K.K. Telegrafen Centrale
Die ehemalige k.k. Telegrafen Centrale in Wien war das Hauptgebäude der österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung.
Geschichte
Zwischen 1870 und 1873 wurde das Gebäude als k.k. Telegrafen Centrale erbaut. Es befindet sich am Börseplatz 1. 1902-05 wurde es von Eugen Fassbender um ein zusätzliches Stockwerk vergrößert. Der Vordertrakt wird von einer Figurengruppe gekrönt, die auf einem Globus sitzt. Dies sollte die Telegraphie symbolisieren. Die Zentrale beherbergte auch eine Versuchsstation für drahtlose Telefonie und Telegraphie. 1964 wurde das Gebäude um einen Funkturm erweitert.<ref>http://immobilien.diepresse.com/home/gebaeude/1419476/Das-Ende-von-Wiens-letztem-Geisterhaus</ref> Dieser wurde 2018 im Zuge von Umbauarbeiten wieder abgebaut, da das Äußere des Gebäudes wieder in seinen Ursprungszustand versetzt werden soll.<ref>Turm der früheren Wiener Telegrafenzentrale wird abgebrochen. In: derstandard.at. 13. Juni 2018, abgerufen am 17. Oktober 2018.</ref>
Seit seiner Erbauung bis 1996 wurde das Haus vom österreichischen Post- und Telekommunikationsamt genutzt. Zuletzt war es Sitz der Post- und Telegraphenverwaltung.
In der Folge stand das Gebäude mehrere Jahre lang leer.<ref>3690/AB (XXII. GP) Entkernung der ehemaligen Telegrafen-Centrale. Republik Österreich Parlamentsdirektion, 1. März 2006, abgerufen am 18. März 2011.</ref>
2008–2013 fand im Post- und Telegraphenamt die Aufführung des interaktiven Simultandramas Alma – a Show Biz ans Ende von Joshua Sobol in der Inszenierung von Paulus Manker statt, das das Leben der Künstlermuse Alma Mahler-Werfel zum Inhalt hat und das vorwiegend in den Prunksälen im vierten Stock und im Erdgeschoß stattfand, die für die Aufführung komplett historisch ausgestattet wurden.<ref>Die Räume im Post- und Telegrafenamt. Juni 1996, abgerufen am 11. April 2026.</ref> Im Sommer 2013 wurde zum 200. Geburtstag des Komponisten Richard Wagner in den weitläufigen Kellerräumen des Gebäudes das ebenfalls von Paulus Manker inszenierte Simultandrama Wagnerdämmerung aufgeführt, in dem auch der unterirdische Hauptfrischluftkanal in den gegenüberliegenden Hermann-Gmeiner-Park zum Einsatz kam.<ref>Wagner 200 – Wagnerdämmerung</ref> Ergänzend wurde im Erdgeschoß eine große Ausstellung zur Person Richard Wagners gezeigt, an der Künstler wie Ona B., Christian Eisenberger, Hans Hollein, Alfred Hrdlicka, Karl Ferdinand Kratzl, Mara Mattuschka, Hannes Mlenek, Hermann Nitsch, Christoph Schlingensief, Deborah Sengl, Reinhard Trinkler, Erwin Wurm u. a. teilnahmen.<ref>Ausstellung: Wagner Extase. Juli 2013, abgerufen am 11. April 2026.</ref>
Nach dem Verkauf durch die Republik Österreich wurde die Bank Hypo Alpe Adria Eigentümerin des Gebäudes und gelangte dadurch ins Eigentum des kroatischen Armeegenerals Vladimir Zagorec. Die nachfolgende Eigentümerin Immovate plante die Entwicklung zu hochwertigen Wohnungen.<ref>Das Ende von Wiens letztem Geisterhaus. DiePresse, 1. März 2006, abgerufen am 18. Januar 2015.</ref> 2017 begannen die umfassenden Umbauarbeiten, im Zuge derer hochpreisige Eigentumswohnungen, Apartments sowie Büroräume entstanden, die zu den teuersten in Wien gehören.<ref>Architektur: Revitalisierung eines Wiener Prunkbaus. In: diepresse.com. Abgerufen am 17. Oktober 2018.</ref>
Architektur
Das Gebäude ist 54 m lang und 42 m breit und grenzt an die Hohenstaufengasse, die Helferstorferstraße und die Rockhgasse.
Vestibül
Das Vestibül bildet eine dreischiffige Säulenhalle mit Wandgliederung, Stuckdecken und Arkaden. Vom Vestibül gelangte man in den Telegrammaufgaberaum, der durch Wände mit der Kassa und der Reklamationsabteilung getrennt war. Dahinter befand sich der Amtsraum für telefonische Telegrammvermittlung, die Rohrpostzentralstation und das Zentralexpedit. Im Zentralexpedit befand sich eine Hausrohrpoststation sowie eine zwischen diesem und den Apparatsälen verkehrende Depeschenseilbahn. Rechts vom Vestibül befand sich ein Warteraum mit Zugang zu Sprechzellen und dem Umschaltsaal. Dieser Saal wurde durch eine Balustrade geteilt. Der eine war für das Personal bestimmt und enthielt die Umschalteinrichtungen, während der andere Teil aus fünf Sprechzellen bestand. Der Umschaltraum war durch Schalter mit jenen Orten verbunden, die ausschließlich für Journalisten zugänglich waren und so gab es auch besondere Sprechzellen dafür.
Parterre und Hauptstiegenhaus
Im Parterre befand sich der Kassensaal mit korinthischen Säulen, der bis vor kurzem noch das Postamt „Wien 6“ beherbergte. Im Hauptstiegenhaus erschließt eine Vierpfeilertreppe einen offenen Schacht mit toskanischen Säulen.
3. Stockwerk
Das dritte Stockwerk enthielt den Hauptrangierraum, in dem die Telegraphenkabel an die Hauptumschaltapparate angeschlossen waren, um von dort weiter in die Apparatsäle zu führen. Hier befanden sich auch die Translationseinrichtungen, Linienrelais und die Schlafsäle für das Nachtdienstpersonal.
4. Stockwerk
Das vierte Stockwerk enthielt die vier 7,3 Meter hohen Apparatsäle mit großen Bogenfenstern, die eine sezessionistische Stuckgliederung hatten. Diese Säle besitzen eine Bodenfläche von 1600 Quadratmetern, der größte dieser Säle ist 13 Meter breit und 40 Meter lang. In diesen Sälen mussten Tag und Nacht hunderte Personen arbeiten. Zur Klimatisierung gab es einen 32 Meter langen unterirdischen Hauptfrischluftkanal, der von der Gartenanlage am Börseplatz direkt unter der Wipplingerstraße zur Zentrale führte. Die Frischluft passierte mehrere Filter aus Segeltuch und einen Wasserzerstäubungsapparat, bevor sie zu den Heizkammern gelangte. Von hier aus konnte die Frischluft den Apparatsälen, dem Postamt, dem Zentralexpeditraum und dem Dachboden zugeführt werden. Im Winter wurde die Luft nicht nur geheizt, sondern auch befeuchtet. Bei +5 °C Außentemperatur konnte die Klimaanlage die Raumluft 1,5- bis 2-mal pro Stunde wechseln. Im vierten Stock befand sich auch der Hauptsaal mit einer Spiegelrahmendecke und Säulen mit Masken, unter anderem von Sol und Chronos.
Keller
Das Gebäude verfügt über mehrstöckige Kelleranlagen, die für die Theaterproduktion Wagnerdämmrung im Jahr 2013 komplett ausgestattet wurden.<ref>http://www.wagner200.com/photos/panoramas.html</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 48° 12′ 50,1″ N, 16° 21′ 59,3″ O
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