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KZ-Außenlager Fischen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:KZ-Außenlager Fischen 3.JPG
Überreste KZ-Außenlager Fischen (2012)
Lage des KZ-Außenlagers
Fischen in Bayern.

Das KZ-Außenlager Fischen (auch Kommando Kottern<ref name="Gedenkstättenpädagogik" />) war vom 6. November 1944 bis 25. April 1945<ref name="Gedenkstättenpädagogik" /> eines der 169 Außenlager des Konzentrationslagers Dachau.

Entstehung

Nachdem auch der Jagdflugzeughersteller Messerschmitt in Augsburg das Ziel alliierter Luftangriffe wurde, sollte die Rüstungsproduktion dezentralisiert und versteckt weiterlaufen, so auch hier in einem kleinen Waldstück südlich des Bahnhofs Fischen im Allgäu.<ref name="Steinmüller2010" />

Das Lager entstand wahrscheinlich bereits August/September 1944 als Außenkommando des 20 km nördlich gelegenen KZ-Außenlagers Kottern-Weidach.<ref name=Raim /> Das KZ-Außenlager Fischen war umgeben mit einem hohen, elektrischen Doppelzaun aus Stacheldraht, dazwischen liefen wilde Hunde, die darauf trainiert waren, die Gefangenen anzugreifen. Um das Lager herum standen Wachtürme, nachts beleuchteten Suchscheinwerfer das Gelände, um Fluchtversuche zu verhindern.<ref name="Römer2009" />

In vermutlich vier Baracken stellten im Schnitt 250 bis 300 Häftlinge aus Deutschland, Österreich, der Sowjetunion, Italien, Frankreich und Polen in zwölfstündigen Tag- und Nachtschichten Flugzeugrahmen für die Messerschmitt AG her.<ref name=Raim />

Lagerführung

Als Lagerführer nennen die Ermittlungsakten zu Beginn SS-Hauptsturmführer Ludwig Geiss, anschließend von Dezember 1944 bis April 1945 SS-Unterscharführer (oder SS-Untersturmführer) Emil Schmidt, der vorher im KZ-Außenlager Kempten eingesetzt war. Der Wachzug für das Lager Fischen bestand aus 18 Mann<ref name=Raim />, die zum Teil nicht aus der SS kamen, sondern Kriegsverletzte aus Lazaretten oder Piloten, die kein Flugzeug hatten und eben anderweitig eingesetzt wurden.<ref name="Steinmüller2010" />

Lagerbedingungen

Die hygienischen Verhältnisse für die Lagerinsassen waren als sehr schlecht zu bezeichnen:

„[…] Das Lager befindet sich immer noch im Aufbau und macht einen primitiven Eindruck. […] Die Abort- und Waschanlagen sind primitiv. Das Häftlingsrevier ist behelfsmäßig eingerichtet. Entlausungsangelegenheit fehlt noch. […]“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Dachauer Lagerarzt: Auszüge aus dem Vierteljahresbericht vom 27. März 1945 (einen Monat vor Aufgabe des Lagers)

Die Häftlinge berichteten später von Löchern in den Dächern der Baracken, Schmutz, Ungeziefer und Hungerrationen.<ref name=Raim />

Die harte Arbeit, schlechte Hygiene und unzureichende Ernährung forderten Opfer unter den KZ-Häftlingen.<ref name="Steinmüller2010" /> Sie litten an Skorbut und aßen aus Not vor Hunger Hunde und Katzen.<ref name="Römer2009" /> Die Überlebenschancen im Lager Fischen waren jedoch deutlich höher verglichen mit den höllischen Zuständen in Lagern des KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering oder des KZ-Außenlagers Riederloh II.<ref name="Steinmüller2010" />

Ebenfalls sind Hilfsaktionen bekannt, wie die des gelernten Maurers Alois Faulhaber, der ein halbes Jahr als Aufseher im SS-Arbeitslager arbeiten musste und der unter Lebensgefahr einen jungen unterernährten russischen Gefangenen mehrere Monate auf seinem eigenen Hof versteckte.<ref name=Schneider2009 />

Zwangsarbeit

Die KZ-Häftlinge mussten das Lager errichten und beim Aufbau der Wald-Produktionsgebäude

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   |name=Wald-Produktionsgebäude Messerschmitt im Langenwanger Weidach
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  }} von Messerschmitt im Langenwanger Weidach sowie in der Fabrik in Fischen arbeiten.<ref>Ralf Lienert: Tausende Häftlinge schufteten im Allgäu für die Rüstung – Auftrag vom Bürgermeister. In: Allgäuer Zeitung. Nr. 70, 24. März 2018.</ref>

Verbrechen

Vorermittlungen zu einem 1977 eingestellten Verfahren ergaben keine Anhaltspunkte für unmittelbare Tötungshandlungen. Überlebende berichteten über Misshandlungen sowie Erschießungen von Häftlingen nach Essensdiebstählen und Fluchtversuchen. Außerdem sollen Häftlinge auf dem Evakuierungsmarsch erschossen worden sein.<ref name=Raim />

Im Außenlager Fischen waren zwei in Wien verhaftete österreichische Widerstandskämpfer (Spanienkämpfer), Franz Storkan und Gustav Teply<ref name=StorkanTeply />, untergekommen, die die SS ausfindig machte, in das KZ-Dachau brachte und dort am 7. April 1945 in der Nähe des Krematoriums erhängte. Teply war dazu trotz einer Erkrankung von der SS aus dem Krankenrevier in Fischen geholt worden.<ref name="Steinmüller2010" /><ref name=Raim />

Datei:Fischen KZ-Mahnmal.jpg
Mahnmal-Stele (Foto: 2012)

Erinnerung

Im Oktober 2010 enthüllte die Gemeinde Fischen etwa 100 Meter Luftlinie von den Überresten des Lagers entfernt eine Stele des Künstlers Andreas Koop aus Nesselwang, die die Erinnerung an das Außenlager des KZ Dachau wachhalten soll.<ref name=Stele />

Siehe auch

Literatur

  • Markus Naumann: Spuren im Wald. Messerschmitt/Werkzeugbau Kottern und das KZ-Außenlager in Fischen. Ein Beitrag zur Rüstungsindustrie und Zwangsarbeit im oberen Allgäu während des Zweiten Weltkriegs (= Allgäuer Forschungen zur Archäologie und Geschichte,  3). Likias Verlag, Friedberg 2017, 2. ergänzte Auflage 2020, ISBN 978-3-9817006-6-4 (Leseprobe).
  • Gernot Römer: Für die Vergessenen. KZ-Außenlager in Schwaben – Schwaben in Konzentrationslagern. Wißner-Verlag, 1996, ISBN 978-3896390479, S. 123–128.

Zeitungsartikel

  • Ralf Lienert: Tausende Häftlinge schufteten im Allgäu für die Rüstung – Auftrag vom Bürgermeister. In: Allgäuer Zeitung. Nr. 70, 24. März 2018 (siehe auch Karte „KZ und Rüstungsanlagen Langenwanger Weidach“, Quelle: Markus Naumann).
  • Michaela Schneider: Fischen / Langenwang – Aus Dankbarkeit Lederstiefel genäht. Allgäuer Zeitung, Kempten 7. November 2009 (all-in.de).
  • Christian Steinmüller: Gespräch – Im Schatten von Dachau. Zeitungsartikel. Allgäuer Zeitung, Kempten 12. Oktober 2010 (all-in.de – Interview Gernot Römer vor seinem Vortrag in Fischen, im Allgäuer Anzeigenblatt).
  • Veronika Krull: Nationalsozialismus – Gegen das Vergessen – Eine Stele bei Langenwang erinnert an das Außenlager des KZ Dachau. Zeitungsartikel. Allgäuer Zeitung, Kempten 16. Oktober 2010 (all-in.de – im Allgäuer Anzeigenblatt).

Weblinks

Commons: KZ-Außenlager Fischen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Eintrag Fischen in Arolsen Archives International Center on Nazi Persecution (UNESCO-Weltdokumentenerbe) über International Tracing Service (ITS), Bad Arolsen, online unter collections.arolsen-archives.org. Abgerufen am 20. September 2021.
  • Gustav Teply 1.1.1909–7.4.1945. In: Geschichte der Kommunistischen Partei Österreichs / Widerstand gegen den Faschismus / Kommunistische WiderstandskämpferInnen in Österreich. Alfred Klahr Gesellschaft – Verein zur Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung, Wien (klahrgesellschaft.at), abgerufen am 23. September 2021.

Einzelnachweise

<references>

<ref name=Raim>siehe Literatur, Edith Raim 2005: Fischen</ref> <ref name="Römer2009"></ref> <ref name="Gedenkstättenpädagogik">siehe Weblink, Gedenkstättenpädagogik Bayern: Die Außenlager des KZ Dachau</ref> <ref name="Steinmüller2010">siehe Literatur, Zeitungsartikel, Christian Steinmüller 2010: Im Schatten von Dachau sowie Literatur Gernot Römer: Für die Vergessenen. KZ-Außenlager in Schwaben – Schwaben in Konzentrationslagern</ref> <ref name=Schneider2009>siehe Literatur, Zeitungsartikel, Michaela Schneider 2009: Aus Dankbarkeit Lederstiefel genäht</ref> <ref name=StorkanTeply>siehe Weblinks Spanienarchiv und Alfred Klahr Gesellschaft über Franz Storkan und Gustav Teply</ref> <ref name=Stele>siehe Weblinks Bild und Beschreibung der Stele sowie Literatur, Zeitungsartikel, Veronika Krull 2010 über die Erinnerungsstele</ref>

</references>

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Koordinaten: 47° 26′ 54,3″ N, 10° 16′ 24,8″ O

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