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König-Friedrich-August-Turm

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Vorlage:Hinweisbaustein Vorlage:Infobox Aussichtsturm

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Blick von der Aussichtsplattform auf den Schafberg
Datei:Löbau, Blick vom König-Friedrich-August-Turm.jpg
Blick auf die Löbauer Altstadt
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Blick, der sich von der Wendeltreppe vor Betreten einer Galerie bietet

Der 28 m hohe König-Friedrich-August-Turm, umgangssprachlich auch nur der „Gusseiserne (Turm)“ genannt, wurde 1854 als Aussichtsturm auf der Kuppe des Löbauer Berges aus ca. 1000 Formgussteilen mit einem Gesamtgewicht von ca. 70 Tonnen innerhalb von nur zwei Monaten errichtet. Er ist der einzige, noch erhaltene Turm in Europa, der vollständig aus Gusseisen erbaut wurde.

Zwei nach außen offenen Galerien, die sich in unterschiedlicher Höhe an der Außenseite des Turms befinden, gestatten die Aussicht auf den umgebenden Wald, den benachbarten Schafberg und die am Fuße des Berges liegende Stadt Löbau, deren Wahrzeichen der Turm ist. Von der Aussichtsplattform in ca. 24 m Höhe sind Fernsichten bis zum Zittauer Gebirge und in weite Teile der Oberlausitz möglich.

Der Kaufmann Carl Schmidt sprach am 1. Januar 1851 auf einer Versammlung der Löbauer Bürgerschaft als erster von einem „Turm mit Turmwirtschaft“<ref>Karl Bernert: Der gusseiserne Turm auf dem Löbauer Berg. Hrsg.: Rat der Stadt Löbau. Löbau, DNB 110884523, S. 3 (vermutlich 1986 herausgegeben).</ref> – zwei Jahre später lagen die fertigen Baunterlagen vor. Gestiftet wurde das Bauwerk vom Löbauer Bäckermeister Friedrich August Bretschneider. Namensgeber war der sächsische König Friedrich August II. Als technisches Denkmal steht der Turm unter Denkmalschutz.<ref name="romeo" />

Geschichte und Gestaltung

Bereits um 1850 beabsichtigten die Löbauer Bürger auf dem schon damals als Ausflugsziel genutzten Löbauer Berg einen Aussichtsturm zu errichten. Dieser sollte dem damaligen Zeitgeist entsprechen und dem „tugendhaft-bürgerlichen Engagement“ der Löbauer Bürgerschaft Ausdruck verleihen aber auch ihre Heimatstadt über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machen.<ref name="romeo">Der gusseiserne Turm in Löbau. In: Semesterarbeit an der FH Anhalt, Masterstudiengang Denkmalpflege, 2. Semester. Abgerufen am 15. Oktober 2025.</ref>

Nach Diskussionen über Aussehen und Finanzierung gab es 1853 zwei Alternativen. Man wollte den Turm entweder in traditioneller Bauweise „Stein auf Stein“ als Ziegelbau hochziehen<templatestyles src="FN/styles.css" /> b) oder aber aus vorgefertigten Bauteilen aus Gusseisen auf der Kuppe des Löbauer Berges errichten. Der Gedanke an die letztgenannte Variante ist auf das Vorhandensein von Erzvorkommen und Eisengießeren in der Region zurückzuführen, die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Zentrum des Gießereihandwerks war.<ref name="romeo" />

Bereits im späteren 18. Jahrhundert erlebte sowohl die Eisengewinnnung als auch der Eisenguss einen enormen Aufschwung. Durch die Einführung der mit Steinkohlenkoks befeuerten Kupolöfen war es möglich geworden aus Roheisen und Eisenschrott Gusseisen herzustellen. Zum Schmelzen des Eisens waren nun nicht mehr die viel höheren Temperaturn wie noch zuvor im Hochofen notwendig.

Im Bauwesen war England bereits am Ende des 18. und im 19. Jahrhundert beim Einsatz von Formgussteilen führend; hier baute man aus Gusseisen Brücken, Gewölbeträger sowie Geländer und dergleichen. Bereits 1779 überspannte dort »The Iron Bridge« den Fluss Severn – die erste gusseiserne Bogenbrücke der Welt, die fast vollständig aus Gussteilen erbaut wurde.<ref>Die gußeisernen Bogensprengwerkbrücken Englands. In: Friedrich Heinzerling: Die Brücken in Eisen. Verlag von Otto Spamer, Leipzig 1870, S. 94 (Volltext in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Angesichts des erfolgreichen und kostengünstigen Einsatzes von Gusseisen beim Bauen in England entwickelte sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts auch die Gusseisenarchitektur in Deutschland. Hier stellten jetzt die Eisenwerke in Lauchhammer und Schlesien neben plastischen Gebäudeverzierungen auch Formgussteile für Brücken- und andere Bauwerke her.<ref>Vorlage:ZentralblBauverw</ref>

Die Löbauer Bürgerschaft entschied sich 1854 schließlich dafür auf dem Löbauer Berg einen filigranen gusseisernen Turm zu errichten, dessen Konstruktion sich technisch am Vorbild des Londoner Kristallpalastes orientierte, der 1847 für die erste Weltausstellung (1851) als Ausstellungsgebäude entworfen worden war. Für den Zusammenbau der vorgefertigten Formgussteile war eigens ein spezielles Stecksystem entwickelt worden, das einen leichten Zusammenbau möglich machte. Außerdem ließen sich Formgussteile kostengünstig vervielfältigen.<ref name="romeo" />

Der Grundriss des König-Friedrich-August-Turms hat die Form eines Achtecks, dessen Eckpunkte auf einem gedachten Kreis von 4 m Durchmesser liegen.<ref name="romeo" /> An den Eckenpunkten wurden die außenliegenden Säulen des Turms platziert. Diese sind aus Teilstücken von jeweils 3 m Länge zusammengesetzt. In den Säulen wurden beim Gießen Nuten belassen, in welche die Gussplatten der Auenwände bei Montage eingeschoben und anschließend mit flüssigem Blei vergossen (verbleit) wurden. Die Gussplatten der Außenwände sind mit Inschriften, Wappen und Medaillons in farbigen und vergoldeten Fassungen verziert.<ref name="romeo" />

Beim Besteigen des Turms über die innengelegene Wendeltreppe – speziell handelt es sich bei dieser um eine Spindeltreppe mit 116 Stufen – passiert der Besucher zwei, die Außenwände des Turm umlaufende Galerien in 12 und 18 m Höhe, bis er in einer Höhe von ca. 24 m über dem umgebenden Gelände (+/-0,00 m) die Aussichtsplattform erreicht. Sowohl die beiden Galerien als auch die Aussichtsplattform sind nicht überdacht; nur der Innenraum des Turms, wird 3 m oberhalb der Aussichtsplattform von einer mit Holz beplankten Dachhaube überspannt. Deren tragende Konstruktion besteht aus zwei miteinander verstrebten Oktogonen, die von den Säulen der Treppenkonstruktion getragen werden.

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Blick auf die Saülen an den Ecken des Turms und die filigranen Formgussplatten der Außenwände

Die Stützen der Außenwânde des Turmd sind durch Zuganker im Felsgestein des Löbauer Berges 8 m tief verankert. Der Turm wird im Querschnitt durch gusseiserne Bögen, die auf Druck beansprucht werden und Zugstäbe statisch fixiert. Vertikallasten, die von den gusseisernen Bauteilen und durch Niederschläge in die Konstruktion des Turms einbringen werden, fangen die im Felsgestein verankerten Stützen der Außenwànde ab. Auftretende Horizontalkräfte, die auf die Windlast und die Baukonstruktion selbst zurückzuführen sind, werden in jeder der drei Etagen durch Ringanker, die Bodenbeläge und die Holme der Geländer neutralisiert. Die Vertikallasten, welche durch die Wendeltreppe (Spindeltreppe) einschließlich der Lasten, die durch die Außenwände. die Galerien. die Aussichtsplattform und das Dach in das statische System des Turms eingetragen werden, leiten die Säulen an den Eckpunkten der Außenwände und die tragenden Säulen der Treppenkonstruktion. auf die Bodenplatte des Turms ab. Zudem sind die Säulen der Treppenkonstruktion mit denen der oktogonalen Außenkonstruktion mit Streben verbunden (verstrebt).<ref name="romeo" />

Datei:Löbau - Löbauer Berg - König-Friedrich-August-Turm 19 ies.jpg
Stufen der gusseisernen Wendeltreppe

Die filigranen Formgussteile der Außenwände des Turms, ermöglichen das Ausleuchten des Turminneren mit Sonnenlicht und lassen bereits beim Besteigen des Turms Blicke in die umgebende Natur zu. Dem Besucher wird so der Eindruck vermittelt, ein Bauwerk zu betreten, das in einer uns fremden Kulturlandschaft und folglich in einem für uns ungewohnten Baustil errichtet wurde. Zweifellos war den Bauplanern und Modelleuren des gusseisernen Turms der vielfach in Europa adaptierte maurische Stil bekannt, in dem zwischen dem 8. und 18. Jahrhundert im Maghreb und in Andalusien verschiedenste Bauwerke errichtet worden waren.<templatestyles src="FN/styles.css" /> a) Als Bildhauer und Modelleur der Gussformen für die Formteile, die im Turm verbaut wurden, wird C.W. Marquart genannt. Baumeister war Carl Gottlieb Lippert, der wie aktenkundlich belegt ist, bereits 1853 mit dem Bau von Modellen für die Herstellung von Gussformen für die gusseisernen Bauteile des Turms begann.<ref name="romeo" /><ref>Stadtrundgang – der König-Friedrich-August-Turm. Die Erbauer – Bretschneider & Co. In: Stadt Löbau. Abgerufen am 25. Oktober 2025.</ref>

Der Turm vom Löbauer Bäckermeister F. A. Bretschneider gestiftet: von ihm soll auch der Ausspruch stammen: „Je weiter der Blick – desto freier das Herz“.<ref name="romeo" /> Bretschneider bot der Stadt an, das Projekt komplett zu finanzieren knüpfte jedoch einige Bedingungen an sein großzügiges Angebot: Er allein wollte er die Bauweise des Aussichtsturm bestimmen; sein Sohn, F. A. Bretschneider jun., aber die Errichtung des Bauwerks als Architekt betreuen. Auch die Auswahl der am Bau des Turms beteiligten Unternehmen wollte Bretschneider selbst treffen. Für das Grundstücks auf dem der Turm stehen sollte, beanspruchte Bretschneider das uneingeschränkte Nutzungsrecht für 15 Jahre und darüber hinaus die Erlaubnis des Löbauer Stadtrats zum Betrieb der nahegelegenen Turmwirtschaft – ebenfalls für 15 Jahre. Die Löbauer Stadtväter stimmten den Forderungen des Stifters uneingeschränkt zu.<ref name="denkmalschutz">Löbau, Sachsen – Gußeiserner Turm. In: Website der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Abgerufen am 9. Oktober 2025.</ref> Bretschneider musste sich aber verpflichten der Stadt Löbau nach Ablauf dieser Frist, sowohl den Turm als auch die Gastwirtschaft für 2000 Thaler zu überlassen.<ref>Karl Bernert: Der gusseiserne Turm auf dem Löbauer Berg. Hrsg.: Rat der Stadt Löbau. Löbau, DNB 110884523, S. 4 (vermutlich 1986).</ref>

Im Januar 1854 begannen die Abholzungsarbeiten auf der vormals voll bewaldeten Kuppe des Löbauer Berges.<ref name="romeo" /> Am 18. Mai 1854 erfolgte durch den Löbauer Bürgermeister Karl Hartmann die Grundsteinlegung des gusseisernen Turms.<ref name="150-jähriges_Jubiläum">150 Jahre König-Friedrich-August-Turm auf dem Löbauer Berg. In: foto.loebaulebt.de. Abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref> Anlass war der 57. Geburtstag des sächsischen Königs Friedrich August II. (1797–1854). Die tragenden Säulen, welche die vertikale und horizontale Lasten des Bauwerks aufnehmen und dessen Standfestigkeit gewährleisten, wurden acht Meter tief im Felsgestein des Löbauer Bergs verankert. Vor Montage des Turmaufbaus setzte man unter Verwendung von 80 m³ Holz ein Gerüst in achteckiger Form um den späteren Standort.

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Kupferne Ehrentafel am Fuße des Turms für Ludwig von Klitzing – Besitzer des Eisenhütten & Emallierwerkes Bernsdorf

Das 1788 gegründete Eisenhüttenwerk in Bernsdorf (Oberlausitz) mit Eisenhammer und Schmelzofen zum Verhütten des lokalen Raseneisensteins wurde mit dem Gießen der Bauteile für den Turm beauftragt und lieferte 1853 auch die Zeichnungen.<ref name="romeo" /><ref name="turmtafeln">Löbau, König-Friedrich-August-Turm – Turmtafeln und Wappen. In: foto.loebaulebt.de. Abgerufen am 8. Oktober 2025 (Auf der Website sind die Tafeln, die sich am Fundamentsockel des gusseisernen Turms befinden, abgebildet).</ref>

Im Februar 1854 gab der sächsische König die Zustimmung, dass der Turm seinen Namen tragen und das sächsische Wappen angebracht werden dürfe. Anfang Juni 1854 begann man, den Turm aufzusetzen. Die Montage dauerte trotz der im Vergleich zu heute wenigen technischen Möglichkeiten nur zweieinhalb Monate. Die Baukosten waren mit 5 500 Taler veranschlagt worden, beliefen sich letzten Endes jedoch auf 25.000 Taler.<ref name="150-jähriges_Jubiläum" /> Am 9. September 1854 wurde der gusseiserne Turm der Öffentlichkeit übergeben. Der Namenspatron des Turms, Friedrich August II., konnte der Einweihung nicht mehr beiwohnen; er war zuvor bei einem Unfall in Tirol tödlich verunglückt.

Datei:König-Friedrich-August-Turm, Eintrittskarte, um 1890.jpg
Eintrittskarte zum Turm (um 1890)

Eine Gastwirtschaft, die nur ein par Schritte vom Turm entfernt liegt, wurde am 16. Juli 1854 eingeweiht. Sie lädt noch heute zu einem Besuch ein.

Im Jahr 1870 wurde der Turm von den Erben des Stifters Friedrich August Bretschneider übernommen und erhielt zusätzlich acht kupferne Orientierungstafeln.<ref name="turmtafeln" />

Weil seine Standsicherheit beeinträchtigt war, musste der Turm 1965/66 gesichert werden. Um ihn zu stabilisieren, wurden vier eiserne „Bauchbinden“ angebracht. Weil die tragenden Säulen, an manchen Stellen eingerissen oder abgebrochen waren, wurde der Turm 1992 für Besucher gesperrt. Mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt Löbau, das Land Sachsen und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die das Projekt mit insgesamt 150.000 Euro förderten, konnte der gusseiserne Turm am Jahrestag seines 140-jährigen Bestehens, dem 9. September 1994, als Aussichtsturm wieder zugänglich gemacht werden. Damit seine einzelnen Teile saniert werden konnten, musste der Turm 1993 zunächst vollständig demontiert werden. Nachdem er wieder aufgebaut worden war, konnte er pünktlich am Jubiläumstagvder Öffentlichkeit feierlich übergeben werden.<ref name="denkmalschutz" />

Im November 2010 wurde an der Bundesstraße B 178 eine Informationstafel aufgestellt, die auf den gusseisernen Turm als touristisches Ziel hinweist – die erste ihrer Art, die im Freistaat Sachsen genehmigt worden war.

Anmerkungen

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a) 
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b) 
„›Stein auf Stein‹ als Ziegelbau hochziehen bedeutet, ein Massivhaus zu errichten, bei dem die Mauern aus Ziegelsteinen Stockwerk für Stockwerk und Lage für Lage aufgebaut werden. Diese traditionelle Massivbauweise ist langlebig und robust, erfordert aber einen hohen handwerklichen Aufwand, da die Steine einzeln verarbeitet werden müssen.“ (Quelle: Google Gemini)

Literatur

  • Karl Bernert: Der Aussichtsturm auf dem Löbauer Berg. In: Institut für Denkmalpflege, Berlin, i. A. d. Ministeriums für Kultur der Deutschen Demokratischen Republik u. Kulturbund der Deutschen Demokratischen Republik, Zentrale Kommission Natur und Heimat (Hrsg.): Denkmalpflege in der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1975, S. 51–54.
  • Karl Bernert: Der gusseiserne Turm auf dem Löbauer Berg. Hrsg.: Rat der Stadt Löbau. Löbau, DNB 110884523 (vermutlich 1986).

Weblinks

Datei:Loebau Koenig Friedrich August Turm.jpg
Das Bild wurde von Wilma Rambow, Studentin im Masterstudiengang Denkmalpflege in ihrer Semesterarbeit an der FH Anhalt verwendet, auf die in diesem Abschnitt verwiesen wird

Einzelnachweise

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