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Kadelburg (Wallburg)

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Kadelburg
Datei:Kadelburg (BW) Wall Anhöhe.JPG
Heute noch erkennbarer Rest des Walles

Heute noch erkennbarer Rest des Walles

Alternativname(n) Castelburg, Kadilburck, Kadoltesburg
Staat Deutschland
Ort Küssaberg-Kadelburg
Burgentyp Höhenburg, Spornlage
Erhaltungszustand Burgstall
Geographische Lage 47° 36′ N, 8° 18′ OKoordinaten: 47° 36′ 22,3″ N, 8° 18′ 15,3″ O
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Kadelburg (Baden-Württemberg)
Kadelburg (Baden-Württemberg)

Die Kadelburg ist eine abgegangene Burg in Kadelburg (Küssaberg) in Baden-Württemberg.

Die Herkunft der Ortsbezeichnung ist bis heute nicht eindeutig erschlossen. Man vermutet auf dem Areal der heutigen evangelischen Bergkirche und dem daneben liegenden Friedhofsgelände, genannt „Bürgelen“, sowohl eine mittelalterliche Besiedlung als auch eine Nutzung bereits in keltischer Zeit. Reste einer im Volksmund als Keltenwall bezeichneten Wallanlage sind noch vorhanden. 1963 konnte der Heimatforscher Egon Gersbach Reste der Befestigungsanlagen verzeichnen. Es fehlt jedoch eine geophysikalische und archäologische Erschließung des Geländes.

Weitere Anlagen

Mündlich überliefert ist in Kadelburg ebenfalls die ehemalige Existenz eines römischen Wachturms (lat. burgus) an der Stelle der Bergkirche. Von dort gibt es einen Blick auf den beidseitigen Verlauf des Rheins am Rheinknie und zum wissenschaftlich nachgewiesenen römischen Wachturm bei Koblenz. Er diente möglicherweise der Absicherung der auf Schweizer Seite verlaufenden römischen Heerstraße, die durch eine römische Siedlung im Bereich des heutigen Zurzach mit Brücke über den Rhein führte.<ref>Christa-Renate Uhlbach: Kelten in Kadelburg. In: Geschichtsverein Hochrhein (Hrsg.): Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald, Beiträge zur Geschichte des Landkreises Waldshut, Jahrgang 2024, S. 145.</ref>

Emil Müller vermutete in seiner 1956 verfassten Dorfchronik Aus der Geschichte des Dorfes Kadelburg eine keltische Viereckschanze im Gewann „Egghau“ am östlichen Ausgang des Ortes. Diese war zu jener Zeit noch deutlich als von Menschen errichtet erkennbar, wurde aber durch den Straßenbau nach Dangstetten und intensive landwirtschaftliche Nutzung erheblich verändert. Eine LIDAR-Aufnahme des Landesdenkmalamtes verzeichnet diese Formation als auffällig.<ref>Emil Müller: Aus der Geschichte des Dorfes Kadelburg. 1. Auflage. Selbstverlag, Homburg/Tiengen 1956, S. 9.</ref>

Topographie

Ein beinahe rechteckiges aus Schichten des Doggers und einer Schotterkappe bestehendes Hochplateau schiebt sich nördlich des Ortes aus der Südabdachung des Klettgauranden weit nach Südwesten in das Rheintal vor.

Befestigungsspuren

An der Südwestecke der Hochfläche wurde ein dreieckförmiges Teilstück mit rundum steilen Halden herauserodiert, das in der Längsstreckung knapp 150 Meter misst. Vieles spricht dafür, dass hier einmal ein größerer Erdrutsch stattgefunden hat und die heutige Bergstraße als Zugang zum Hochplateau von Menschenhand künstlich angelegt wurde. Zum schmalen Ende hin war jenes Teilstück mit einem Wall abgeriegelt. „Der Wall erstreckte sich 1949 nach Süden in gerader Flucht noch 35 m weit in die Fläche hinein [...], 1963 war dieses Wallstück bis auf einen kurzen Stummel von 10 m Länge abgetragen und der vorgelagerte Graben mit dem angefallenen Lockermaterial verfüllt worden.“<ref>Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins.</ref> Es existiert eine Postkarte mit einer Luftaufnahme von Kadelberg aus den 1920/30er Jahren, die noch die größere Version des Walls zeigt, der zunächst nordwestlich der Bergkirche etwa von Süd nach Nord in niedriger Höhe entlang des Berghanges verlief und dann in etwa einem 90° Grad-Winkel Richtung Osten abbog, wobei er an Höhe gewann und abrupt mit einer Abbruchkante endete.<ref>Christa-Renate Uhlbach, Kelten in Kadelburg in: Geschichtsverein Hochrhein e.V., Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald, Beiträge zur Geschichte des Landkreises Waldshut, Jahrgang 2024, S. 140f</ref>

Umfeld und heutige Bebauung

An der Südostecke der Bergzunge befindet sich heute die evangelische Pfarrkirche mit dem sich nach Westen anschließenden Dorffriedhof. Die früher befestigte Innenfläche umfasst die Fluren „Kirchwiesen“ und „Spitzäcke“‘. Unmittelbar schließt sich außerhalb das Gewann „Im grauen Stein“ an, eventuell erinnernd an einen „Grauen Stein“, der möglicherweise das Symbol eines Hochgerichts war das sich dicht bei der frühmittelalterlichen Burg befand.<ref>Zitate im Kapitel sowie Text nach:Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins (Funde und Fundstellen in den Landkreisen Säckingen und Waldshut), Hrsg.: Staatliches Amt für Ur- und Frühgeschichte Freiburg und Staatliches Amt für Denkmalpflege, Abt. Ur- u. Frühgeschichte Karlsruhe, Badische Fundberichte, Sonderheft 11 (Katalogband), 1969, S. 217.</ref>

Bei einer Begehung im November 2017 wurde folgendes festgestellt: Der steile Anstieg zur Plateauböschung wird heute die direkt zum Eingangsportal der Bergkirche führende Treppe sein. Der großflächig angelegte Friedhof nimmt heute fast das ganze Plateau ein. Unweit vom Kriegerdenkmal befindet sich eine Sitzbank neben einer wallartigen Erhebung – vermutlich der von Egon Gersbach 1963 noch beobachtete „kurze Stummel“ des abriegelnden Walles. Laut Gersbach besteht die Möglichkeit, dass zwischen der Burg und dem alamannischen Gräberfeld zu Füßen direkte Beziehungen bestehen könnten.<ref>E. Gersbach: Urgeschichte, 1969, S. 209, Anm. 106.</ref>

Gräberfunde in Kadelburg

1829 meldete der Hauptzollverwalter zwei Funde in den Kellern des alten Schulhauses in Kadelburg (damals waren die Keller zum Erdreich hin offen). Als Grabbeigaben des ersten Grabes wurden ein großer Halsschmuck und eine gelbe Schnalle (nicht näher beschrieben) genannt. Das zweite Grab beinhaltete drei menschliche Skelette und ein Tierskelett mit einem großen Geweih, dessen Form man nicht kannte und zuordnen konnte. Der aus Zurzach hinzugezogene Bezirkstierarzt Schauffelbühl bezeichnete es als Elch („Elentier“). Da Elche in Kadelburg schon lange nicht mehr vorkommen, wird das Grab als sehr alt eingeschätzt.<ref>Ernst Wagner: Fundstätten und Funde aus vorgeschichtlicher, römischer und allemannisch-fränkischer Zeit im Großherzogtum Baden, 1. Teil: Das Badische Oberland. Tübingen 1908, S. 138 </ref>

1901 meldete ein Grenzkontrolleur einen größeren Gräberfund mit vielen Skeletten, die beim Umbau des alten Schulhauses entdeckt wurden (an anderer Stelle ist von 26/27 Skeletten die Rede). Aufgrund der aufgefundenen Grabbeigaben wies man diesem einen eindeutig alemannischen Charakter zu. Ebenfalls wurde Terra sigillata gefunden. Unter den Beigaben sind hervorzuheben eine große silberne, mit Gold überzogene Spange und zwei silberne Ohrringe, die wohl einer reichen Alemannensippe gehörten, ebenso eine Anzahl Tonperlen und Teile eines feinen, dünnen Bronzearmringes.<ref>Ernst Wagner, Fundstätten und Funde aus vorgeschichtlicher, römischer und allamannisch-fränkischer Zeit im Großherzogtum Baden, 1. Teil, Das Badische Oberland, Tübingen 1908, S. 138</ref>

Literatur

  • Hansjürgen Brachmann: Der frühmittelalterliche Befestigungsbau in Mitteleuropa. Untersuchungen zu seiner Entwicklung und Funktion im germanisch-deutschen Bereich. In: Schriften zur Ur- und Frühgeschichte. 45. Akademie Verlag. Berlin 1993, ISBN 3-05-001995-6
  • Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins (Funde und Fundstellen in den Landkreisen Säckingen und Waldshut), Hrsg.: Staatliches Amt für Ur- und Frühgeschichte Freiburg und Staatliches Amt für Denkmalpflege, Abt. Ur- u. Frühgeschichte Karlsruhe, Badische Fundberichte, Sonderheft 11 (Katalogband), 1969
  • Die Chronik des Kreises Waldshut. Das Haus- und Heimatbuch des Landkreises Waldshut. Hrsg.: Landkreis Waldshut, Vorwort von Landrat Wilfried Schäfer. Bearbeitet von Hans Matt-Willmatt, Vocke-Verlag, Waldshut 1957, S. 56.
  • Heinz Völlner: Die Burgen und Schlösser zwischen Wutachschlucht und Hochrhein, Schriftenreihe Heimat am Hochrhein, Hochrhein-Geschichtsverein (Hrsg.), 1975

Einzelnachweise

<references />

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