Die Königin-Luise-Straße ist eine rund 2,2 Kilometer lange Hauptverkehrsstraße, die die Berliner Ortsteile Steglitz und Dahlem in Ost-West-Richtung verbindet. Sie folgt der traditionellen Verbindung zwischen Steglitz und dem Jagdschloss Grunewald. Ihren Namen erhielt sie 1906 nach der in der Podbielskiallee liegenden Königin-Luise-Stiftung, die 1907 bezogen wurde.<ref>Carl-Philipp Melms: Chronik von Dahlem. 1217 bis 1945: Vom Rittergut zur städtischen Domäne. Arani Verlag, Berlin 1982, ISBN 3-7605-8528-0, S.138.</ref><ref group="Anmerkung" name="ACC" />
Die Königin-Luise-Straße beginnt als Verlängerung der Grunewaldstraße an der Grenze zwischen den damaligen Gemarkungen Steglitz und Dahlem, an der sich auch heute noch der Grenzstein befindet. Ursprünglich ganz in Dahlem gelegen, wurden 1938 die Bezirksgrenzen verschoben. Östlich des Straßenzuges Englerallee – Altensteinstraße gehören heute das Straßenland und die nördlichen Grundstücke (Nummern 1–7, ungerade) zum Ortsteil Steglitz, die südlichen Grundstücke (Nummern 2–8, gerade) hingegen zum Ortsteil Lichterfelde. Nur der Königin-Luise-Platz blieb bei Dahlem.
Der Hauptteil der Straße (westlich des genannten Straßenzuges) gehört vollständig zu Dahlem. Es folgt auf südlicher Seite der Jürgen-Fuchs-Platz und der U-Bahnhof Dahlem-Dorf, wo an der Brümmerstraße die Trasse der Einschnittbahn überquert wird. Am alten Dorfkern liegt die Domäne Dahlem und die Dorfkirche. Hier quert die Nord-Süd-Verbindung Pacelliallee–Thielallee die Straße, die nach 850 Meter in der Clayallee mündet. Dort wird der alte Verbindungsweg zum Jagdschloss Grunewald als Forstweg fortgesetzt.
Bereits auf der Karte von 1780 ist die Straße als Verbindung zwischen Steglitz und Dahlem verzeichnet, die weiter zu den Grunewaldseen führt und lediglich aus breiteren Feld- und Waldwegen bestand. 1889 begann der Ausbau dieser Verbindung als Chaussee, zwischen Steglitz und dem Jagdschloss Grunewald, der erst 1901 abgeschlossen wurde. Der westliche Teil zwischen Dorfanger und den ehemaligen Schießplätzen an der heutigen Clayallee wurde erst 1908 gepflastert. Bereits 1905 verkehrte die Straßenbahn der Gemeinde Steglitz vom Bahnhof Steglitz bis zum Gattertor des Grunewaldes, etwa in der Nähe der Gelfertstraße. Die Straßenbahn wurde später bis zur heutigen Clayallee verlängert und 1959 durch Busse ersetzt. Im Berliner Adressbuch wird sie 1907 das erste Mal erwähnt.<ref>Königin-Luise-Straße. In: Berliner Adreßbuch, 1907, S. 153 (Erste Erwähnung im Berliner Adressbuch).</ref> Zuvor wurde sie als Steglitzer Chaussee aufgeführt.
Nummer 1–3: Das „Zoologie-Gebäude“, ist mit seinem weitläufigen, auch die Grundstücke Haderslebener Straße 1–9 umfassenden Gelände einer von sieben Standorten<ref name="biostand" /> des Instituts für Biologie<ref name="biologie" /> der Freien Universität Berlin (FU). Schwerpunkte sind neben Zoologie auch Neurobiologie und Bioinformatik. Das Gebäude wurde 1912 als Pflanzenphysiologisches Institut erbaut.<ref name="adress" /> Diese Funktion ging 1970 an ein neuerrichtetes Gebäude (siehe Nummer 12–16) über.
Nummer 5: Auf diesem Grundstück, noch 2008 von einem Max-Planck-Institut genutzt, wurden inzwischen durch eine Immobilienfirma 209 hochpreisige Studenten-Wohnungen errichtet.
Nummer 6–8:Botanisches Museum, Herbarium und Bibliothek. Das zwischen 1903 und 1906 errichtete Gebäude wurde im Krieg stark zerstört und zwischen 1953 und 1959 wieder aufgebaut.
Nummer 7: Eckgrundstück, Nummer nicht mehr genutzt. Hier befindet sich der Seiteneingang eines Restaurants in der Englerallee.
Nummer 9: Eckgrundstück, Nummer nicht mehr genutzt. Hier war Anfang der 1980er Jahre noch eine Tankstelle, seit Ende der 1980er Jahre steht hier eine Zahnklinik mit Eingang und Adresse in der Podbielskiallee.
Nummer 11: Flachbau, Nutzung als Restaurant.
Nummer 12–16: Das Institut für Pflanzenphysiologie, genannt „Pflaphy“, erbaut von 1966 bis 1970 als Institut für Pflanzenphysiologie und Zellbiologie der FU, besitzt einen ebenerdigen Bauteil mit weitläufiger Eingangshalle für die Lehre und darüber zwei Etagen für die Forschung. Architektonisch blieb der Architekt Wassili Luckhardt hier bei seinem letzten Werk dem Formenkanon des Neuen Bauens treu. Scharfkantige Baukuben ohne jede Verzierung brechen radikal mit der traditionellen Bauweise der Dahlemer Forschungsanstalten, insbesondere dem benachbarten Botanischen Garten und der schräg gegenüber liegenden ehemaligen Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft.<ref>Denkmaldatenbank Berlin: Institut für Pflanzenphysiologie und Zellbiologie der FU</ref> Später umbenannt in „Institut für Pflanzenphysiologie und Mikrobiologie“, ist es heute formal nur noch einer von sieben Standorten<ref name="biostand">Karte der Standorte. FU Berlin, Institut für Biologie</ref> des „Instituts für Biologie“,<ref name="biologie">Institut für Biologie. FU Berlin</ref> allerdings der weitaus größte.
Nummer 13: Dieses Haus (siehe Bild rechts) war im Oktober 2014 gerade fertiggestellt, aber noch nicht bezogen.Datei:Königin-Luise-Straße 15.JPGLeerstehendes Gebäude (Nr. 15)
Nummer 15: Ursprünglich wie Nummer 17–19 zur Kaiserlich Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft (Adressbuch 1915).<ref name="adress">Königin-Luise-Straße. In: Berliner Adreßbuch, 1909, Teil V, Dahlem, S. 174.
Nummer 28–30: Ein weiterer der sieben Standorte<ref name="biostand" /> des Instituts für Biologie<ref name="biologie" /> mit dem thematischen Schwerpunkt Neurobiologie.
Nummer 31: Erbaut und genutzt als Postamt. Ab 1917: Kaiserliches Postamt.<ref name="adress" /> Zuletzt (mindestens bis 2008): Postamt 332 Dahlem.
Nummer 33: Katholische St. Bernhard-Kirche, erbaut von 1933 bis 1934, Architekt Wilhelm Fahlbusch. Der kubische, mit roten Ziegelsteinen verblendete Stahlbetonbau ist in den Formen des Neuen Bauens ausgeführt, erinnert in seiner wuchtigen Architektur aber durchaus an die mittelalterlichen Backsteinbauten der Mark Brandenburg.<ref>Denkmaldatenbank Berlin: Katholische St. Bernhard-Kirche Denkmaldatenbank Berlin</ref> Die katholische Gemeinde bestand von 1934 bis 2010, seither ist St. Bernhard eine Filialkirche der Gemeinde Maria Rosenkranzkönigin mit der Kirche Rosenkranz-Basilika.
Nummer 37: Direkt an der Straße befindet sich ein kleines Haus mit einer Arztpraxis. Dahinter steht ein Supermarkt, dessen Zufahrt seitlich über die Straße Im Winkel erfolgt.Datei:Apotheke Dahlem.JPGWohn- und Geschäftshaus (Nr. 38)
Nummer 38: Wohn- und Geschäftshaus<ref>Denkmaldatenbank Berlin: Königin-Luise-Straße 38 / Takustraße 47: Wohnhaus und Laden</ref> von 1929 bis 1930, Entwurf Hans Altmann. Das zweigeschossige Eckgebäude mit hohem Walmdach steht im spitzen Winkel der beiden Straßen; es bildet mit seiner konkav geschwungenen Stirnseite einen kleinen Vorplatz und schafft so eine städtebaulich reizvolle Situation. Von den ursprünglich zehn Ladenlokalen im Erdgeschoss gibt es heute durch Zusammenlegungen nur noch sieben, darunter die am Vorplatz gelegene Apotheke Dahlem.
Nummer 39: Wohn- und Geschäftshaus mit einem Kopierzentrum.
Nummer 41/41a: In diesem Wohn- und Geschäftshaus von 1929, Entwurf Paul Renner,<ref>Moderne Wohnbauten im Berliner Westen. In: Deutsche Bauzeitung Heft 63/1929</ref> liegen die Buchhandlung Schleicher, Mit-Initiatorin des „Dahlemer Autorenforums“,<ref>Schleichers Buchhandlung</ref> und drei kleinere Geschäfte.
Nummer 43: Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke zur Archivstraße mit einer Bäckerei.
Nummer 47–51:Domäne Dahlem,<ref>Denkmaldatenbank Berlin: Domäne Dahlem</ref> das historische Rittergut des ehemaligen Dorfes beherbergt heute ein Freilandmuseum für Agrar- und Ernährungskultur.
Nummer 48: Landarbeiterhaus mit Nebengebäude von 1877 bis 1879.<ref>Denkmaldatenbank Berlin: Landarbeiterhaus mit Nebengebäude</ref> Das Landarbeiterhaus mit Nebengebäude, Königin-Luise-Straße 48, direkt am Vorplatz des U-Bahnhofs, wurde vermutlich 1878 im Auftrag der Domänenverwaltung für vier Familien errichtet.
Nummer 52: Das ehemalige Milchpächterhaus,<ref>Denkmaldatenbank Berlin: Milchpächterhaus, Gaststätte „Alter Krug“, 18./19. Jh.</ref> das bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert als Gaststätte „Alter Krug“ genutzt wird. Hier traf sich ab 1901 die „Kommission zur Aufteilung der Domäne Dahlem“.
Nummer 88–98: Die Schüler-Kolonie Dahlem. Das Internatsgebäude wurde 1906–1911 von Reimarus & Hetzel, Friedrich und Wilhelm Hennings und Heinrich Schweitzer erbaut.<ref>Denkmaldatenbank Berlin: Schüler-Kolonie Dahlem, Internat</ref> Das Haus Nummer 98 beheimatet heute einen Werkstattladen der Werkgemeinschaft für Berlin-Brandenburg.<ref>Werkgemeinschaft für Berlin-Brandenburg</ref> Auf dem weitläufigen Grundstück befinden sich außerdem das Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt, das Gewerbeaufsichtsamt, die Stiftung Hilfe für Opfer des NS-Willkürherrschaft sowie der Städtepartnerschaftsverein.
Nummer 95: Hier befindet sich der Neubau des Luisenstifts am historischen Ort.
Verkehr
Die Königin-Luise-Straße wird von der Buslinie X83 der BVG befahren. Mit der 1913 eröffneten Linie U3 ist Dahlem an das Berliner U-Bahn-Netz angeschlossen. Am U-Bahnhof Dahlem-Dorf ist der Endhaltepunkt der Buslinie M11. Die Buslinien 101, 110 und 115 verkehren in Nord-Süd-Richtung mit jeweils einer Haltestelle an der Königin-Luise-Straße.
Persönlichkeiten
In der Nr. 17 wohnte der Politiker Andreas Hermes, in der Nr. 49 die letzte Pächterin der Domäne Dahlem, Ottilie Kirchner, in der Nr. 89a die Schauspielerin Leny Marenbach, in der Nr. 89b der Schauspieler Hannes Stelzer.
Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Denkmale in Berlin Bezirk Steglitz-Zehlendorf – Ortsteil Dahlem. Michael Imhoff Verlag, Petersberg 2011, ISBN 978-3-86568-679-4.
Michael Engel: Geschichte Dahlems. Berlin-Verlag, Berlin 1984, ISBN 3-87061-155-3.
Carl-Philipp Melms: Chronik von Dahlem, 1217 bis 1945: Vom Rittergut zur städtischen Domäne. Arani Verlag, Berlin 1957 und 1982, ISBN 3-7605-8528-0.
<references group="Anmerkung">
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Das Teltower Kreisblatt schrieb am 5. Januar 1907: „Im Bau begriffen sind zur Zeit 27 Villen und das Königin-Luise-Stift in der Podbielskiallee. (Das „Luisenstift“ ist ein Erziehungsinstitut für junge Mädchen, welches gegenwärtig noch sein Heim in Berlin, Markgrafenstraße Nr. 10, bewohnt). Nach Fertigstellung des Neubaus in der Podbielskiallee wird es nach Dahlem übersiedeln. Dieser Tage wurde bereits die Dahlemer Chaussee, die dicht an dem Neubau der Königin-Luise-Stiftung vorüberführt, nach ihr in Königin-Luise-Straße benannt.“ Mit Dahlemer Chaussee ist hier offensichtlich die Steglitzer Chaussee gemeint, während die Straße nach der Stiftung benannt wurde. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass es keinen Zusammenhang zur Stiftung bei der Benennung gab, sondern dass die Straße nach der auch damals noch populären Königin Luise benannt wurde.
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</references>