Josef Rank (Schriftsteller)
Josef Rank (* 10. Juli 1816 in Friedrichsthal; † 27. März 1896 in Wien) war ein österreichischer Erzähler und Journalist.
Leben
Josef Rank, erblickte am 10. Juni 1816 in dem Dörfchen Friedrichsthal nahe Neuern das Licht der Welt. Der Vater betrieb neben seiner Landwirtschaft einen Handel mit Bettfedern, wodurch sich offenbar seine wirtschaftliche Lage erheblich verbesserte, so dass er in der Lage war, zwei seiner Söhne studieren zu lassen.
Sohn Josef besuchte das Gymnasium der Benediktiner in Klattau. 1836 hatte er das damals 6-jährige Gymnasium mit Auszeichnung absolviert und begab sich anschließend zu Fuß nach Wien. Er fand schon bald als Hofmeister dreier Knaben im Haus des Hof- und Gerichtsadvokaten Ritter von Planer Aufnahme, wo er wie ein Familienmitglied behandelt und reichlich gefördert wurde.
Rank absolvierte nun die nächsten zwei Studienjahre, die sog. philosophischen Jahrgänge, als Vorschule für die Universität. Hier bildete er sich vor allem auf literarischem Gebiet weiter und lernte bald eine Reihe von schriftstellerisch tätigen Persönlichkeiten kennen. Er veröffentlichte in verschiedenen Zeitschriften eine Anzahl von Erzählungen über seine Heimat im Böhmerwald, wodurch er eine neue Sicht des Volkslebens vermittelte. Der spätere Direktor der Wiener Hofbühnen, Franz Dingelstedt, ermunterte ihn, seine Schilderungen fortzusetzen und zu einem Ganzen abzuschließen. Unter Vermittlung von Dingelstedt gelang es Rank bereits 1842 das Manuskript zu seinem ersten bedeutenden Werk „Aus dem Böhmerwalde“ durch einen Verleger in Leipzig zu veröffentlichen, welches in literarischen Kreisen große Beachtung fand.
Rank, der zunächst vorhatte, Geistlicher zu werden, entschied sich nunmehr für das Studium der Rechte, verfasste aber weitere Erzählungen, die seine Böhmerwaldheimat zum Inhalt hatten.
Rank, der eine gemäßigte politische Linie vertrat, war in Wien Mitglied verschiedener politischer Zirkel und veröffentlichte auch Beiträge in bedeutenden Zeitschriften. Von seinen deutschen Heimatgenossen wurde Rank im August 1848 als Abgeordneter in das Parlament in Frankfurt am Main entsandt. Rank war der zweitjüngste Abgeordnete im ersten frei gewählten deutschen Parlament in der Frankfurter Paulskirche, wo er vor allem Kontakte zu dem württembergischen Abgeordneten, dem damals bereits als Dichter hoch geschätzten Ludwig Uhland, anknüpfte. Mit diesem verband ihn eine lebenslange Freundschaft. Nach der Auflösung des Frankfurter Parlamentes durch die deutschen Fürsten gehörte Rank auch noch zusammen mit Uhland dem Stuttgarter Rumpfparlament an, und nach dessen Auflösung war er für längere Zeit Gast im Hause Uhland in Tübingen.
Jeder weiteren politischen Tätigkeit entsagend, wandte er sich ganz der literarischen zu, er übersiedelte im Jahre 1851 nach Frankfurt a. M. und vermählte sich am 4. September 1852 mit einer Rheinpfälzerin, der Tochter Anna des königl. Bayerischen Steuerkontrolleurs Jakob Koplitz, wodurch er mit der Familie des bekannten Verlagsbuchhändlers von Cotta in Stuttgart verschwägert war.
Nach Aufenthalten in der Heimat, in Weimar und Nürnberg kehrte Rank 1860 nach Wien als Chefredakteur der „Österreichischen Zeitung“ zurück. Hier bekleidete er zahlreiche bedeutende Stellungen in künstlerischem und publizistischem Milieu.
Im Alter von 70 Jahren zog er sich ganz von der Öffentlichkeit zurück. Die letzten 10 Lebensjahre verbrachte der greise Dichter in strengerer oder minderer Abgeschiedenheit in der Nähe von Wien, zuerst in Mödling, dann in Hietzing, in voller Geistesfrische noch manches literarische Werk schaffend, so insbesondere seine „Erinnerungen aus meinem Leben“, die er aber nicht vollenden konnte.
Schwer traf ihn der Verlust seiner Gattin, wenn auch eine Tochter und zwei Söhne mit ihren Familien sich liebevoll bemühten, dem Vater die nunmehrige Einsamkeit, so gut es ging, erträglicher zu gestalten. Zu seinem 70. Geburtstage, der am 12. Juli 1886 im Heimatdorfe Friedrichsthal in feierlicher Weise unter großer Beteiligung seiner Heimatgenossen begangen wurde, fand die Enthüllung einer marmornen Gedenktafel am Vaterhause des Dichters statt, welche die goldene Inschrift trug: „In diesem Hause wurde Josef Rank des deutschen Böhmerwaldes trefflicher Sohn und begnadeter Dichter am 10. Juni 1816 geboren.“
In seinem 80. Lebensjahre traf ihn ein Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte, und am 28. März 1896 befreite ihn der Tod vor einem längeren Leiden. Sein Leichnam ward am Hietzinger Ortsfriedhofe beigesetzt. Zahlreiche Ehrungen in Wien und in seiner Heimat folgten. In Wien-Ottakring ist seit 1913 die Rankgasse nach ihm benannt.
Er selbst beurteilte sein Schaffen dahingehend, dass er, wie er in seinen „Erinnerungen“ schreibt, dazu beigetragen hat, „von einem Volksstamme den Vorhang wegzuziehen, der vorher kaum genannt und beachtet wurde“.<ref>Paul Meßner: Drei deutsche Böhmerwalddichter, Adalbert Stifter, Josef Rank, Josef Meßner, Prachatitz 1901</ref>
Werke
Erzählungen:
- 1843: Aus dem Böhmerwalde, Verlag Wilhelm Einhorn, Leipzig online – Internet Archive
- 1846: Waldmeister, Georg Wiegands Verlag, Leipzig online – Internet Archive
- 1846: Aus einer Ehe, Bohemia Prag
- 1847: Neue Geschichten aus dem Böhmerwalde, Verlag Wilhelm Einhorn, Leipzig
- 1848: Eine Mutter vom Lande, F. H. Brockhaus, Leipzig
- 1848: Weißdornblüten, J. H. Hinrich’sche Buchhandlung, Leipzig online – Internet Archive
- 1848: Vier Brüder aus dem Volke, Verlag Wilhelm Eichhorn, Leipzig
- 1851: Moorgarden, Verlag von Franz Köhler, Stuttgart
- 1851: Die kleinen Herrscher. Ein Bild aus dem Polizeistaat vor dem März 1848. In: Rheinisches Taschenbuch auf das Jahr 1851. Frankfurt a. M: J. D. Sauerländer. S. 245–352. Digitalisat
- 1853: Geschichten armer Leute, Verlag Carl Mäcken, Stuttgart
- 1853: Schön-Minnele, Leipzig
- 1853: Florian, Leipzig
- 1854: Sage und Leben, Geschichten aus dem Volke, Verlag von Kath. Gerzabek, Prag
- 1854: Die Freunde, Leipzig
- 1854: Das Hofer-Käthchen, Verlag F. H. Brockhaus Leipzig.
- Das Hofer-Käthchen. Vier Dorfgeschichten aus dem Böhmerwald. Neuausgabe Hofenberg, Berlin 2021, ISBN 978-3-7437-4037-2.
- 1856: Von Haus zu Haus, Glogau
- 1856: Sein Ideal, Zwickau
- 1857: Achtspännig, Leipzig Neudruck Hofenberg Berlin 2021
- Achtspännig. Ein Volksroman des Böhmerwalddichters. Neuausgabe Hofenberg, Berlin 2021, ISBN 978-3-7437-3997-0.
- 1859: Aus Dorf und Stadt, Glogau
- 1860: Ein Dorfbrutus, Glogau
- 1864: Aus meinen Wandertagen, Wien und Leipzig online – Internet Archive
- 1865: Burgei oder die drei Wünsche, Verlag Hermann Markgraf, Wien
- 1867: Johannes Volkh. Hausmittel der Liebe. Ein guter Mensch. Drei Erzählungen. Verlag Ernst Julius Günther, Leipzig Digitalisat
- 1867: Steinnelken, Bilder aus dem Stadt- und Volksleben, Verlagsbuchhandlung J. J. Weber, Leipzig
- 1875: Im Klosterhof, Verlag Eduard Hellberger, Stuttgart
- 1876: Der Seelenfänger
- 1878: Muckerl, der Taubennarr, Reclam Leipzig
- Das Birkengräflein; Muckerl, der Taubennarr. Zwei Dorfgeschichten aus dem Böhmerwald. Neuausgabe Hofenberg, Berlin 2018, ISBN 978-3-7437-2793-9.
- 1878: Das Birkengräflein, Reclam Leipzig
- Das Birkengräflein; Muckerl, der Taubennarr. Zwei Dorfgeschichten aus dem Böhmerwald. Neuausgabe Hofenberg, Berlin 2018, ISBN 978-3-7437-2793-9.
- 1878: Volksprozesse, Glogau
- 1880: Auf Um- und Irrwegen, Verlag Otto Spamer, Leipzig
- 1880: Lebensbilder
- 1896: Erinnerungen aus meinem Leben, Verlag F. Tempsky, Prag – Wien online – Internet Archive
Dramen:<ref>Josef Rank: Aus dem Böhmerwalde. Hrsg.: Prof. Karl Wagner. 1. Auflage. J. G. Salve, Prag 1917, S. III ff.</ref>
- Der Herzog von Athen, ein historisches Schauspiel, 1854
- Der Mann von Hersfeld, Verlag A. Webert (Hoel’sche Buchhandlung), 1859
- „Ein Befreier“ (Historisches Schauspiel), 1857
- „Heidenglück“ (Schauspiel), 1857
- „König Manfreds Kinder“ (Schauspiel), 1858
Literatur
- Paul Aloys Klar, Josef Rank. Biographische Skizze, in: Libussa. Jahrbuch für 1858, hrsg. von Paul Aloys Klar, Jg. 17, Prag 1858, S. 285–318 (Digitalisat)
- Constantin von Wurzbach: Rank, Joseph. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 24. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1872, S. 336–345 (Digitalisat).
- Paul Meßner: Drei deutsche Böhmerwalddichter, Adalbert Stifter, Josef Rank, Josef Meßner, Prachatitz 1901
- Aus dem Böhmerwalde: neu hrsg. von Karl Wagner, Prag 1917.
- Karl Wagner: Zu Josef Ranks 100. Geburtstag: In: Deutsche Arbeit, Zeitschrift des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland – 15 (1915/16), S. 597–603
- Anton Schlossar: Rank, Josef. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 53, Duncker & Humblot, Leipzig 1907, S. 195–199.
- Uwe Baur: Dorfgeschichte. Zur Entstehung und gesellschaftlichen Funktion einer literarischen Gattung im Vormärz. 1978. ISBN 3-7705-1544-7.
- L. Mikoletzky: Rank Josef. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 8, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1983, ISBN 3-7001-0187-2, S. 414 f. (Direktlinks auf S. 414, S. 415).
- Hubert Lengauer: Rank, Josef. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 21. Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Hanns-Peter Mederer: Der unterhaltsame Aberglaube. Sagenrezeption in Roman, Erzählung und Gebrauchsliteratur zwischen 1840 und 1855. Aachen 2005 (= Diss. Hamburg 2005).
- Adolf Weishäupl: „Josef Rank zum 125. Todestag“ – in Zs „Hoam!“ 74. Jg. Febr./Mrz. 2021
Weblinks
- Literatur von und über Josef Rank im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von Josef Rank (Schriftsteller) im Projekt Gutenberg-DE
- Dokumente: https://www.kohoutikriz.org/autor.html?id=rank&t=p
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rank, Josef |
| ALTERNATIVNAMEN | Willibald, J. K. (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Erzähler und Journalist |
| GEBURTSDATUM | 10. Juli 1816 |
| GEBURTSORT | Friedrichsthal |
| STERBEDATUM | 27. März 1896 |
| STERBEORT | Wien |