1867-4
  • Arnold Kludas: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt. Band 3: Sprunghaftes Wachstum 1900–1914. Ernst Kabel, Hamburg 1988, ISBN 3-8225-0039-9, Plan S. 28/29 (Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums, 20).
  • Christine Reinke-Kunze: Geschichte der Reichs-Post-Dampfer. Verbindung zwischen den Kontinenten 1886–1914. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1994, ISBN 3-7822-0618-5.
  • Reichsamt des Inneren (Hrsg.): Entscheidungen des Ober-Seeamts und der Seeämter des Deutschen Reichs. 10. Band, L. Friederichsen & Co., Hamburg, 1894 (Online-Version).

Fußnoten

<references/>

Koordinaten: 40° 50′ 32″ N, 14° 30′ 24″ W

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