Kızlar Ağası
Kızlar Ağası ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), i. e. Konkubinen) oder Darüssaade Ağası<ref>Artikel. filozof.net, İslâm Ansiklopedisi</ref> war im Osmanischen Reich der Titel des obersten schwarzen Palasteunuchen.<ref name="Tarih ansiklopedisi">Yılmaz Öztuna: Tarih ve Politika Ansiklopedisi (deutsch: Geschichte und Politik Enzyklopädie). Hrsg.: Ötüken. 1. Auflage. 2006, ISBN 975-437-599-2, S. 348 (türkisch)</ref>
Der Aufstieg des Obersten der Haremseunuchen begann, als Murad III. sich entschloss, im Harem zu residieren und 1574 Habeşli Mehmed Ağa zum obersten Haremseunuchen und de facto zum ersten Darüssaade Ağası ernannte.<ref>Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5, S. 57.</ref> Bis dahin war der Posten des obersten Haremseunuchen dem des Kapı Ağası, des obersten der weißen Eunuchen untergeordnet gewesen. Manifestation des Machtübergangs war die 1588 erfolgte Übertragung der Aufsicht über die Evkafü’l-Haremeyn, die Stiftungen der beiden heiligen Stätten, die Prophetenmoschee in Medina und die Große Moschee in Mekka von dem Kapı Ağası Gazanfer Ağa an Habeşli Mehmed Ağa, der von nun an als Darüssaade Ağası bekannt wurde.<ref>Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5, S. 60</ref> Diese Stiftungen ermöglichten dem Kızlar Ağası Maßnahmen für die öffentliche städtische Infrastruktur des Osmanischen Reichs, die teilweise bis in die Gegenwart fortbestehen.<ref>Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5, S. 277</ref> Neben der Aufsicht über Stiftungen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) – unter Einschluss der erwähnten Evkafü’l-Haremeyn sollen es im Jahr 1668 313 an der Zahl gewesen sein<ref name="TDVIA">Ülkü Altındağ: Dârüsaâde In: TDV İslâm Ansiklopedisi Online</ref> – beruhten die Einflussmöglichkeiten des Kızlar Ağası auf dem persönlichen unmittelbaren Zugang zum Sultan und insbesondere der Sultansmutter ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), zu deren Vertreter er in Angelegenheiten des islamischen Rechts bestellt wurde.<ref name= "TDVIA"/> Ab dem 16. Jahrhundert besaß der Kızlar Ağası den Rang eines Pascha mit drei Roßschweifen. Die schwarzen Obereunuchen gehörten zu den Spitzenbürokraten des Osmanischen Reiches.
Die machtvolle Stellung des Kızlar Ağası endete in der Zeit des Tanzimat. Manifestiert ist dieser Machtverlust mit der Übertragung der Aufsicht über die Evkafü’l-Haremeyn an ein modernes Direktorium durch Sultan Mahmud II. im Jahr 1826.<ref>Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5, S. 275</ref> Angebahnt hatte diese Entwicklung sich bereits im 18. Jahrhundert. Die Niederlagen des Osmanischen Reichs seit der gescheiterten Belagerung von Wien 1683 führten zu einem mehr professionell verfassten diplomatischen Dienst und einer professionalisierten Außenpolitik, die der Kanzlei und deren Vorsteher, dem Reisülkuttab, zufiel. Dieser Bedeutungsgewinn führte dazu, dass im 18. Jahrhundert zunehmend das Amt des Großwesirs mit Personen besetzt wurde, die aus dem Amt des Reisülkuttab hervorgingen. Damit verbunden war, dass sich im Amt des Großwesirs ein neues, auch räumlich außerhalb des Palasts gelegenes Machtzentrum (Bâbı Âli, die „Hohe Pforte“) etablierte, das die Einflussmöglichkeiten traditioneller Palastbeamter wie des Kızlar Ağası beschränkte.<ref>Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5, S. 223</ref> Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Amt des Großwesirs weiter und näherte sich immer mehr dem eines Regierungschefs an.
Gleichzeitig wurde der Kızlar Ağası mehr und mehr unsichtbar. Er verlor seine imposante Robe und den ausladenden Kopfputz und war nun wie die anderen Funktionäre mit einer Uniform europäischen Zuschnitts und dem Fez bekleidet.<ref>Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5, S. 237/8</ref> Schließlich stockte auch der Zustrom ostafrikanischer Sklaven, aus denen das Personal der schwarzen Haremseunuchen, die oftmals aus der Region des heutigen Äthiopien und umliegenden Gegenden stammten, rekrutiert wurde, infolge britischer Pressionen zur Unterbindung des Sklavenhandels und des Umstandes, dass Muhammad Ali Pascha und seine Nachfolger mit Ägypten und dem Sudan Handelswege und Ursprungsgebiete der Sklaven kontrollierten.<ref>Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5, S. 238/9</ref> Mit dem Umzug der Sultane aus dem Topkapı-Palast in den Dolmabahçe- und später in den Yıldız-Palast war auch eine räumliche Veränderung der Lage des Harem verbunden, die Einflussnahme des Haremspersonals auf traditionellem Weg hinderte.<ref>Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5, S. 240</ref>
Bei der Jungtürkischen Revolution 1908 war keine Person mit dem Titel Dârüssaâdet Ağası mehr aufzufinden. Der Chef der Haremseunuchen, der Baş Musahib Cevher Ağa, gelegentlich Kızlar Ağası genannt, wurde nach dem Gegenputsch der Traditionalisten um Sultan Abdülhamid II. des Verrats bezichtigt und an der Galatabrücke gehängt. Sein Stellvertreter, der İkinci Musahib Nadir Ağa, entging diesem Schicksal durch Zusammenarbeit mit den Revolutionären und betrieb später eine Milchwirtschaft im damals noch ländlichen asiatischen Teil von Istanbul. Eine Repatriierung der Eunuchen nach der Auflösung des Harems Abdülhamids II. scheiterte, im Gegensatz zu den Konkubinen, die ihren Familien übergeben werden konnten.<ref>Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5, S. 240, 244</ref>
Nadir gab in den 1950er Jahren in zwei nicht immer übereinstimmenden Interviews Auskunft über seine Herkunft. Er sei von Abstammung her ein muslimischer Oromo aus dem südlichen Äthiopien gewesen und sei um 1880 als Kind bei einem Überfall auf sein Dorf, bei dem u. a. auch sein Vater getötet wurde, geraubt und von den Tätern unmittelbar danach kastriert und verblutend zurückgelassen worden. Er habe überlebt, sei aber von seiner Familie zurückgewiesen worden. Er geriet nach ein bis zwei Jahren erneut in Gefangenschaft und wurde in Mekka von der Frau eines Angehörigen der scherifischen Familie gekauft und ausgebildet. Nach etwa drei Jahren wurde er vom Scherifen von Mekka im Alter von 17 Jahren mit anderen Eunuchen Sultan Abdülhamid II. präsentiert. Der erste Teil der Biographie spiegelt die Zustände während der Unterdrückung des Sklavenhandels und die verworrene Lage in Äthiopien am Ende des 19. Jahrhunderts wider, der zweite (Kauf und Ausbildung durch eine lokale Oberschichtfamilie und Übergabe an den Sultan) gehörte zur regulären Laufbahn der Haremseunuchen. Lediglich kamen ab dem 19. Jahrhundert die Eunuchen nicht mehr aus Ägypten, sondern aus dem Hedschas an den Sultanshof. Ein weiterer Unterschied ist die Kastration, die traditionell chirurgisch in einem oberägyptischen koptischen Kloster vorgenommen wurde.<ref>Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5, S. 242–244</ref>
Bekannte Amtsinhaber
- Hacı Beşir Ağa war ein politisch äußerst einflussreicher Obereunuch
Siehe auch
Literatur
- Jane Hathaway: The Chief Eunuch of the Ottoman Harem. From African Slave to Power-Broker. Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1-107-10829-5
Einzelnachweise
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