Jólasveinar
Jólasveinar [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] (deutsch Weihnachtsgesellen) sind die isländischen Weihnachtsmänner oder Weihnachtstrolle, 13 grobe, raue Gesellen. Heutzutage bringen sie aber auch Geschenke und tragen rote Mäntel.
Brauchtum
Die Jólasveinar (vom Isländischen jól für Weihnachten) kommen ab dem 12. Dezember aus den Bergen zu den Menschen. Jeden Tag kommt einer hinzu, bis am aðfangadagskvöld („Anfangstagsabend“, Heiliger Abend) alle zusammen sind. Den braven Kindern legen sie ein Geschenk in den vor das Fenster gelegten Stiefel, den anderen eine faule Kartoffel. Nach dem Heiligabend geht täglich wieder einer zurück, bis an þrettándinn (dem 13. Weihnachtstag/Heilige Drei Könige, 6. Januar) alle wieder verschwunden sind.
Ihre Mutter ist das Trollweib Grýla und Leppalúði ihr Vater. Ursprünglich brachten sie keine Geschenke, sondern stahlen hier und dort etwas Essbares und ärgerten die Menschen. Grýla ist eine Schreckgestalt, der nachgesagt wird, dass sie am liebsten unartige Kinder fresse. Zu ihren Hausgenossen gehört auch jólakötturinn (die Weihnachtskatze). Sie frisst faule Leute, die nicht alle Wolle vom Herbst verarbeitet hatten. Die Fleißigen bekommen zu Weihnachten jólaföt (Weihnachtskleidung), etwas zum Anziehen.
Der Rest vom Kochen waren zusätzliche Happen für die Kinder, Stúfur, Þvörusleikir und Pottaskefill machen sie ihnen streitig. Jeder Bewohner im Haus hatte seinen persönlichen Askur (hölzernen Essnapf) mit einem Klappdeckel. Nicht jeden Tag wurde warmes Essen gekocht. In den alten Zeiten waren „Kerti og Spil“ (eine Talgkerze und ein Kartenspiel) gebräuchliche Weihnachtsgeschenke für die Kinder.
Die Taten der Weihnachtskerle werden in einem bekannten Gedicht von Jóhannes úr Kötlum (1899–1972) beschrieben. In Island gibt es 13-seitige Adventskalender. Das Weihnachtslied Jólasveinar einn og átta („Weihnachtsmänner einer und acht“) erzählt von nur neun Weihnachtsgesellen. In anderen Texten werden seltener auch andere Namen für sie genannt.
Liste der Jólasveinar
| Kommt | Geht | Isländisch | Aussprache | Deutsch |
| 12. Dezember | 25. Dezember | Stekkjarstaur | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Pferchpfosten, ist dürr und steif, klaut Milch der Mutterschafe im Stall |
| 13. Dezember | 26. Dezember | Giljagaur | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Schluchtenkobold, nascht vom Milchschaum im Kuhstall |
| 14. Dezember | 27. Dezember | Stúfur | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Knirps, der Kleine liebt die angebrannten Reste in der Pfanne |
| 15. Dezember | 28. Dezember | Þvörusleikir | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Kochlöffellecker, vergreift sich am Kochgeschirr |
| 16. Dezember | 29. Dezember | Pottaskefill | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Topfschaber, leckt die Kochtöpfe leer<ref>Wird auch Pottasleikir genannt. Siehe: Ute Fischer, Bernhard Siegmund: Island mit dem Schiff. 2018, S. 144.</ref> |
| 17. Dezember | 30. Dezember | Askasleikir | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Essnapflecker, versucht die stehengelassenen Essnäpfe zu mopsen |
| 18. Dezember | 31. Dezember | Hurðaskellir | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Türzuschläger, ärgert durch Lärm die Leute |
| 19. Dezember | 1. Januar | Skyrgámur | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Skyr-Gierschlund, labt sich am isländischen Milchprodukt Skyr |
| 20. Dezember | 2. Januar | Bjúgnakrækir | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Wurststibitzer, angelt die geräucherten Würste aus dem Rauchfang |
| 21. Dezember | 3. Januar | Gluggagægir | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Fensterglotzer, späht mit großen Augen in die warmen Stuben |
| 22. Dezember | 4. Januar | Gáttaþefur | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Türschlitzschnüffler, ihn erkennt man an seiner langen Nase |
| 23. Dezember | 5. Januar | Ketkrókur | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Fleischkraller, holt sich seinen Teil vom Weihnachtsbraten |
| 24. Dezember | 6. Januar | Kertasníkir | [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] | Kerzenschnorrer, hat es auf die Talgkerzen abgesehen |
Weblinks
- Jólasveinar Þjóðminjasafnsins. ismennt.is, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. Dezember 2012; abgerufen am 16. Dezember 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Ragnar Eythorsson: Jólasveinar 2002. 23. Dezember 2002 (moderne Version; isländisch)
- Die 13 isländischen Weihnachtsmänner. InReykjavik.is, 11. Dezember 2017
- Rudolf Hermann: Wie Islands Weihnachtszwerge zahm und freundlich wurden. In: Neue Zürcher Zeitung, 21. Dezember 2015
- Weihnachtszeit auf Island: Besuch der Weihnachtstrolle, Össur, 6. Dezember 2023
Anmerkungen
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