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Julius Schwabe (Mediziner)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Julius Rudolph Schwabe<ref>Nicht zu verwechseln mit Julius Schwabe aus Buttstädt, der von Herbst 1835 bis Ostern 1839 in Jena studierte und später Pfarrer in Utzberg war.</ref> (* 29. Januar 1821 in Weimar<ref>Getauft im Februar 1821 (Weimarisches Wochenblatt vom 25. März 1821, S. 130).</ref>; † 1. Februar 1892 in Jena<ref>Todesanzeige in Jenaische Zeitung vom 2. Februar 1892, 4. Seite; beigesetzt am 4. Februar (Jenaische Zeitung vom 10. Februar 1892, 3. Seite, Kirchenliste).</ref>) war ein deutscher Arzt in Blankenburg bei Rudolstadt.

Leben

Julius Schwabe war ein Sohn des Weimarer Bürgermeisters Carl Lebrecht Schwabe und seiner Ehefrau Louise geb. Schmidt, Schwester der Henriette von Herder geb. Schmidt. Er veröffentlichte 1852 die Aufzeichnungen seines Vaters über die Beisetzung des Dichters Friedrich Schiller (1805) und die erneute Beisetzung seiner Gebeine (1826) in bearbeiteter Form; auch 1859 und 1890<ref>Harmlose Geschichten, 4. Kapitel.</ref> bemühte er sich, darüber Klarheit zu schaffen.<ref>Seine Bearbeitung hat allerdings Kritik gefunden (Max Hecker: Schillers Tod und Bestattung. Leipzig 1935, S. 280).</ref> Er war auch bei der etwa 1880 einsetzenden Forschung zur Authentizität des Schiller-Schädels behilflich.<ref>Hermann Welcker: Schiller’s Schädel und Todtenmaske, nebst Mittheilungen über Schädel und Todtenmaske Kant’s, Braunschweig 1883, S. 2.</ref><ref>Auch seine Tochter leistete einen Beitrag: Toni Schwabe, Ein Beitrag zum Kampf um den „echten Schädel“ Schillers. In: Deutsche Rundschau Band 160, 1914, S. 157f.</ref>

Schwabe studierte in Jena von Herbst 1839<ref>Eingeschrieben als „Julius Schwabe“ aus Weimar am 24. Oktober 1839; Verzeichniß der Studirenden auf der Universität Jena Nr. 27, S. 21.</ref> bis Herbst 1842<ref>Verzeichniß der Studirenden Nr. 32, S. 22.</ref>; im ersten Semester für Jura eingeschrieben, danach für Medizin. Während der letzten vier Semester gehörte er der burschenschaftlichen Verbindung Zum Felsenkeller an.<ref>Harmlose Geschichten 1890, S. 182. Vgl. L. Wild: Das funfzigjährige Jubiläum der deutschen Burschenschaft. Jena 1865, S. 169.</ref> Es schlossen sich drei Semester in Göttingen an;<ref>Eingeschrieben am 29. Oktober 1842 als „Julius Rudolf Schwabe“ aus Weimar (Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen 1837–1900. Hildesheim 1974, S. 60); Verzeichniß der Studirenden 1843/1844 S. 22.</ref> schließlich nochmal ein Semester in Jena<ref>Verzeichniß der Studirenden Nr. 36, S. 21.</ref>. Im Oktober 1844 schloss er das Studium durch die Promotion ab.

Im Oktober 1846 wurde er Amts-Physikus in Tiefenort.<ref>Weimarische Zeitung vom 3. Oktober, S. 313; Staats-Handbuch für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach 1851, S. 192.</ref> Zum April 1852 wurde ihm das Amtsphysikat von Blankenhain übertragen.<ref>Weimarische Zeitung vom 7. April 1852, S. 299.</ref> Damit war die Leitung des Carl-Friedrichs-Hospitals verbunden, einer Versorgungsanstalt für „Hilfsbedürftige, die an unheilbaren Krankheiten des Geistes und des Körpers“ litten. Nach einer Erweiterung 1854 hatte die Anstalt 80 Betten;<ref>Staats-Handbuch für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach 1855, S. 106; dazu S. 125.</ref> durch einen Neubau konnten ab Oktober 1861 110 Patienten untergebracht werden.<ref>Staats-Handbuch 1869, S. 98.</ref>

Datei:Julius Schwabe, Anzeige 12. Juni 1870.jpg
Werbung im Kladderadatsch
vom 12. Juni 1870<ref name="A1870" />

Zum 1. Juli 1870 eröffnete Schwabe in Blankenburg ein Pensions- und Kurhaus, in dem er in der Art eines Kurarztes tätig war.<ref name="A1870">Anzeige in Beiblatt zum Kladderadatsch vom 12. Juni 1870, Erstes Beiblatt, 2. Seite, Bad Blankenburg.</ref> Im März darauf verließ er den Staatsdienst; im April erhielt er den Titel Medizinalrat.<ref>Blätter von der Saale vom 14. März 1871, 3. Seite, Weimar, und vom 29. April, 3. Seite, Weimar.</ref> Diese Kurarzt-Tätigkeit verfolgte er bis etwa Mitte 1873.<ref>Vgl. die Literatur von 1872 und die Anzeige in Beiblatt zum Kladderadatsch Nr. 16 vom 6. April 1873, Zweites Beiblatt, 4. Seite, An Blutarmuth, Rheumatismus.</ref> In der Zeit entwickelte er die Konzeption einer „offenen Anstalt“ zur Behandlung beginnender Psychosen<ref>Vgl. seinen Aufsatz von 1874.</ref> und ließ die ergänzende Villa Emilia bauen, die er als offene Heilanstalt bewarb.<ref>Anzeigen in Beiblatt zum Kladderadatsch Nr. 3 vom 18. Januar 1874, Erstes Beiblatt, 3. Seite, Gemüthsleidende, und in Anzeigeblatt zur Deutschen Klinik Nr. 18, zu Deutsche Klinik vom 12. Dezember 1874, S. 44, Die offene Heilanstalt.</ref> Ab 1. Januar 1874 arbeitete der Arzt Karl Bindseil bei ihm mit.<ref>Averbeck 2012, S. 876 Anm. 1495.</ref> Bindseil wurde am 1. Oktober 1879 Mitinhaber.<ref>Vgl. Anzeigen in Berliner Klinische Wochenschrift vom 31. März 1879, S. 192, und vom 27. Oktober, S. 651.</ref>

Schwabe überließ Bindseil die Anstalt zum 1. Oktober 1884 und zog nach Weimar,<ref>Adreß-Buch der Großherzoglichen Haupt- und Residenzstadt Weimar. 1885, S. 65.</ref> im folgenden Jahr nach Jena.<ref>Adreßbuch der Residenz- und Universitätsstadt Jena. 1886, 506e Felsenkellerstraße; Adreßbuch 1889, Villengang 1.</ref>

Schwabe war zweimal verheiratet. Der ersten Ehe mit Pauline Koch, geschlossen im August 1847 in Tiefurt,<ref>Heiratsanzeige in Beilage zur Weimarischen Zeitung Nr. 68 vom 25. August 1847, S. 390.</ref> entstammte seine Tochter Sophie, die 1877 seinen Kollegen Karl Otto Bindseil (* 1848 in Aken; † 1917 in Wiesbaden) heiratete. Der zweiten Ehe mit Emilie Henriette Sophie Horn aus Tondern (* 1840; † 27. März 1902 in Jena)<ref>Todesanzeige und Kirchenliste (Feuerbestattung) in Jenaische Zeitung vom 30. März 1902, 4. Seite, und vom 3. April, 2. Seite.</ref>, geschlossen in Blankenburg, entstammte als einziges Kind die Tochter Antonie „Toni“ Julie Friederike Marianne (* 31. März 1877 in Blankenburg, Taufe am 3. Januar 1878; † 17. Oktober 1951 ebenda)<ref>Angaben nach Hans-Helmut Lawatsch: Leben der Toni Schwabe mit genealogischem Vorspann. In: Rudolstädter Heimathefte. 36. Jg. 1990, Heft 11/12, ISSN 0485-5884, S. 243–246. Toni ist in Weimar bei dem Vater und dem Onkel von Julius beigesetzt.</ref>, die sich einen Namen als Schriftstellerin<ref>Vgl. ihre Darstellung in Brümmers Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts […], 6. Aufl. [1913], 6. Band, S. 365f..</ref> und lesbische Aktivistin machte.

Schriften (Auswahl)

  • De polypis et rationibus quibus curentur. Inauguraldissertation Jena 14. Oktober 1844.<ref>Seinem medizinischen Lehrer Heinrich Haeser gewidmet und seinem Bruder Carl (* 1807), Arzt in Großrudestedt.</ref>
  • Dr. A. Rivallié über die erfolgreiche Behandlung des Krebses, der skrophulösen Verschwärungen und Geschwülste, sowie verschiedener anderer Uebel, durch eine verbesserte Verwendung der Aetzmittel […]. Nach dem Französischen bearbeitet von Dr. Julius Schwabe, Amtsphysikus zu Tiefenort. Weimar 1851. Digitalisat.
  • Schiller’s Beerdigung und die Aufsuchung und Beisetzung seiner Gebeine. (1805, 1826, 1827.) Nach Actenstücken und authentischen Mittheilungen aus dem Nachlasse des Hofraths und ehemaligen Bürgermeisters von Weimar Carl Leberecht Schwabe von Dr. Julius Schwabe. Leipzig 1852. Digitalisat.
  • Schiller’s Beerdigung (1805) und die Aufsuchung seiner Gebeine (1826). In: Die Gartenlaube 1859, S. 668–672 und 683–686.
  • Die offene Heilanstalt für beginnende Psychosen. In: Deutsche Klinik. Zeitung für Beobachtungen aus deutschen Kliniken und Krankenhäusern. Band 26, Jg. 1874, S. 17–19 und 25–27.
  • Bericht über die Wirksamkeit der Heilanstalt für Nervenkranke Villa Emilia bei Blankenburg in Thüringen in den Jahren 1874 bis 1881. [Zusammenfassung] In: Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie und psychisch-gerichtliche Medizin. 40. Band 1884, S. 453f.
  • Die seeklimatische Cur für neurasthenische und anämische Kinder. In: Deutsche medicinische Wochenschrift. 14. Jg. 1888, S. 78f.
  • Harmlose Geschichten. Erinnerungen eines alten Weimaraners. Frankfurt a. M. 1890. Digitalisat.

Literatur

  • Blankenburg. In: Thüringenʼs Bade- und Kurorte und Sommerfrischen. Wien 1872, S. 128–130.
  • H. v. C.: Von drei Perlen die eine. In: Die Gartenlaube 1872, Nr. 26, S. 427–429. (Abb. des Schweizerhauses S. 427; Text zu Schwabes Klimatischer Curanstalt S. 429.)
  • Privat-Heilanstalt für Nervenkranke (Villa Emilia) bei Blankenburg in Thüringen. In: Statistisches Universal-Handbuch Ortslexikon und Landeskunde für Deutschland. Band X. Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. [1881], S. 53f. und 125f.
  • Blankenburg. Villa Emilia. In: Correspondenz-Blätter des Allgemeinen ärztlichen Vereins von Thüringen vom 25. Mai 1885, S. 149–151.
  • Todesnotiz in Leopoldina. 28. Heft, Jg. 1892, S. 57.
  • Schwabe, Julius. In: Alma Kreuter: Deutschsprachige Neurologen und Psychiater. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon von den Vorläufern bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Band 3. München 1996, ISBN 3-598-11196-7, S. 1334.
  • Hubertus Averbeck: Von der Kaltwasserkur bis zur physikalischen Therapie. Betrachtungen zu Personen und zur Zeit der wichtigsten Entwicklungen im 19. Jahrhundert. Bremen 2012, ISBN 978-3-86741-782-2. (J. Schwabe: S. 58, 86, 755, 876.)

Weblinks

Einzelnachweise

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