Kähnsdorf
Kähnsdorf Gemeinde Seddiner See
| ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(460)&title=K%C3%A4hnsdorf 52° 16′ N, 13° 2′ O
{{#coordinates:52,27|13,04|primary
|
dim=10000 | globe= | name=Kähnsdorf | region=DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code | type=city
}} |
| Höhe: | 40 m | |||||
| Fläche: | 4,84 km² | |||||
| Einwohner: | 460 (31. Dez. 2023)<ref>See Kurier – Amtsblatt für die Gemeinde Seddiner See Nr. 1/2024. (PDF; 1,9 MB) Gemeinde Seddiner See, S. 2, abgerufen am 6. Februar 2025.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 95 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 6. Dezember 1993 | |||||
| Postleitzahl: | 14554 | |||||
| Vorwahl: | 033205 | |||||
Kähnsdorf (links oben) im Naturpark Nuthe-Nieplitz
| ||||||
Kähnsdorf ist seit dem 6. Dezember 1993 ein Ortsteil der Gemeinde Seddiner See im Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 460 Einwohnern (Dezember 2022).
Geografie
Kähnsdorf liegt im Naturpark Nuthe-Nieplitz am Südufer des Großen Seddiner Sees und westlich des Kähnsdorfer Sees. Große Teile des 484 Hektar umfassenden Ortsgebietes gehören zum Landschaftsschutzgebiet Nuthetal – Beelitzer Sander in der Zauche. Im Süden schließen sich die Wälder der Stückener Heide an. Das Gassendorf besitzt einen Anteil an der wüsten Feldmark Fretzow.<ref name="Rohrlach180">Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 180)</ref>
Geschichte
Etymologie
1375 wurde Kähnsdorf als Kenstorp, Kenstorf, Kenstorff mit einer Größe von ca. 20 Hufen im Landbuch Karls IV. erstmals erwähnt. Weitere Nennungen waren Kenßdorff im Jahr 1575 und Kenstorff im Jahr 1580.<ref name="Rohrlach180" /> Der Name stammt aus dem Slawischen und bedeutet Siedlung eines Mannes namens Kanja.<ref>Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 85 ISBN 3-937233-30-X, ISSN 1860-2436.</ref>
Frühzeit bis 15. Jahrhundert
Erste menschliche Ansiedlungen am Großen Seddiner See liegen mehr als 10.000 Jahre zurück, wie Bodenfunde belegen. Über die Landenge zwischen dem Kähnsdorfer und Seddiner See verlief eine mittelalterliche Heer- und Handelsstraße, die spätere Poststraße Leipzig – Berlin. Die Landenge stellte die gefährdetste Stelle der historischen Nord-Süd-Verbindung dar, sodass zu ihrem Schutz die Nachbardörfer Wildenbruch und Fresdorf bei der Deutschen Ostsiedlung besonders großzügig ausgestattet wurden.<ref name="Klünder">Georg Klünder: Untersuchung über die Geschichte Wildenbruchs. In: Blickpunkt Spezial, 2002, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Auszug bei Ev. Kirchengemeinde Wildenbruch ( vom 31. Mai 2009 im Internet Archive)</ref><ref>Joachim Herrmann: Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle Gross-Berlins und des Bezirkes Potsdam. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte, 9: 1-229, Berlin 1960.</ref> Im Gemälde Am Seddiner See bei Kähnsdorf stellte der Österreicher Carl Schuch 1880 die Landenge zwischen den Gewässern dar.
Vor 1375 besaß der Markgraf in Kähnsdorf das Obergericht sowie den Wagendienst. Vor 1450 bis nach 1540 stand der Ort unter der Vogtei beziehungsweise dem Amt Trebbin, vor 1616 bis 1826 unter der Vogtei Beelitz beziehungsweise dem Amt Saarmund und von 1826 bis 1872 unter dem Amt Potsdam. Um 1375 wurden zwanzig Hufen verzeichnet, von denen der Pfarrer zwei Hufen innehatte und der Lehnschulze drei Hufen besaß. Es bestanden zwei Kossätenstellen, ein Krug wurde nicht genannt. Die Kossäten trieben sechs Hufen auf der wüsten Feldmark Fretzow. Für das Jahr 1450 wurden 18 Hufen genannt. 1472 wurde das Gericht zu Kähnsdorf mit zwanzig Schock bewertet. 1481 bestanden ebenfalls 18 Hufen, von denen vier Hufen wüst lagen.<ref name="Rohrlach180" />
16. Jahrhundert
1541 war Kähnsdorf ein Filial von Schlunkendorf und besaß keine eigene Kirche. 1575 gaben die zwei Pfarrhufen sechs Scheffel Roggen und zwei Scheffel Hafer, doch erklärten die Einwohner, sie wüssten nicht, wo die Pfarrhufen lägen. Der Pfarrer erhielt 30 Scheffel Roggen, während der Küster zwei Scheffel Korn sowie ein Brot aus jedem Haus bekam.<ref name="Rohrlach181">Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 181)</ref> Im Jahr 1580 besaß der Hirte kein Vieh.<ref name="Rohrlach180" />
17. Jahrhundert
Im Jahr 1616 wurden sieben Hufner genannt. 1624 bestanden acht Hufner und ein Hirte; insgesamt wurden 24 Hufen einschließlich zwei Pfarrhufen gezählt. 1625 wurden ein Dreihufner und sechs Zweihufner aufgeführt. Zusätzlich bestanden eine freie Hütung auf der Wriezen‑ oder Fretzower Mark, zwei Lehnhufen, von denen keine Abgaben geleistet wurden, sowie zwei Pachthufen, von denen die von Oppen Roggenpacht erhielt; all diese Hufen lagen zu Fretzow. 1646 wurden fünf Einwohner, darunter der Schulze, genannt. In den 1680er Jahren wurden zwei Dreihufner erwähnt, bei denen jeweils eine Hufe ausfiel, da sie untüchtig und bewachsen war; dazu kamen fünf Zweihufner, bei denen jeweils eine halbe Hufe ausfiel, ebenfalls wegen Bewachsung. Zwei von ihnen besaßen zudem jeweils zwei Hufen auf der wüsten Feldmark Fretzow, von denen wiederum jeweils eine halbe Hufe ausfiel. Ein weiterer Zweihufner war wüst, wobei ebenfalls eine halbe Hufe ausfiel. Außerdem wurden ein Kuhhirte und ein Krüger genannt. Insgesamt bestanden 22 Hufen und zwei Pfarrhufen; laut Amtsbuch wurden jedoch nur 18 Hufen geführt, während vier Hufen als zwei Lehnhufen und zwei Pachthufen später verzeichnet wurden, die auf der Wrietzer Feldmark bei Stücken lagen und von denen die Gemeinde nichts wissen wollte. Sechzehn Hufen galten als kontribuabel, jede Hufe mit einer Leistung von 2½ Scheffel Sommersaat und 3½ Scheffel Wintersaat.<ref name="Rohrlach180" />
18. Jahrhundert
1745 wurden acht Bauern genannt. 1757 bestanden erneut acht Bauern, darunter der Erbschulze, der drei Hufen besaß, dazu drei Dreihufner und vier Zweihufner. Außerdem wurden ein Büdner und eine Witwe aufgeführt. 1772 wurden ein Freischulze, sechs Bauern und ein Kossät verzeichnet.<ref name="Rohrlach181" />
19. Jahrhundert
1801 wurden ein Lehnschulze, sieben Ganzbauern, ein Einlieger sowie ein Krug genannt. Es wurden 20 Morgen Holz, 20 Bauernhufen und zwölf Feuerstellen verzeichnet. 1837 wurde Kähnsdorf als Dorf mit 13 Wohnhäusern beschrieben. 1858 galt Kähnsdorf als Dorf mit zwei öffentlichen Gebäuden, 13 Wohnhäusern und 29 Wirtschaftsgebäuden.<ref name="Rohrlach181" /> Die Fläche umfasste 1025 Morgen: 9 Morgen Gehöfte, 5 Morgen Gartenland, 424 Morgen Acker, 116 Morgen Wiese, 57 Morgen Weide und 414 Morgen Wald.<ref name="Rohrlach180" /> Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Teile des Landes parzelliert, es entstanden eigene Siedlungen, so in den 1920er Jahren die Siedlung Kähnsdorf als Waldhaufendorf.
20. Jahrhundert
Im Jahr 1900 wurden fünfzehn Häuser gezählt. 1931 bestanden fünfzehn Wohnhäuser mit 17 Haushaltungen. 1939 wurden die land‑ und forstwirtschaftlichen Betriebe wie folgt verzeichnet: fünf Betriebe mit 20–100 Hektar, zwei Betriebe mit 10–20 Hektar, zwei Betriebe mit 5–10 Hektar sowie sechs Betriebe mit 0,5–5 Hektar.
1946 wurden 36,7 Hektar enteignet, darunter 11,7 Hektar Ackerland, 3,7 Hektar Wiesen und 21 Hektar Wald. Davon wurden 17,7 Hektar an vier Bauern verteilt, 12,9 Hektar an einen Umsiedler, 6 Hektar gingen an die Gemeinde. Zusätzlich erhielten die Berechtigten 28 Hektar Waldzulage aus der Gemeinde Ferch, von denen jeweils drei Hektar auf drei Bauern aufgeteilt wurden. 1956 bestand eine LPG Typ III mit sieben Mitgliedern und 93 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1960 wurden eine LPG Typ III mit fünfzehn Mitgliedern und 127 Hektar LN sowie eine LPG Typ I mit zehn Mitgliedern und 37 Hektar LN genannt; letztere wurde 1963 an die LPG Typ III angeschlossen. 1967 folgte der Anschluss der LPG Typ I Seddin. 1973 bestand eine LPG.<ref name="Rohrlach181" />
Am 6. Dezember 1993 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Kähnsdorf, Neuseddin und Seddin freiwillig zur Gemeinde Seddiner See zusammen.<ref>Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1993 StBA</ref>
Sehenswürdigkeiten
- Findlingsgarten, ein 25.000 m² großes Freilichtmuseum mit Findlingen, eiszeitlichen Geländeformschätzen und nordischen Leitgeschieben.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Findlingsgarten Seddiner See ( des Vorlage:IconExternal vom 5. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Gemeinde Seddiner See</ref> Zudem zeigen im Findlingsgarten in einer Freiluft-Skulpturenausstellung zwölf Künstler wie Marina Schreiber, Karl Menzen oder Volker Bartsch 26 zeitgenössische Werke.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Galerie Ruhnke, Ausstellungsflyer: Skulpturen im Findlingsgarten Seddiner See. ( des Vorlage:IconExternal vom 11. September 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 469 kB)</ref>
- Heimatstube und Kulturscheune, ein denkmalgeschütztes Ensemble aus Fachwerkhäusern. Das letzte in Kähnsdorf verbliebene rohrgedeckte Fachwerkhaus wurde um 1700 als Privathaus erbaut und von 1825 bis 1930 als Volksschule genutzt. Ab 1995 wurde es rekonstruiert und saniert zur Schaffung des kulturellen Gemeindezentrums Heimatstube und Kulturscheune, die 2001 eröffnet wurde.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gemeinde Seddiner See, Heimatstube & Kulturscheune ( vom 29. März 2010 im Internet Archive)</ref>
- Kähnsdorfer Strand, der größte Strand des Großen Seddiner Sees liegt am Ostufer des Sees
Weblinks
Literatur
- Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 180 und 181)
Einzelnachweise
<references />