Julius Wilhelm Ernst Fučík (<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈjuːlɪjus ˈfutʃiːk; er selbst bezeichnete sich als Julius Vilém Arnošt Fučik;<ref>Thomas Jelinowicz: Julius Fučík – Widerspruch zu Lebzeiten und im Tod. In: Deutsche Johann Strauss Gesellschaft (Hrsg.): Neues Leben – Das Magazin für Strauss-Liebhaber und Freunde der Wiener Operette. Nr. 55 (2017/Nr. 2), ISSN1438-065X, S. 42–60.</ref> * 18. Juli1872 in Prag, Cisleithanien; † 25. September1916 in Berlin-Schöneberg<ref>Standesamt Berlin-Schöneberg II, Sterbeurkunde Nr. 921 vom 27. September 1916 (Landesarchiv Berlin); hier lautet der vollständige Name Julius Franz Fučik</ref><ref>Sterbedatum laut Grabstein. Die Angaben 15. September 1916 auf https://www.klassika.info/Komponisten/Fucik/ sind insoweit falsch.</ref>) war ein böhmischerKomponist und Kapellmeister.
Leben
Julius Fučíks Eltern waren der Zollbeamte Jarolslaw Fučík (1843–1906) und Katharina Fučík, geb. Sicha (1850–1933). Er studierte in Prag Fagott, Violine und Schlagzeug und nahm nach seinem Musikstudium Kompositionsunterricht bei Antonín Dvořák.
1891 trat er bei der Regimentsmusik des Niederösterreichischen Hausregiments, des k.u.k. Infanterie-Regiments Nr. 49 in Krems an der Donau, in den Militärdienst ein. Bis 1894 spielte er unter dem Militärkapellmeister Josef Franz Wagner. 1895 kehrte er nach Prag zurück und trat dort eine Stelle als zweiter Fagottist am Deutschen Theater an. 1896 stieg er zum Dirigenten des Prager Stadtorchesters und des Danica-Chors in Sisak in Kroatien auf. 1897 wurde er Militärkapellmeister beim Infanterie-Regiment Nr. 86 in Sarajevo, Bosnien. Weitere Stationen als Militärmusiker waren ab 1900 Budapest und ab 1910 Theresienstadt.
Fučíks Einzug der Gladiatoren ist auch bei Menschen, die den Komponisten sonst nicht kennen, als „Zirkusmarsch“ bekannt, da viele Zirkusorchester in aller Welt ihn bis heute als Ouvertüre einsetzen.
Im September 1910 heiratete er in Theresienstadt Christina Hardegg (später Christiana Postl; * 1883 in Graz † 1955 in Hartberg).<ref>Graz, Kirchenbuch Hl. Erlöser, Geburten und Taufen 1883, Eintrag Nr. 249</ref> Ab 1913 wirkte Fučík in Berlin hauptsächlich kompositorisch. 1915 gründete er den kurzlebigen Tempo-Verlag, von dem sich nur wenige Veröffentlichungen nachwiesen lassen.<ref>die eigenen Märsche opp. 235, 281, 285 und 286 sowie das Lied Heimaterde, op. 282, s. Teplitz-Schönauer Anzeiger vom 18. Mai 1915, S. 3 und Werkverzeichnis</ref> Mit seinen Kapellen wie dem „Prager Tonkünstler-Orchester“ gab er in Prag und Berlin Platzkonzerte vor über 10.000 Zuhörern. Fučík hinterließ nach seinem frühen Tod im Alter von 44 Jahren über 400 Kompositionen, darunter eine Messe und ein Requiem. Er wurde auf dem Friedhof Weinberge in Prag beigesetzt.
Julius Fučík war der Onkel des Schriftstellers und Journalisten Julius Fučík, der von den Nationalsozialisten in Berlin hingerichtet wurde.
In einem Zusammenhang mit Julius Fučík steht die Autaler Kirche bei Graz, da eine „großzügige Stiftung aus dem künstlerischen Nachlaß“ desselben für den 1933 errichteten Bau verwendet wurde. Daran erinnert eine Gedenktafel in der Kirche.<ref>Geschichte der Autaler Kirche. In: autal.at. Abgerufen am 17. Februar 2021</ref>
Werke (Auswahl)
Werke für Blasorchester
Österreichs Ruhm und Ehre, Suite in 4 Sätzen op. 59
Einzug der Gladiatoren op. 68 (im Englischen gelegentlich als „Thunders & Blazes“ bezeichnet)
Traumideale (Sny Idealu), Walzer op. 69
Triglav, Slowenischer Marsch op. 72
Schneidig vor, Defiliermarsch op. 79
Ungarischer Marsch op. 81
Unter der Admiralsflagge, Marsch op. 82
Il Soldato op. 92
Magyar Indulo op. 97
Concertino für Fagott op. 131
Vom Donauufer, Walzer op. 137
Amorettenreigen, Walzer-Intermezzo op. 145
Sempre Avanti, Marsch op. 149
Hercules, Marsch op. 156
Die Regimentskinder, Marsch op. 169
Fest und treu, Marsch op. 177
Winterstürme, Walzer op. 184
Der alte Brummbär für Fagott und Blasorchester op. 210