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Justizpalast (Brüssel)

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Der Justizpalast in Brüssel

Der Justizpalast in Brüssel

colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Daten
Ort Brüssel
Baumeister Joseph Poelaert
Baujahr 31. Oktober 1866 – 15. Oktober 1883
Höhe rd. 116 m
Grundfläche 26.000 m²
Koordinaten 50° 50′ 12,2″ N, 4° 21′ 5,8″ OKoordinaten: 50° 50′ 12,2″ N, 4° 21′ 5,8″ O
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Der Justizpalast von Brüssel (französisch Palais de Justice de Bruxelles, niederländisch Justitiepaleis van Brussel) ist das bedeutendste Gerichtsgebäude Belgiens. Es wurde zwischen 1866 und 1883 nach Plänen des Architekten Joseph Poelaert im Stil des eklektizistischen Historismus in der belgischen Hauptstadt Brüssel errichtet und war der größte Justizpalast des 19. Jahrhunderts.<ref name="Min">Bayerisches Staatsministerium der Justiz: 100 Jahre Justizpalast München: 1897–1997. Onlinepublikation, München 2004, S. 7.</ref>

Bedeutung

Zu dieser Zeit wurden in Europa zahlreiche monumentale Paläste für die obersten Gerichtshöfe erbaut, die konzeptionell dem Vorbild des Pariser Palais de Justice nachempfunden waren. Der Brüsseler Justizpalast nahm hierbei eine Vorreiterrolle ein. Bereits wenige Jahre nach der Gründung Belgiens im Jahr 1831 wurde mit den Planungen begonnen.<ref name="Min" />

Der Bau sollte ein Symbol für die Rechtsstaatlichkeit des neuen Staatsgebildes sein.<ref name="Min" /> Er versinnbildlicht zudem die Größe des vereinten Belgiens und gilt als belgisches Nationalsymbol. Die Finanzierung wurde von König Leopold II. großzügig bezuschusst; dafür stand ihm auch Geld aus Rohstoffverkäufen des späteren Kongofreistaats zur Verfügung.<ref name="Bauwelt">Sebastian Redecke: Am Koloss verzweifeln. Nutzungskonzepte für den Justizpalast in Brüssel. In: Bauwelt, Heft 17/2011, S. 10–12.</ref> Die Gesamtbaukosten werden auf rund 46,5 Millionen Goldfrank geschätzt,<ref name="Unesco">Unesco World Heritage: Le Palais de Justice de Bruxelles; Abruf am 20. September 2017</ref> das entspricht etwa 497.500 Feinunzen Gold.

Das Gebäude nahm sämtliche Justizbehörden Brüssels auf, darunter auch den obersten Gerichtshof Belgiens. Der Justizpalast prägt das Stadtbild aufgrund seiner Größe und der exponierten Lage auf dem Galgenberg am Übergang zwischen Ober- und Unterstadt. Eine über hundert Meter hohe Kuppel unterstreicht den monumentalen Charakter. Vergleichbare Projekte entstanden in Wien, München oder Rom. In Größe und Monumentalität blieb der Justizpalast in Brüssel allerdings unübertroffen.<ref name="Min" />

Das Gerichtsgebäude beherbergt heute den belgischen Kassationshof.

Das Bauwerk wurde im Jahr 2008 von der belgischen Regierung als Kandidat für das UNESCO-Weltkulturerbe vorgeschlagen.<ref name="Unesco" />

Architektur

Datei:Justizpalast Brussel Grundriss EG 1881.jpg
Grundriss vom Erdgeschoss (nach F. Wellens, 1881)
Datei:Palais de Justice Interior.JPG
Innenansicht des Kuppelsaals

Der rechteckige Grundriss ist 160 Meter lang und 150 Meter breit.

Die eindrucksvolle Empfangs- und Verteilerhalle (Salle des pas perdus), in die man beim Betreten des Gebäudes durch den Haupteingang sogleich gelangt, ist einschließlich der Galerien und Treppenaufgänge 3.600 Quadratmeter groß und 97,5 Meter hoch.<ref name="Scholz19">Markus Scholz: Der Justizpalast von Brüssel. Bachelorarbeit an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Kunsthistorisches Institut; Note 1,0), Tübingen 2015, S. 19 u. Anm. 103.</ref> Der Fußboden ist im Zentrum mit einem großen Windrosenmosaik geschmückt.<ref name="Agent">@1@2Vorlage:Toter Link/www.buildingsagency.beBuildingsagency.be: Justitiepalais (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2017. Suche im Internet Archive ) Abruf am 20. März 2017.</ref>

Die imposante Kuppel erhebt sich in knapp 98 Metern Höhe<ref name="Scholz19" /> auf dem zentralen Turmaufbau und verleiht dem Gebäude eine Gesamthöhe von rund 116 Metern;<ref name="Unesco" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Metropole Brüssel: Justizpalast (Memento vom 20. April 2016 im Internet Archive).</ref> andere Quellen nennen 104 Meter<ref>Justizpalast (Brüssel). In: StructuraeVorlage:Abrufdatum</ref> oder 142 Meter.<ref name="Agent" /> Die unterschiedlichen Angaben können aus Abweichungen der Messmethoden oder des Ausgangsniveaus resultieren.<ref name="Scholz19" /> Bedingt durch die Hanglage auf dem Hügel befindet sich der Haupteingang mehr als 20 Meter höher als der Eingang auf der Westseite des Gebäudes.<ref>Markus Scholz: Der Justizpalast von Brüssel. Tübingen 2015, S. 15.</ref> Nachdem die Kuppel am 3. September 1944 von deutschen Besatzern in Brand gesteckt worden war, musste sie nach dem Krieg neu aufgebaut werden. Die Form wurde dabei leicht verändert und die Kuppel ist seitdem um 2,5 Meter höher als zuvor.<ref name="Agent" /><ref>Markus Scholz: Der Justizpalast von Brüssel. Tübingen 2015, S. 23.</ref> Auf der Kuppelspitze befand sich bis 2002 eine 17 Meter hohe Funkantenne.<ref name="Agent" />

Das Gebäude besitzt acht Innenhöfe, 27 Gerichtssäle und 245 weitere Räume. Getragen wird es teilweise von einer innenliegenden Stahlkonstruktion, damals eine technische Innovation.

Mit einer Fläche von 26.000 m² ist der Brüsseler Justizpalast deutlich größer als der Petersdom in Rom,<ref name="Unesco" /> erreicht aber nicht dessen Kuppelhöhe.

Ärger der Anwohner

Damit die Pläne verwirklicht werden konnten, mussten die Bewohner im Jahr 1867 den historischen Brüsseler Altstadtbezirk Bovendael räumen. Viele wütende Bürger machten den Architekten Joseph Poelaert persönlich dafür verantwortlich und gaben ihm den Hassnamen „schieven architek“. Das Wort „schiev“ (etwa: schimpflich, schändlich) soll eines der gröbsten Schimpfwörter im Dialekt der Marolles gewesen sein.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schieven architek! (Memento vom 2. Februar 2014 im Internet Archive) (niederländisch).</ref>

Zustand

Der Brüsseler Justizpalast gilt als marode und ist seit Jahrzehnten als Problembau bekannt. Der Kuppelturm ist seit mehr als 40 Jahren<ref>Nicolas Keszei: Les échafaudages du palais de justice, entre tradition orale et archives perdues. In: L’Écho. 1. Mai 2021, abgerufen am 28. Juni 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> eingerüstet; die Gerüste sind inzwischen selbst baufällig. Zahlreiche Säle sind aufgrund von Bauschäden nicht mehr nutzbar, mehrere Justizabteilungen haben den Bau verlassen und sind in Neubauten umgezogen. Seine Erhaltung als belgisches Nationalsymbol ist politisch umstritten.<ref name="Bauwelt" /> Ab 2020 wurden die Bemühungen wieder verstärkt, das Bauwerk doch noch zu retten; bis 2028 soll die Außenfassade saniert sein.<ref>Harald A. Jahn: Brüsseler Justizpalast: Sogar die Gerüste sind baufällig. In: Die Presse. 4. Dezember 2024, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref>

Weblinks

Commons: Justizpalast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Datei:Justizpalast Brussel Nordansicht 1881.jpg
Ansicht von Norden, 1881 kurz vor der Fertigstellung

Einzelnachweise

<references />

davorHöchstes Hochhaus der Weltdanach
Western Union Telegraph Building (70 m)Justizpalast in Brüssel (104 m / 116 m) (?)
1883–1894 / 1883–1899 (?)
Manhattan Life Insurance Building (106 m) (?)


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