Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Judensau – Wikipedia Zum Inhalt springen

Judensau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Judenschwein)
Datei:Regensburger Dom Judensau 2004.jpg
Skulptur am Regensburger Dom

Die Tiermetapher „Judensau“ bezeichnet ein im Hochmittelalter entstandenes häufiges Bildmotiv der antijudaistischen christlichen Kunst. Es sollte Christen vor angeblichen teuflischen Gebräuchen der Juden warnen, diese ausgrenzen, demütigen, verhöhnen und das Judentum verleumden. Dort gilt das Schwein als unrein (hebräisch tame) und unterliegt einem religiösen Nahrungstabu.

Reliefs, Skulpturen, Plastiken oder Wandbilder mit diesem Motiv erschienen seit 1230 vor allem im deutschsprachigen Raum. Insgesamt sind mindestens 52 Exemplare belegt, 47 davon sind noch erhalten. Seit dem 15. Jahrhundert erschien das Motiv auch als aggressive Typenkarikatur in Druckwerken, seit dem 19. Jahrhundert auch als antisemitische Karikatur. Analoge deutschsprachige Schimpfworte wie „Judensau“ / „Judensäue“, „Saujude(n)“, „Judenschwein(e)“ oder „Schweinejude(n)“ tauchen seit etwa 1800 in Druckwerken auf. Die nationalsozialistische Propaganda griff diese Hetze auf und bereitete auch damit den Holocaust vor.

Gegen Personen gerichtete Ausdrücke oder bildhafte Darstellungen dieser Art können angezeigt und nach deutschem Strafrecht je nach Umständen als Beleidigung ({{#switch: juris

|juris={{#switch: stgb
  |hoai=§ 185
  |aeg=§ 185   
  |ao=§ 185
  |bbg=§ 185
  |bbig=§ 185
  |bdsg=§ 185
  |besüg=§ 185
  |bostrab=§ 185
  |bpersvg=§ 185 
  |brkg=§ 185
  |btmg=§ 185
  |bukg=§ 185 
  |bwo=§ 185
  |eggvg=§ 185
  |erbstg=§ 185
  |estdv=§ 185
  |gkg=§ 185
  |mabv=§ 185
  |owig=§ 185
  |sgb i=§ 185
  |sgb ii=§ 185
  |sgb iii=§ 185
  |sgb iv=§ 185
  |sgb v=§ 185
  |sgb vi=§ 185
  |sgb vii=§ 185
  |sgb viii=§ 185
  |sgb ix=§ 185
  |sgb x=§ 185
  |sgb xi=§ 185
  |sgb xii=§ 185
  |stvo=§ 185
  |stvzo=§ 185
  |ustg=§ 185
  |ustdv=§ 185
  |uwg=§ 185
  |weg=§ 185
  |#default=§ 185
  }}
  |be=§ 185
  |bw=§ 185
  |hh=§ 185
  |mv=§ 185
  |ni=[1]
|rlp
  |rp|rlp=§ 185
  |sh=§ 185
  |st=§ 185
  |th=§ 185
|by=§ 185
|bb=§ 185
|hb=§ 185
|he=§ 185
|nw=§ 185
|sl=§ 185
|revosax=§ 185
|dejure=§ 185
|buzer=§ 185
|RIS-B={{#if: 
 |§ 185
 |§ 185
}}
|LrBgld
|LrK
|LrOO
|LrSbg
|LrT
|LrNo
|LrStmk
|LrVbg
|LrW={{#if:  
 |§ 185
 |§ 185
}}
|LI={{#if: 
 |§ 185
 |§ 185]
}}
||leer=§ 185[Anbieter/Datenbank fehlt]
|#default=§ 185[Anbieter/Datenbank unbekannt]

}}{{#if: 185||[Paragraf fehlt]}}{{#if: stgb||[Gesetz fehlt]}}), verhetzende Beleidigung ({{#switch: juris

|juris={{#switch: stgb
  |hoai=§ 192a
  |aeg=§ 192a   
  |ao=§ 192a
  |bbg=§ 192a
  |bbig=§ 192a
  |bdsg=§ 192a
  |besüg=§ 192a
  |bostrab=§ 192a
  |bpersvg=§ 192a 
  |brkg=§ 192a
  |btmg=§ 192a
  |bukg=§ 192a 
  |bwo=§ 192a
  |eggvg=§ 192a
  |erbstg=§ 192a
  |estdv=§ 192a
  |gkg=§ 192a
  |mabv=§ 192a
  |owig=§ 192a
  |sgb i=§ 192a
  |sgb ii=§ 192a
  |sgb iii=§ 192a
  |sgb iv=§ 192a
  |sgb v=§ 192a
  |sgb vi=§ 192a
  |sgb vii=§ 192a
  |sgb viii=§ 192a
  |sgb ix=§ 192a
  |sgb x=§ 192a
  |sgb xi=§ 192a
  |sgb xii=§ 192a
  |stvo=§ 192a
  |stvzo=§ 192a
  |ustg=§ 192a
  |ustdv=§ 192a
  |uwg=§ 192a
  |weg=§ 192a
  |#default=§ 192a
  }}
  |be=§ 192a
  |bw=§ 192a
  |hh=§ 192a
  |mv=§ 192a
  |ni=[2]
|rlp
  |rp|rlp=§ 192a
  |sh=§ 192a
  |st=§ 192a
  |th=§ 192a
|by=§ 192a
|bb=§ 192a
|hb=§ 192a
|he=§ 192a
|nw=§ 192a
|sl=§ 192a
|revosax=§ 192a
|dejure=§ 192a
|buzer=§ 192a
|RIS-B={{#if: 
 |§ 192a
 |§ 192a
}}
|LrBgld
|LrK
|LrOO
|LrSbg
|LrT
|LrNo
|LrStmk
|LrVbg
|LrW={{#if:  
 |§ 192a
 |§ 192a
}}
|LI={{#if: 
 |§ 192a
 |§ 192a]
}}
||leer=§ 192a[Anbieter/Datenbank fehlt]
|#default=§ 192a[Anbieter/Datenbank unbekannt]

}}{{#if: 192a||[Paragraf fehlt]}}{{#if: stgb||[Gesetz fehlt]}}) oder Volksverhetzung ({{#switch: juris

|juris={{#switch: stgb
  |hoai=§ 130
  |aeg=§ 130   
  |ao=§ 130
  |bbg=§ 130
  |bbig=§ 130
  |bdsg=§ 130
  |besüg=§ 130
  |bostrab=§ 130
  |bpersvg=§ 130 
  |brkg=§ 130
  |btmg=§ 130
  |bukg=§ 130 
  |bwo=§ 130
  |eggvg=§ 130
  |erbstg=§ 130
  |estdv=§ 130
  |gkg=§ 130
  |mabv=§ 130
  |owig=§ 130
  |sgb i=§ 130
  |sgb ii=§ 130
  |sgb iii=§ 130
  |sgb iv=§ 130
  |sgb v=§ 130
  |sgb vi=§ 130
  |sgb vii=§ 130
  |sgb viii=§ 130
  |sgb ix=§ 130
  |sgb x=§ 130
  |sgb xi=§ 130
  |sgb xii=§ 130
  |stvo=§ 130
  |stvzo=§ 130
  |ustg=§ 130
  |ustdv=§ 130
  |uwg=§ 130
  |weg=§ 130
  |#default=§ 130
  }}
  |be=§ 130
  |bw=§ 130
  |hh=§ 130
  |mv=§ 130
  |ni=[3]
|rlp
  |rp|rlp=§ 130
  |sh=§ 130
  |st=§ 130
  |th=§ 130
|by=§ 130
|bb=§ 130
|hb=§ 130
|he=§ 130
|nw=§ 130
|sl=§ 130
|revosax=§ 130
|dejure=§ 130
|buzer=§ 130
|RIS-B={{#if: 
 |§ 130
 |§ 130
}}
|LrBgld
|LrK
|LrOO
|LrSbg
|LrT
|LrNo
|LrStmk
|LrVbg
|LrW={{#if:  
 |§ 130
 |§ 130
}}
|LI={{#if: 
 |§ 130
 |§ 130]
}}
||leer=§ 130[Anbieter/Datenbank fehlt]
|#default=§ 130[Anbieter/Datenbank unbekannt]

}}{{#if: 130||[Paragraf fehlt]}}{{#if: stgb||[Gesetz fehlt]}}) bestraft werden. Ähnliche Straftatbestände gelten in Österreich mit {{#switch: RIS-B

|juris={{#switch: stgb
  |hoai=§ 115
  |aeg=§ 115   
  |ao=§ 115
  |bbg=§ 115
  |bbig=§ 115
  |bdsg=§ 115
  |besüg=§ 115
  |bostrab=§ 115
  |bpersvg=§ 115 
  |brkg=§ 115
  |btmg=§ 115
  |bukg=§ 115 
  |bwo=§ 115
  |eggvg=§ 115
  |erbstg=§ 115
  |estdv=§ 115
  |gkg=§ 115
  |mabv=§ 115
  |owig=§ 115
  |sgb i=§ 115
  |sgb ii=§ 115
  |sgb iii=§ 115
  |sgb iv=§ 115
  |sgb v=§ 115
  |sgb vi=§ 115
  |sgb vii=§ 115
  |sgb viii=§ 115
  |sgb ix=§ 115
  |sgb x=§ 115
  |sgb xi=§ 115
  |sgb xii=§ 115
  |stvo=§ 115
  |stvzo=§ 115
  |ustg=§ 115
  |ustdv=§ 115
  |uwg=§ 115
  |weg=§ 115
  |#default=§ 115
  }}
  |be=§ 115
  |bw=§ 115
  |hh=§ 115
  |mv=§ 115
  |ni=[4]
|rlp
  |rp|rlp=§ 115
  |sh=§ 115
  |st=§ 115
  |th=§ 115
|by=§ 115
|bb=§ 115
|hb=§ 115
|he=§ 115
|nw=§ 115
|sl=§ 115
|revosax=§ 115
|dejure=§ 115
|buzer=§ 115
|RIS-B={{#if: NOR40194044
 |§ 115
 |§ 115
}}
|LrBgld
|LrK
|LrOO
|LrSbg
|LrT
|LrNo
|LrStmk
|LrVbg
|LrW={{#if: NOR40194044 
 |§ 115
 |§ 115
}}
|LI={{#if: 
 |§ 115
 |§ 115]
}}
||leer=§ 115[Anbieter/Datenbank fehlt]
|#default=§ 115[Anbieter/Datenbank unbekannt]

}}{{#if: 115||[Paragraf fehlt]}}{{#if: StGB||[Gesetz fehlt]}} StGB und in der Schweiz mit der Rassismus-Strafnorm (Art. 261bis StGB).

Christlich-antijudaistische Vorgeschichte

Tiervergleiche

Die enge Verbindung von Juden und Schweinen in den hochmittelalterlichen Skulpturen geht auf eine lange Tradition antijüdischer Tiervergleiche im Christentum zurück. Die dort seit dem 2. Jahrhundert üblichen Bestiarien schrieben Juden in moralisierenden Begleittexten Blindheit, Bilderverehrung und den Christusmord zu. Obwohl das Schwein und Ferkel oft darin vorkamen, wurden diese Tiervergleiche noch nicht auf Juden bezogen.<ref name="DHS267f">Debra Higgs Strickland: Antisemitism in Medieval Art. In: Steven Katz (Hrsg.): The Cambridge Companion to Antisemitism. Cambridge University Press, Cambridge 2022, ISBN 1-108-49440-4, S. 248–272, hier S. 267f.</ref>

Schon einige Kirchenväter beschimpften Juden und christliche Häretiker als „Schweine“. Johannes Chrysostomos übertrug diese Herabsetzung im Jahr 388 in acht Hetzpredigten auf den jüdischen Gottesdienst in der Synagoge.<ref>Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Baden-Baden 2002, S. 189–191</ref> Er beschrieb Juden als Menschen, „die ihrem Bauch leben, gaffen nach dem, was sie gerade vor Augen haben, nicht besser als Schweine und Ziegenböcke, das Verderben und die Krankheit der ganzen Erde.“<ref>Friedrich Gleiss: Von der Gottesmordlüge zum Völkermord, von der Feindschaft zur Versöhnung: Kirchlicher Antijudaismus durch zwei Jahrtausende und seine Überwindung, illustriert mit Bildern aus der christlichen Ikonographie. Geiger, Horb am Neckar 1995, ISBN 3-89570-060-6, S. 39</ref> Seine Kennzeichnung der Juden als Schweine, Vielfraße und von Fleischeslust Besessene beeinflusste mittelalterliche Autoren und gilt als früher literarischer Anstoß für das verwandte „Judensau“-Motiv.<ref>Samantha Zacher: Jews and Judaizing as Pathologies in the Anglo-Saxon Imagination: Toward a Theory of Early Somatic Anti-Judaism. In: Winfried Rudolf, Susan Irvine (Hrsg.): The Anonymous Old English Homily: Sources, Composition, and Variation. Brill, Leiden 2021, ISBN 978-90-04-43928-3, S. 286; Maurice Ryan: The Judensau: Remembering a Grotesque Anti-Jewish Image. Jewish-Christian Relations, 1. September 2024</ref> Bei allen Tiervergleichen hielt er jedoch fest, dass Juden Menschen geblieben seien, wenn auch der übelsten Art. – Andere christliche Autoren ordneten den Christen die nach biblischer Kategorie „reinen“, den Juden die „unreinen“ Tierarten zu. Sie lobten ihre Allegorien als der wörtlichen jüdischen Bibelexegese überlegene, da mehrfache („wiederkäuende“) Auslegung.<ref name="RK77ff">Irven M. Resnick, Kenneth F. Kitchell: “The Sweepings of Lamia”: Transformations of the Myths of Lilith and Lamia. In: Alexandra Cuffel, Brian Britt (Hrsg.): Religion, Gender, and Culture in the Pre-Modern World. Palgrave Macmillan, New York 2007, ISBN 0-230-60429-3, S. 77–99, hier S. 77–80</ref>

Mit der Übernahme hellenistischer Tugend- und Lasterkataloge bildete die christliche Theologie seit dem 5. Jahrhundert die Reihe der „Sieben Todsünden“ heraus: Die letzten beiden, Völlerei (lateinisch gula) und Wollust (luxuria), wurden oft als Schwein dargestellt, das die Unreinen und die Sünder symbolisiert. Deren häufige Beispielfiguren waren Juden. Ebenso verkörperten Affen und Mönche die inconstantia (Untreue, Unbeständigkeit).<ref>Stefan Rohrbacher, Michael Schmidt: Judenbilder, Reinbek 1991, S. 161</ref> Der Schweinevergleich stand ebenso für eine sündhafte Religionsausübung wie für einen unsauberen, gefräßigen, von Promiskuität geprägten Lebensstil oder für unlautere Geschäftspraktiken. Er sollte einfache Christen mit drastischen Bildern vor analogen Lastern warnen.<ref>Monika Urban: Von Ratten, Schmeißfliegen und Heuschrecken. Judenfeindliche Tiersymbolisierungen und die postfaschistischen Grenzen des Sagbaren. Herbert von Halem Verlag, Köln 2014, ISBN 3-7445-0845-5, S. 80</ref>

In der christlichen Morallehre verkörperte das Schwein als unreines Tier und der Jude als Nichtchrist die Sündenvorstellungen von „Unkeuschheit“ und „Unmäßigkeit“.<ref>Karin Schittenheim: Zeichen, die Anstoß erregen: Mobilisierungsformen zu Mahnmalen und zeitgenössischen Außenskulpturen. Springer VS, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-322-89182-2, S. 109</ref> Dieser Tiervergleich verband Unreinheit mit moralischer und spiritueller Gefahr und machte die angeblichen moralischen wie intellektuellen Defizite der Juden anschaulich. Er ließ sich leicht in bildende Kunst übertragen.<ref>Irven M. Resnick: Marks of Distinctions: Christian Perceptions of Jews in the High Middle Ages. Catholic University of America Press, Washington D.C. 2012, ISBN 0-8132-1969-8, S. 152</ref>

Ab 1100 verglichen christliche Polemiken Juden besonders oft mit Hunden, Schlangen und Schweinen. Frühscholastische Theologen erwogen nun, Juden wegen ihrer Ablehnung des Christentums die Vernunft und damit die gemeinsame Basis des Menschseins abzusprechen,<ref>Heinz Schreckenberg: Vernunftlose Wesen? Zum Judenbild frühscholastischer Apologeten des 12. Jahrhunderts und zum Christentumsbild zeitgenössischer Autoren. In: Peter Freimark, Helmut Richtering (Hrsg.): Gedenkschrift für Bernhard Brilling. Christians, Hamburg 1988, ISBN 3-7672-1054-1, S. 14–76</ref> so Odo von Cambrai und Petrus Venerabilis.<ref name="RK77ff" />

Im Mittelalter symbolisierte das Schwein in der christlichen Ikonografie den Teufel,<ref>Wilfried Schouwink: Der wilde Eber in Gottes Weinberg, Sigmaringen 1985, S. 81</ref> so dass die späteren Bilder eines Juden säugenden Schweins auch den Vers „Ihr habt den Teufel zum Vater“ (Vorlage:Bibel/Link) im Neuen Testament (NT) veranschaulichten.<ref name="AT227f">Axel Töllner: „Judensau“-Motiv. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 7: Literatur, Film, Theater und Kunst. De Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-025873-8, S. 227f.</ref>

Apokryphe Kindheitslegenden

Datei:The Miracle of the Children in the Oven Holkham Bible Picture Book England ca 1320-1330 London Courtsey British Library Add MS 47682, fol. 16r.jpg
Das Wunder der Kinder im Ofen. In: Holkham Bible Picture Book, um 1320–1330

Nach einer antijüdischen Legende im christlich-apokryphen Arabischen Kindheitsevangelium (um 600) versteckten sich jüdische Kinder im Haus vor dem Knaben Jesus, dessen Wunderkraft man im Dorf fürchtete. Als ihre Eltern ihm vorlogen, im Haus befänden sich nur Ziegen, habe er die Kinder mit den Worten „Es sei so“ in Ziegen verwandelt. Nach dem Pseudo-Matthäus-Evangelium (ab 800) verwandelte Jesus die in einem Ofen versteckten Kinder in Schweine.<ref>Mary Dzon: The Quest for the Christ Child in the Later Middle Ages. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2007, ISBN 978-0-8122-9370-8, S. 121 und 294f., Fn. 42f.</ref>

Diese Legenden beeinflussten auch einige Suren des Koran: Nach Sure 5,60–62 verwandelte Allah Juden und Christen, die den Islam verspotteten und die jüdischen Speisegebote übertraten, in Affen und Schweine.<ref>Oliver Glatz: Islamisierter Antisemitismus: Motive, Motivgeschichte, Probleme, Lösungsansätze. Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus e. V. (Hrsg.), Berlin 2022, PDF S. 12</ref> Laut einem Hadith nannte Mohammed die Juden des Stammes Banū Quraiza „Brüder von Affen und Schweinen“, bevor er sie vernichtete.<ref>Raimund Fastenbauer: Islamic Antisemitism: Jews in the Qur'an, Refelctions of European Antisemitism, Political Anti-Zionism: Common Codes and Differences. In: Armin Lange, Dina Porat, Kerstin Mayerhofer, Lawrence H. Schiffman (Hrsg.): Confronting Antisemitism from the Perspectives of Christianity, Islam, and Judaism. Band 2, De Gruyter, Berlin 2020, ISBN 978-3-11-067177-3, S. 292</ref> Koranausleger deuteten jene Suren als Warnung an Muslime, nicht von Allahs Geboten abzufallen, um am Jüngsten Tag nicht genauso verwandelt zu werden.<ref>Mark R. Cohen: L’antisémitisme musulman: phénomène ancien ou récent? In: Abdelwahab Meddeb, Benjamin Stora (Hrsg.): Histoire des relations entre juifs et musulmans des origines à nos jours. Albin Michel, Paris 2013, ISBN 978-2-226-24851-0, S. 546–553, hier S. 550f.</ref>

In späteren englisch-französischen Varianten der Kindheitslegende verwandelt Jesus die Schweine (anders als die Ziegen im arabischen Original) nicht in Menschenkinder zurück. Fortan hätten die Juden jedes Schwein als artverwandt betrachtet und darum keins mehr gebraten und gegessen; dies verbiete ihnen ihr Gesetz.<ref>Kathryn Ann Smith: Art, Identity and Devotion in Fourteenth-century England: Three Women and Their Books of Hours. British Library, London 2003, ISBN 0-7123-4830-1, S. 278</ref> Christliche Judenfeinde deuteten das biblische Schweineopferverbot also zum Kannibalismus-Verbot um, um eine Wesensgleichheit von Juden und Schweinen zu behaupten. Diese Diffamierung rechtfertigte Gewalt gegen Juden und bereitete so ihre Vertreibung aus England (1290) mit vor.<ref>Mo Pareles: Already/Never. Jewish-Porcine Conversion in the Middle English Children of the Oven Miracle. In: Philological Quarterly 98.3, 2019, S. 221–242; Sven Gins: Everything but the Squeal. The Politics of Porcinity in the Livre des Propriétés des Choses. In: Religions 12, 2021, S. 260</ref>

Populäre Abbilder der im Ofen versteckten und in Ferkel verwandelten Kinder, etwa im Holkham Bible Picture Book (1327–1335), gelten als englisches Pendant zu den mitteleuropäisch-deutschen „Judensau“-Skulpturen derselben Epoche.<ref>Thijs Porck: And then Christ turned the children into pigs. A curious miracle in late medieval England. Medievalistsblog, 21. Januar 2022</ref> Der Historiker Isaiah Shachar führte eine Variante der Kindheitslegende auf eine der Qisas al-anbiyāʾ (vor 1036) des Schiiten ath-Thaʿlabī zurück,<ref>Aḥmad ibn Muḥammad Thaʻlabī: Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. Qiṣaṣ al-anbiyāʼ oder ʻArāʼis al-maǧālis. Übersetzt und kommentiert von Heribert Busse. Harrassowitz, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-447-05266-5, S. 491</ref> betonte jedoch: Diese Legenden hätten das „Judensau“-Motiv nicht direkt beeinflusst, da ihm das Verwandlungsmotiv fehlt.<ref name="Shachar" details="S. 13f." />

Literarische Anstöße

Hrabanus Maurus bezog das Schwein in seiner bebilderten Enzyklopädie De universo (847) auf Juden und behauptete, sie „vererbten“ ihre gottlose, sündhafte Unmäßigkeit und Unkeuschheit in gleicher Weise. Dazu gab er den Psalmvers Vorlage:Bibel/Link irrtümlich in falscher Übersetzung wieder: „Du füllst ihren Leib mit deinen verborgenen Gütern, sie sind gesättigt mit Schweinefleisch [statt: ‚auch ihre Söhne werden satt‘] und hinterlassen das, was übrig ist, ihren Kindern.“ Die Juden, so kommentierte Maurus, seien voll unreiner Dinge, die Gott verborgen (verboten) habe, und hinterließen ihre Sünden mit dem Ruf „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ in Vorlage:Bibel/Link ihren Nachkommen. Auf diese Verknüpfung des jüdischen Schweineverzehrverbots mit einer erblichen Schuld am Tod Jesu führen Historiker das spätere „Judensau“-Motiv zurück.<ref>Jay Geller: Bestiarium Judaicum: Unnatural Histories of the Jews. Fordham University Press, New York 2018, ISBN 978-0-8232-7561-8, S. 35</ref> De universo war bis 1500 besonders unter Klerikern verbreitet und regte handschriftliche Tierfabeln ebenso wie Skulpturen an.<ref name="Shachar" details="S. 11" />

Das Tora-Verbot des Opferns und Verzehrs von Schweinen, die zu den unreinen Tierarten zählten (Vorlage:Bibel/Link; Vorlage:Bibel/Link), hatte im Judentum eine lange Tradition. Seit dem babylonischen Exil (ab 539 v. Chr.) wurden Verstöße dagegen als Abfall zu Fremdkulten verurteilt (Vorlage:Bibel/Link; Vorlage:Bibel/Link).<ref>Othmar Keel (Hrsg.): Orte und Landschaften der Bibel: Die Geschichte Jerusalems und die Entstehung des Monotheismus Teil 2. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 3-525-50177-3, S. 198f.</ref> So wurde das Schwein im jüdischen Priestertum zum Symbol unerlaubter Opfer.<ref>Matthias Krieg (Hrsg.): erklärt: Der Kommentar zur Zürcher Bibel, Bibel und Kommentar in 3 Bänden. Theologischer Verlag, Zürich 2010, ISBN 3-290-17425-5, S. 273</ref> Nichtjuden verspotteten das bekannte jüdische Nahrungstabu oft.<ref>Christina Eschner: Essen im antiken Judentum und Urchristentum: Diskurse zur sozialen Bedeutung von Tischgemeinschaft, Speiseverboten und Reinheitsvorschriften. Brill, Leiden 2019, ISBN 978-90-04-39183-3, S. 63</ref> Der Seleukidenherrscher Antiochos IV. (175–164 v. Chr.) benutzte es zur Verfolgung der jüdischen Religion (Vorlage:Bibel/Link; Vorlage:Bibel/Link). Seitdem gehört der völlige Verzicht auf Schweineprodukte zum Bekenntnis gläubiger Juden (siehe jüdische Speisegesetze).<ref>Othmar Keel (Hrsg.): Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studien-Reiseführer zum Heiligen Land Band 1: Geographisch-geschichtliche Landeskunde. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1984, ISBN 3-525-50166-8, S. 122</ref> Nach der Niederschlagung des jüdischen Bar-Kochba-Aufstands (132–136) ließ Kaiser Hadrian eventuell ein Schwein als Siegeszeichen in ein Stadttor Jerusalems meißeln; der Eber war ein Symbol der Legio X Fretensis, die Jerusalem erobert hatte.<ref name="Shachar" details="S. 13 und Fn. 42–45">Isaiah Shachar: The Judensau, London 1974</ref> Im antiken rabbinischen Judentum war das Schwein daher kodierter Ausdruck für das gewalttätige Römische Reich, ebenso im Urchristentum (Vorlage:Bibel/Link;<ref>Hermann L. Strack, Paul Billerbeck: Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch Band 1: Das Evangelium nach Matthäus. (1922) Neuausgabe, Beck, München 2020, ISBN 3-406-75701-4, S. 449</ref> Vorlage:Bibel/Link).<ref>Matthias Klinghardt: Legionsschweine in Gerasa: Lokalkolorit und historischer Hintergrund von Mk 5,1–20. In: Zeitschrift für Neutestamentliche Wissenschaft (ZNW) 98/2007, S. 28–48</ref> Rabbinische Legenden und Midraschim machten das Vermeiden von Schweinefleisch zum Symbol jüdischen Widerstands gegen das pagane und das christliche Römische Reich, seine Kultur und Werte.<ref>Misgav Har-Peled: The Dialogical Beast. The Identification of Rome with the Pig in Early Rabbinic Literature. Johns Hopkins University Press, Baltimore (Maryland) 2013</ref> Unreine Tiere waren in jüdischen Polemiken oft Metaphern für Gegner der Juden. Da Christen das jüdische Schweineopferverbot zweifellos kannten und wussten, dass Juden das Schwein verabscheuten und jede Nähe zu dieser Tierart mieden, richtete sich das „Judensau“-Motiv von Beginn an entschieden gegen die jüdische Religion.<ref>Birgit Wiedl: Laughing at the Beast: The Judensau, in: Albrecht Classen (Hrsg.): Laughter in the Middle Ages and Early Modern Times, Berlin / New York 2010, S. 347</ref>

Bildhafte Anstöße

Im Hochmittelalter war der Katholizismus die alleinherrschende Weltanschauung Europas. Juden waren nun fast die einzige nichtchristliche Minderheit. Dies zeigte sich auch in der kirchlichen Architektur und Kunst. Skulpturen an Kirchengebäuden stellten die siegreiche Ecclesia der unterlegenen Synagoga gegenüber (Ecclesia und Synagoge). Beide Figuren waren meist hoheitsvoll und wohlgestaltet. Während der Kreuzzüge (ab 1096) erhielt die Synagogenfigur auch vulgäre und pornografische Züge, etwa indem sie auf einer Sau gegen die Kirchenfigur reitet, die hoch zu Ross sitzt, oder sich mit der nackten Eva als Symbol von Unzucht, Erbsünde und Tod verbündet.<ref>Rudolf Kreis: Die christliche Bildwelt und der Antisemitismus aus der Gegensicht Kafkas. In: Gerhart von Graevenitz (Hrsg.): Die Unvermeidlichkeit der Bilder. Narr, Tübingen 2001, ISBN 3-8233-5706-9, S. 103–114, hier S. 109</ref>

Datei:Kapitell St. Severin Kölnisches Stadtmuseum -3.jpg
Relief aus St. Severin im Kölnischen Stadtmuseum

Wohl angeregt von den frühen Bestiarien, wurden im englischen Sprachraum Skulpturen einer Sau mit Ferkeln als Abbilder von Lastern in und an Kirchengebäuden üblich. Im 12. Jahrhundert entstanden auch im deutschen Sprachraum solche Reliefs, etwa an einem Tor in Remagen und an einem Kapitell, vermutlich aus St. Severin (Köln). Sie symbolisierten gula und luxuria, jedoch noch ohne Bezug auf Juden.<ref name="Shachar" details="S. 12" />

Kirchenpolitische Anstöße

Im 13. Jahrhundert wurde die frühkirchliche Substitutionstheologie sozialpolitisch zementiert. Das 4. Laterankonzil von 1215 ordnete eine diskriminierende Kleiderordnung für Juden und ihren Ausschluss aus weltlichen Ämtern an. Das markierte sie als „Ungläubige“ und leitete ihre spätere europaweite Ghettoisierung ein. Im selben Zeitraum wurden Juden immer häufiger angeklagt, Ritualmorde und Hostienfrevel zu verüben. Neben solche Anklagen trat ab 1230 das bildhafte „Judensau“-Motiv in und an Kirchengebäuden.<ref>Edith Petschnigg: Biblische Freundschaft: Jüdisch-christliche Basisinitiativen in Deutschland und Österreich nach 1945. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2018, ISBN 3-374-05388-2, S. 59</ref>

Seit etwa 1380 bezeichneten Christen zwangsgetaufte Juden in Spanien als Marranos („Schweine“), die innerlich Juden geblieben seien. Sie unterstellten ihnen eine unveränderliche Wesensart und schlossen sie mit dem frührassistischen Kriterium der Blutsreinheit (limpieza de sangre) vom gesellschaftlichen Aufstieg aus. Später wurden die spanischen Juden und Judenchristen vertrieben, viele bei Pogromen ermordet.<ref>Max Sebastián Hering Torres: Rassismus in der Vormoderne: Die „Reinheit des Blutes“ im Spanien der Frühen Neuzeit. Campus, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-593-38204-0, S. 16, Fn. 7</ref> Dabei gelangte das Schimpfwort Marranos auch nach Italien. Es gilt als Äquivalent zum deutschen Wort „Judensau“,<ref>Benjamin Scheller: Die Stadt der Neuchristen: Konvertierte Juden und ihre Nachkommen im Trani des Spätmittelalters zwischen Inklusion und Exklusion. De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-05-005978-5, S. 331</ref> das solche Skulpturen vielleicht mit anregte.<ref>Eric W. Gritsch: Martin Luther's Anti-Semitism: Against His Better Judgment. William B. Eerdmans, Grand Rapids 2012, ISBN 978-0-8028-6676-9, S. 21f.</ref> Zwei um 1500 geschnitzte Miserikordien im Chorgestühl der Kathedrale von Ciudad Rodrigo (Spanien) stellen ein lesendes oder schreibendes Schwein dar. Laut einigen Kunsthistorikern sollten damit gebildete Marranos herabgesetzt werden.<ref>Luis Planas Duro: Sillerias de Coro (VII): De la sillería de coro de la Catedral de Ciudad Rodrigo. Escultura Castellana, 10. April 2014 (spanisch)</ref>

In Spanien entstanden jedoch keine „Judensau“-Skulpturen. Zwangsgetaufte Juden wurden nicht zum Schweinefleischverzehr genötigt, und kirchliche Quellen werteten das biblische Schweinefleischverbot nicht ab. Darum ist der genaue literarische Anlass für das Motiv unklar.<ref>Gerlinde Strohmaier-Wiederanders: Darstellungen von Juden an und in der St. Maria-Magdalenen-Kirche von Eberswalde. In: Tanja Pilger, Markus Witte (Hrsg.): Mazel tov. Interdisziplinäre Beiträge zum Verhältnis von Christentum und Judentum. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2012, ISBN 3-374-03669-4, S. 401–420, hier S. 418</ref> Es kam ohne Begleittext aus, beleidigte und verhöhnte Juden direkt, indem es sie mit dem am meisten verachteten Tier, mit Schmutz, Völlerei und Wollust identifizierte.<ref name="DHS267f" /> Es trat fast nur in deutschsprachigen Orten im oder benachbart zum damaligen Heiligen Römischen Reich auf.<ref>Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe, Berlin 2021, S. 15</ref>

Der „Judeneid“

Die bildhafte Assoziation von Juden mit Schweinen und der „Judeneid“ können sich gegenseitig beeinflusst haben.<ref>Heinz Schreckenberg: The Jews in Christian Art: An Illustrated History. Continuum International Publishing Group, 1997, ISBN 0-8264-0936-9, S. 20 (Vorwort zur englischen Ausgabe)</ref> In dessen frühesten Varianten mussten Juden bei ihrem Eid im Rechtsstreit mit Christen barfuß auf einer Ziegenhaut stehen. Ab dem 13. Jahrhundert wurde dazu stattdessen eine Schweinehaut verlangt.<ref>Jordan Rosenblum: Forbidden, New York 2024, S. 70</ref> Laut dem Sachsenspiegel (ab 1220) und dem Schwabenspiegel (ab 1380) mussten Juden beim Eid auf der Schwarte einer Sau stehen. Der Sachsenspiegel verlangte zudem, dass die Sau zwei Wochen zuvor Ferkel geboren hatte.<ref>Wilfried Schouwink: Der wilde Eber in Gottes Weinberg, Sigmaringen 1985, S. 77</ref><ref name="Shachar" details="S. 14 und Fn. 53–56" />

Reliefs, Skulpturen und Wandbilder ab 1230

Hauptmerkmale und Zweck

Datei:Verbreitungskarte Judensau.png
Vorkommen des „Judensau“-Motivs als Skulptur, Relief oder Wandbild

Mittelalterliche Plastiken oder Wandbilder einer „Judensau“ stellen Menschen und Schweine in intimem Kontakt dar. Die menschlichen Figuren zeigen die typischen Kennzeichen der vom Laterankonzil 1215 verordneten Judentracht, etwa einen „Judenhut“. Oft saugen sie wie Ferkel an den Zitzen einer Sau, küssen, lecken oder umarmen Schweine.<ref>Wilfried Schouwink: Der wilde Eber in Gottes Weinberg, Sigmaringen 1985, S. 75</ref> In anderen Varianten reiten sie verkehrt herum auf einem Schwein, das Gesicht dem Anus zugewandt, aus dem Kot und Urin spritzt.<ref>Thomas H. Macho: Arme Schweine: eine Kulturgeschichte. Nicolai, Berlin 2006, ISBN 3-89479-343-0, S. 60</ref>

Diese Bilder gelten als früheste Form einer judenfeindlichen Karikatur, die drei sozialpsychologische Hauptzwecke erfüllte:

  • die Juden dem allgemeinen Spott preiszugeben, indem auf ihre angeblich typischen Verhaltensweisen hingedeutet wurde;
  • diese antijudaistischen Vorurteile der Betrachter zu verfestigen und zur Abgrenzung von Juden, indirekt so auch zum Handeln gegen sie zu ermuntern;
  • die Juden in ihrem religiösen Selbstverständnis anzugreifen und zu verletzen.<ref>Angelika Plum: Die Karikatur im Spannungsfeld von Kunstgeschichte und Politikwissenschaft, Aachen 1998, S. 81–83</ref>

Das häufige Motiv des Saugens an Zitzen und After einer Sau stellt Juden als Heuchler dar, die ihr eigenes Toraverbot brechen und sich heimlich Milch und Exkremente des Schweins zuführen.<ref>Franziska Krah: Zur ‚Ästhetik‘ des Antisemitismus. In: Marc Grimm, Bodo Kahman (Hrsg.): Antisemitismus im 21. Jahrhundert. De Gruyter / Oldenbourg, Berlin 2018, ISBN 978-3-11-053471-9, S. 293–322, hier S. 299</ref> Das Bildschema würdigt sie mehrfach herab: Es bezichtigt sie des Brechens von Anstandsregeln und religiösen Tabus, des Begehens der Todsünden Völlerei und Wollust und der intimen Beziehung zu Tieren. Es entmenschlicht sie zu Wesen, die der Verdammnis geweiht seien und nicht respektiert werden könnten.<ref name="SM2023">Sabine Mohr: F. Klakocer, Die Darstellung von Juden am Strassburger Münster. Les Amis de la Cathedrale de Strasbourg, 25. Oktober 2023</ref>

Viele dieser Skulpturen verknüpfen die dargestellte Intimität zwischen Mensch und Tier mit Ausscheidungs- und Verdauungsprozessen.<ref>Gerhard Langemeyer: Mittel und Motive der Karikatur in fünf Jahrhunderten. Prestel, München 1984, ISBN 3-7913-0685-5, S. 151</ref> Diese Obszönität sollte beim Betrachter Ekel, Schamgefühl, Hass und Verachtung hervorrufen und Juden möglichst wirksam diffamieren,<ref>Alex Bein: Die Judenfrage: Biographie eines Weltproblems. Band 2, Deutsche Verlags-Anstalt, München 1980, ISBN 3-421-01963-0, S. 74</ref> in besonders quälender Form öffentlich verunglimpfen, demütigen und aus der menschlichen Gemeinschaft ausgrenzen. Das Motiv suggeriert dem Betrachter, dass Juden besonders sündige, abstoßende, verkehrte und ausschweifende Dinge tun und mit Schweinen artverwandt seien. Damit diffamierte es Juden nach ihrer angeblichen Abkunft, nicht über ihren Glauben, repräsentiert also eine allmähliche Ablösung der christlichen Judenfeindschaft von ihren religiösen Wurzeln.<ref>Birte Klarzyk: Genese des Antisemitismus. In: Marcus Meier, Maren van Norden, Sebastian Werner (Hrsg.): Bildungsarbeit gegen Antisemitismus: Grundlagen, Methoden & Übungen. Wochenschau Verlag, Frankfurt am Main 2024, ISBN 978-3-7566-1663-3, S. 33–48, hier S. 39</ref> Es verneint die Menschenwürde, auf die es in der jüdischen Religion gerade ankommt. So untermauerte es die gesellschaftliche Ausgrenzung der jüdischen Minderheit. Darum sehen Historiker darin einen Vorläufer des späteren Antisemitismus.<ref name="AT159f">Axel Töllner: Judensau. In: Wolfgang Benz, Brigitte Mihok (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 3: Begriffe, Theorien, Ideologien. De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 3-11-023379-7, S. 159f.</ref>

Mit dem Schwein als Symbol des Teufels verkündeten diese Bilder dem Betrachter also, dass Juden als Ungläubige dem Teufel verfallen seien und außerhalb der christlichen, ja der menschlichen Gemeinschaft stünden.<ref name="Rusam2014">Hermann Rusam: Steinernes Schmähbild des Rassenhasses. Nordbayern, 12. September 2014</ref> Dabei sollten die antijüdischen Skulpturen auch die Einigkeit und Tugendhaftigkeit der Christen gegenüber den Juden beschwören und so indirekt auch ihre Abgrenzung gegen christliche Abweichler und Laienbewegungen stärken. Diese stellten im Hochmittelalter die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Elite in Frage und wurden darum wie die Juden zu Ketzern und Falschgläubigen erklärt und verfolgt.<ref name="EKBO26Jan22">„Verdrängung ist keine Erlösung“. EKBO, 26. Januar 2022</ref>

Vorkommen

Die genaue Zahl der bildhaften „Judensau“-Darstellungen an Gebäuden ist ungewiss. Bis 2007 waren in Europa 48 Exemplare bekannt,<ref>Hermann Rusam: „Judensau“-Darstellungen in der plastischen Kunst Bayerns. In: Begegnungen, März 2007, S. 3</ref> mindestens vier weitere wurden seitdem gefunden. Mindestens 47 Exemplare sind noch vorhanden, davon 39 an oder in Kirchen, fünf an oder bei anderen Gebäuden, zwei in Museen. Einige sind stark verwittert oder beschädigt; sechs sind zerstört und nur noch literarisch, grafisch oder fotografisch dokumentiert. Weitere sind nur in frühen Quellen erwähnt und nicht mehr auffindbar.<ref name="AT227f" />

Ort Merkmale<ref>Belege für Details, Datierungen und ggf. Abbildungen in dieser Rubrik oder in verlinkten Spezialartikeln. Exemplare, bei denen nichts anderes angegeben ist, sind erhalten.</ref> Entstehungszeit Bild
Liebfrauenkirche (Aarschot), Belgien Miserikordie<ref>Brian Joseph Levy: Grant Risee? The Medieval Comic Presence. Brepols, Turnhout / Belgien 2006, ISBN 978-2-503-51698-1, S. 98; Expo in OLV-Kerk in Aarschot, Nog tot, 2. Dec. 2014. Abbildung 5 (Foto)</ref> um 1500 Datei:Aarschot, Notre-Dame, misericord showing caricature of a Jew.png (abgewandeltes Motiv)
St. Laurentius (Ahrweiler) Wasserspeier<ref name="RS193">Regina E. G. Schymiczek: Grenzgänger zwischen Himmel und Hölle: Wasserspeier am Sakralbau. archimaera.de, Juli 2013, PDF S. 185–199, hier S. 193 (Archivlink)</ref> 1295
Aschersleben Sau-Relief am „Sautor“, zerstört<ref name="Sautor">Lars Bremer: Die jüdische Gemeinde von Aschersleben. Geschichte und Geschichten. Sachsen-Anhalt-Journal Ausgabe 3, 2021</ref> 1494
Wernerkapelle (Bacharach) Wasserspeier; stark beschädigt<ref name="RS193" /><ref name="Shachar" details="S. 25" /> um 1290
Stiftskirche St. Peter (Bad Wimpfen) Wasserspeier;<ref name="Shachar" details="Anhang Pl. 12a und 12b" /> restaurierte Kopie. Original seit 1995 im Reichsstädtischen Museum<ref name="SF5Feb20">Sabine Fischer: Debatte um antisemitische Darstellungen: Auch in Baden-Württemberg gibt es eine Judensau-Skulptur. Stuttgarter Zeitung, 5. Februar 2020</ref> Datei:Wimpfen-stiftskirche-judens.jpg
Basler Münster, Schweiz geschnitzte Miserikordie am Domherrengestühl, 1932 entfernt<ref>Miserikordie mit Schwein, das zwei Juden säugt, bis 1932 im Basler Münster, Teil des Domherrengestühls (Stütze eines Klappsitzes). Jüdisches Museum Schweiz; Hans-Rudolf Meier, Dorothea Schwinn Schürmann et al.: Das Basler Münster. Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt Band X. Basel 2019, ISBN 3-03797-573-3, S. 306, Abbildung 373</ref> nach 1363 Datei:Miserikordie mit schwein und juden basler muenster domherrengestuehl 1910 1918.jpg
Heilig Dreifaltigkeit (Bayreuth) Sockel einer Heiligenfigur außen, 2004 großenteils zerstört<ref>Wilfried Engelbrecht: Ein obszönes Sandsteinschwein. Das antijüdische Schmähbild am Chor der Bayreuther Stadtkirche. In: Bernd Mayer, Frank Piontek (Hrsg.): Jüdisches Bayreuth. Ellwanger, Bayreuth 2010, ISBN 3-925361-81-2, S. 27–34</ref> 1430–1440 Datei:Stadtkirche Bayreuth Skulptur Aussenwand 03.04.07.jpg
St. Peter und Paul (Brandenburg an der Havel) Säulenkapitell im Kreuzgang<ref name="EKBO26Jan22" /> 1235–1250 Datei:Darstellung einer Judensau (Dom Brandenburg).jpg
Franziskanerkirche (Bratislava), Slowakei Wasserspeier an Außensäule; 1897 ersetzt; Original verloren<ref>Theodor Ortvay: Geschichte der Stadt Preßburg. Commissionsverlag Carl Stampfel, Preßburg 1892, Band 1: Von den ältesten Zeiten bis zum Erlöschen des Árpádenhauses. Bayerische Staatsbibliothek, München, S. 351f.</ref><ref name="JDFn.2">Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe, Berlin 2021, S. 2, Fn. 2</ref> 1280–1297 <ref>Hana Tomagová: Die mittelalterlichen Wasserspeier vom Turm des Franziskanerklosters in Bratislava auf Mockers Skizzen aus dem Jahr 1862. In: ARS 57, 2024, S. 140–156, hier S. 145, Abbildung 2 (Skizze des verlorenen Originals von Josef Mocker)</ref>
Stiftskirche Bützow Kapitellrelief an einem Bündelpfeiler beim Eingang; restauriert<ref name="InfosNordkirche">Gottfried Hägele, Johanna Levetzow: Spott, Kulturgut, Auftrag? In: GedenkenBedenken: Informationen zur Erinnerungskultur im Bereich der Nordkirche Nr. 3,

Januar 2023, PDF S. 52f.</ref>

um 1314 Datei:Stiftskirche Bützow.jpg
Burgtor Cadolzburg Sandsteinrelief, stark verwittert<ref name="Cadolzburg">Sebastian Karnatz, Uta Piereth (Hrsg.): »herr im hauß«: Die Cadolzburg als Herrschaftssitz der fränkischen Zollern im Mittelalter. Bayerische Schlösserverwaltung, München 2017, ISBN 978-3-941637-43-6, S. 48 und 181</ref> ab 1420 Datei:Judensau Cadolzburg HaJN6146.jpg
St.-Stephani-Kirche (Calbe) unechter Wasserspeier, 2019/2020 restauriert und verhüllt<ref name="HK2022">Hartmut Kühne: Die Wasserspeier der St. Stephani Kirche in Calbe (Saale). Baugeschichtliche Einschätzungen zu Ursprung, Wirkung und Rezeption des Figurenkranzes. Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt, Wittenberg 2022</ref> um 1900
Martinsmünster (Colmar) Figur beim Westportal<ref name="Shachar" details="Anhang Pl. 23b" /> um 1350 Datei:Colmar Cathédrale Judensau.JPG
Martinsmünster Colmar Wasserspeier an Südseite des Chores<ref name="Shachar" details="Anhang Pl. 24 und 25a" /><ref>Xavier Mossmann: Étude sur l’histoire des juifs à Colmar. 1866</ref> um 1350 Datei:Wasserspeier5-Saint-Martin-Colmar.jpg
Maria-Magdalenen-Kirche (Eberswalde) Säulenkapitell im nördlichen Seitenschiff<ref name="HPG13f">Hanns-Peter Giering: Die Maria-Magdalena-Kirche in Eberswalde. Ein kleiner Kirchenführer. Evangelische Stadtkirchengemeinde, Eberswalde 2024, S. 13f.</ref><ref name="Shachar" details="S. 18 und Anhang Pl. 11a" /> um 1284 Datei:Judensau-maria-magdalenen-kirche-eberswalde-deutschland-2025.jpg
Erfurter Dom spätgotisches geschnitztes Flachrelief am linken Chorgestühl<ref name="Shachar" details="Anhang Pl. 28" /><ref>Wood carving at the choir benches of the Erfurt cathedral, Thuringia, Germany (about 1400–1410). In: Negative images of Judaism in Christian Art ó Ecclesia and Synagoga. Jewish-Christian Relations</ref> 1400–1410 Datei:Judensau Erfurt.jpg
Kathedrale von Évora, Portugal Konsole des Axialportals<ref>Luis Urbano Afonso: Iconografia antijudaica em Portugal (séculos XIV-XV). In: Cadernos de Estudos Sefarditas Nr. 6, 2006, S. 101–131; Abbildung S. 128, Figur 4 (PDF-Download)</ref> um 1330
Alte Brücke (Frankfurt am Main) Außengemälde am Brückenturm, 1801 zerstört<ref name="WS88" /> 1475 Datei:Judensau Frankfurt.jpg
Kathedrale von Gniezno Kapitell mit Relief am Portal der St. Andreas Kapelle<ref name="Shachar" details="S. 28–32 und Anhang Pl. 23a" /> um 1350
Goslar Stück eines Säulenkapitells aus unbekanntem Gebäude Goslars, ausgestellt im Lapidarium der Kaiserpfalz Goslar um 1250 Datei:Bildkapitell m. antisemitischem Figurenzyklus (sog. "Judensau"-Motiv), Goslar.jpg
Schloss Greillenstein Zwergenfigur aus Sandstein<ref name="RRA">Rafael Ruiz Alonso: Comer O No Comer: Contextos de la Iconografia Antisemita en Torno al Cerdo. In: Curso Judaísmo Hispano; 125 años de investigación sobre los judíos segovianos (1886–2011). Ayuntamiento de Segovia y Obra Social y Cultural Caja Segovia, Segovia 2012, ISBN 978-84-92432-70-7, S. 97–131, hier S. 125</ref> um 1700 <ref>Ein Jude reitet auf einem Schwein, Schloss Greillenstein, Österreich (Foto). Bridgeman Images; A jew riding a pig.Grotesque figure in the garden of Greillenstein Castle, Austria. Lessing Images</ref>
Härkeberga kyrka, Uppland, Schweden Innenwandgemälde von Albertus Pictor<ref>Jonathan Adams: “Untilled Field” or “Barren Terrain”? Researching the Portrayal of Jews in Medieval Denmark and Sweden. In: Jonathan Adams, Cordelia Heß (Hrsg.): Antisemitism in the North: History and State of Research. De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 3-11-063193-8, S. 31–47, hier S. 39</ref><ref name="JAdams2022">Jonathan Adams: Jews in East Norse Literature. A Study of Othering in Medieval Denmark and Sweden. De Gruyter, Berlin / Boston 2022, ISBN 978-3-11-077566-2, S. 206–210 und Abbildungen 5.25 und 5.26</ref> um 1480
Dom zu Halberstadt Sandstein-Konsole eines Standbilds der Chorscheitelkapelle<ref name="IK2009">Inschriftenkatalog: Dom zu Halberstadt, Nr. 116a. (2009)</ref> 1362 bis 1400
St. Marien (Heilbad Heiligenstadt) Fragment eines Wasserspeiers der Annenkapelle, stark verwittert<ref name="Shachar" details="S. 24–31 und Anhang Pl. 16" /> um 1300
Kloster Heiligenberg Siegelstempel<ref name="NLA22" /> 1240–1250
Kloster Heilsbronn Sockel für Heiligenfigur an Säule im „Mortuarium“<ref name="RKS.78">Rolf Kießling: Jüdische Geschichte in Bayern: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 3-11-039845-1, S. 78</ref> um 1430 Datei:Heilsbronn Münster - Mortuarium 0.jpg
Kirche von Husby-Sjutolft, Uppland, Schweden Deckenfresko von Albertus Pictor<ref name="JAdams2022" /><ref name="JDFn.2" /> 1470–1480
Stadtapotheke Kelheim Außenwandrelief, 1945 entfernt<ref name="Shachar" details="S. 39–41" /> 1519 <ref>Eduard Fuchs: Die Juden in der Karikatur, Leipzig 1921 / 2018, Abbildung</ref>
Kölner Dom Holzschnitzerei am Chorgestühl um 1310 Datei:Choir seating of Cologne Cathedral with Judensau (left) and blood libel motif (right).tif
Kölner Dom Wasserspeier am Südostchor, restauriert<ref name="KölnerDom">Ulrike Brinkmann, Rolf Lauer: Judendarstellungen im Kölner Dom. In: Bernd Wacker, Rolf Lauer (Hrsg.): Der Kölner Dom und ‚die Juden‘. Verlag Kölner Dom, Köln 2008, ISBN 3-922442-65-X, S. 27–32</ref> um 1280 Datei:2017-06-16-Wasserspeier Judensau Kölner Dom-2466.jpg
Kölner Dom Wasserspeier zwischen Michaels- und Agneskapelle, Kopie<ref name="KD">Peter Füssenich: Der Dom und ›die Juden‹: Wasserspeier. koelner-dom.de</ref> um 1300
St. Bartholomäus (Kolín), Tschechien Kapitell der südöstlichen Innensäule<ref name="JD4-6" /> um 1280
St. Marien (Lemgo) Sandsteinskulptur, westliches Atrium<ref name="Shachar" details="S. 16–21 und Anhang Pl. 7" /> um 1310 Datei:Lemgo - 2014-10-18 - St Marien (08).jpg
Schlosskapelle St. Lorenz der Burg Lipnice, Tschechien Säulenkapitell im Altarraum<ref name="JD7-13" /> um 1350 Datei:Kaple sv Vavrince - konzola 4.jpg
Magdeburger Dom Sandsteinfries, Ernst-Kapelle<ref name="Shachar" details="Anhang Pl. 14a und 14b" /> um 1270 oder 1493 Datei:Judensau magdeburg magdeburger dom ernstkapelle.jpg
Kathedrale von Metz Sandsteinrelief, Karmel-Kapelle<ref name="Shachar" details="S. 25f. und Anhang Pl. 9" /> um 1300–1330 Datei:JudensauMetzL1120243 (2).jpg
Nordhäuser Dom geschnitztes Chorgestühl<ref name="Shachar" details="S. 30f. und Anhang Pl. 25b-c" /> um 1380
St. Sebald (Nürnberg) Sandsteinskulptur als Konsole am Südostchor, restauriert<ref name="RKS.78" /> um 1380 Datei:Judensau nuernberg sankt sebald kirche 2.jpg
St. Marien (Osnabrück) Sandsteinskulptur am Brautportal um 1330; nachgebildet um 1850 <ref name="GB11/24">Erklärtafel zu Synagoga und „Judensau“. In: Gemeindebrief St. Marien, 48. Jahrgang, Nr. 175 (November 2024 bis Januar 2025), S. 23</ref>
Marienkirche (Pirna) Steinskulptur am Fuß der Kanzel<ref name="Pirna">Henner Kotte: Jüdisches Sachsen: 99 besondere Geschichten. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2021, ISBN 978-3-96311-553-0, S. 16 (7: Schmähung in Stein)</ref> ~1520 Datei:Judensau Pirna.jpg
Regensburger Dom Steinskulptur, Wandpfeiler außen am Südeingang<ref name="Shachar" details="S. 26f., 39f. und Anhang Pl. 18b" /> restauriert 14. Jh. Datei:Regensburger Dom Judensau 2004.jpg
Salzburg, Österreich Steinskulptur am Rathausturm von Hans Valkenauer; um 1800 entfernt<ref>Eduard Fuchs: Die Juden in der Karikatur, Leipzig 1921 / 2018, S. 117f.</ref><ref name="Shachar" details="S. 37" /> um 1487
Spalt Sandsteinrelief am Haus Stiftsgasse 10; stark verwittert<ref name="Spalt">Jüdisch Historischer Verein Augsburg: Die Judensau im fränkischen Spalt. Juli 2012</ref> 15. Jh. Datei:Spalt, Innenhof Stiftsgasse 10, sog. „Judensau“.jpg
Straßburger Münster Sandsteinreliefs in Arkaden-Zwickeln des Triforiums<ref>Marie-Josèphe Wolff-Quenot: Le bestiaire mystérieux de la cathédrale de Strasbourg. FeniXX réédition numérique, 1987, ISBN 978-2-402-62898-3, S. 73</ref><ref name="SM2023" /> 1250–1290
Schloss Telč Holzschnitzerei im Goldenen Saal<ref name="JD24-32" /> 1550–1561
St. Wenzeslaus (Theilenberg) Sandsteinrelief an der Ostseite des Turms; stark verwittert<ref>Bernd Mayer, Frank Piontek: Jüdisches Bayreuth. Ellwanger, Bayreuth 2010, ISBN 978-3-925361-81-4, S. 33; Ralf Rossmeissl: Jüdische Heimat Roth. (Ausstellungsbegleitbuch) Kulturfabrik / Stadt Roth, 5. Auflage 1997, S. 100, Abbildung Nr. 62</ref> 14. Jh. Datei:Theilenberg Pfarrkirche, Judensau.jpg
Dom zu Uppsala, Schweden Relief am Säulenkapitell im Chor<ref>Anders Andrén: The Judensau in Uppsala. In: Jürg Glauser, Pernille Hermann (Hrsg.): Myth, magic, and memory in early Scandinavian narrative culture: Studies in honour of Stephen A. Mitchell. Brepols, Turnhout (Belgien) 2021, S. 351–369; Beschreibung: The Importance of Being Absent. The Public Medievalist, 27. Juni 2017</ref> um 1350 Datei:B 4305.png
Wiener Neustadt, Österreich Sandsteinrelief am Hauptplatz Nr. 16; beschädigt; heute im Museum St. Peter an der Sperr<ref>Helfried Valentinitsch, Ileane Schwarzkogler (Hrsg.): Hexen und Zauberer. Katalog der Steirischen Landesausstellung 1987, Riegersburg, Oststeiermark, 1. Mai – 26. Oktober. Leykam, Graz/Wien 1987, ISBN 3-7011-7183-1, S. 237; Museum St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt: Judenspott</ref> ab 1496 Datei:Wiener Neustädter Judenspott.jpg
Wipperfürth Kupferrelief am Marktbrunnen; um 1850 entfernt<ref>Erich Kahl: „Sujg Gude diene Mude“ („Saug, Jude, deine Mutter“). Ein antisemitisches Bildmotiv an der ehemaligen Mittelsäule des Wipperfürther Marktbrunnens. In: Wipperfürther Vierteljahresblätter Nr. 169 (April–Juni 2023), S. 2–6</ref> 1331
Stadtkirche Lutherstadt Wittenberg „Judensau“-Relief an der Stadtkirche Lutherstadt Wittenberg, 1570 an die Südostecke der Chorfassade verlegt und betitelt, 2012 restauriert um 1290 Datei:Judensau Wittenberg.jpg
St. Viktor (Xanten) Steinsockel einer Marienfigur an der Nordseite vor dem Hochchor<ref name="Shachar" details="S. 16–18 und Anhang Pl. 10" /> 1263–1267 <ref>Bernd Iben: Perlen vor die Säue (2. Teil). Der Mensch in Ambivalenz zum Schwein. In: Grosstierpraxis, Fachzeitschrift für Veterinäre, Witzenhausen 2009, S. 186 (Abbildung Nr. 10)</ref>
St. Nikolai (Zerbst/Anhalt) Steinrelief an Strebepfeiler der Nordostseite<ref name="Shachar" details="S. 35f. und Anhang Pl. 31b" /> 1446–1448 Datei:Zerbst Nikolaikirche Judensau Detail.jpg
Zerbst/Anhalt geschnitzter gotischer Balken am Wohnhaus Markt 16;<ref name="Shachar" details="S. 40 und S. 85, Fn. 215a" /> heute im Stadtmuseum <ref>Verein für Anhaltische Landeskunde: 80 Jahre nach der Pogromnacht. 2018 (PDF S. 3, Foto unten links)</ref>

Isaiah Shachar lokalisierte in seiner maßgeblichen Forschungsarbeit 37 „Judensau“-Skulpturen,<ref name="Shachar" details="Karte S. 3 und Index S. 97–101" /> darunter mindestens vier nicht oder nicht mehr vorhandene aus unbestätigten gedruckten Quellen:

Die von 1856 bis 1921 kolportierte Angabe einer „Judensau“ im Freisinger Dom wurde 1995 entkräftet.<ref>Rudolf Goerge: Gab es in Freising eine „Judensau“? Eine Richtigstellung. In: Zeitschrift Amperland Nr. 31, 1995, S. 65–67</ref> Auch die von Shachar erwähnten Beispiele in Friedberg (Hessen)<ref>Judenfeindliche Autoren (Dietrich Schwab 1615, Christlieb Wucherfeind 1688) behaupteten, es gebe ein Wandgemälde am Mainzer Tor, ähnlich dem am Frankfurter Brückenturm. Dem widersprach Johann Jacob Schudt 1714 (Jüdische Merckwürdigkeiten II.Theil, S. 256f.). Im Stadtarchiv Friedberg ist kein Bild am Mainzer Tor belegt.</ref> und Heidingsfeld<ref name="Guth257" /> sind fiktiv.

Bedeutungswandel

Als älteste bekannte „Judensau“ gilt das Relief im Domkreuzgang von Brandenburg.<ref name="AT227f" /> Es entstand zwischen 1235 und 1250, als es keine Judengemeinden in Brandenburg gab. Es zeigt eine Sau mit einem menschlichen Arm und Kopf, der einen spitzen Hut trägt, und die vier Ferkel und eine Menschenfigur säugt. An ihrem Hinterteil macht sich eine weitere Figur zu schaffen; vorn reicht eine Frau mit Schleier dem Tier etwas. Mit diesen Merkmalen sollte das Relief nach heutigem Forschungsstand Juden schmähen.<ref name="EKBO26Jan22" /> Nur Joachim Schlenk deutete es 1987 als Fabelwesen, den Spitzhut als Ritterhelm.<ref>Joachim Schlenk: Die Brandenburger Judensau. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 83. Jahrgang, Heft 1, 1987, S. 462–477 (PDF)</ref>

Isaiah Shachar datierte auch die Skulpturen in Bad Wimpfen, Eberswalde, Lemgo, Magdeburg und Xanten in das 13. Jahrhundert und deutete sie als „moralische Exempelfiguren für alle Sünder“, die noch nicht das Judentum als solches verhöhnen, sondern Christen eindringlich vor dem angeblichen sündhaften Treiben der Juden warnen sollten.<ref name="Shachar" details="S. 22f." />

Der Wasserspeier in Bad Wimpfen entstand wohl, bevor Juden sich dort ansiedelten. Er zeigt eine riesige Sau, an deren rechtem Vorderbein eine Figur mit Judenhut und Vollbart kniet und an einer Zitze saugt. Die rechte Hand hält sie, die linke drängt ein Ferkel fort, das an einer anderen Zitze gegenüber saugt.<ref name="Shachar" details="S. 18f." /><ref>Birgit Wiedl: Laughing at the Beast: The Judensau, in: Albrecht Classen (Hrsg.): Laughter in the Middle Ages and Early Modern Times.Berlin / New York 2010, S. 327</ref>

Das Relief an einem Säulenkapitell der Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde zeigt eine Sau, die eine Figur mit Judenhut küsst.<ref name="HPG13f" /> Es war zum benachbarten damaligen Judenviertel ausgerichtet. Nach dem Vorwurf eines Hostienfrevels kam es in Eberswalde zu einem Judenpogrom.<ref name="Klatt2018">Thomas Klatt: Eine Sau als Schande für die Kirche. Zeitzeichen.net, Januar 2018 (kostenpflichtig)</ref>

Das Relief in Xanten gehört zu einem Konsolenpaar, das Skulpturen von Maria und Elisabet trägt. Es zeigt eine kniende Figur, in deren Judenhut eine Sau beißt, während eine zweite, nackte kauernde Judenfigur an ihrer Zitze saugt. Die zweite Konsole stellt einen Löwen und Drachen im Kampf dar. Laut Isaiah Shachar sollten beide Szenen die Christen vor den Mächten des Bösen warnen, im Kontrast zur heilvollen Begegnung der Mütter Jesu und des Täufers darüber. Das Judensaurelief zeige Gier und Völlerei mit satirischer Note: Die Sau beißt gierig in den Hut, wie der kleinere Jude in ihre Zitze beißt, so dass sie sich gegenseitig „aussaugen“. Juden waren seit 1096 in Xanten wohnhaft und mehrmals Pogromen und Zwangstaufen ausgeliefert.<ref name="Xanten">Judenfeindliche Skulptur, röm.-kath. Pfarrkirche St. Viktor, Xanten. Diakonie Paderborn-Höxter, November 2024</ref>

In das 14. Jahrhundert datiert Shachar die Figuren in Colmar, Gnesen, Heiligenstadt, Köln, Metz, Nordhausen, Regensburg und Uppsala. Er bestritt ihre Herkunft aus dem Motiv der Kapitolinischen Wölfin, die Romulus und Remus säugt.<ref name="Shachar" details="S. 74" /> Dagegen deutete der Historiker Rudolf Reiser die Regensburger Skulptur 2013 wegen ihres langen Schwanzes als säugende Wölfin.<ref>Thomas Dietz: Warum die „Judensau“ eine Wölfin ist. Mittelbayerische Zeitung, 12. Oktober 2013</ref>

Das Fries im Magdeburger Dom zeigt drei männliche Figuren mit Spitzhüten. Eine kniet neben zwei Ferkeln unter einer Sau und saugt an einer Zitze; die zweite ist dem Hinterteil der Sau zugewandt, das ihre abgebrochene rechte Hand wohl berührte; die dritte hält eine Schriftrolle. Eine der Sau zugewandte Frau hält eine Schüssel mit Eicheln.<ref name="IS19f">Isaiah Shachar: The Judensau. London 1974, S. 19f.</ref> Zwischen den Beinen der Sau tummeln sich zwei Hunde. Diese Verbindung zweier verachteter Tierarten sollte die Juden noch stärker erniedrigen.<ref name="VS27Okt16">Jörn Wegner: Antisemitismus: Umgang mit dem „Judensau“- Schandmal. Volksstimme, 27. Oktober 2016</ref>

Datei:Antisemitische Reliefs an einer Wange des Chorgestühls 1308 bis 1311 Koelner Dom.jpg
Drei antijüdische Reliefs am Chorgestühl im Kölner Dom (1308–1311)

Die Holzschnitzerei am Chorgestühl des Kölner Doms zeigt im Feld oben links drei als Juden markierte Figuren: Einer umarmt eine Sau, der zweite saugt kniend an ihren Zitzen, der dritte füttert sie. Im Feld rechts daneben kippt eine Judenfigur einen Trog aus, aus dem ein Schwein und mehrere Ferkel herausfallen. Das Motiv spielt wohl auf jene christlich-apokryphe Kindheitslegende an, wonach Jesus eine in einem Trog versteckte Mutter und ihre Kinder in Schweine verwandelte. Eine weitere Judenfigur führt einen christlichen Knaben an der Hand. Ein „W“ und „Mart“ darüber identifiziert ihn als den angeblich von Juden ermordeten Märtyrer Werner von Oberwesel. Diese seit 1287 bekannte Ritualmordlegende führte im Rheinland oft zu Pogromen an Juden.<ref>Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Zwei Jahrtausende Jüdische Kunst und Kultur in Köln. Greven 2007, ISBN 978-3-7743-0397-3, S. 85f.</ref> Diese antijudaistischen Motive hingen also eng zusammen.<ref>Claudine Fabre-Vassas: The Singular Beast, New York 1997, Kapitel 1: Jews, Christians, & the Pig.</ref>

Der Wasserspeier am Südostchor des Doms stellt ein hockendes Schwein das, das einen Mann mit Judenhut säugt. Der zweite Wasserspeier zeigt ein Mischwesen: Der tierische Unterkörper hat Paarhufe wie die eines Schweins; der menschliche Oberkörper trägt ein Tuch, das einem Tallit ähnelt, aber ohne Schaufäden.<ref name="KD" />

Das Relief in St. Sebald (Nürnberg) zeigt vier männliche Figuren. Zwei hängen an den Zitzen einer Sau; eine trägt den Judenhut. Eine füttert links die Sau, eine fängt ihre Exkremente in einem Topf auf.<ref>Virtueller Rundgang: „Judensau“-Plastik. Sebalduskirche.de</ref>

Zwei Reliefs in Böhmen ahmen die etablierten deutschen Versionen nach. In Kolín sieht man drei männliche Figuren mit Judenhut unter einer Sau; einer saugt ihre Zitze, einer hält ihren Schwanz, der dritte füttert sie. Dies symbolisiert die Todsünde der Völlerei. In der zum Bistum Magdeburg gehörigen Stadt wohnten anfangs meist deutschsprachige Christen, keine Juden.<ref name="JD4-6">Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe, Berlin 2021, S. 4–6, Abbildung S. 4</ref> Die Figur in der Burgkapelle von Lipnice nad Sázavou ist von dämonischen Köpfen an weiteren Säulen umgeben, darunter einem Teufelskopf mit Grimasse, Stoßzähnen und herausgestreckter Zunge. Sie war jedoch hinter dem Altar platziert.<ref name="JD7-13">Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe, Berlin 2021, S. 7–13, Abbildung S. 9</ref>

Das Relief in Bützow zeigt fünf als Juden markierte Figuren bei einer Muttersau. Eine sitzt auf einem Thron, liest in einem Buch und unterweist die übrigen offenbar im Umgang mit der Sau. Dies diffamiert Tora und Talmud des Judentums. Ein weiteres Säulenrelief gegenüber zeigt zwei sitzende Affen mit Judenhüten, die einen Spiegel halten und mit der freien Hand auf ihre Köpfe zeigen. Die Komposition ist einmalig.<ref name="InfosNordkirche" />

Der südliche Wasserspeier am Münster Colmar zeigt eine riesige Sau mit weit geöffnetem Maul und vier Figuren mit Judenhüten, langem Haar, Bärten und Mänteln, davon zwei, die an den Zitzen der Sau saugen.<ref>Isaiah Shachar: The Judensau, London 1974, S. 29</ref>

Das Relief im Erfurter Dom stellt den religiösen Gegensatz als Turnier dar: Die Kirchenfigur reitet auf einem Pferd, die Synagogenfigur auf einem Schwein. Auf dem geschnitzten Holzrelief in Aarschot reitet ein Jude rückwärts auf einem Ziegenbock, der auch ein Teufelssymbol war, und hebt dessen Schwanz an. Wegen dieser Merkmale gilt das dortige Exemplar als verwandt mit „Judensau“-Schandbildern<ref>Malcolm Jones: The Secret Middle Ages: Discovering the Real Medieval World. 2. Auflage, History Press, Cheltenham 2025, ISBN 978-1-80399-901-2, S. 115</ref> und wird mit ihnen aufgeführt.<ref>Isaiah Shachar: The Judensau. London 1974, S. 40 und S. 84, Fn. 280, Tafel 36b</ref>

Das Konsolenrelief in Evora zeigt zwei Figuren mit dem typischen Judenhut. Eine ist als Hund, die andere als Mensch mit Schweinekopf dargestellt, identifiziert also Jude und Schwein. Dieses einzige südeuropäische Beispiel wird vereinzelt mit den mitteleuropäischen Figuren verglichen.<ref>Götz Ruempler: Tiere in der plastischen Kunst des Mittelalters. Agenda Verlag, Münster 2017, ISBN 3-89688-574-X, S. 223</ref>

Ein im Kloster Heiligenberg bei Bruchhausen-Vilsen gefundenes Stempelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt einen Juden mit Spitzhut, der am Hinterteil einer Sau kniet, ein Hinterbein hält und seinen Mund ihrem After zuwendet. Die zugehörige lateinische Umschrift wurde verschieden gedeutet.<ref>Konrad Elmshäuser: Ein Bremer Pfandleiher und sein Siegel: Die „Judensau“ vom Heiligenberg. In: Bremisches Jahrbuch 99/2020, S. 54–89 (PDF); Andreas Lehnertz, Markus Wenninger: Zum Heiligenberger Siegeltypar mit einer ‘Judensau’: Das Siegel eines Christen, nicht das eines Juden. In: Bremisches Jahrbuch, Band 100, Bremen 2021, S. 52–78</ref> Wer der Siegelführer war und wozu das diffamierende Siegelbild gewählt wurde, sind ungeklärte Forschungsfragen.<ref name="NLA22">Ein archäologischer Fund als Neuzugang in der Abteilung Hannover: Das Bremer Siegeltypar aus Heiligenberg gibt Rätsel auf. Niedersächsisches Landesarchiv, Hannover 2022</ref>

Das Wandgemälde in Spalt zeigt einen Juden mit Spitzhut, der unter einer Sau liegt und an einer ihrer Zitzen saugt, während er mit einem Arm ein Vorderbein der Sau hochdrückt. Es war ursprünglich an der Bibliothek des Spalter Chorherrenstifts angebracht. Es wurde bei einer Hausrenovierung 1969 verputzt, konnte aber wieder freigelegt werden.<ref>Hermann Rusam: „Judensau“-Darstellungen in der plastischen Kunst Bayerns. In: Begegnungen, März 2007, S. 28</ref>

Die Skulptur an St. Nikolai in Zerbst entstand im Kontext einer lokalen Pest-Epidemie von 1448 und Pestpogromen an Judengemeinden.<ref name="MDR15Jun2022">Susann Reich: Judenfeindliche Plastik: So geht Zerbst damit um. MDR, 15. Juni 2022</ref>

Das Brautportal der ab 1300 erbauten gotischen Hallenkirche St. Marien in Osnabrück ist links und rechts von je fünf Skulpturen flankiert, die das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen darstellen. Die Kontrastfiguren der Ecclesia links (mit Krone) und Synagoga rechts (mit Augenbinde) führen die jeweilige Fünferreihe an. Der Sockel der Synagogenfigur ist als Sau modelliert.<ref name="GB11/24" /> Das diffamierte die jüdischen Familien, die 1327 in der benachbarten „Schweinestraße“ (damaliger Name) hinter der Kirche wohnten. 1336 zwang der Stadtrat den lokalen Juden einen separaten Fleischverkauf auf und markierte ihre Verkaufsbänke mit einem „Judenbild“, wahrscheinlich einer weiteren „Judensau“. 1350 wurden die Osnabrücker Juden bei einem Pestpogrom fast alle ermordet, ihr Eigentum wurde geraubt.<ref>Thorsten Heese: Wann begann Osnabrücks jüdische Geschichte? Kulturabdruck.de, 13. Februar 2021</ref>

Das „Judensau“-Relief an der Stadtkirche Lutherstadt Wittenberg entstand um 1290 beim Kirchenbau.<ref>Albrecht Steinwachs, Jürgen M. Pietsch: Die Evangelische Stadt- und Pfarrkirche St. Marien der Lutherstadt Wittenberg. Edition Akanthus, Delitzsch 2000, ISBN 3-00-006918-6, S. 106</ref> Es gehörte wohl zu einem Bildzyklus zur Abwehr von Dämonen und Sünden an der Nordfassade, wurde aber 1570 bei einem Umbau an die Südostecke des Chors versetzt.<ref>Mario Titze: Die Sau an der Kirche. In: Jörg Bielig u. a. (Hrsg.): Die „Wittenberger Sau“, Halle 2020, S. 17–56, hier S. 46</ref> Dabei wurde die Überschrift Rabini Schem HaMphoras ergänzt, die mit Bezug auf Martin Luthers Schmähschrift Vom Schem Hamphoras (1543) den hebräischen Gottesnamen und das rabbinische Judentum als Schweinerei diffamiert.<ref name="epd28Mai2019">Debatte um Abnahme der Wittenberger „Judensau“ von Kirchenfassade. epd, 28. Mai 2019</ref> Das verschärfte den religiösen Gegensatz von Kirche und Synagoge in der frühen Neuzeit zur totalen Verachtung des Judentums.<ref>Wilhelm Güde: Die rechtliche Stellung der Juden in den Schriften deutscher Juristen des 16. und 17. Jahrhunderts. Jan Thorbecke, Ostfildern 1981, ISBN 3-7995-6026-2, S. 10</ref>

Ab dem 15. Jahrhundert erschienen solche Bilder auch an nichtkirchlichen Bauten, also für einen erweiterten Adressatenkreis des Bürgertums.<ref>Eduard Fuchs: Die Juden in der Karikatur, Leipzig 1921 / 2018, S. 114</ref> Das älteste Beispiel ist das Relief am Burgtor von Cadolzburg (gebaut ab 1420) unter den Wappen der Hohenzollern.<ref name="Cadolzburg" /> Es zeigt drei Figuren, die eine Sau umgeben: Eine mit Judenhut beugt sich zu ihrem Hinterteil, eine kniet und saugt an einer Zitze, die dritte mit Bart umarmt ihren Hals. Weitere Judenfiguren tanzen um ein Goldenes Kalb.<ref name="Rusam2014" />

Das Wandbild am Frankfurter Brückenturm (um 1475) zeigte einen Rabbiner, der verkehrt herum auf einer Sau reitet, einen jungen Juden unter dem Bauch an den Zitzen, einen weiteren am After oder der Vulva saugend; hinter der Sau stehend den Teufel und eine auf einem Ziegenbock reitende Jüdin. Darüber war der verstümmelte und gefolterte Simon von Trient zu sehen. Unter dem Bild stand: „Saug du die Milch, friß du den Dreck, Das ist doch euer best Geschleck.“<ref>Heinz Schreckenberg: Die Juden in der Kunst Europas. Göttingen 1996, S. 343–345</ref> Diese Verknüpfung des „Judensau“-Motivs mit einer Ritualmordlegende sollte eine Pogromstimmung schüren.<ref name="WS88">Wilfried Schouwink: Der wilde Eber in Gottes Weinberg, Sigmaringen 1985, S. 88</ref> Beim Fettmilch-Aufstand (1614) wurde dieses Bild auch als Glasfenstergemälde an einem Bürgerhaus dargestellt.<ref>Das Schandbild der sogenannten Frankfurter Judensau. Historisches Museum Frankfurt</ref> In den 1690er Jahren ließ der Stadtrat das Wandbild trotz Protesten der Frankfurter Juden erneuern.<ref>Uri R. Kaumann: Jüdische Handwerker und Kleinhändler im Frankfurt des 18. und 19. Jahrhunderts. In: Karl Erich Grözinger (Hrsg.): Jüdische Kultur in Frankfurt am Main von den Anfängen bis zur Gegenwart. Harrassowitz, Wiesbaden 1997, ISBN 3-447-03962-0, S. 56</ref> Es befand sich direkt gegenüber der Frankfurter Judengasse und blieb bis zum Abriss des Brückenturms 1801 eine touristische Attraktion der Stadt.<ref>Rudolf Kreis: Die christliche Bildwelt und der Antisemitismus aus der Gegensicht Kafkas. In: Gerhart von Graevenitz (Hrsg.): Die Unvermeidlichkeit der Bilder. Narr, Tübingen 2001, ISBN 3-8233-5706-9, S. 103–116, hier S. 109</ref>

1494 vertrieb die Stadt Aschersleben die dortigen Juden durch das westliche Stadttor und ließ ein Saurelief daran anbringen. Eine im Turmknopf der nahen Stephanikirche gefundene Urkunde belegt den Vorgang: Die Bürger hätten „zum Andenken an der Juden Vertreibung und den Juden zum Abscheu und in Warnung nicht wieder zu kommen“ eine steinerne Sau über dem Tor angebracht. Damit endete die jüdische Gemeinde in Aschersleben für mehrere Jahrhunderte. Das „Sautor“ wurde später zerstört.<ref name="Sautor" />

Eine Steingravur an einem Privathaus in Kelheim von 1519 zeigte eine Sau, die als Juden markierte Figuren zum Lesen einer Gebotstafel mit hebräischen Buchstaben bringen. Das verhöhnte den jüdischen Toraglauben. Die Inschrift darunter bezog sich auf die damalige Vertreibung der Regensburger Juden. Das Bild wurde vor 1850 auf Klagen von Juden abgenommen, aber 1895 an die Fassade der Stadtapotheke verlegt. Als einziges öffentliches „Judensau“-Bild wurde es 1945 zerstört, auf Befehl eines Offiziers der US Army.<ref>Isaiah Shachar: The Judensau. London 1974, S. 39f.</ref> Es ist nur noch auf Fotografien dokumentiert.<ref>The Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem (CAHJP): P 160 – Fotosammlung Theodor Harburger. Vollständige Fotoliste Nr. 456a, 456b, 456 (Buch S. 319 f., PDF S. 24 f.)</ref>

Um 1520, während der Reformation, schuf der Bildhauer Franz Maidburg die Kanzel der Marienkirche Pirna. Die männliche Figur am Kanzelfuß mit Schweinsgesicht trägt einen Judenhut und hält einen Geldbeutel in der Hand, die ihn unter den Mantel führt, offenbar um ihn zu verstecken.<ref name="Pirna" />

In Posen malte ein Maler im Auftrag des Stadtrats 1618 judenfeindliche Gemälde auf die Rathauswand, darunter einen auf einem Schwein reitenden Juden. Um die Bilder entfernen zu lassen, mussten protestierende Juden den Maler bezahlen. Im Verlauf schlugen und verletzten der Malergehilfe und ein Stadtrufer örtliche Juden, beschädigten ihre Synagoge und plünderten ihre Häuser. Der Vorgang zeigt, wie städtische Autoritäten das inzwischen säkularisierte „Judensau“-Motiv benutzten.<ref>Isaiah Shachar: The Judensau, S. 41 und S. 85, Fn. 218</ref>

Im 13-köpfigen Zwergenkabinett des Schlosses Greillenstein steht die Figur eines Juden, der auf einem Schwein reitet: Er hält in der rechten Hand ein Buch der Tora, in der linken einen Geldbeutel dem Schwein vor die Schnauze. Seine Haltung parodiert Reiterporträts von Monarchen und Feldherren. Die Figur gehört zu einer um 1700 entstandenen Skulpturensammlung für den Schlossgarten.<ref name="RRA" />

Der Wasserspeier in Calbe zeigt das stereotypisierte Gesicht eines „Ostjuden“<ref name="HK2022" /> und entstand daher wahrscheinlich erst um 1900.<ref>Schmähplastik an Kirche in Calbe. Mitteldeutsche Zeitung (MZ), 12. September 2023</ref>

Druckerzeugnisse ab 1440

Datei:Judensau Blockbuch.jpg
Einblattholzschnitt aus Breisach, um 1450–1500

Grafiken

Seit der Erfindung der Druckpresse (um 1440) findet sich das Motiv vermehrt auf Druckgrafiken und gelangte so mit anderen antijüdischen Stereotypen in die populäre Kunst. Ein zwischen 1450 und 1500 hergestellter und als Einblattdruck vervielfältigter Holzschnitt aus Breisach am Rhein gilt als erste profane Judenkarikatur.<ref>Monika Kucharz: Das antisemitische Stereotyp der „jüdischen Physiognomie“, Münster 2017, S. 97–99 und Abbildung 104; Isaiah Shachar: The Judensau, London 1974, S. 34f.</ref> Sie zeigt eine riesige Sau, die vier Juden säugt und von drei weiteren umhegt wird. Zwei jüdische Zeugen im Begleittext legen nahe, es gehe dabei um sexuellen Verkehr, nicht um den Verzehr der Sau. Dies unterstellte Juden wie die textlosen älteren Skulpturen einen heimlichen Trieb zum Bruch der Toraverbote. Dagegen deuteten Juden das Schwein dieser Bilder weiterhin als Symbol der gewaltsam herrschenden Macht Roms.<ref>Debra Higgs Strickland: The Jews, Leviticus, and the Unclean in Medieval English Bestiaries. In: Mitchell B. Merback: Beyond the Yellow Badge: Anti-Judaism and Antisemitism in Medieval and Early Modern Visual Culture. Brill, Leiden 2007, ISBN 90-04-15165-6, S. 202–233, hier S. 227</ref>

Ein Kupferstich von 1475–1480 zeigt abstoßende, mit dem Gelben Ring als Juden markierte Figuren, die ein nacktes Kind mit Messern schneiden und sein Blut auffangen. Der Innenkreis des Rings ist mit einer Sau ausgefüllt. Der italienische Untertitel verweist auf Simon von Trient. Das Bild verband das „Judensau“-Motiv erstmals mit der Ritualmordlegende und beeinflusste das etwas später entstandene Frankfurter Wandbild.<ref>Wolfgang Treue: Der Trienter Judenprozeß. Voraussetzungen – Abläufe – Auswirkungen (1475–1588). In: Helmut Castritius et al. (Hrsg.): Forschungen zur Geschichte der Juden, Abteilung A: Abhandlungen, Band 4. Hahnsehe Buchhandlung, Hannover 1996, PDF S. 370 f. und Abbildung 109</ref>

Der Prager Künstler Matouš illustrierte von 1490 bis 1495 ein Graduale und ein Hymnenbuch für Utraquisten in Kutná Hora mit farbigen Kalligrafien, die „Judensau“-Motive aufgreifen: Ein Mann mit blauem Hut reitet rückwärts auf einer Sau und hält ihren Schwanz fest in der linken Hand. Ein Mann mit Hut reitet im Turnierkampf eine Ziege, sein Gegner einen Eber oder eine Sau. Zwei Männer, einer mit blauem Hut, küsst das Hinterteil einer Ziege, der andere den After eines Schweins. Schon eine Bible moralisée von 1220 enthielt ein Bild eines Juden, der den Hintern einer Ziege küsst. Diese Motive beeinflussten auch deutsche Schandbilder: So zeigte die Anklageschrift gegen Dietrich von Klitzing (1550) eine Figur, die rückwärts auf einem Schwein reitet und den Mund auf dessen Anus presst.<ref>Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe, Berlin 2021, S. 14–18 und Fn. 36</ref>

Ein bis 1517 illustriertes Graduale für Utraquisten in Litoměřice zeigt im Folio zu Pfingsten biblische Szenen vom Toraempfang des Mose und Opfer des Elija. Das Rahmenwerk stellt blonde nackte Babys eines Menschenpaars einer Sau mit vielen dunkelbraunen Ferkeln gegenüber. Unter ihnen streckt ein Baby seine Hände zum Bauch der Sau und saugt an ihren Zitzen. Dies kontrastiert Christen als fruchtbare Erben des Alten Testaments mit Juden, die sich vom Schwein nähren würden und zu Ferkeln geworden seien. Das Bild spiegelte und verstärkte lokale Konflikte zwischen Utraquisten und der jüdischen Gemeinde. Diese wurde 1541 bei einem Pogrom vernichtet; 1546 wurde Juden die erneute Niederlassung am Ort verboten.<ref>Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe, Berlin 2021, S. 20–23</ref>

Eins der 30 von Zacharias von Neuhaus geschnitzten Holzreliefs im Schloss Telč zeigt einen bärtigen Mann im schwarzen Mantel mit dem Gelben Ring. Er reitet eine fliegende Sau und hält ihren Schwanz fest in der linken, einen zerbrochenen Krug in der rechten Hand. Dieser markiert ihn als Betrüger. Die deutsche Inschrift dazu („Veitl, ein Jude, ein Prüfer von Edelsteinen. Hier reitet er auf einer Sau. Er ist 60 Jahre alt.“) meint eventuell den jüdischen Händler Feytl in Telč. Nach seinem Tod 1561 mussten seine Söhne das Vaterhaus an den Schlossherrn verkaufen. Daher könnte das Relief einen Privatkonflikt ausdrücken.<ref name="JD24-32">Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe, Berlin 2021, S. 24–32 und Abbildung S. 26</ref>

Viele frühe Holzschnitte griffen das Frankfurter Wandbild auf und verschärften es. So zeigte ein Flugblatt von 1563 unter dem Titel „Der Juden Messias“ eine von zwei Teufeln begleitete Prozession von 14 Personen mit dem Gelben Ring, die die „Judensau“ zur Hölle tragen. 13 der Figuren sind mit Namen und verunglimpfenden Reimen markiert.<ref>Monika Kucharz: Das antisemitische Stereotyp der „jüdischen Physiognomie“, Münster 2017, S. 100 und Abbildung 106</ref>

Ab dem 16. Jahrhundert übertrugen Grafiken die assoziative Verbindung von Juden, Sau und Teufel auch auf Körpermerkmale und statteten die menschlichen Figuren etwa mit Schweinsohren, Bocksfüßen und Hörnern aus. Das Titelblatt des Pamphlets Der Jueden Erbarkeit von 1571 etwa zeigt Judenfiguren mit dem Gelben Fleck, Teufelskrallen, Klauen- und Krähenfüßen und Schweinsgesichtern mit Hörnern und Geweihen. Eine davon, ein Gaukler mit Dudelsack, reitet auf einer Sau, die ihre Exkremente frisst.<ref>Stefan Rohrbacher, Michael Schmidt: Judenbilder, Reinbek 1991, S. 160; Faksimile</ref> Die Figuren tragen jene typischen Merkmale, die seit langem dem Teufel zugeordnet wurden, etwa mit dem Symboltier des Ziegenbocks in Aarschot, Erfurt, Frankfurt und auf späteren Grafiken.<ref>Birgit Wiedl: Laughing at the Beast: The Judensau, in: Albrecht Classen (Hrsg.): Laughter in the Middle Ages and Early Modern Times. Berlin / New York 2010, S. 353</ref> Auch auf „Judenspottmedaillen“ taucht das Motiv ab der Reformationszeit öfter auf.<ref>Bruno Kirschner, Arie Kindler: Deutsche Spottmedaillen auf Juden. Battenberg, München 1968, S. 25–27</ref>

Eine bemalte Holzdecke eines Prager Bürgerhauses von 1650–1670 zeigt einen bärtigen Juden mit Hut, der auf einem Schwein reitet.<ref>Helena Čižinská: Stropy, které mluví: Malované stropy měšťanských domů v Praze. („Sprechende Decken: Bemalte Decken von Stadthäusern in Prag“). In: Muzeum hlavního města Prahy (Prager Stadtmuseum), Ausstellungskatalog, Prag 2006 (tschechisch)</ref>

In seinem Werk Kirchliche Verfassung der heutigen, sonderlich der deutschen Juden (1749) illustrierte der evangelische Pastor Georg Bodenschatz jüdische Schlachtriten mit einem (Juden verbotenen) Schwein. Damit spielte er eventuell auf das Judensaumotiv an. Nur diese Grafik wich dann von der didaktischen Absicht des Werks ab, Christen jüdische Gebräuche verständlich zu erklären.<ref>Richard I. Cohen: Jewish Icons: Art and Society in Modern Europe. University of California Press, Berkeley 1998, ISBN 0-520-20545-6, S. 64</ref>

Texte

Das Fastnachtsspiel von Hans Folz Ein spil von dem herzogen von Burgland (Werktitel: Der Juden Messias) aus dem 15. Jahrhundert zeigt die Aufnahme des Motivs in der deutschsprachigen Literatur. In diesem Bühnenstück wird der jüdische Messias szenisch als Antichrist entlarvt und am Schluss als Strafe für die Juden vorgeschlagen:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Ich sprich, das man vor allen ding
Die allergrost schweinsmuter pring,
Darunter sie sich schmiegen all
Saug ieder tutten mit schall;
Der Messias lig unter dem schwanz!}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Ich sprich, das man vor allen ding
Die allergrost schweinsmuter pring,
Darunter sie sich schmiegen all
Saug ieder tutten mit schall;
Der Messias lig unter dem schwanz!}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Ich sprich, das man vor allen ding
Die allergrost schweinsmuter pring,
Darunter sie sich schmiegen all
Saug ieder tutten mit schall;
Der Messias lig unter dem schwanz! | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Ich sprich, das man vor allen ding
Die allergrost schweinsmuter pring,
Darunter sie sich schmiegen all
Saug ieder tutten mit schall;
Der Messias lig unter dem schwanz!}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Baden-Baden 2002, S. 197</ref> }}

{{#if:

|

„{{{Latn}}}“{{#if: || <ref>Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Baden-Baden 2002, S. 197</ref> }}

}}{{#if:

|

„{{{de}}}“{{#if: || <ref>Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Baden-Baden 2002, S. 197</ref> }}

}}
{{#if: |
– <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}{{#if:trim|{{{Autor}}}}}{{#if:| {{{5}}}|}}{{#if: | : {{#if:trim|}} }}<ref>Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Baden-Baden 2002, S. 197</ref>
|{{#if: 
|
{{#if:trim|}}<ref>Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Baden-Baden 2002, S. 197</ref>
}}
}}

{{#if: <ref>Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Baden-Baden 2002, S. 197</ref> |

{{#if: {{#invoke:Text|unstrip|<ref>Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Baden-Baden 2002, S. 197</ref>}}

        | }} }}{{#if: Ich sprich, das man vor allen ding
Die allergrost schweinsmuter pring,
Darunter sie sich schmiegen all
Saug ieder tutten mit schall;
Der Messias lig unter dem schwanz! | {{ #if: Ich sprich, das man vor allen ding
Die allergrost schweinsmuter pring,
Darunter sie sich schmiegen all
Saug ieder tutten mit schall;
Der Messias lig unter dem schwanz! | {{#if: | Vorlage:Zitat: Doppelangabe 1=Text=}}

}}| }}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 2=Autor=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 3=Quelle=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Umschrift=Latn=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Sprache=lang=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Übersetzung=de=}}

}} Die Szene bildet den dramatischen Höhepunkt des Spiels und gilt wegen ihrer Tabubrüche und Drastik als „eine der weitestgehenden antijüdischen Darstellungen in der volkssprachlichen Literatur des deutschen Mittelalters überhaupt“. Im Bild der „Judensau“ fasste Folz die dämonisch inspirierte „Verstocktheit“ der Juden, die aus damaliger christlicher Sicht die neue Heilsnahrung verweigern und stattdessen Exkremente und Erbrochenes, also im historischen und endzeitlichen Sinn Verdautes verzehren. Folz kannte die theologischen Stereotypen über Juden gut und transportierte sie in eine für sein Laienpublikum verständliche derb-komische, fäkal-obszöne Sprache. Diese bahnte das spätere antisemitische Schimpfwort „Saujude“ an.<ref>Matthias Schönleber: ‚der juden schant ward offenbar‘: Antijüdische Motive in Schwänken und Fastnachtsspiele von Hans Folz. In: Ursula Schulze: Juden in der deutschen Literatur des Mittelalters. Religiöse Konzepte – Feindbilder – Rechtfertigungen. De Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-093304-7, S. 163–182, Zitat S. 163; Winfried Frey: Antijüdische Tendenzen in einem Fastnachtspiel des Hans Folz. PDF S. 13–15</ref>

Datei:Wittenberg Judensau Grafik.jpg
Einblattdruck mit Wittenberger „Judensau“, 1596

Besonders wirksam war Luthers Schmähschrift Vom Schem Hamphoras von 1543. Darin benutzte er das Wittenberger Relief, um den Talmud, die Bibelauslegung der Rabbiner und den jüdischen Glauben insgesamt als schmutzige Lächerlichkeit zu verhöhnen.<ref>Folker Siegert: Israel als Gegenüber: Vom Alten Orient bis in die Gegenwart. Studien zur Geschichte eines wechselvollen Zusammenlebens. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-54204-6, S. 299 und Fn. 39</ref> Luthers Deutung regte zahlreiche Traktate über die „Judensau“-Skulpturen an.<ref>Gerd Schwerhoff: Verfluchte Götter: Die Geschichte der Blasphemie. Fischer, Frankfurt am Main 2021, ISBN 3-10-397454-X, S. 92</ref>

Datei:Judensau from Frankfurt.jpg
Grafik der Frankfurter „Judensau“ (frühes 17. Jahrhundert)

Ab 1700 wurden die besonders populären „Judensau“-Darstellungen von Wittenberg und Frankfurt oft für antijüdische Zwecke in Büchern abgebildet und beschrieben. Dabei hat der Teufel meist eine als jüdisch angesehene Gestalt und trägt auch den Gelben Ring. Johann Jacob Schudt beschrieb das Frankfurter Bild 1714 in einem seiner antisemitischen Pamphlete: „…unter diesem Schwein liegt ein junger Jud / der die Zitzen saugt / hinter der Sau liegt ein alter Jud auf den Knien / und läst die Sau den Urin und anders aus dem Affter ihm ins Maul laufen.“ Achim von Arnim beschrieb dasselbe Bild in seiner Tischrede über die Kennzeichen des Judenthums (1811) so: „Auf einem Mutterschwein, das einen jungen Juden säugt, sitzt rücklings ein Rabbiner… ein anderer Jude horcht darunter hinein nach Prophezeiung, während die Jüdin sich an den Hörnern des Sündenbocks hält und von ihm zum Teufel geführt wird“. Arnim behauptete, die besten Maler Frankfurts hätten das Bild „durch zwey Jahrhunderte… immer neu aufgefrischt“, weil es „so allgemeynen Beifall“ gefunden habe. Er schlug vor, das Bild zur „Belustigung der Zwischenakte“ auf die Vorhänge des Berliner Schauspielhauses zu übertragen, um so jüdische Käufer der besten Logen dort zu demütigen. Johann Wolfgang von Goethe erwähnte jenes „große Spott- und Schandgemälde“ in seiner Autobiographie Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (1808–1838).<ref>Stefan Niehaus (Hrsg.): Ludwig Achim von Arnim: Texte der deutschen Tischgesellschaft. De Gruyter, Berlin 2008, ISBN 3-484-15611-2, S. 111 f. (Arnim), 371 (Goethe) und 498 (Schudt). Alle Zitate bei Jutta Ditfurth: Der Baron, die Juden und die Nazis. Adeliger Antisemitismus. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 3-455-50394-2, S. 43 f. sowie S. 324 f., Fn. 75–79</ref>

In Schelt- und Schmähbriefen der frühen Neuzeit tauchte vermehrt das mit der „Judensau“ verwandte Motiv des „Sauritts“ auf. Deren Schandbilder zeigen Adressaten, die rückwärts auf einer Sau oder einem Esel reiten und ihr Siegel auf deren Hinterteil drücken. So prangerten sie etwa säumige Schuldner als ehrlos und vertragsbrüchig an und entwerteten ihre Insignien.<ref>Sigrid Weigel: Grammatologie der Bilder. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-518-74146-7, S. 206</ref>

Vom 14. Jahrhundert an stellten bebilderte Manuskripte Juden rückwärts auf Tieren reitend dar, etwa als Affen, die auf Eulen, Eseln, Ziegen oder Schweinen reiten. Oft halten sie dabei dem Reittier den Schwanz hoch. Ein Druck aus dem 18. Jahrhundert verknüpfte die Motive des Schweineritts und der Judensau, untertitelt mit dem Satz „Dieses ist der Juden Teuffel“.<ref>Ruth Mellinkoff: Riding backwards: Theme of Humiliation and Symbol of evil. In: Lynn White Jr. (Hrsg.): Viator, Band 4. University of California Press, Los Angeles 1973, ISBN 0-520-02392-7, S. 153–176, hier S. 172f.</ref> Einige abgebildete Figuren machen sich am Hintern der Sau zu schaffen, schieben Geld in ihren After oder verehren ihre Exkremente.<ref>Birgit Wiedl: Laughing at the Beast: The Judensau, in: Albrecht Classen (Hrsg.): Laughter in the Middle Ages and Early Modern Times. Berlin / New York 2010, S. 351</ref>

Das Motiv schlug sich auch in manchen diskriminierenden Judengesetzen der frühen Neuzeit nieder. Die „Juden-Polizei“ von Rechnitz drohte in Punkt 9 ihrer Anordnungen von 1732, diejenigen Juden, die sich mit ihrem Einfluss rühmen und ihre Gegner einschüchtern, mit einer Geldstrafe zu belegen; zudem müssten die Schuldigen „auch die Sau reiten“.<ref>Alexander Scheiber: Von zwei mittelalterlichen Darstellungen der Juden. In: Orientalia Suecana Band 16 / 1967, Almqvist & Wiksells, Uppsala 1968, S. 96-98, hier S. 98</ref>

Antisemitische Rezeption

Datei:Judensau judenschule 1822.JPG
Antisemitische Karikatur, Titelbild der „Judenschule“ von Hartwig von Hundt-Radowsky, 1822<ref>Monika Kucharz: Das antisemitische Stereotyp der „jüdischen Physiognomie“, Münster 2017, S. 101f. und Abbildung 109</ref>

1800 bis 1933

Die medial breit ausgefächerte antijüdische Propaganda im 19. Jahrhundert setzte eine etablierte, durch die älteren Bildzeugnisse verfestigte Assoziation von Juden mit Schweinen voraus. Das Schimpfwort „Judensau“ wurde in Volksliedern und Kinderreimen weitergetragen. Das Schimpfwort „Saujude“ wurde mit dem Hetzruf „Hep Hep“ durch die Hep-Hep-Krawalle von 1819 populär und auch mit Flugblättern und Spielkarten verbreitet.<ref>Monika Kucharz: Das antisemitische Stereotyp der „jüdischen Physiognomie“, Münster 2017, S. 102; frühe Beispiele bei Karl Friedrich August Müller (Hrsg.): Bayerische Landbötin Nr. 132, 2. November 1833, S. 1150.; Nikolaus von Weis (Hrsg.): Der Katholik, Band 60, Speyer 1836, Beilage IV, S. 62</ref> Es erschien ab 1861 mit vielen anderen antisemitischen Ausdrücken in der Wiener Kirchenzeitung. Prominente christliche Theologen bezichtigten Juden mit diesem Vokabular der revolutionären Erhebungen 1848 und forderten eine endgültige Lösung der „Judenfrage“.<ref>Wolfgang Duchkowitsch: Medien: Aufklärung – Orientierung – Missbrauch. Vom 17. Jahrhundert bis zu Fernsehen und Video. Wien/Berlin 2014, ISBN 3-8258-7475-3, S. 11–15; „Saujude“ S. 14</ref> Das Schimpfwort wurde in Druckwerken der Folgezeit auch für Pogromaufrufe benutzt.<ref>Wolfgang Duchkowitsch: Medien: Aufklärung – Orientierung – Missbrauch, Wien/Berlin 2014, S. 60</ref>

1852 veröffentlichte Alexander Schöppner in seinem „Sagenbuch der bayerischen Lande“ die satirische Erzählung „Das Synagogenwappen zu Heidingsfeld“: Nachdem der Stadtrat von Heidingsfeld den örtlichen Juden das Anbringen des Stadtwappens an ihrer Synagoge verboten habe, hätten sie sich beim Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim darüber beklagt. Darauf habe er ihnen befohlen, sein Wappen, das zwei Säue enthielt, an ihrer Synagoge anzubringen. Der Rabbiner habe das befohlene Wappen für koscher erklären müssen; seither äßen die Heidingsfelder Juden gern Schweinefleisch.<ref name="Guth257">Karl Maria Guth (Hrsg.): Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayerischen Lande, Zweiter Band. München 1852/53; Neuausgabe: Contumax Hofenberg, Berlin 2014, ISBN 3-8430-3748-5, S. 257: 669. Das Synagogenwappen zu Heidingsfeld.</ref> 1853 erschien ein gleichnamiges Spottgedicht in Alexander Kaufmanns „Mainsagen“,<ref>Mainsagen. Gesammelt und herausgegeben von Alexander Kaufmann. (1853) Neuausgabe: Outlook, 2023, ISBN 978-3-368-03008-7,S. 102</ref> das er nach Eigenaussage zusammen mit Otto Friedrich Gruppe verfasst hatte.<ref>Paul Luchtenberg: Wolfgang Müller von Königswinter. Der Löwe Reykers, Köln 1959, S. 364</ref> Die fiktive Erzählung verdeutlicht die regionale Verachtung der Juden.<ref>Arye Maimon: Germania Judaica Band 3, 1350–1519: Teilband 1. Ortschaftsartikel Aach – Lychen. Mohr, Tübingen 1987, ISBN 3-16-745107-6, S. 530</ref>

Während der gesetzlichen Judenemanzipation (1870–1890) im Deutschen Kaiserreich nahm die Tradition antisemitischer Karikaturen einen Aufschwung.<ref>Eduard Fuchs: Die Juden in der Karikatur, Leipzig 1921 / 2018, S. 128</ref> Damalige politische Karikaturen verspotteten die Herrschenden, um über Machtverhältnisse aufzuklären und eine subversive Distanz in der Bevölkerung zu fördern. Dagegen richteten sich antisemitische Karikaturen gegen eine unterlegene Minderheit, die dem Betrachter als verabscheuungswürdig ausgeliefert und als Sündenbock angeboten wurde, etwa für die Wirtschaftskrise 1877.<ref>Eduard Schneider: Schatten der Geschichte und der Gegenwart. Simowa, Bern 1999, ISBN 3-9521463-9-0, S. 12</ref> Damit wurden aktuelle Ereignisse aufgegriffen und in Form einer „personalen Typenkarikatur“ auf eine angeblich typische, dauerhafte Charaktereigenschaft aller Juden zugespitzt, die auf Ursachen in der jüdischen Kultur, Religion und einer angeblichen „Rasse“ verweisen sollte.<ref>Matthias Beimel: Die Karikatur als Ersatzhandlung. In: Geschichte lernen 3, Stuttgart 1990, S. 28</ref> Dies schlug sich auch in Sprichworten nieder. So enthielt Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon von 1870 den Eintrag „Bin kein Jud, leck keine Sau“.<ref>Hartmut Kraft: Die Lust am Tabubruch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 3-647-49154-3, S. 31</ref>

Ab 1880 entstanden vielfältige antisemitische Alltagsobjekte, die unter anderem das etablierte „Judensau“-Motiv abwandelten: etwa eine Postkarte, die drei als stereotype „Kaftan-Juden“ gekleidete Schweine mit Schläfenlocken im Gespräch auf einer Parkbank zeigt; eine Keramikspardose in Form eines „jüdischen Kapitalistenschweins“; eine Messing- oder Bronzeschale mit dem Relief eines Schweins, das sich einen Juden einverleibt, dessen Kopf ihm aus dem Hintern schaut; eine Porzellanfigur eines jüdischen Hausierers, der hinter einem Schwein sitzt und sich an dessen Ohren festhält; eine Tuschezeichnung eines Juden, der ein Trüffelschwein an der Leine führt und Schriftstücke von Verteidigern des Alfred Dreyfus in der Dreyfusaffäre (1894–1899) in der Manteltasche trägt.<ref>Falk Wiesemann: Antijüdischer Nippes und populäre Judenbilder: Die Sammlung Finkelstein. Klartext, Essen / Tübingen 2005, ISBN 3-89861-502-2, PDF, S. 14f. (Einleitung), S. 69–71 („Judensau“ und „Kapitalistenschwein“), S. 98 (Katalognummern 15, 88–92 und 153)</ref>

Im und nach dem Ersten Weltkrieg zeigten antisemitische Postkarten mit dem Titel „Levys Werdegang“ einen Juden, der auf einem Schwein reitend einem anderen Juden einen prall gefüllten Geldbeutel übergibt.<ref name="AT227f" /> Das typisierte Juden als angebliche „Kriegsgewinnler“, Profiteure des Krieges und der Kriegsniederlage.<ref>Achim Bühl: Antisemitismus: Geschichte und Strukturen von 1848 bis heute. Marix, Wiesbaden 2020, ISBN 3-8438-0645-4, S. 73</ref>

Seit der Gründung der Weimarer Republik 1919 infolge der Novemberrevolution von 1918 beschimpften deutsche Rechtsradikale demokratische Politiker öffentlich als „Novemberverbrecher“ und als „Judensau“. So hetzte ein deutschnationales Stammtischlied von etwa 1920 gegen den damaligen Außenminister:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Knallen die Gewehre – tak, tak, tak
Aufs schwarze und aufs rote Pack.
Auch Rathenau, der Walther,
Erreicht kein hohes Alter,
Knallt ab den Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau!}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Knallen die Gewehre – tak, tak, tak
Aufs schwarze und aufs rote Pack.
Auch Rathenau, der Walther,
Erreicht kein hohes Alter,
Knallt ab den Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau!}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Knallen die Gewehre – tak, tak, tak
Aufs schwarze und aufs rote Pack.
Auch Rathenau, der Walther,
Erreicht kein hohes Alter,
Knallt ab den Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau! | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Knallen die Gewehre – tak, tak, tak
Aufs schwarze und aufs rote Pack.
Auch Rathenau, der Walther,
Erreicht kein hohes Alter,
Knallt ab den Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau!}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Nachdruck: Antigonos, Paderborn 2012, ISBN 3-95472-176-7, S. 166</ref> }}

{{#if:

|

„{{{Latn}}}“{{#if: || <ref>Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Nachdruck: Antigonos, Paderborn 2012, ISBN 3-95472-176-7, S. 166</ref> }}

}}{{#if:

|

„{{{de}}}“{{#if: || <ref>Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Nachdruck: Antigonos, Paderborn 2012, ISBN 3-95472-176-7, S. 166</ref> }}

}}
{{#if: |
– <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}{{#if:trim|{{{Autor}}}}}{{#if:| {{{5}}}|}}{{#if: | : {{#if:trim|}} }}<ref>Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Nachdruck: Antigonos, Paderborn 2012, ISBN 3-95472-176-7, S. 166</ref>
|{{#if: 
|
{{#if:trim|}}<ref>Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Nachdruck: Antigonos, Paderborn 2012, ISBN 3-95472-176-7, S. 166</ref>
}}
}}

{{#if: <ref>Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Nachdruck: Antigonos, Paderborn 2012, ISBN 3-95472-176-7, S. 166</ref> |

{{#if: {{#invoke:Text|unstrip|<ref>Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Nachdruck: Antigonos, Paderborn 2012, ISBN 3-95472-176-7, S. 166</ref>}}

        | }} }}{{#if: Knallen die Gewehre – tak, tak, tak

Aufs schwarze und aufs rote Pack.
Auch Rathenau, der Walther,
Erreicht kein hohes Alter,
Knallt ab den Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau! | {{

   #if: Knallen die Gewehre – tak, tak, tak

Aufs schwarze und aufs rote Pack.
Auch Rathenau, der Walther,
Erreicht kein hohes Alter,
Knallt ab den Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau! | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 1=Text=}}

}}| }}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 2=Autor=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 3=Quelle=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Umschrift=Latn=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Sprache=lang=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Übersetzung=de=}}

}} 1922 wurde Rathenau gemäß diesem Aufruf auf offener Straße erschossen.<ref>Dieter Heimböckel: Walther Rathenau und die Literatur seiner Zeit: Studien zu Werk und Wirkung. Königshausen & Neumann, Würzburg 1996, ISBN 3-8260-1213-5, S. 354–358</ref>

Nationalsozialismus

Seit 1919 aktivierten die Nationalsozialisten die mittelalterlichen antijudaistischen Stereotype, die das „Judensau“-Motiv mit Ritualmordlegenden, Motiven von Juden als „Blutsaugern“ und dem „Satan“ verbunden hatten, gezielt für ihre Propaganda. Damit bedrohten sie deutsche Juden schon in der Weimarer Zeit. So beschimpften und schlugen NS-Angehörige den Kaufmann Siegmund Fraenkel im Juni 1923 in einer Münchner Straßenbahn mit den Worten „Du Ostjude, du Saujude“ und verletzten ihn dabei so schwer, dass er zwei Jahre später an den Folgen starb.<ref>Abraham Adolf Fraenkel: Lebenskreise: Aus den Erinnerungen eines jüdischen Mathematikers. Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 1967, S. 49–51</ref>

Das 1923 gegründete NSDAP-Hetzblatt Der Stürmer übernahm und steigerte die Tradition antisemitischer Karikaturen zu Zerrbildern von Juden mit schiefen Zähnen, Tierklauen, triefenden Mundwinkeln und gierigem Blick, die Scharen junger blonder Mädchen verführten und „vergifteten“: Das verband religiöse mit pornografischen und rassistischen Motiven und bezog sie auf die „Rassenschande“ und das „Aussaugen“ der „arischen Rasse“.<ref>Carsten Pietsch: Die Entfesselung des Hasses: Antijüdische Stereotype in den Karikaturen und Hetzartikeln des „Stürmers“. Universität Oldenburg, WS 2001/2002 (PDF; Archivlink)</ref> Oft verwendete der Stürmer in Titeln und Karikaturen das Bild vom „Judensaustall“, den es auszumisten gelte.<ref>Monika Urban: Von Ratten, Schmeißfliegen und Heuschrecken, Köln 2014, S. 82</ref> In einer Stürmer-Karikatur vom April 1934 symbolisiert das Motiv die angebliche Medienmacht der Juden: Die mit einer Mistgabel durchbohrte Sau trägt die Aufschrift „Juden-Literatur-Verlage“, die Bildunterzeile lautet: „Wenn die Sau tot ist müssen auch die Ferkel verderben.“ Als am Tropf der Verlage hängende „Ferkel“ sind Albert Einstein, Magnus Hirschfeld, Alfred Kerr, Thomas Mann, Erich Maria Remarque und andere dargestellt.<ref>Paul Egon Hübinger: Thomas Mann, die Universität Bonn und die Zeitgeschichte: drei Kapitel deutscher Vergangenheit aus dem Leben des Dichters 1905–1955. Oldenbourg, München 1974, ISBN 3-486-44031-4, S. 138; Hinrich Siefken: Thomas Manns „Dienst an der Zeit“ in den Jahren 1918–1933. In: Thomas Mann Jahrbuch 10 (1997), S. 167–185, hier S. 172</ref>

Diese Hetzpropaganda bereitete die Judenverfolgung der NS-Zeit vor, die mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 einsetzte und vom „Judenboykott“ (1. April 1933) an ständig gesteigert wurde.<ref name="CZ296">Christian Zentner: Deutschland 1870 bis heute: Bilder und Dokumente. Südwest-Verlag, München 1970, S. 296; Micha Brumlik (Hrsg.): Reisen durch das jüdische Deutschland. DuMont, Köln 2006, ISBN 3-8321-7932-1, S. 404</ref> In Cadolzburg etwa führten Lehrer ihre Schulklassen ab 1933 oft zur dortigen „Judensau“. 1934 veröffentlichte ein NSDAP-Ratsherr ein antisemitisches Spottgedicht über das Relief, und der Gemeinderat ließ eine höhnische Texttafel am Bahnhof aufstellen: „Den Besuchern Cadolzburgs, insbesondere Israeliten wird empfohlen, das Steinbild am äußeren Schloßeingang (sogen. Judensau) zu besichtigen. Es sollen sich deshalb Juden in Cadolzburg von jeher nicht aufgehalten haben.“<ref name="Rusam2014" />

Die „Gesetze zum Schutz des deutschen Blutes“ von 1935 verboten Ehen und Sexualkontakte zwischen jüdischen und nichtjüdischen Deutschen streng. Der „Rassenschande“ beschuldigte jüdische Männer wurden öffentlich gedemütigt, indem man ihnen Schilder umhängte, auf denen etwa stand: „Ich nehme, ich Judensau [,] immer nur deutsche Mädchen mit aufs Zimmer.“ Nichtjüdische Frauen wurden als „Judenhure“ gedemütigt und mussten Schilder mit der Aufschrift tragen: „Ich bin am Ort das größte Schwein und lass mich nur mit Juden ein.“<ref>Eva Lezzi: Zerstörte Kindheit: Literarische Autobiographien zur Shoah. Böhlau, Wien 2001, ISBN 978-3-412-16400-3, S. 317</ref><ref name="CZ296">Christian Zentner: Deutschland 1870 bis heute: Bilder und Dokumente. Südwest-Verlag, München 1970, S. 296; Micha Brumlik (Hrsg.): Reisen durch das jüdische Deutschland. DuMont, Köln 2006, ISBN 3-8321-7932-1, S. 404</ref>

SA-Männer misshandelten und quälten den Nichtjuden Carl von Ossietzky 1936 im KZ Sonnenburg wochenlang unter Rufen wie „Jude“, „Judensau“ und „Sau“. Er starb 1938 auch an den Folgen dieser Folter.<ref>Elke Stenzel (Hrsg.): „Den Nazis eine schallende Ohrfeige versetzen“: Zeitzeugen erinnern sich. Frank & Timme, Berlin 2009, ISBN 3-86596-254-8, S. 137 und 147</ref> Im Verlauf der Novemberpogrome 1938 beschimpften und bedrohten nichtjüdische Deutsche ihre jüdischen Nachbarn und Mitbürger oft als „Judensau“ und beteiligten sich an Zerstörungen jüdischer Geschäfte und Wohnungen durch die SA.<ref>Wolfgang Benz: November 1938 – Solidarität in der »Reichskristallnacht«. In: Kerstin Schmidt, Joost van Loon (Hrsg.): Herausforderung Solidarität: Konzepte – Kontroversen – Perspektiven. transcript, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8394-6101-3, S. 39–53, hier S. 42; Dieter Obst: Reichskristallnacht: Ursachen und Verlauf des antisemitischen Pogroms vom November 1938. Peter Lang, Berlin 1991, ISBN 978-3-631-43481-9, S. 222</ref>

Nach Zeugnissen von Überlebenden verübten manche SS-Aufseher nationalsozialistischer Konzentrationslager sadistische Rituale: Sie zwangen jüdische Häftlinge etwa dazu, sich zu entkleiden und von einem Baum herab zu rufen: „Ich bin eine dreckige Judensau!“<ref>David A. Hackett: Der Buchenwald-Report. Bericht über das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47598-1, S. 187</ref> In NS-Prozessen bezeugten Schoa-Überlebende, dass KZ-Aufseher sie monatelang Misshandlungen und Todesdrohungen ausgesetzt und dabei oft auf das Übelste als „Judensau“, „Judenhure“ oder „Drecksjud“ beschimpft hatten.<ref>Friedrich Hoffmann: Die Verfolgung der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen in Hessen. Nomos, Baden-Baden 2001, ISBN 978-3-7890-7635-0, S. 127</ref> Laut Zeugenaussagen im Auschwitzprozess lieferte eine Täterin eine Jüdin dem Vernichtungslager Auschwitz mit den Worten aus: „Diese Judensau (oder Judenhure) hat lang genug Rassenschande getrieben, sie soll verrecken.“<ref>Fritz Bauer (Hrsg.): Justiz und NS-Verbrechen: Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1966, Teil 21. Amsterdam University Press, Amsterdam 1979, S. 422</ref> Edgar Kupfer-Koberwitz, überlebender Häftling des KZ Dachau und Autor der Dachauer Tagebücher, beschrieb die sadistische und traumatisierende Folter der KZ-Aufseher, die einen Häftling beim Hofappell als „Saujud“ und „Judensau“ anbrüllten und stundenlang quälten, und die eigene Ohnmacht im hilflosen Versuch, dem Gequälten beizustehen, in seinem Gedicht „Erinnerung“.<ref>Andrés José Nader: Traumatic Verses: On Poetry in German from the Concentration Camps, 1933–1945. Camden House, Rochester/New York 2007, ISBN 1-57113-375-5, S. 128–130</ref>

Fortwirken

Beschimpfungen und Schändungen

Die Ausdrücke „Judensau“, „Saujude(n)“, „Judenschwein(e)“ oder „Schweinejude(n)“ gehören bis heute zum antisemitischen Vokabular, das auf die jahrhundertelange „Judensau“-Tradition zurückgeht.<ref>Monika Schwarz-Friesel, Jehuda Reinharz: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert. De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 3-11-027772-7, S. 34 und S. 136, Fn. 38</ref> Es sind nach deutschem Strafrecht eindeutig strafbare Beleidigungen.<ref>Sabine Tofahrn: Strafrecht Besonderer Teil I: Straftaten gegen Persönlichkeitswerte. 3. Auflage, C.F.Müller, Heidelberg 2014, ISBN 3-8114-7152-X, S. 151</ref> Anders als Fremdenfeindlichkeit entmenschlichen und bedrohen sie Personen in antisemitischer Tradition gezielt als Angehörige eines Kollektivs. Sie sind fester Bestandteil der verbreiteten Schändung jüdischer Friedhöfe.<ref name="AT159f" />

Im Strafprozess von 1950 gegen Veit Harlan, den Regisseur des NS-Propagandafilms Jud Süß von 1940, war Karena Niehoff Hauptzeugin der Anklage. Sie war ehemalige Assistentin des Drehbuchautors gewesen und wegen ihrer jüdischen Herkunft vom NS-Regime verfolgt worden. Laut ihrer Aussage hatte Harlan den Drehbuchentwurf eigenhändig antisemitisch verschärft. Zuhörer beschimpften und bedrohten sie daraufhin als „Judensau“, so dass sie Personenschutz brauchte. Dies und der folgende Freispruch für Harlan wurden weltweit beachtet und oft als Zeichen mangelnder Vergangenheitsbewältigung in der Nachkriegszeit in Deutschland bewertet.<ref>Torben Fischer, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland. Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2366-6, S. 103</ref>

Seit 1989 nahmen solche Straftaten in Deutschland zu. So wurde das gemeinsame Grab von Bertolt Brecht und Helene Weigel, die jüdischer Herkunft war, kurz nach Öffnung der Berliner Mauer mit der Parole „Sau-Jude“ beschmiert. Am 20. April 1992, dem Jahrestag des „Führergeburtstags“, und am 20. Juli 1992 warfen Neonazis Schweineköpfe vor die Synagoge in Erfurt. Auf dem beim zweiten Mal beigefügten Zettel stand: „Dieses Schwein Galinski ist endlich tot. Noch mehr Juden müssen es sein.“ Heinz Galinski, der frühere Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, war am Vortag gestorben.<ref>Juliane Wetzel: Antisemitismus als Element rechtsextremer Ideologie und Propaganda. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Antisemitismus in Deutschland. Zur Aktualität eines Vorurteils. dtv, München 1995, ISBN 3-423-04648-1, S. 106</ref> Im Oktober 1993 wurde das Mahnmal zu deportierten Juden in Berlin-Grunewald mit Schweineköpfen geschändet.<ref>Werner Bergmann, Rainer Erb: Neonazismus und rechte Subkultur. Metropol, Berlin 1994, ISBN 3-926893-24-9, S. 38</ref> Im Oktober 1998, als Martin Walser mit Ignatz Bubis um die angebliche „Moralkeule Auschwitz“ debattierte, trieben Neonazis ein Ferkel mit einem aufgemalten Davidstern und dem Namen von Ignatz Bubis über den Alexanderplatz in Berlin.<ref>Margret Chatwin: Die Rolle des Antisemitismus im Rechtsextremismus. In: Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus: Personen – Organisationen – Netzwerke. Vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Leske + Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3399-5, S. 178</ref>

Am 22. November 1999 forderte Meir Mendelssohn, der das Grab von Bubis in Israel mit Farbe übergossen hatte, das Publikum bei einem Theaterabend der Volksbühne Berlin auf, „… das Wort Judensau zu sagen, ganz normal und ganz natürlich.“<ref>Arne Hoffmann: Das Lexikon der Tabubrüche. 2. Auflage, Ubooks, Mossautal 2018, ISBN 3-944154-57-6, S. 436</ref> Die Jüdische Gemeinde zu Berlin zeigte ihn und die Veranstalter am Folgetag wegen des Verdachts der Volksverhetzung an.<ref> Nach Schlingensief-Aktion: Jüdische Gemeinde erstattet Strafanzeige. Spiegel, 23. November 1999</ref>

Rechtsradikale Fußballstadienbesucher beschimpfen und bedrohen als jüdisch angesehene Fußballer und Schiedsrichter in Deutschland seit Jahrzehnten mit solchen Ausdrücken.<ref>Florian Schubert: Antisemitismus im Fußball: Tradition und Tabubruch. Wallstein, Göttingen 2019, ISBN 3-8353-3420-4, S. 44, 121, 195, 356, 600</ref> 2006 beschloss der Verband Makkabi Deutschland, Spiele deutschjüdischer Vereine bei solchen Vorfällen künftig abzubrechen und vor Sport- und Strafgerichte zu bringen.<ref>„Wir werden weiter gegen jede Art von Antisemitismus kämpfen“ – Interview mit Roger Dan Nussbaum von Makkabi Deutschland. Amballbleiben.org, 21. August 2007 (Archivlink)</ref> 2009 nahm der DFB „Beleidigungen (§ 185 StGB) aus rassistischen bzw. fremdenfeindlichen Motiven“ als Grund für unbefristete Stadionverbote in seine Richtlinien auf.<ref>Christoph M. Klein: Sicherheit durch Stadionverbote? Eine empirische Studie zu den Auswirkungen auf Fußballstadien und ihr Umfeld. Budrich, Opladen 2019, ISBN 3-86388-803-0, S. 87</ref> Die Beschimpfung „Judensau“ fällt unter die Diskriminierungsverbote des DFB, die Ausbilder, Schieds- und Strafrichter durchsetzen sollen.<ref>Horst Hilpert: Das Fußballstrafrecht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). De Gruyter, Berlin 2018, ISBN 3-11-053523-8, S. 294</ref> Antisemitische Beschimpfungen in deutschen Stadien werden jedoch statistisch kaum erfasst und besonders auf Vereinsebene nur selten verfolgt.<ref>Gutachten von Florian Schubert für den Expertenkreis Antisemitismus: Fußball und Antisemitismus. In: Bundesinnenministerium: Antisemitismus-Expertisen, 2016, PDF S. 192–216, hier S. 208 (intern: S. 17)</ref>

Im Juni 2006 beschimpfte der Schweizer Neonazi Pascal Lüthard einen Restaurantgast, dessen jüdische Identität ihm bekannt war, als „Judensau“ und wurde dafür gemäß der Schweizer Rassismus-Strafnorm rechtsgültig bestraft.<ref>Rassismusurteil revidiert: Obergericht hebt Rassismusurteil gegen ehemaligen Pnos-Präsidenten teilweise auf. In: Humanrights.ch, 14. Juni 2007; Fall 2006-050N: Beschimpfung «Judensau»; Verteilen von CDs mit nationalsozialistischen Inhalten. Eidgenössische Kommission gegen Rassismus, Entscheid 2008-014N</ref>

Manche antisemitisch eingestellten Muslime beschimpfen Juden im Anschluss an einige Koransuren als „Affen und Schweine“.<ref>Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 1: Länder und Regionen. De Gruyter/Saur, Berlin 2008, ISBN 3-598-24071-6, S. 148</ref> Die Suren werden ähnlich wie prophetische Bibelstellen als zeitbedingte Vorwürfe an die Mehrheit der Juden gedeutet, nicht gottesfürchtig zu sein. Die Akademie für islamische Untersuchungen der al-Azhar-Universität beschloss 2003, diese Stellen nicht mehr gegen heutige Juden zu verwenden.<ref>Kurt Greussing: »Esel mit Büchern«, Agenten und Verschwörer. Von den Judenbildern des Koran zum modernen islamischen Antisemitismus. In: Hanno Loewy (Hrsg.): Gerüchte über die Juden: Antisemitismus, Philosemitismus und aktuelle Verschwörungstheorien. Klartext, Essen 2005, ISBN 3-89861-501-4, S. 149–170, hier S. 152 und 168, Fn. 3</ref>

Der Historiker Julius H. Schoeps zählt auch die antisemitische Demonstrationsparole „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf' allein“ zur Nachwirkung des christlichen „Judensau“-Motivs.<ref>Jérôme Lombard: Alter Mythos neu aufgelegt. JA, 16. Juli 2021</ref>

Ab November 2022 nahm antisemitische und rassistische Hetze, darunter das Schimpfwort „Judensau“, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sprunghaft zu. Zuvor hatte der Milliardär Elon Musk das Unternehmen gekauft und viele Mitarbeiter entlassen, die für die Moderation der Tweets nach internen und externen Regeln verantwortlich gewesen waren.<ref>Sebastian Leber: Das neue Twitter unter Elon Musk: Es ist noch schlimmer gekommen als befürchtet. Tagesspiegel, 5. November 2022</ref>

Im Januar 2025 legten Unbekannte einen Schweinekopf vor das Haus der in der NS-Zeit ermordeten jüdischen Familie Prager, einer Gedenkstätte in Apolda (Thüringen).<ref>Antisemitismus: Schweinekopf vor jüdischer Gedenkstätte im thüringischen Apolda – Stolpersteine in Leipzig verunstaltet. Deutschlandfunk, 5. Januar 2025</ref>

Gewalttaten

Immer wieder greifen Antisemiten Menschen zusammen mit solchen Beschimpfungen auch körperlich an. In Nachkriegsdeutschland erlitten Juden, die den Holocaust überlebt und sich wieder an ihren Herkunftsorten niedergelassen hatten, öfter solche Gewalttaten. So beschimpften Bürger in Flörsheim am Main (Juni 1958) und Köppern (November 1958) jüdische Mitbürger als „Judenschwein“, „Saujud“ oder „Judensau“, drohten, sie zu erschlagen oder zu „vergasen“ und ihr Eigentum zu zerstören, und verübten Sachbeschädigungen. Die Täter wurden erst nach Presseberichten strafverfolgt und milde bestraft. Laut dem Historiker Wolfgang Kraushaar belegen solche Beispiele den Post-Holocaust-Antisemitismus.<ref>Wolfgang Kraushaar: Keine falsche Toleranz! Warum sich die Demokratie stärker als bisher zur Wehr setzen muss. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2023, ISBN 978-3-86393-641-9, S. 155f.</ref>

1993 beschimpfte ein Neonazi in Marl einen Obdachlosen als „Judensau“ und verletzte ihn mit Fußtritten so schwer, dass das Opfer ins Koma fiel und später verstarb.<ref>Werner Bergmann, Rainer Erb: Neonazismus und rechte Subkultur. Metropol, Berlin 1994, ISBN 3-926893-24-9, S. 38; Frank Jansen, Heike Kleffner, Johannes Radke: Tödlicher Hass: 149 Todesopfer rechter Gewalt. Tagesspiegel, 31. Mai 2012</ref>

2007 beschimpfte ein 23-jähriger Muslim einen Rabbiner in Frankfurt am Main als „Scheißjuden“ und „Judensau“ und stach ihn dann nieder.<ref>Miron Tenenberg: Juden in Europa: „Zielscheibe der Dummen für die Taten der anderen“. Deutschlandfunk (DLF), 1. August 2014</ref>

2010 beschimpfte eine Neonazigruppe in Laucha einen Israeli und Enkel eines Holocaustüberlebenden als „Judensau“ und verletzte ihn schwer.<ref>Ronen Steinke: Terror gegen Juden: Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt. Eine Anklage. Berlin Verlag, Berlin 2020, ISBN 3-8270-8016-9, S. 2010</ref>

2015 schrien „Adolf-Hitler-Hooligans“ (Selbstbezeichnung) den Inhaber des koscheren Schalom-Restaurants in Chemnitz an: „Hau ab aus Deutschland, du Judensau“. Dabei warfen sie Böller, Steine, Flaschen und ein Stahlrohr hinein.<ref>Christian Fuchs, Paul Middelhoff: Das Netzwerk der Neuen Rechten: Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern. Rowohlt, Reinbek 2019, ISBN 978-3-644-40637-7, S. 177</ref>

Antisemitische Symbolik

Der Rockmusiker Roger Waters ließ in jeder Bühnenshow seiner Tournee „The Wall“ (2010–2013) einen Ballon in Gestalt eines Schweins aufsteigen, bemalt unter anderem mit dem Davidstern. Auf Kritik erklärte er, das Schwein symbolisiere „das Böse“ und der Stern legitime Kritik am Staat Israel. Doch es wurde als Rückgriff auf die bekannte Symbolik der „Judensau“ und daher als antisemitisch eingestuft.<ref>Kirsten Dierolf: Roger Waters, das Schwein und BDS. Antisemitische Argumentationsmuster in der Boycottkampagne gegen Israel. In: Samuel Salzborn (Hrsg.): Antisemitismus seit 9/11: Ereignisse, Debatten, Kontroversen. Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 3-8452-9585-6, S. 427–448, hier S. 437 f.; Lisa Bork, Levi Salomon: Nicht nur eine Stilfrage: antisemitische Bilder bei der Show Roger Waters. HaGalil, 2. September 2013</ref>

Die österreichische rechtsextreme Black-Metal-Band „Totale Vernichtung“ bot 2014 ein T-Shirt zum Verkauf an, dessen Vorderseite das Motiv der „Frankfurter Judensau“ und den CD-Namen „Ritualmordlegenden“ trug. Die Rückseite zeigte das nationalsozialistischen Deutsche Reich in den Grenzen von 1938 und den Spruch: „Bald sind hier nur noch Menschen wie ich und du, und dann geht alles wieder mit rechten Dingen zu.“<ref>Black Metal und Antisemitismus. DÖW, August 2014</ref>

Bei der documenta fifteen 2022 in Kassel zeigte das indonesische Künstlerkollektiv „Taring Padi“ ein detailreiches Wandgemälde, darauf ein Soldat mit Schweinsgesicht und Davidstern, der einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“ trägt, und einen orthodox gekleideten Juden mit Schläfenlocken, spitzen Zähnen und SS-Runen auf der Kopfbedeckung. Diese Symbole wurden als eindeutig antisemitisch kritisiert und mit der „Judensau“ verglichen.<ref>Axel Rahmlow: Antisemitismus-Skandal auf der Documenta: „Dieses Kunstwerk muss komplett entfernt werden“. DLF, 20. Juni 2022; Jürgen Kaube: Skandal um die Documenta: Die Judensau von Kassel. FAZ, 21. Juni 2022 (kostenpflichtig)</ref> Auch der Umgang mit dem Bild, es hängenzulassen und zu verhüllen, ohne über Judenhass aufzuklären, wurde mit dem Umgang mancher Kirchen mit der „Judensau“ verglichen.<ref>Gabriele Ingenthron: „Judensäue“: Reicht es, antisemitische Darstellungen mit Hinweistafeln zu versehen? Sonntagsblatt, 30. Juni 2022</ref>

Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle zeigte in ihrer Jahresausstellung im Juli 2025 eine Gipsplastik eines Studenten mit einem angedeuteten Schweinekopf neben einer Palästina-Flagge. Dies kritisierte der Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt als antisemitische Bildsprache. Die Hochschulleitung bestritt dies zunächst,<ref>Brigitte Beiling: Erklärung der Kunsthochschule Burg Giebichenstein zum „Judensau“-Fall. Halle, 17. Juli 2025</ref> wollte den Vorgang dann aber von einem Ethikrat untersuchen lassen.<ref>Jüdische Gemeinden kritisieren Kunsthochschule Halle. Jüdische Allgemeine (JA), 21. Juli 2025</ref>

Umgang mit den Skulpturen

Der Umgang mit den historischen „Judensau“-Darstellungen ist in Deutschland seit den 1980er Jahren umstritten. 1990 empfahl die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ihren Gemeinden:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Sofern die Kunstwerke an ihrer Stelle verbleiben, sollte der Betrachter durch Hinweise (auch in Form von Tafeln) auf Schuld und Betroffenheit der Kirche aufmerksam gemacht und zu neuer Sicht angeleitet werden.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Sofern die Kunstwerke an ihrer Stelle verbleiben, sollte der Betrachter durch Hinweise (auch in Form von Tafeln) auf Schuld und Betroffenheit der Kirche aufmerksam gemacht und zu neuer Sicht angeleitet werden.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Sofern die Kunstwerke an ihrer Stelle verbleiben, sollte der Betrachter durch Hinweise (auch in Form von Tafeln) auf Schuld und Betroffenheit der Kirche aufmerksam gemacht und zu neuer Sicht angeleitet werden. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Sofern die Kunstwerke an ihrer Stelle verbleiben, sollte der Betrachter durch Hinweise (auch in Form von Tafeln) auf Schuld und Betroffenheit der Kirche aufmerksam gemacht und zu neuer Sicht angeleitet werden.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Hans Hermann Henrix, Wolfgang Kraus (Hrsg.): Die Kirchen und das Judentum Band II: Dokumente von 1986 bis 2000. Bonifatius, Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-122-7, S. 603</ref> }}

{{#if:

|

„{{{Latn}}}“{{#if: || <ref>Hans Hermann Henrix, Wolfgang Kraus (Hrsg.): Die Kirchen und das Judentum Band II: Dokumente von 1986 bis 2000. Bonifatius, Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-122-7, S. 603</ref> }}

}}{{#if:

|

„{{{de}}}“{{#if: || <ref>Hans Hermann Henrix, Wolfgang Kraus (Hrsg.): Die Kirchen und das Judentum Band II: Dokumente von 1986 bis 2000. Bonifatius, Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-122-7, S. 603</ref> }}

}}
{{#if: |
– <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}{{#if:trim|{{{Autor}}}}}{{#if:| {{{5}}}|}}{{#if: | : {{#if:trim|}} }}<ref>Hans Hermann Henrix, Wolfgang Kraus (Hrsg.): Die Kirchen und das Judentum Band II: Dokumente von 1986 bis 2000. Bonifatius, Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-122-7, S. 603</ref>
|{{#if: 
|
{{#if:trim|}}<ref>Hans Hermann Henrix, Wolfgang Kraus (Hrsg.): Die Kirchen und das Judentum Band II: Dokumente von 1986 bis 2000. Bonifatius, Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-122-7, S. 603</ref>
}}
}}

{{#if: <ref>Hans Hermann Henrix, Wolfgang Kraus (Hrsg.): Die Kirchen und das Judentum Band II: Dokumente von 1986 bis 2000. Bonifatius, Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-122-7, S. 603</ref> |

{{#if: {{#invoke:Text|unstrip|<ref>Hans Hermann Henrix, Wolfgang Kraus (Hrsg.): Die Kirchen und das Judentum Band II: Dokumente von 1986 bis 2000. Bonifatius, Paderborn 2001, ISBN 978-3-89710-122-7, S. 603</ref>}}

        | }} }}{{#if: Sofern die Kunstwerke an ihrer Stelle verbleiben, sollte der Betrachter durch Hinweise (auch in Form von Tafeln) auf Schuld und Betroffenheit der Kirche aufmerksam gemacht und zu neuer Sicht angeleitet werden. | {{
   #if: Sofern die Kunstwerke an ihrer Stelle verbleiben, sollte der Betrachter durch Hinweise (auch in Form von Tafeln) auf Schuld und Betroffenheit der Kirche aufmerksam gemacht und zu neuer Sicht angeleitet werden. | {{#if:  |
   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 1=Text=}}

}}| }}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 2=Autor=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 3=Quelle=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Umschrift=Latn=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Sprache=lang=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Übersetzung=de=}}

}} Ab 2002 stießen die Aktionskünstler Wolfram P. Kastner und Günter Wangerin mit Protestaktionen eine bundesweite Debatte dazu an. Sie forderten, die Skulpturen wie Hakenkreuze aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, sonst würden sie Antisemitismus weiterverbreiten. Unerlässlich seien zumindest klare Distanzierungstexte. Diese fehlten bis dahin fast überall.<ref>Werner Bergmann: Antisemitismusforschung in den Wissenschaften. Metropol, Berlin 2004, ISBN 978-3-936411-48-5, S. 281; Dieter Kassel: Aktionskünstler zu antisemitischem Relief in Wittenberg: „Diffamierungen haben im öffentlichen Raum nichts verloren“. DLF, 4. Februar 2020; Wolfram P. Kastner: Christliche Sauerei? (2002)</ref>

Denkmalpfleger, Historiker, Juristen und manche Kirchenvertreter wollen die Skulpturen als Zeitzeugnisse im damaligen architektonischen Kontext erhalten. Der Denkmalpfleger Achim Hubel lehnte auch Hinweistafeln dazu ab.<ref>Burkhard Müller-Ullrich: Korrektur im Namen der political correctness (Interview mit Achim Hubel vom Lehrstuhl für Denkmalpflege in Bamberg). DLF, 31. März 2005</ref> Der Kunsthistoriker Arnold Bartetzky bezeichnete Vorstöße zur Abnahme polemisch als „Tyrannei der Beleidigten.“<ref>Arnold Bartetzky: Die Tyrannei der Beleidigten. FAZ, 24. August 2016 (kostenpflichtig)</ref> Für den Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann würde die Entfernung die Provokation zur ständigen Auseinandersetzung mit Antisemitismus beseitigen.<ref>Christian Röther: Umgang mit „Judensau“-Darstellungen: „Mit den Spannungen leben“. DLF, 20. Februar 2020</ref>

Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert klare Distanzierungen. Sein Präsident Josef Schuster wollte Kirchengemeinden ab 2017 vor die Wahl stellen, die Skulpturen zu entfernen oder eindeutige Erklärtafeln anzubringen. Der Vizepräsident Salomon Korn plädierte für „Aufklärung vor Beseitigung“. Im Originalkontext an Kirchen könne man mehr über diesen historischen Antisemitismus lernen als im Museum. Man dürfe die Kirchen nicht aus ihrer Verantwortung für ihre Geschichte entlassen und den im Christentum angelegten Antijudaismus nicht unsichtbar machen.<ref name="FAS20Aug2017">Morten Freidel: Eine große Sauerei. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS), 20. August 2017</ref> Dieser Argumentation folgten auch Vertreter der EKD, so bis 2018 deren Kulturbeauftragter Johann Hinrich Claussen.<ref>Thomas Klatt: Steine des Anstosses. Brefmagazin, 18. Mai 2018</ref>

Eine häufige Gegenmeinung vertrat im Mai 2022 der Autor Ronen Steinke: Wie bei nach Adolf Hitler benannten Straßen in deutschen Städten sei die Entfernung der Judensaureliefs kein Reinwaschen oder Übertünchen von Geschichte, sondern nur ein nötiges „Abstandnehmen von früherer Ergebenheit“. Die Reliefs seien „Stürmer-Karikaturen“ auf „Porno-Niveau“, die Christen zu Pogromen mobilisiert hätten. Daher sei kaum zu begreifen, „mit welcher Halsstarrigkeit die Kirchen sich heute dagegen verwahren, diese Skulpturen endlich mit Hammer und Meißel abzuschlagen, um sie zum Beispiel in ein Museum zu geben.“<ref>Ronen Steinke: Kirche und Geschichte: So halsstarrig. SZ, 30. Mai 2022</ref>

Im März 2025 veröffentlichten fünf katholische Diözesen und drei evangelische Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen gemeinsame Leitlinien zum Umgang mit antijüdischen Bildwerken in und an Kirchengebäuden.<ref>...und jetzt? Leitlinien zum Umgang mit antijüdischen Bildwerken in und an Kirchenräumen. ekir.de, März 2025</ref> Sie sollen laut Martin Bock (Melanchthon-Akademie Köln) Kirchengemeinden dazu anregen, dem Antisemitismus unter Christen entgegenzutreten, und eine würdige Lebensperspektive für jüdische Menschen in Deutschland zu schaffen helfen.<ref>Steinrelief „Judensau“ im Kölner Dom: Leitlinien für den Umgang mit antijüdischen Bildern – Interview mit Martin Bock. kirche-koeln.de, 11. April 2025</ref>

Brandenburg

Seit 2014 bezeichnete eine Erklärtafel die „Judensau“ im Kreuzgang des Brandenburger Doms als „diffamierende Darstellung“. Ab November 2021 forderte der Politikwissenschaftler Michael Gray, Mitglied einer jüdischen Gemeinde in Berlin, die Plastik eindeutig als Ausdruck des tradierten christlichen Judenhasses zu erklären und den Umgang damit kritisch zu erörtern. Der Domkurator Cord-Georg Hasselmann begrüßte den Vorstoß und räumte ein, dass die Erklärung nicht genügte.<ref>„Judensau“-Schmähplastik im Brandenburger Dom: Jüdischer Aktivist fordert kritische Debatte. Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ), 25. November 2021</ref>

Im Januar 2022 beauftragte das Domstift die Kunsthistorikerin Theresa Jeroch dazu, die Geschichte und Bedeutung der Plastik zu erforschen. Marion Gardei, die Antisemitismusbeauftragte der EKBO, kündigte neue Regeln zum Umgang mit antijüdischen Plastiken und Symbolen in Kirchen an. Gemeinden müssten sich damit auseinandersetzen, solche Plastiken aus dem liturgischen Bereich ihrer Kirchen herauslösen und in einen pädagogisch-musealen Zusammenhang stellen. Laut dem Vorsitzenden der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Andreas Nachama war die Brandenburger Skulptur durch Begleitkommentare und ihren Standort außerhalb des Doms im Vorraum des Dommuseums schon als pädagogisch präsentiertes Objekt gekennzeichnet.<ref>Brandenburg an der Havel: Domstift lässt antijüdische Schmähplastik erforschen. JA, 26. Januar 2022</ref>

Im Frühjahr 2023 berief der Gemeinderat eine Expertengruppe zum Umgang mit der Plastik.<ref>Empfehlung zu „Judensau“ an Brandenburger Dom wird vorbereitet. JA, 9. März 2023</ref> Gemäß deren Vorschlag beschloss der Rat im Mai 2023, die Plastik hängen zu lassen, doch fortan zu verhüllen. Laut Bischof Christian Stäblein ließ sie sich wegen des Materials und der Säulenstatik nicht abnehmen.<ref>Entscheidung gefallen: Was aus der „Judensau“-Plastik im Brandenburger Dom wird. MAZ, 15. Mai 2023; Brandenburger Dom: Wie die „Judensau“ künftig unsichtbar wird. MAZ, 2. Juni 2023</ref> Zudem sei sie Teil eines Bildprogramms, das die Abnahme zerreißen und unkenntlich machen würde. Der Kreuzgang, ursprünglich Teil der nichtöffentlichen Klosteranlage, sei heute Teil des Dommuseums. Die Verhüllung solle also nichts verdrängen, sondern Distanz und Aufklärung für Interessierte ermöglichen.<ref>Ralf Fischer: „Judensau“ im Brandenburger Dom: Aufklären statt verdrängen. Neues Deutschland (ND), 3. Juli 2023</ref>

Im Juni 2025 zeigte Theresa Jerochs Bericht zur Herkunft und Wirkung der Skulptur, wie die Kirche mit solchen Schmähplastiken ab dem Hochmittelalter systematisch den Hass unter den Priestern und in der Bevölkerung gegen das Judentum geschürt hatte. Im November 2025 beschloss das Domstift, die Plastik mit einem Kasten einzuhausen, den Besucher zum Betrachten öffnen müssen. Der Kastenbau sollte beginnen, sobald genug Geld dafür vorhanden ist.<ref>„Judensau“: Entscheidung zur Schmähplastik im Brandenburger Dom ist gefallen. MAZ, 29. Oktober 2025 (kostenpflichtig)</ref>

Calbe

In Calbe wurden 2019/2020 vierzehn historische Wasserspeier der St.-Stephani-Kirche mit Landesmitteln restauriert, darunter die „Judensau“. Der Gemeinderat wollte sie danach nicht wieder anbringen,<ref>Thomas Höfs: „Judensau“ kommt nicht an die Kirche. Volksstimme, 12. März 2020</ref> doch ordnete die lokale Denkmalbehörde dies im Juni 2020 an. Daraufhin ließ der Gemeinderat die Abnahme juristisch prüfen und die Skulptur vorläufig verhüllen.<ref>Thomas Höfs: „Judensau“-Relief in Calbe jetzt verdeckt. Volksstimme, 19. Juni 2020</ref> Im Dezember 2024 beschloss er, die Figur am Gebäude zu belassen, aber künstlerisch zu verfremden.<ref>Thomas Höfs: Antisemitismus oder Kunst? Wie die „Judensau in Calbe“ zu einer künstlerischen Lösung werden kann. Volksstimme, 12. Dezember 2024</ref>

Im Juli 2025 erlaubte Calbes Denkmalschutz der Kirche eine „gestaltende Intervention“ als „Barriere für die Wahrnehmung“ der Skulptur. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ließ ein Auftragskunstwerk ausschreiben und wählte den Entwurf des Hallenser Künstlers Thomas Leu. Ein Geflecht aus Ölzweigen unter dem Titel „Einfriedung“ soll den Blick auf die Schmähplastik beschränken.<ref>Kirche in Sachsen-Anhalt: „Judensau“-Figur soll durch Kunstwerk verdeckt werden. Rheinische Post, 23. Juli 2025</ref> Dem Entwurf stimmte eine Arbeitsgruppe aus Gemeinderatsmitgliedern, Vertretern der Staatskanzlei, der EKM und vom Landesverband jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt zu.<ref>Tobias Kühn: Kirche: »Es geht um Haltung«. Thomas Leu über Antisemitismus, Denkmalschutz und eine künstlerische Intervention an der Calber »Judensau«. JA, 3. August 2025</ref>

Mit der jahrelangen Debatte um die Skulptur verknüpft war die Frage, wer über die Gestaltung kirchlicher Gebäude zu entscheiden hat. Durch den antisemitischen Anschlag in Halle 2019 erkannten die Gemeindevertreter die Aktualität der Problematik und entschieden, die Skulptur nur noch verhüllt am Gebäude zu dulden. Am 19. November 2025 wurde das Kunstwerk enthüllt. Die Olivenzweige aus Edelmetall sollen Frieden und die Verständigung zwischen Judentum und Christentum symbolisieren. Die Kontexttafel darunter informiert über die Entstehungsgeschichte der Figur und erklärt, warum die Gemeinde sich davon distanziert.<ref>Carolin Büscher: Calbe: Neues Kunstwerk verhüllt antisemitische Schmähfigur. MDR, 19. November 2025</ref>

Köln

{{#if: „Judensau“-Schnitzwerk im Kölner Dom|{{#ifexist:„Judensau“-Schnitzwerk im Kölner Dom|

|{{#if: |{{#ifexist:{{{2}}}|

→ Haupt{{#if:|seite|artikel}}: [[{{{2}}}{{#if: ||{{{titel2}}}}}]]{{#if: |{{#ifexist:{{{3}}}| und [[{{{3}}}{{#if: ||{{{titel3}}}}}]]|}}|}}

|{{#if: |{{#ifexist:{{{3}}}|

→ Haupt{{#if:|seite|artikel}}: [[{{{3}}}{{#if: ||{{{titel3}}}}}]]

|}}|}}|}}|}}|}}|Einbindungsfehler: Die Vorlage Hauptartikel benötigt immer mindestens ein Argument.}}

Im Jahr 2002 informierte Wolfram Kastner Dombesucher mit einem umgehängten Schild, auf dem „Judensau im Kölner Dom“ stand, über das Schnitzwerk am dortigen Chorgestühl. Marten Marquardt, Leiter der Melanchthon-Akademie Köln, forderte, alle „Judensau“-Bilder in Deutschland mit einer Tafel oder schriftlichem Material zu erklären.<ref name="WDR29Okt23">Igal Avidan: „Judensau“ und Antisemitismus: Kirchen ringen um Aufarbeitung. WDR, 29. Oktober 2023 (Download zum Sendetranskript ebd.)</ref>

Damit begann eine jahrelange Auseinandersetzung in Köln. Die Domverwaltung lehnte anfangs jede Hinweistafel vor Ort strikt ab.<ref>Hartmut Kraft: Die Lust am Tabubruch, Göttingen 2015, S. 34; Metropolitankapitel der Hohen Domkirche Köln an Wolfram Kastner. Köln, 10. Juni 2002</ref> 2008 erschien eine kritische Ausgabe zu den Kölner „Judensau“-Motiven im Kölner Domblatt,<ref name="WDR29Okt23" /> die 2018 zum Jahrestag der Novemberpogrome 1938 erneut veröffentlicht wurde.<ref>Martin Bock: Ein theologischer Spaziergang mit Karl Barth durch Köln. In: Melanchthon-Akademie (Hrsg.): RheinReden 2019… im Fluss, PDF S. 45f.</ref> 2021 veröffentlichte die 2017 gegründete Arbeitsgruppe „Der Dom und ‚die Juden‘“ einen thematischen Rundgang zu jenen Kunstwerken, der seit 2023 auch im Internet abrufbar ist. Zudem bietet das Domforum Führungen dazu an.<ref name="WDR29Okt23" />

Seit April 2025 zeigt ein Wandgemälde von Andrea Büttner in der Marienkapelle des Doms den 1442 zerstörten Toraschrein aus der ehemaligen Synagoge Kölns. Es verweist auf die mit dem Dom verbundene Geschichte der Kölner Juden und soll das verdeckte jüdische Fundament des Christentums und damit jüdisches Leben in Köln wieder sichtbar machen.<ref>Markus Frädrich: Sieger-Entwurf des Internationalen Kunstwettbewerbs Kölner Dom steht fest. Koelner-dom.de, 3. April 2025</ref>

Nürnberg

Am 15. September 2005, dem 70. Jahrestag der Nürnberger Gesetze, beschloss der Kirchenvorstand von St. Sebald in Nürnberg eine Erklärung:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Das ‚Judensau‘-Schmähbild aus dem Spätmittelalter drückt den Judenhass aus, der die Schoa vorbereitet hat. Im selben Ungeist sind jüdische Bürger Nürnbergs bis ins 20. Jahrhundert verachtet und verteufelt, vertrieben und vernichtet worden. Voller Scham verbeugen wir uns vor den Millionen Opfern des Judenhasses. Wir bitten sie und unseren gemeinsamen Gott um Vergebung.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Das ‚Judensau‘-Schmähbild aus dem Spätmittelalter drückt den Judenhass aus, der die Schoa vorbereitet hat. Im selben Ungeist sind jüdische Bürger Nürnbergs bis ins 20. Jahrhundert verachtet und verteufelt, vertrieben und vernichtet worden. Voller Scham verbeugen wir uns vor den Millionen Opfern des Judenhasses. Wir bitten sie und unseren gemeinsamen Gott um Vergebung.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Das ‚Judensau‘-Schmähbild aus dem Spätmittelalter drückt den Judenhass aus, der die Schoa vorbereitet hat. Im selben Ungeist sind jüdische Bürger Nürnbergs bis ins 20. Jahrhundert verachtet und verteufelt, vertrieben und vernichtet worden. Voller Scham verbeugen wir uns vor den Millionen Opfern des Judenhasses. Wir bitten sie und unseren gemeinsamen Gott um Vergebung. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Das ‚Judensau‘-Schmähbild aus dem Spätmittelalter drückt den Judenhass aus, der die Schoa vorbereitet hat. Im selben Ungeist sind jüdische Bürger Nürnbergs bis ins 20. Jahrhundert verachtet und verteufelt, vertrieben und vernichtet worden. Voller Scham verbeugen wir uns vor den Millionen Opfern des Judenhasses. Wir bitten sie und unseren gemeinsamen Gott um Vergebung.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || }}

{{#if:

|

„{{{Latn}}}“{{#if: || }}

}}{{#if:

|

„{{{de}}}“{{#if: || }}

}}
{{#if: |
– <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}{{#if:trim|{{{Autor}}}}}{{#if:| {{{5}}}|}}{{#if: | : {{#if:trim|}} }}
|{{#if: 
|
{{#if:trim|}}
}}
}}

{{#if: |

{{#if: {{#invoke:Text|unstrip|{{{ref}}}}}

        | }} }}{{#if: Das ‚Judensau‘-Schmähbild aus dem Spätmittelalter drückt den Judenhass aus, der die Schoa vorbereitet hat. Im selben Ungeist sind jüdische Bürger Nürnbergs bis ins 20. Jahrhundert verachtet und verteufelt, vertrieben und vernichtet worden. Voller Scham verbeugen wir uns vor den Millionen Opfern des Judenhasses. Wir bitten sie und unseren gemeinsamen Gott um Vergebung. | {{
   #if: Das ‚Judensau‘-Schmähbild aus dem Spätmittelalter drückt den Judenhass aus, der die Schoa vorbereitet hat. Im selben Ungeist sind jüdische Bürger Nürnbergs bis ins 20. Jahrhundert verachtet und verteufelt, vertrieben und vernichtet worden. Voller Scham verbeugen wir uns vor den Millionen Opfern des Judenhasses. Wir bitten sie und unseren gemeinsamen Gott um Vergebung. | {{#if:  |
   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 1=Text=}}

}}| }}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 2=Autor=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 3=Quelle=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Umschrift=Latn=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Sprache=lang=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Übersetzung=de=}}

}} Die Erklärung wurde in einem Faltblatt für Kirchenbesucher abgedruckt, aber nicht als Tafel an der Außenmauer angebracht.<ref>Josef Wirnshofer: Schweinerei. Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 51, 24. Dezember 2017</ref> Das Faltblatt informiert über alle judenfeindlichen Bilder in und an dieser Kirche und deren historischen Kontext.<ref>Judenfeindliche Darstellungen an der Nürnberger Sebalduskirche. Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Nürnberg-St. Sebald</ref>

Den Mitautor des Faltblatts Axel Töllner beauftragte die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern später für den dortigen christlich-jüdischen Dialog. Er verwies 2020 auf weitere judenfeindliche Darstellungen in und an Nürnberger Kirchen. Eine Entfernung der Sebalder „Judensau“ lehnte er ab, da diese zu mehr als 1500 Jahren Kirchengeschichte gehöre und vor Ort am ehesten Anlass dazu gebe, sich immer neu mit Antisemitismus auseinanderzusetzen.<ref>Hartmut Voigt: Prozess: Auch in Nürnberg prangt „Judensau“ auf Kirche. Nordbayern, 4. Februar 2020</ref> 2024 betonte Töllner, der richtige Umgang mit den diffamierenden Skulpturen lasse sich nicht endgültig festlegen. Auch das Sebalder Faltblatt solle die Debatte nicht beenden. Die „über Jahrhunderte eingeübten antisemitischen Denk- und Sprechformen kann man nicht in wenigen Jahren völlig ablegen – das ist eine Jahrhundertaufgabe.“ Man müsse immer wieder neu erklären, „warum auch und gerade aus theologischer Sicht eine antijüdische Haltung für Christenmenschen nicht tragbar ist“.<ref>Daniel Staffen-Quandt: „Hat eine lange Geschichte“: Antijüdische Bildsprache an und in Kirchen. Sonntagsblatt, 31. März 2024</ref>

Regensburg

Das Bistum Regensburg lehnte eine Hinweistafel am Regensburger Dom zunächst ab. Im Mai 2004 hinderte Polizei die Aktionskünstler Wolfram Kastner und Günter Wangerin daran, mit Wasserfarbe „Judensau“ auf das Pflaster vor dem Dom zu schreiben. Danach verlangten auch die israelitischen Kultusgemeinden in Bayern ein Hinweisschild zum Relief am Dom.<ref>Schild am Regensburger Dom: Streit um „Judensau“ hält an. N-tv, 29. März 2005</ref>

Am 30. März 2005 stellte der Freistaat Bayern als Eigentümer des Regensburger Doms folgenden Tafeltext vor:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Die Skulptur als steinernes Zeugnis einer vergangenen Epoche muss im Zusammenhang mit ihrer Zeit gesehen werden. Sie ist in ihrem antijüdischen Aussagegehalt für den heutigen Betrachter befremdlich. Das Verhältnis von Christentum und Judentum in unseren Tagen zeichnet sich durch Toleranz und gegenseitige Achtung aus.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Die Skulptur als steinernes Zeugnis einer vergangenen Epoche muss im Zusammenhang mit ihrer Zeit gesehen werden. Sie ist in ihrem antijüdischen Aussagegehalt für den heutigen Betrachter befremdlich. Das Verhältnis von Christentum und Judentum in unseren Tagen zeichnet sich durch Toleranz und gegenseitige Achtung aus.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Die Skulptur als steinernes Zeugnis einer vergangenen Epoche muss im Zusammenhang mit ihrer Zeit gesehen werden. Sie ist in ihrem antijüdischen Aussagegehalt für den heutigen Betrachter befremdlich. Das Verhältnis von Christentum und Judentum in unseren Tagen zeichnet sich durch Toleranz und gegenseitige Achtung aus. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Die Skulptur als steinernes Zeugnis einer vergangenen Epoche muss im Zusammenhang mit ihrer Zeit gesehen werden. Sie ist in ihrem antijüdischen Aussagegehalt für den heutigen Betrachter befremdlich. Das Verhältnis von Christentum und Judentum in unseren Tagen zeichnet sich durch Toleranz und gegenseitige Achtung aus.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>„Künftig vor Ort besser einordnen“: Die „Judensau“ bleibt hängen. regensburg-digital, 9. Dezember 2020</ref> }}

{{#if:

|

„{{{Latn}}}“{{#if: || <ref>„Künftig vor Ort besser einordnen“: Die „Judensau“ bleibt hängen. regensburg-digital, 9. Dezember 2020</ref> }}

}}{{#if:

|

„{{{de}}}“{{#if: || <ref>„Künftig vor Ort besser einordnen“: Die „Judensau“ bleibt hängen. regensburg-digital, 9. Dezember 2020</ref> }}

}}
{{#if: |
– <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}{{#if:trim|{{{Autor}}}}}{{#if:| {{{5}}}|}}{{#if: | : {{#if:trim|}} }}<ref>„Künftig vor Ort besser einordnen“: Die „Judensau“ bleibt hängen. regensburg-digital, 9. Dezember 2020</ref>
|{{#if: 
|
{{#if:trim|}}<ref>„Künftig vor Ort besser einordnen“: Die „Judensau“ bleibt hängen. regensburg-digital, 9. Dezember 2020</ref>
}}
}}

{{#if: <ref>„Künftig vor Ort besser einordnen“: Die „Judensau“ bleibt hängen. regensburg-digital, 9. Dezember 2020</ref> |

{{#if: {{#invoke:Text|unstrip|<ref>„Künftig vor Ort besser einordnen“: Die „Judensau“ bleibt hängen. regensburg-digital, 9. Dezember 2020</ref>}}

        | }} }}{{#if: Die Skulptur als steinernes Zeugnis einer vergangenen Epoche muss im Zusammenhang mit ihrer Zeit gesehen werden. Sie ist in ihrem antijüdischen Aussagegehalt für den heutigen Betrachter befremdlich. Das Verhältnis von Christentum und Judentum in unseren Tagen zeichnet sich durch Toleranz und gegenseitige Achtung aus. | {{
   #if: Die Skulptur als steinernes Zeugnis einer vergangenen Epoche muss im Zusammenhang mit ihrer Zeit gesehen werden. Sie ist in ihrem antijüdischen Aussagegehalt für den heutigen Betrachter befremdlich. Das Verhältnis von Christentum und Judentum in unseren Tagen zeichnet sich durch Toleranz und gegenseitige Achtung aus. | {{#if:  |
   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 1=Text=}}

}}| }}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 2=Autor=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 3=Quelle=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Umschrift=Latn=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Sprache=lang=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Übersetzung=de=}}

}} Historiker kritisierten diesen Text als die Geschichte glättend, verharmlosend und belanglos.<ref>Michael Brenner, Renate Höpfinger (Hrsg.): Die Juden in der Oberpfalz. De Gruyter, Berlin 2009, ISBN 3-486-79131-1, S. 8 (Zitat ebd.)</ref> Am 11. Mai 2005 hängten Kastner und Wangerin einen Gegenentwurf an die Domwand, der die christliche Mitschuld benannte. Ihre Tafel wurde am selben Tag entfernt.<ref>Wolfram P. Kastner, Günter Wangerin: „Judensau“-Skulptur: Tafel am Regensburger Dom. HaGalil, 11./12. Mai 2005</ref> 2014 entfernten Unbekannte die umstrittene offizielle Texttafel.<ref>Mathias Wagner: Umstrittene Dom-Inschrift wurde gestohlen. Mittelbayerische Zeitung, 28. Juli 2014 (Archivlink)</ref>

Im Februar 2019, zum 500. Jahrestag der Vertreibung der Regensburger Juden, eröffnete das städtische Kulturreferat die Ausstellung Regensburg – Mittelalterliche Metropole der Juden. Für den gleichnamigen Katalog hatte die Historikerin Eva Haverkamp-Rott die „Judensau“-Skulptur eingeordnet:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Die ‘Judensau’-Darstellung an der Südfassade des Domes ‘schaut’ in Richtung Judenviertel. Sie unterstellt Juden, sie würden an einer Sau lecken und an deren Zitzen saugen; das Schwein symbolisiert auch den Teufel. Um die Juden als Juden zu kennzeichnen, tragen sie ‘Judenhüte’. Das Gebot, nach dem Juden kein Schweinefleisch essen, wird hier zur Absurdität verkehrt. Diese ekelerregende Propaganda degradierte die Juden und war ein Angriff auf die jüdische Religion.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Die ‘Judensau’-Darstellung an der Südfassade des Domes ‘schaut’ in Richtung Judenviertel. Sie unterstellt Juden, sie würden an einer Sau lecken und an deren Zitzen saugen; das Schwein symbolisiert auch den Teufel. Um die Juden als Juden zu kennzeichnen, tragen sie ‘Judenhüte’. Das Gebot, nach dem Juden kein Schweinefleisch essen, wird hier zur Absurdität verkehrt. Diese ekelerregende Propaganda degradierte die Juden und war ein Angriff auf die jüdische Religion.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Die ‘Judensau’-Darstellung an der Südfassade des Domes ‘schaut’ in Richtung Judenviertel. Sie unterstellt Juden, sie würden an einer Sau lecken und an deren Zitzen saugen; das Schwein symbolisiert auch den Teufel. Um die Juden als Juden zu kennzeichnen, tragen sie ‘Judenhüte’. Das Gebot, nach dem Juden kein Schweinefleisch essen, wird hier zur Absurdität verkehrt. Diese ekelerregende Propaganda degradierte die Juden und war ein Angriff auf die jüdische Religion. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Die ‘Judensau’-Darstellung an der Südfassade des Domes ‘schaut’ in Richtung Judenviertel. Sie unterstellt Juden, sie würden an einer Sau lecken und an deren Zitzen saugen; das Schwein symbolisiert auch den Teufel. Um die Juden als Juden zu kennzeichnen, tragen sie ‘Judenhüte’. Das Gebot, nach dem Juden kein Schweinefleisch essen, wird hier zur Absurdität verkehrt. Diese ekelerregende Propaganda degradierte die Juden und war ein Angriff auf die jüdische Religion.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Stefan Aigner: Text über „Judensau“: Wenn der Kulturreferent zensiert. regensburg-digital, 2. August 2019</ref> }}

{{#if:

|

„{{{Latn}}}“{{#if: || <ref>Stefan Aigner: Text über „Judensau“: Wenn der Kulturreferent zensiert. regensburg-digital, 2. August 2019</ref> }}

}}{{#if:

|

„{{{de}}}“{{#if: || <ref>Stefan Aigner: Text über „Judensau“: Wenn der Kulturreferent zensiert. regensburg-digital, 2. August 2019</ref> }}

}}
{{#if: |
– <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}{{#if:trim|{{{Autor}}}}}{{#if:| {{{5}}}|}}{{#if: | : {{#if:trim|}} }}<ref>Stefan Aigner: Text über „Judensau“: Wenn der Kulturreferent zensiert. regensburg-digital, 2. August 2019</ref>
|{{#if: 
|
{{#if:trim|}}<ref>Stefan Aigner: Text über „Judensau“: Wenn der Kulturreferent zensiert. regensburg-digital, 2. August 2019</ref>
}}
}}

{{#if: <ref>Stefan Aigner: Text über „Judensau“: Wenn der Kulturreferent zensiert. regensburg-digital, 2. August 2019</ref> |

{{#if: {{#invoke:Text|unstrip|<ref>Stefan Aigner: Text über „Judensau“: Wenn der Kulturreferent zensiert. regensburg-digital, 2. August 2019</ref>}}

        | }} }}{{#if: Die ‘Judensau’-Darstellung an der Südfassade des Domes ‘schaut’ in Richtung Judenviertel. Sie unterstellt Juden, sie würden an einer Sau lecken und an deren Zitzen saugen; das Schwein symbolisiert auch den Teufel. Um die Juden als Juden zu kennzeichnen, tragen sie ‘Judenhüte’. Das Gebot, nach dem Juden kein Schweinefleisch essen, wird hier zur Absurdität verkehrt. Diese ekelerregende Propaganda degradierte die Juden und war ein Angriff auf die jüdische Religion. | {{
   #if: Die ‘Judensau’-Darstellung an der Südfassade des Domes ‘schaut’ in Richtung Judenviertel. Sie unterstellt Juden, sie würden an einer Sau lecken und an deren Zitzen saugen; das Schwein symbolisiert auch den Teufel. Um die Juden als Juden zu kennzeichnen, tragen sie ‘Judenhüte’. Das Gebot, nach dem Juden kein Schweinefleisch essen, wird hier zur Absurdität verkehrt. Diese ekelerregende Propaganda degradierte die Juden und war ein Angriff auf die jüdische Religion. | {{#if:  |
   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 1=Text=}}

}}| }}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 2=Autor=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 3=Quelle=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Umschrift=Latn=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Sprache=lang=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Übersetzung=de=}}

}} Stattdessen stand in der Druckvorlage der Tafeltext von 2005. Die Historikerin protestierte: Kulturreferent Klemens Unger habe den Text gegen ihren Willen gestrichen, dadurch die Skulptur verharmlost und das ganze Kapitel zur mittelalterlichen Judenverfolgung verfälscht. Daraufhin erschien der Katalog im Juli 2019, sechs Wochen nach dem Ende der Ausstellung, ganz ohne die Passage zur „Judensau“. Dies kritisierten Katalogautoren und Medienberichte als unerlaubten und sinnverändernden Eingriff:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Zu so einem unangenehmen Erbe wie der ‚Judensau‘ am Regensburger Dom zu stehen, hieße, die in der Wissenschaft unstrittige Tatsache anzuerkennen, dass der über 1000 Jahre lang von der Kirche systematisch angeheizte Hass auf die Juden die Basis war, auf der die Nazis aufbauen konnten, auf der Auschwitz möglich war.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Zu so einem unangenehmen Erbe wie der ‚Judensau‘ am Regensburger Dom zu stehen, hieße, die in der Wissenschaft unstrittige Tatsache anzuerkennen, dass der über 1000 Jahre lang von der Kirche systematisch angeheizte Hass auf die Juden die Basis war, auf der die Nazis aufbauen konnten, auf der Auschwitz möglich war.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Zu so einem unangenehmen Erbe wie der ‚Judensau‘ am Regensburger Dom zu stehen, hieße, die in der Wissenschaft unstrittige Tatsache anzuerkennen, dass der über 1000 Jahre lang von der Kirche systematisch angeheizte Hass auf die Juden die Basis war, auf der die Nazis aufbauen konnten, auf der Auschwitz möglich war. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Zu so einem unangenehmen Erbe wie der ‚Judensau‘ am Regensburger Dom zu stehen, hieße, die in der Wissenschaft unstrittige Tatsache anzuerkennen, dass der über 1000 Jahre lang von der Kirche systematisch angeheizte Hass auf die Juden die Basis war, auf der die Nazis aufbauen konnten, auf der Auschwitz möglich war.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Florian Sendtner: In Stein gemeißelter Antisemitismus. Bayerische Staatszeitung, 26. Juli 2019</ref> }}

{{#if:

|

„{{{Latn}}}“{{#if: || <ref>Florian Sendtner: In Stein gemeißelter Antisemitismus. Bayerische Staatszeitung, 26. Juli 2019</ref> }}

}}{{#if:

|

„{{{de}}}“{{#if: || <ref>Florian Sendtner: In Stein gemeißelter Antisemitismus. Bayerische Staatszeitung, 26. Juli 2019</ref> }}

}}
{{#if: |
– <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}{{#if:trim|{{{Autor}}}}}{{#if:| {{{5}}}|}}{{#if: | : {{#if:trim|}} }}<ref>Florian Sendtner: In Stein gemeißelter Antisemitismus. Bayerische Staatszeitung, 26. Juli 2019</ref>
|{{#if: 
|
{{#if:trim|}}<ref>Florian Sendtner: In Stein gemeißelter Antisemitismus. Bayerische Staatszeitung, 26. Juli 2019</ref>
}}
}}

{{#if: <ref>Florian Sendtner: In Stein gemeißelter Antisemitismus. Bayerische Staatszeitung, 26. Juli 2019</ref> |

{{#if: {{#invoke:Text|unstrip|<ref>Florian Sendtner: In Stein gemeißelter Antisemitismus. Bayerische Staatszeitung, 26. Juli 2019</ref>}}

        | }} }}{{#if: Zu so einem unangenehmen Erbe wie der ‚Judensau‘ am Regensburger Dom zu stehen, hieße, die in der Wissenschaft unstrittige Tatsache anzuerkennen, dass der über 1000 Jahre lang von der Kirche systematisch angeheizte Hass auf die Juden die Basis war, auf der die Nazis aufbauen konnten, auf der Auschwitz möglich war. | {{
   #if: Zu so einem unangenehmen Erbe wie der ‚Judensau‘ am Regensburger Dom zu stehen, hieße, die in der Wissenschaft unstrittige Tatsache anzuerkennen, dass der über 1000 Jahre lang von der Kirche systematisch angeheizte Hass auf die Juden die Basis war, auf der die Nazis aufbauen konnten, auf der Auschwitz möglich war. | {{#if:  |
   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 1=Text=}}

}}| }}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 2=Autor=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 3=Quelle=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Umschrift=Latn=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Sprache=lang=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Übersetzung=de=}}

}}

Datei:Regensburg Cathedral, komplettes Hinweisschild in Deutsch und Englisch, 10.09.2024, Judensau.jpg
Hinweistext am Regensburger Dom (September 2024)

Im Januar 2022 einigte sich das Bistum Regensburg mit der jüdischen Gemeinde und dem Freistaat Bayern auf einen von Eva Haverkamp-Rott verfassten neuen Text für eine Hinweistafel, der auch Vorlage für andere Orte sein sollte:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Mit dieser menschenverachtenden Propaganda wurden Jüdinnen und Juden zu Feinden des Christentums erklärt. So wurde über Jahrhunderte Hass gegen sie geschürt. Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zum Mord waren die Folge. Heute soll diese Skulptur alle Menschen mahnen, gegen jede Form von Propaganda, Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus vorzugehen.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Mit dieser menschenverachtenden Propaganda wurden Jüdinnen und Juden zu Feinden des Christentums erklärt. So wurde über Jahrhunderte Hass gegen sie geschürt. Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zum Mord waren die Folge. Heute soll diese Skulptur alle Menschen mahnen, gegen jede Form von Propaganda, Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus vorzugehen.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Mit dieser menschenverachtenden Propaganda wurden Jüdinnen und Juden zu Feinden des Christentums erklärt. So wurde über Jahrhunderte Hass gegen sie geschürt. Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zum Mord waren die Folge. Heute soll diese Skulptur alle Menschen mahnen, gegen jede Form von Propaganda, Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus vorzugehen. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Mit dieser menschenverachtenden Propaganda wurden Jüdinnen und Juden zu Feinden des Christentums erklärt. So wurde über Jahrhunderte Hass gegen sie geschürt. Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zum Mord waren die Folge. Heute soll diese Skulptur alle Menschen mahnen, gegen jede Form von Propaganda, Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus vorzugehen.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Umfangreichere Informationstafel soll Schmähskulptur einordnen: Einigung zu Umgang mit „Judensau“-Darstellung am Regensburger Dom. Katholisch.de, 7. Januar 2022; Antisemitismusbeauftragter Bayern: Dr. Ludwig Spaenle und Ilse Danziger, Vorsitzende der IKG Regensburg, stellen Ergebnis des Runden Tischs zum Umgang mit der sog. „Judensau“ am Dom vor. Regensburg, 7. Januar 2022</ref> }}

{{#if:

|

„{{{Latn}}}“{{#if: || <ref>Umfangreichere Informationstafel soll Schmähskulptur einordnen: Einigung zu Umgang mit „Judensau“-Darstellung am Regensburger Dom. Katholisch.de, 7. Januar 2022; Antisemitismusbeauftragter Bayern: Dr. Ludwig Spaenle und Ilse Danziger, Vorsitzende der IKG Regensburg, stellen Ergebnis des Runden Tischs zum Umgang mit der sog. „Judensau“ am Dom vor. Regensburg, 7. Januar 2022</ref> }}

}}{{#if:

|

„{{{de}}}“{{#if: || <ref>Umfangreichere Informationstafel soll Schmähskulptur einordnen: Einigung zu Umgang mit „Judensau“-Darstellung am Regensburger Dom. Katholisch.de, 7. Januar 2022; Antisemitismusbeauftragter Bayern: Dr. Ludwig Spaenle und Ilse Danziger, Vorsitzende der IKG Regensburg, stellen Ergebnis des Runden Tischs zum Umgang mit der sog. „Judensau“ am Dom vor. Regensburg, 7. Januar 2022</ref> }}

}}
{{#if: |
– <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}{{#if:trim|{{{Autor}}}}}{{#if:| {{{5}}}|}}{{#if: | : {{#if:trim|}} }}<ref>Umfangreichere Informationstafel soll Schmähskulptur einordnen: Einigung zu Umgang mit „Judensau“-Darstellung am Regensburger Dom. Katholisch.de, 7. Januar 2022; Antisemitismusbeauftragter Bayern: Dr. Ludwig Spaenle und Ilse Danziger, Vorsitzende der IKG Regensburg, stellen Ergebnis des Runden Tischs zum Umgang mit der sog. „Judensau“ am Dom vor. Regensburg, 7. Januar 2022</ref>
|{{#if: 
|
}}
}}

{{#if: <ref>Umfangreichere Informationstafel soll Schmähskulptur einordnen: Einigung zu Umgang mit „Judensau“-Darstellung am Regensburger Dom. Katholisch.de, 7. Januar 2022; Antisemitismusbeauftragter Bayern: Dr. Ludwig Spaenle und Ilse Danziger, Vorsitzende der IKG Regensburg, stellen Ergebnis des Runden Tischs zum Umgang mit der sog. „Judensau“ am Dom vor. Regensburg, 7. Januar 2022</ref> |

{{#if: {{#invoke:Text|unstrip|<ref>Umfangreichere Informationstafel soll Schmähskulptur einordnen: Einigung zu Umgang mit „Judensau“-Darstellung am Regensburger Dom. Katholisch.de, 7. Januar 2022; Antisemitismusbeauftragter Bayern: Dr. Ludwig Spaenle und Ilse Danziger, Vorsitzende der IKG Regensburg, stellen Ergebnis des Runden Tischs zum Umgang mit der sog. „Judensau“ am Dom vor. Regensburg, 7. Januar 2022</ref>}}

        | }} }}{{#if: Mit dieser menschenverachtenden Propaganda wurden Jüdinnen und Juden zu Feinden des Christentums erklärt. So wurde über Jahrhunderte Hass gegen sie geschürt. Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zum Mord waren die Folge. Heute soll diese Skulptur alle Menschen mahnen, gegen jede Form von Propaganda, Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus vorzugehen. | {{
   #if: Mit dieser menschenverachtenden Propaganda wurden Jüdinnen und Juden zu Feinden des Christentums erklärt. So wurde über Jahrhunderte Hass gegen sie geschürt. Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zum Mord waren die Folge. Heute soll diese Skulptur alle Menschen mahnen, gegen jede Form von Propaganda, Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus vorzugehen. | {{#if:  |
   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 1=Text=}}

}}| }}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 2=Autor=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 3=Quelle=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Umschrift=Latn=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Sprache=lang=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Übersetzung=de=}}

}} Im Januar 2023 wurde der Text in deutscher und englischer Sprache außen am Regensburger Dom angebracht. Weitere Informationen sind über einen QR-Code auf der Tafel im Internet abrufbar.<ref>Antisemitismus und Kirche: Neue Hinweistafel zur „Judensau“ am Regensburger Dom. FAZ, 23. Januar 2022</ref>

Datei:Judenmahnmal-Wittenberg.jpg
Mahnmal am Südostflügel der Stadtkirche Wittenberg

Wittenberg

{{#if: „Judensau“-Relief an der Stadtkirche Lutherstadt Wittenberg|{{#ifexist:„Judensau“-Relief an der Stadtkirche Lutherstadt Wittenberg|

|{{#if: |{{#ifexist:{{{2}}}|

→ Haupt{{#if:|seite|artikel}}: [[{{{2}}}{{#if: ||{{{titel2}}}}}]]{{#if: |{{#ifexist:{{{3}}}| und [[{{{3}}}{{#if: ||{{{titel3}}}}}]]|}}|}}

|{{#if: |{{#ifexist:{{{3}}}|

→ Haupt{{#if:|seite|artikel}}: [[{{{3}}}{{#if: ||{{{titel3}}}}}]]

|}}|}}|}}|}}|}}|Einbindungsfehler: Die Vorlage Hauptartikel benötigt immer mindestens ein Argument.}}

Nach interner Diskussion ab 1983 ließ der Gemeinderat der Stadtkirche 1988 eine Gedenkplatte unter dem Relief in den Boden einlassen, die auf den Holocaust als Folge dieses christlichen Judenhasses verweist.<ref>Albrecht Steinwachs, Stefan Rhein, Jürgen M. Pietsch: Die Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg. Edition Akanthus, Spröda 2000, ISBN 3-00-006918-6, S. 107</ref>

Neue Forderungen ab 2016, das Relief abzunehmen und in ein Museum oder an einen neuen Gedenkort bei der Stadtkirche zu bringen, lehnte der Gemeinderat mehrfach ab.<ref>Jérôme Lombard: Reformationsjahr: Relikt aus der Lutherzeit. JA, 11. Juli 2017; Stadtkirche Wittenberg: Schmährelief „Judensau“ soll erhalten werden. dpa / N-tv, 26. Oktober 2022</ref> Eine Zivilklage von 2018 scheiterte nach zwei Vorinstanzen 2022 auch vor dem Bundesgerichtshof (BGH), weil die Gedenktexte das Schandmal in ein Mahnmal verwandelt hätten.<ref>Bundesgerichtshof: Urteil vom 14. Juni 2022 – VI ZR 172/20BGH</ref>

Der Prozess verstärkte die Debatte zum Umgang mit solchen Skulpturen. Im Verlauf mehrten sich die Stimmen in der EKD, die eine Abnahme des Wittenberger Exemplars befürworteten.<ref name="epd28Mai2019" /><ref>Reformationstag: Evangelische Bischöfe verurteilen Ausgrenzung. epd / EKMD, 31. Oktober 2019; Schmähplastik aus Wittenberg: Theologin Käßmann kritisiert BGH-Urteil: „Die 'Judensau' ist eine Hassbotschaft“. MDR, 19. Juni 2022; Nochmal: geordneter Rückzug. Zeitzeichen, 26. Juni 2022; EKD-Kulturbeauftragter enttäuscht über „Judensau“-Entscheidung. EKD.de, 27. Oktober 2022; Landesbischof mahnt eindringlich: Meister: „Judensau“ entfernen und zerstören. epd, 31. Oktober 2022; Weiter Kritik an antisemitischer Schmähplastik. Der Sonntag, 6. November 2022</ref> Bis April 2023 ergänzte der Gemeinderat die Gedenk- und Aufklärungstexte zum Relief und stellte eine Bitte um Vergebung an „Gott und das jüdische Volk“ ins Zentrum.<ref>„Stätte der Mahnung“: Neue Infotafel für judenfeindliches Relief an der Stadtkirche Wittenberg. MDR, 17. April 2023; Nach langjährigem Rechtsstreit: Informationsschild zum „Judensau“-Relief angepasst. LTO, 17. April 2023</ref>

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, forderte ab April 2023, der Stadtkirche wegen der beibehaltenen Skulptur den Titel des UNESCO-Welterbes zu entziehen.<ref>Forderung wegen Schmährelief – Wittenberger Kirche soll Unesco-Status entzogen werden. Spiegel, 28. April 2023; Droht Aberkennung des Welterbe-Titels? Antisemitismusbeauftragter: „Judensau“-Relief in Wittenberg bewusst unterschlagen. MDR, 16. Mai 2023; Ronen Steinke: Wittenberg: Der Kulturerbe-Status könnte wackeln. SZ, 12. Mai 2023</ref>

Im Februar 2026 bestätigte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) das BGH-Urteil endgültig.<ref>Beschwerde abgewiesen: Wittenberger »Judensau« muss nicht entfernt werden. Spiegel, 26. Februar 2026; Straßburg bestätigt deutsche Urteile: Wittenberger »Judensau« bleibt. JA, 27. Februar 2026</ref>

Zerbst

In Zerbst wurde Anfang 2022 eine Erklärtafel unter der Skulptur aufgehängt.<ref>Evangelisches Regionalpfarramt Zerbst-Lindau: Gegendenkmal Judensau: Gestaltungswettbewerb für St. Nikolai. (Text der Erklärtafel)</ref> Die Kirchengemeinde, ein Förderverein und die Evangelische Landeskirche Anhalts planten ein Gegendenkmal und erhielten dazu bis März 2022 zehn künstlerische Entwürfe.<ref name="MDR15Jun2022" /> Ausgewählt wurde eine als Lesepult wie in einer Synagoge gestaltete Stele des Bildhauers Hans-Joachim Prager.<ref>Kirchenruine St. Nicolai: Feierstunde in Zerbst: Gegendenkmal für Schmähplastik eingeweiht. MDR, 1. Juni 2023</ref> Ihre Stirnseite zitiert oben {{#switch: juris

|juris=Art. 1
|by=Art. 1
|hh
|mv
|rlp
|st
|th=Art. 1
|sh=Vorlage:Str replace+Artikel+1&psml=bsshoprod.psml&max=true Art. 1
|revosax=Art. 1
|dejure=Art. 1
|RIS-B={{#if: 
 |Art. 1
 |Art. 1
}}
|LrBgld
|LrK
|LrOO
|LrSbg
|LrT
|LrNo
|LrStmk
|LrVbg
|LrW={{#if:  
 |Art. 1
 |Art. 1

}}

|ch=Art. 1
|buzer=Art. 1
||leer=Art. 1 [Anbieter/Datenbank fehlt]
|#default=Art. 1[Anbieter/Datenbank unbekannt]

}}{{#if: 1||[Artikel fehlt]}}{{#if: gg||[Gesetz fehlt]}} des Grundgesetzes („Die Würde des Menschen ist unantastbar“), unten den Bibelvers Vorlage:Bibel/Link („Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“). Alle vier Seiten führen die Namen der NS-Opfer unter Zerbster Jüdinnen und Juden auf.<ref>Nikolaus Bernau: Umgang mit Schmähskulpturen: Wir müssen uns der Geschichte stellen. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 4. Mai 2023 (kostenpflichtig)</ref> Bei der Enthüllung des Gegendenkmals am 1. Juni 2023 benannte Landeskirchenpräsident Joachim Liebig den Antisemitismus als jahrhundertelange Schuld des Christentums und bat alle dessen Opfer um Vergebung, „wohlwissend, dass das Leid damit nicht geschmälert wird“. Für den Bildhauer soll die Stele einen Toleranz-Diskurs fördern.<ref>Gegendenkmal zur Zerbster „Judensau“ enthüllt. epd, 1. Juni 2023</ref>

Andere

In Bacharach erhielt der Wasserspeier der Wernerkapelle bis 2006 eine Informationstafel.<ref>Regina E. G. Schymiczek. Höllenbrut und Himmelswächter: Mittelalterliche Wasserspeier an Kirchen und Kathedralen. Schnell & Steiner, Regensburg 2006, ISBN 978-3-7954-1807-6, S. 59</ref> Nach Kritik von Wolfram Kastner ließ das zuständige Bistum Mainz 2013 eine Informationstafel an der Kirche in Bad Wimpfen aufstellen<ref name="SF5Feb20" /> und beschloss 2020 eine erweiterte Hinweistafel zum Wasserspeier.<ref>Christian Thomas: Götzendienst am Antisemitismus. FR, 5. Februar 2020</ref> In Basel übergab der Gemeindepfarrer des Münsters eine Replika des zerstörten Originals 1996 dem Jüdischen Museum der Schweiz.<ref>Antisemitisches Kirchenrelief - «Judensau»-Relief darf bleiben. SRF, 15. Juni 2022; GRA-Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus: Glossar Judensau</ref>

In Bayreuth forderte Pfarrer Klaus Rettig seit 2000 die Entfernung der stark verwitterten „Judensau“-Skulptur. Der Kirchenvorstand der Stadtkirche lehnte ab und beschloss stattdessen im Oktober 2004 eine Gedenktafel. Eine Woche danach zerschlugen Unbekannte die Skulptur.<ref>Wilfred Engelbrecht: Die Bayreuther Stadtkirche. Unnser lis goczhawss sant Marie magdalene. Geschichte des ältesten Bauwerks der Stadt. Bayreuther Zeitlupe Verlag, Bayreuth 2017, S. 15–17</ref> Die Tafel wurde 2005 angebracht. Ihr Text lautet:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Unkenntlich geworden ist das steinerne Zeugnis des Judenhasses an diesem Pfeiler. Für immer vergangen sei alle Feindseligkeit gegen das Judentum.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Unkenntlich geworden ist das steinerne Zeugnis des Judenhasses an diesem Pfeiler. Für immer vergangen sei alle Feindseligkeit gegen das Judentum.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Unkenntlich geworden ist das steinerne Zeugnis des Judenhasses an diesem Pfeiler. Für immer vergangen sei alle Feindseligkeit gegen das Judentum. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Unkenntlich geworden ist das steinerne Zeugnis des Judenhasses an diesem Pfeiler. Für immer vergangen sei alle Feindseligkeit gegen das Judentum.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref>Bernd Mayer (Hrsg.): Jüdisches Bayreuth. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, ISBN 3-925361-81-2, S. 24</ref> }}

{{#if:

|

„{{{Latn}}}“{{#if: || <ref>Bernd Mayer (Hrsg.): Jüdisches Bayreuth. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, ISBN 3-925361-81-2, S. 24</ref> }}

}}{{#if:

|

„{{{de}}}“{{#if: || <ref>Bernd Mayer (Hrsg.): Jüdisches Bayreuth. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, ISBN 3-925361-81-2, S. 24</ref> }}

}}
{{#if: |
– <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}{{#if:trim|{{{Autor}}}}}{{#if:| {{{5}}}|}}{{#if: | : {{#if:trim|}} }}<ref>Bernd Mayer (Hrsg.): Jüdisches Bayreuth. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, ISBN 3-925361-81-2, S. 24</ref>
|{{#if: 
|
{{#if:trim|}}<ref>Bernd Mayer (Hrsg.): Jüdisches Bayreuth. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, ISBN 3-925361-81-2, S. 24</ref>
}}
}}

{{#if: <ref>Bernd Mayer (Hrsg.): Jüdisches Bayreuth. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, ISBN 3-925361-81-2, S. 24</ref> |

{{#if: {{#invoke:Text|unstrip|<ref>Bernd Mayer (Hrsg.): Jüdisches Bayreuth. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, ISBN 3-925361-81-2, S. 24</ref>}}

        | }} }}{{#if: Unkenntlich geworden ist das steinerne Zeugnis des Judenhasses an diesem Pfeiler. Für immer vergangen sei alle Feindseligkeit gegen das Judentum. | {{
   #if: Unkenntlich geworden ist das steinerne Zeugnis des Judenhasses an diesem Pfeiler. Für immer vergangen sei alle Feindseligkeit gegen das Judentum. | {{#if:  |
   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 1=Text=}}

}}| }}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 2=Autor=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 3=Quelle=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Umschrift=Latn=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Sprache=lang=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Übersetzung=de=}}

}}

Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle, Kirchen- und Staatsvertreter und der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern vereinbarten im Dezember 2020, die rund 12 antijüdischen Plastiken an Kirchen hängen zu lassen, sie aber „sichtbar und gut erkennbar“ vor Ort einzuordnen.<ref>Entscheidung in Antisemitismusdebatte: Bayern lässt sämtliche „Judensau“-Skulpturen hängen. Spiegel, 8. Dezember 2020</ref>

In Bützow gab die Gemeinde aus Anlass einer Kirchenrenovierung ein Faltblatt zu den dortigen Reliefs heraus, in dem es heißt:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Die Kirchengemeinde Bützow ist voller Scham betroffen von der Schuld und dem historischen Versagen unserer Kirche und der Wirkmächtigkeit dieser unheilvollen Anmaßung – bis heute. Gemeinsam wollen wir dieses schwierige Erbe als Verantwortung begreifen und den judenfeindlichen Bildern aktiv etwas entgegensetzen.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Die Kirchengemeinde Bützow ist voller Scham betroffen von der Schuld und dem historischen Versagen unserer Kirche und der Wirkmächtigkeit dieser unheilvollen Anmaßung – bis heute. Gemeinsam wollen wir dieses schwierige Erbe als Verantwortung begreifen und den judenfeindlichen Bildern aktiv etwas entgegensetzen.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Die Kirchengemeinde Bützow ist voller Scham betroffen von der Schuld und dem historischen Versagen unserer Kirche und der Wirkmächtigkeit dieser unheilvollen Anmaßung – bis heute. Gemeinsam wollen wir dieses schwierige Erbe als Verantwortung begreifen und den judenfeindlichen Bildern aktiv etwas entgegensetzen. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Die Kirchengemeinde Bützow ist voller Scham betroffen von der Schuld und dem historischen Versagen unserer Kirche und der Wirkmächtigkeit dieser unheilvollen Anmaßung – bis heute. Gemeinsam wollen wir dieses schwierige Erbe als Verantwortung begreifen und den judenfeindlichen Bildern aktiv etwas entgegensetzen.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: || <ref name="InfosNordkirche" /> }}

{{#if:

|

„{{{Latn}}}“{{#if: || <ref name="InfosNordkirche" /> }}

}}{{#if:

|

„{{{de}}}“{{#if: || <ref name="InfosNordkirche" /> }}

}}
{{#if: |
– <templatestyles src="Person/styles.css" />{{#if:|{{{4}}} |}}{{#if:|{{{2}}} |}}{{#if:| {{{3}}} |}}{{#if:| „{{{6}}}“ |}}{{#if:trim|{{{Autor}}}}}{{#if:| {{{5}}}|}}{{#if: | : {{#if:trim|}} }}<ref name="InfosNordkirche" />
|{{#if: 
|
{{#if:trim|}}<ref name="InfosNordkirche" />
}}
}}

{{#if: <ref name="InfosNordkirche" /> |

{{#if: {{#invoke:Text|unstrip|<ref name="InfosNordkirche" />}}

        | }} }}{{#if: Die Kirchengemeinde Bützow ist voller Scham betroffen von der Schuld und dem historischen Versagen unserer Kirche und der Wirkmächtigkeit dieser unheilvollen Anmaßung – bis heute. Gemeinsam wollen wir dieses schwierige Erbe als Verantwortung begreifen und den judenfeindlichen Bildern aktiv etwas entgegensetzen. | {{
   #if: Die Kirchengemeinde Bützow ist voller Scham betroffen von der Schuld und dem historischen Versagen unserer Kirche und der Wirkmächtigkeit dieser unheilvollen Anmaßung – bis heute. Gemeinsam wollen wir dieses schwierige Erbe als Verantwortung begreifen und den judenfeindlichen Bildern aktiv etwas entgegensetzen. | {{#if:  |
   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 1=Text=}}

}}| }}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 2=Autor=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe 3=Quelle=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Umschrift=Latn=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Sprache=lang=}}

}}{{#if: | {{#if: |

   Vorlage:Zitat: Doppelangabe Übersetzung=de=}}

}}

Auf das „Judensau“-Relief in Cadolzburg machten Wolfram Kastner und Günter Wangerin im Juli 2003 mit einer Plakataktion aufmerksam und forderten eine klare Distanzierung der Stadt, die das Burgtor damals aufwändig renovieren ließ.<ref>Johanna Scholz: „Judensau“ blieb weithin unbeachtet. Nordbayern, 28. Juli 2003</ref> Im Januar 2004 ließ Bayerns damaliger Finanzminister Kurt Faltlhauser eine Informationstafel bei dem Relief anbringen.<ref>Wolfram P. Kastner, Günter Wangerin: Staatliche Sau-Skulptur erhält einen distanzierenden Kommentar. HaGalil, 7. Januar 2004</ref>

2007 verwies die Jüdische Gemeinde Berlin auf die „Judensau“ in Eberswalde.<ref>Jüdische Spuren in... Eberswalde. Jüdische Gemeinde Berlin, 1. November 2007</ref> 2010 entkräftete der Historiker Karl Grözinger Versuche, deren Entstehung aus der Hebräischen Bibel zu erklären.<ref>Karl Erich Grözinger: Zur Eberswalder »Judendebatte«. In: Verein für Heimatkunde zu Eberswalde (Hrsg.): Eberswalder Jahrbuch für Heimat-, Kultur- und Naturgeschichte, 2010, PDF S. 204</ref> Bis 2017 fehlte eine Hinweistafel beim Relief,<ref name="FAS20Aug2017" /> doch die Kirchengemeinde legte ein Informationsblatt dazu aus und klärte bei Führungen darüber auf.<ref name="Klatt2018" />

Das Bistum Erfurt ließ im Mai 2024 die Holzstele „Ekklesia und Synagoge“ des Bildhauers Heiko Börner im Dom aufstellen. Das Kunstwerk stellt die enge Zusammengehörigkeit von Judentum und Christentum dar, auch im Kontrast zur „Judensau“ im Chorgestühl.<ref>Dom stellt Kunstwerk einer Schmäh-Darstellung gegenüber. SZ, 16. Mai 2024</ref>

Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Heilsbronn erwähnt die dortige Skulptur als eine „für die klösterliche Tradition schändliche Eigentümlichkeit“ und fragt: „Wie konnten die Mönche so etwas zulassen, die im täglichen Gebet mindestens dreimal den Lobpreis von Gottes Volk Israel sangen?“<ref>Das Zisterzienserkloster und Münster Heilsbronn. heilsbronn-evangelisch.de; Gustav Albrecht: Das Zisterzienserkloster und Münster Heilsbronn. Sonntagsblatt, 23. Februar 2022</ref> Eine Gemeindebroschüre deutet die Skulpturen als „Mahnmal gegen die Diffamierung jüdischer Religion durch die christliche Kirche“ und Aufforderung zum „Dialog zwischen den Menschen verschiedener Kulturen“.<ref>Sigrun Arenz, Nikola Stadelmann, Reinhard Weirauch: Jakobswege in Franken: Unterwegs auf alten Pilgerpfaden. 8. aktualisierte Auflage, ars vivendi, Cadolzburg 2019, ISBN 978-3-7472-0285-2, S. 98</ref> 2022 zeigte das Münster Heilsbronn die Wanderausstellung des Jüdischen Museums Köln zu „1700 Jahren jüdisches Leben in Deutschland“ mit Bezug auf die „Judensau“.<ref>Eröffnung der Ausstellung zum jüdischen Leben in Deutschland. Münster Heilsbronn, 29. September 2022</ref>

In Lemgo ließ der Kirchenvorstand eine Erklärtafel zur „Judensau“ aufhängen, die auf eine thronende Christusfigur gegenüber und auf aktuellen Judenhass verweist. Den Text beschließt ein Aufruf an alle Menschen, „gegen jede Form von Propaganda, Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus vorzugehen“.<ref>Judenfeindliche Skulpturen, ev.-luth. Kirchengemeinde St. Marien, Lemgo. Diakonie Paderborn-Höxter e. V., Mai 2023</ref>

Im Magdeburger Dom ordnet ein Gedenkweg die judenfeindlichen Skulpturen kritisch ein, etwa mit dem Bodenplattentext: „Verschmähte Schwester Synagoge, vergib unsere todbringende Blindheit, ohne Ende gilt Gottes Verheißung dir wie uns.“ Das für Besucher unzugängliche „Judensau“-Relief wird in Domführungen einbezogen und seit 2016 auf einer Tafel kommentiert.<ref name="VS27Okt16" />

Im September 2024 wurde am Haupteingang der Marienkirche Osnabrück eine Erklärtafel angebracht. Sie ordnet die dortige „Synagoga“ und „Judensau“ als „beabsichtigte antijüdische Propaganda“ ein, die Hass gegen Jüdinnen und Juden schürte, ihre Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung bewirkte. Man habe die Figuren vor Ort belassen, damit sie heutige Menschen „an diese Verirrungen der Kirche erinnern und uns mahnen, gegen jede Form von Propaganda, Hass, Ausgrenzung und Antisemitismus vorzugehen.“<ref name="GB11/24" /><ref>Matthias Liedtke: Tierdarstellung über dem Brautportal: Osnabrücker Mariengemeinde distanziert sich von historischer antisemitischer Darstellung. Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ), 4. September 2024 (kostenpflichtig)</ref>

In Spalt deutet seit 2010 eine Tafel das Relief mit Bezug auf den „Gottesmord“, ohne es zu datieren und die Deutung zu erläutern.<ref name="Spalt" />

In St. Viktor in Xanten bezeichnet eine Texttafel die Judensaureliefs als menschenverachtende, beschämende Beleidigung für Juden, die Pogrome provozierten und als Motive für die Schoah dienten. Als Gegenpol dazu ließ die Propsteigemeinde die Krypta der Kirche 1966 zur Erinnerungsstätte für Märtyrer und Opfer des Nationalsozialismus erweitern.<ref name="Xanten" />

Literatur

Überblick

  • Jordan Rosenblum: Forbidden: A 3,000-Year History of Jews and the Pig. New York University Press, New York 2024, ISBN 978-1-4798-3149-4

Zu mittelalterlichen Darstellungen

  • Debbra Hicks Strickland: Antisemitism in Medieval Art. In: Steven T. Katz (Hrsg.): The Cambridge Companion to Antisemitism. Cambridge University Press, Cambridge 2022, ISBN 978-1-108-78765-9, S. 268–270
  • Antje Vanhoefen: „Judenhut“ und „Judensau“. Ein Beitrag zur Darstellung von Juden in der bildenden christlichen Kunst. In: Schlossmuseum Arnstadt (Hrsg.): Jüdische Familien aus Arnstadt und Plaue. (Ausstellungskatalog) Eckhaus, Weimar 2021, ISBN 978-3-945294-41-3.
  • Jan Dienstbier: The Metamorphoses of the “Judensau”. In: Eva Janáčová, Jakub Hauser (Hrsg.): Visual Antisemitism in Central Europe: Imagery of Hatred. De Gruyter, Berlin 2021, ISBN 978-3-11-061666-8, S. 1–34 (PDF-Download)
  • Caroline Walker Bynum: Dissimilar Similitudes: Devotional Objects in Late Medieval Europe. Zone Books, New York 2020, ISBN 978-1-942130-38-3, S. 125–138 (Abschnitt The Judensau, PDF; 0,2 MB)
  • Birgit Wiedl: Laughing at the Beast. The Judensau. Anti-Jewish Propaganda and Humor from the Middle Ages to the Early Modern Period. In: Albrecht Classen (Hrsg.): Laughter in the Middle Ages and Early Modern Times. Epistemology of a Fundamental Human Behavior, its Meaning, and Consequences. De Gruyter, Berlin / New York 2010, ISBN 3-11-024547-7, S. 325–364 (PDF; 6,1 MB)
  • Sarah Phillips: The Pig in Medieval Iconography. In: Umberto Albarella et al. (Hrsg.): Pigs and Humans: 10,000 Years of Interaction. Oxford University Press, Oxford 2007, ISBN 978-0-19-191735-6, S. 373–388
  • Hermann Rusam: „Judensau“-Darstellungen in der plastischen Kunst Bayerns. Ein Zeugnis christlicher Judenfeindschaft. In: Evangelisch-Lutherischer Zentralverein für Begegnung von Christen und Juden (Hrsg.): Begegnungen. Zeitschrift für Kirche und Judentum 90, Sonderheft März 2007, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|1612-4340|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

}}{{#ifeq:0|1

        |{{#switch:00
                  |11= (print/online)
                  |10= (print)
                  |01= (online)
          }}

}}{{#ifeq:0|0

        |{{#ifeq:0|0
              |{{#if:{{#invoke:URIutil|isISSNvalid|1=1612-4340}}
                    |
                    |{{#invoke:TemplUtl|failure|ISSN ungültig}}}}}}

}} und {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0083-5579|0}}{{#ifeq:1|0|[!] }}{{#ifeq:0|1

        |{{#switch:00
                  |11= (print/online)
                  |10= (print)
                  |01= (online)
          }}

}}{{#ifeq:0|0

        |{{#ifeq:0|0
              |{{#if:{{#invoke:URIutil|isISSNvalid|1=0083-5579}}
                    |
                    |{{#invoke:TemplUtl|failure|ISSN ungültig}}}}}}

}}

  • Heinz Schreckenberg: Die Juden in der Kunst Europas. Ein historischer Bildatlas. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-63362-9, S. 343–349 (Das „Judensau“-Motiv)
  • Petra Schöner: Judenbilder im deutschen Einblattdruck der Renaissance. Ein Beitrag zur Imagologie. Valentin Koerner, Baden-Baden 2002, ISBN 3-87320-442-8, S. 189–208 (Rezension)
  • Claudine Fabre-Vassas: The Singular Beast. Jews, Christians, and the Pig. Überarbeitete Neuauflage, Columbia University Press, New York 1997, ISBN 0-231-10367-0
  • Thomas Bruinier: Die „Judensau“. Zu einem Symbol des Judenhasses und seiner Geschichte. In: Forum Religion, Ausgabe 4, Kreuz-Verlag Breitsohl, Stuttgart 1995, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0343-7744|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

}}{{#ifeq:0|1

        |{{#switch:00
                  |11= (print/online)
                  |10= (print)
                  |01= (online)
          }}

}}{{#ifeq:0|0

        |{{#ifeq:0|0
              |{{#if:{{#invoke:URIutil|isISSNvalid|1=0343-7744}}
                    |
                    |{{#invoke:TemplUtl|failure|ISSN ungültig}}}}}}

}}, S. 4–15

  • Wilfried Schouwink: Der wilde Eber in Gottes Weinberg. Zur Darstellung des Schweins in Literatur und Kunst des Mittelalters. Jan Thorbecke, Sigmaringen 1985, ISBN 3-7995-4016-4, S. 75–88
  • Isaiah Shachar: The Judensau. A Medieval Anti-Jewish Motif and its History. Warburg Institute, London 1974, ISBN 0-85481-049-8 (PDF)
  • Bernhard Blumenkranz: Juden und Judentum in der mittelalterlichen Kunst. Kohlhammer, Stuttgart 1965
  • Franz Ludwig Bösigk: Ueber die Judenspottbilder des Mittelalters in Deutschland. In: Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 1 (1856),S. 463–469

Zu einzelnen Skulpturen

  • Theresa Jeroch: Zwischen Spott und Dämonisierung: Die antijüdische Plastik im Brandenburger Dom. In: Text und Kunst. Schriften des Domstifts Brandenburg, Band 1. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2025, ISBN 978-3-68948-037-0
  • Hermann Rusam: Die Spalter Judensau - ein judenfeindliches Motiv aus dem Spätmittelalter. In: Heimatkundliche Streifzüge (Roth) Band 15, 1996, S. 78–83

Zu antisemitischen Karikaturen

  • Eduard Fuchs: Die Juden in der Karikatur. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte. (1921) Nachdruck: Adrian Schelm, Leipzig 2018, ISBN 3-947190-11-5 (Volltext online)
  • Monika Kucharz: Das antisemitische Stereotyp der „jüdischen Physiognomie“. Seine Entwicklung in Kunst und Karikatur. LIT, Münster 2017, ISBN 978-3-643-50808-9
  • Julius H. Schoeps, Joachim Schlör (Hrsg.): Bilder der Judenfeindschaft. Antisemitismus, Vorurteile und Mythen. Bechtermünz, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0734-2.
  • Angelika Plum: Die Karikatur im Spannungsfeld von Kunstgeschichte und Politikwissenschaft. Eine ikonologische Untersuchung zu Feindbildern in Karikaturen. Berichte aus der Kunstgeschichte. Shaker, Aachen 1998, ISBN 3-8265-4159-6.
  • Michael Wolffsohn: Das Bild als Gefahren- und Informationsquelle. Von der „Judensau“ über den „Nathan“ zum „Stürmer“ und zu Nachmann. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die Schatten der Vergangenheit. Impulse zur Historisierung des Nationalsozialismus. Ullstein, Berlin 1992, ISBN 3-548-33161-0, S. 522–542
  • Stefan Rohrbacher, Michael Schmidt: Judenbilder. Kulturgeschichte antijüdischer Mythen und antisemitischer Vorurteile. Rowohlt, Reinbek 1991, ISBN 3-499-55498-4.
  • Matthias Beimel: Die Karikatur als Ersatzhandlung. Antisemitismus in der NS-Propaganda und ihre Vorbilder. In: Geschichte lernen. Friedrich, Velber 3/1990, Heft 18, Klett, Stuttgart 1990, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0933-3096|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

}}{{#ifeq:0|1

        |{{#switch:00
                  |11= (print/online)
                  |10= (print)
                  |01= (online)
          }}

}}{{#ifeq:0|0

        |{{#ifeq:0|0
              |{{#if:{{#invoke:URIutil|isISSNvalid|1=0933-3096}}
                    |
                    |{{#invoke:TemplUtl|failure|ISSN ungültig}}}}}}

}}, S. 28–33

Zum aktuellen Umgang mit den Skulpturen

  • Nikolaus Bernau: Nur am Ort ist dauerhaft kritisches Erinnern möglich. Ergebnisse einer Umfrage zum Umgang mit antijüdischen Schmähplastiken des Mittelalters. In: Kunst und Kirche, 85. Jahrgang, Nr. 4, 2022, S. 4–11
  • Marten Marquardt: „Wo hat er's gelesen? Der Sau … im Hintern“. Vom Umgang mit den Schandbildern der Judensau. In: Hanna Kasparick (Hrsg.): „Ein jedes Volk wandelt im Namen seines Gottes…“: Begegnung mit anderen Religionen. Vereinnahmung – Konflikt – Frieden. Evangelisches Predigerseminar, Wittenberg 2008, S. 47–64

Weblinks

[{{canonicalurl:Commons:{{#if:|{{{1}}}|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}|uselang=de}} Commons: {{#if:|{{{2}}}|{{#if:|{{{1}}}|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}}}]{{#switch:1

|0|-= |X|x= |1|=  – {{#ifeq:0|14|Sammlung von|Album mit}} Bildern{{#if: 00

    | {{#switch: {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{#if:0|0|1}}}}/{{#invoke:TemplUtl|faculty|{{#if:0|0|1}}}}
        |1/=  und Videos
        |1/1=, Videos und Audiodateien
        |/1=  und Audiodateien}}
    | , Videos und Audiodateien
  }}

|#default=  – {{{suffix}}} }}{{#invoke:TemplatePar|check

  |opt= 1= 2= suffix= audio= video=
  |template=Vorlage:Commons
  |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Schwesterprojekt
}}
[[wikt:{{#if:|{{{lang}}}:}}{{#if:|{{{1}}}|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}|Wiktionary: {{#if:|{{{2}}}|{{#if:|{{{1}}}|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}}}]]{{#switch: 1

|1|= – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen |0|-= |X|x= |#default= –

}}{{#if:| {{#ifeq: {{{lang}}} | de | {{#ifeq: 0 | 0 | }} | ({{#invoke:Multilingual|format|{{{lang}}}|slang=!|shift=m}}) }}}}

{{#invoke:TemplatePar|check

  |opt= 1= 2= lang= suffix=
  |template=Vorlage:Wiktionary
  |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Schwesterprojekt
  }}

Einzelbelege

<references responsive=""> </references>

Vorlage:Hinweisbaustein{{#ifeq: 0 | 0 | {{#if: 20. August 2005 | | }} {{#if: {{#invoke:Expr|figure|8639787|set=Z}} | | }} {{#if: {{#invoke:Vorlage:Seitenbewertung|fulfils|match=17437796}} | | }} }}