Kabylen
Die Kabylen (Eigenbezeichnung Vorlage:KabS, auch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}; Tifinagh-Schrift: {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}, arabisch{{#if:القبائل| {{#invoke:Vorlage:lang|fold}}{{#if:| {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:al-qabāʾil|, DMG {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:| <templatestyles src="IPA/styles.css" />
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Religion
Die Kabylen sind weit überwiegend sunnitische Muslime, deren Religion jedoch einen hohen Anteil an traditionellen berberischen Vorstellungen enthält. Vertreter der kabylischen Nationalbewegung stellen aufgrund der vorangegangenen Pan-Arabisierungspolitik, die eine Exklusion der Berber bedeutete, ihre berberische Identität der „arabisch-islamischen“ Kultur gegenüber.<ref>Mohand Tilmatine: French and Spanish colonial policy in North Africa: revisiting the Kabyle and Berber myth. In: International Journal of the Sociology of Language, Nr. 239. De Gruyter, 2016, S. 95–119, hier S. 110f</ref>
Kolonialismus und Ethnografie
Vom französischen Kolonialismus in Algerien ab 1830 wurde die Behauptung verbreitet, die Kabylen seien „ein nordisches Volk“,<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> im Gegensatz zu den „semitischen“<ref name=":0" /> Arabern. Die Kabylen seien nämlich direkte Nachfahren der Vandalen.<ref name=":0" /> Damit verbunden waren im Hinblick auf die Politik des Teile und herrsche<ref name=":0" /> auch Theorien über angeblich minderwertige Eigenschaften der Araber gegenüber höherwertigen Eigenschaften der Kabylen. Viele französische Militär- und Zivilbeamte teilten diese Sichtweisen. Die Kabylen wurden von ihnen bei der Stellenvergabe,<ref name=":0" /> im Bildungswesen,<ref name=":0" /> bei Steuern<ref name=":0" /> und politischer Teilhabe<ref name=":0" /> gezielt den arabischen Algeriern vorgezogen. Der Unterricht in kabylischer Sprache wurde gefördert,<ref name=":0" /> der Arabischunterricht an kabylischen Schulen wurde hingegen verboten.<ref name=":0" /> Die Franzosen bestanden darauf, dass die Rechtsprechung für Kabylen und arabische Algerier getrennt stattfand,<ref name=":0" /> wobei auf Druck der Franzosen das islamische Recht zugunsten des traditionellen Gewohnheitsrechts der Kabylen zurückgedrängt wurde. Der zuvor häufig fließende Übergang von einer kabylisch-algerischen zu einer arabisch-algerischen Identität verschwand zugunsten nunmehr offizieller Kategorisierungen.<ref name=":0" />
In den 1960er Jahren setzte sich der Soziologe Pierre Bourdieu in ethnografischen Studien zur Kabylei mit dem Geschlechterverhältnis auseinander.<ref>Pierre Bourdieu: Entwurf einer Theorie der Praxis. Auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-518-27891-6 (franz. 1972)</ref> In dieser Gesellschaftsstruktur stellte er den Gegensatz von männlich/weiblich als das wichtigste Klassifikationsprinzip heraus.<ref>Bridget Fowler: Pierre Bourdieus Die männliche Herrschaft lesen. Anmerkungen zu einer intersektionellen Analyse von Geschlecht, Kultur und Klasse. In: Ulla Bock, Irene Dölling, Beate Krais (Hrsg.): Prekäre Transformationen. Pierre Bourdieus Soziologie der Praxis und ihre Herausforderungen für die Frauen- und Geschlechterforschung. Wallstein, Göttingen 2007, S. 141.</ref> Frauen werden mit bestimmten negativen, Männer mit positiven Eigenschaften verbunden. Die Frau wird als eine „negative, einzig durch Mangel definierte Entität konstruiert“.<ref>Pierre Bourdieu: Die männliche Herrschaft. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2005, S. 51.</ref> Männlichkeit wird assoziiert mit kriegerischen Akten, mit der Abkehr vom Mütterlich-Weichlichen und mit Stärke und Schutz durch hartes Durchgreifen gegenüber Gesetzesbrechern, welche die Einheit des Clans bedrohen.<ref>Fowler, Bridget (2007): Pierre Bourdieus Die männliche Herrschaft lesen. Anmerkungen zu einer intersektionellen Analyse von Geschlecht, Kultur und Klasse. In: Ulla Bock, Irene Dölling, Beate Krais (Hrsg.): Prekäre Transformationen. Pierre Bourdieus Soziologie der Praxis und ihre Herausforderungen für die Frauen- und Geschlechterforschung. Göttingen: Wallstein Verlag. S. 146</ref><ref>Bourdieu, Pierre (2005): Die männliche Herrschaft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. S. 51</ref> Der kabylischen Frau hingegen ist das „Niedrige, Krumme, Kleine, Kleinliche, Unwichtige bestimmt“, wodurch sie dazu verurteilt ist, „jeden Augenblick der herabgeminderten Identität, die ihnen gesellschaftlich zugewiesen ist, den Anschein eines natürlichen Ursprungs zu verleihen“.<ref>Bourdieu, Pierre (2005): Die männliche Herrschaft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. S. 58</ref> Somit repräsentiert der Mann die öffentliche, offizielle, äußere Sphäre und beansprucht für sich die spektakulären und gefährlicheren Tätigkeiten. Die Frau hingegen bleibt beschränkt auf den häuslichen, privaten Bereich und verrichtet die unsichtbaren, niedrigeren Arbeiten.<ref>Pierre Bourdieu: Die männliche Herrschaft. In: Irene Dölling, Beate Krais (Hrsg.): Ein alltägliches Spiel. Geschlechterkonstruktion in der sozialen Praxis. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1997, S. 162.</ref>
Berühmte Kabylen sind Sail Ameriane (1894–1953), Taos Amrouche (1913–1976), Lalla Fatma N'Soumer (1830–1863), Krim Belkassem (1922–1970), Belkacem Lounes (* 1955), Mouloud Mammeri (1917–1989), Souad Massi (* 1972), Ferhat Mehenni (* 1951) und Zinédine Zidane (* 1972).
Siehe auch
Einzelnachweise
<references />
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