Josaphat Kocylovskyj
Josaphat Joseph Kocylovskyj OSBM (polnisch: Jozafat Kocyłowski, ukrainisch: {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}, auch Kotsylovsky geschrieben; * 3. März 1876 in Pakoszówka, Bezirk Sanok, Galizien; † 17. November 1947 in Tschapajewka bei Kiew) war ein ukrainischer griechisch-katholischer Ordensgeistlicher und von 1917 bis zu seinem Tod Bischof der Eparchie Przemyśl. Aufgrund seines Martyriums in sowjetischer Lagerhaft wird er in der Römisch-katholischen Kirche als Seliger geehrt.
Frühes Leben
Joseph Kocylovskyj wurde in der Ortschaft Pakoszówka im Lemkenland geboren, das damals zum Kronland Galizien und damit zu Österreich-Ungarn gehörte, heute liegt der Ort im Südosten Polens. Sein Vater Petro Kocyłowski war Gutsverwalter und in den 1870er-Jahren Abgeordneter zum Galizischen Landtag. Sein Bruder January wurde ebenfalls griechisch-katholischer Priester und ging 1917 nach Brasilien, um die dortigen ukrainischen Emigranten seelsorgerisch zu betreuen. Außerdem hatte er zwei Schwestern. Joseph Kocylovskyj besuchte die Gymnasien in Sanok, Sambor und schließlich in Jasło, wo er 1895 maturierte.<ref name="Draus22_240">Jan Draus: Błogosławiony Jozafat Kocyłowski – przemyski biskup greckokatolicki. In: Rocznik Przemyski, Band 58, Historia Nr. 4 (28), 2022, S. 239–248, hier S. 240.</ref>
Im Jahr darauf nahm er zunächst ein Studium an der Juristischen Fakultät der Universität Lemberg auf. Dieses unterbrach er für den Wehrdienst als „Frewilliger“ in der österreichischen Armee. Er durchlief eine Offiziersausbildung bei der Artillerie in Wien und wurde zum Leutnant ernannt. Den Militärdienst quittierte er im März 1901, um ein Theologiestudium aufzunehmen und Priester zu werden. Hierzu wurde er auf Vorschlag des griechisch-katholischen Bischofs der Eparchie Przemyśl nach Rom entsandt und dort in das 1897 gegründete Päpstliche Kolleg der Ruthenen aufgenommen. Er studierte an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin (Angelicum), wo er 1903 zum Doktor der Philosophie und 1907 zum Doktor der Theologie promoviert wurde.<ref name="Draus22_240"/>
Nach Galizien zurückgekehrt, wurde er am 9. Oktober 1907 von Bischof Hryhorij Chomyschyn in Stanislau (dem heutigen Iwano-Frankiwsk) zum Priester geweiht. Im Jahr darauf wurde Josaphat Kocylovskyj Vizerektor des griechisch-katholischen Priesterseminars von Stanislau. Er unterrichtete als Professor ebenda im Fach Theologie. Am 2. Oktober 1911 trat Kocylovskyj als Novize dem Ordens der Basilianer des hl. Josaphat bei, 1913 legte er die Profess und 1916 die ewigen Gelübde ab. Als Ordensnamen wählte er Josaphat.<ref name="Draus22_240"/> Während der Besetzung Ostgaliziens durch russische Truppen im Ersten Weltkrieg floh er nach Wien und wurde im April 1915 Rektor eines vorübergehend im mährischen Kroměříž (Kremsier) eingerichteten griechisch-katholischen Priesterseminars, das nach dem Rückzug der Russen aus Galizien im Oktober 1915 wieder nach Krechiw verlegt wurde.<ref name="Draus22_241">Jan Draus: Błogosławiony Jozafat Kocyłowski – przemyski biskup greckokatolicki. In: Rocznik Przemyski, Band 58, Historia Nr. 4 (28), 2022, S. 239–248, hier S. 241.</ref>
Amtszeit als Bischof
Seit dem Tod Konstantyn Czechowiczs im April 1915 war das Bischofsamt der griechisch-katholischen Eparchie Przemyśl vakant, der übergeordnete Metropolit Andrej Scheptyzkyj war in russischer Gefangenschaft. Kurz nach seiner Thronbesteigung nominierte Kaiser Karl – in seiner Funktion als Landesherr Galiziens – daraufhin im November 1916 Josaphat Kocylovskyj als neuen Bischof, Papst Benedikt XV. bestätigte die Ernennung im Januar des Folgejahres. Die Bischofsweihe empfing er am 23. September 1917 in der Johannes-Kathedrale in Przemyśl vom mittlerweile befreiten und in die Heimat zurückgekehrten Lemberger Erzbischof und Metropoliten Andrej Scheptyzkyj,<ref name="Draus22_241"/> die Bischöfe Hryhorij Chomyschyn und Dionisije Njaradi wirkten als Mitkonsekratoren. Es folgte die feierliche Inthronisation.
Im Zuge des Zerfalls des Russischen Reichs und der Habsburgermonarchie am Ende des Ersten Weltkriegs war die politische Zugehörigkeit Galiziens und damit auch das Gebiet der von Kocylovskyj geleiteten Eparchie umkämpft. Er befürwortete – so wie die anderen ukrainischen griechisch-katholischen Bischöfe – zunächst die Ausrufung der Ukrainischen Volksrepublik im Januar 1918, die auch die mehrheitlich von Ukrainern bewohnten Gebiete Ostgaliziens für sich beanspruchte, die bis dato zu Österreich-Ungarn gehörten.<ref name="Draus22_241"/> In einem gemeinsamen Hirtenbrief erklärten sie im Februar 1918 die griechisch-katholische Kirche zur „Gestalterin und Hüterin der ukrainischen Identität“. Gemeinsam mit Erbischof Andrej Scheptyzkyj und Bischof Hryhorij Chomyschyn von Stanislau nahm er an der konstituierenden Versammlung des Ukrainischen Nationalrats in Lemberg teil, der am 1. November 1918 die Westukrainische Volksrepublik proklamierte. Diese wurde jedoch sogleich im Polnisch-Ukrainischen Krieg von der wiedererrichteten Polnischen Republik bekämpft und besiegt, welche Galizien dann bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs beherrschte. Die polnische Herrschaft in Ostgalizien sah Kocylovskyj als unrechtmäßig an, noch 1922 rief er die Gläubigen seiner Eparchie zu einem Boykott der Wahl zum polnischen Sejm auf. Die polnische Regierung betrieb daraufhin seine Absetzung. Erst auf Drängen von Papst Pius XI. legte er – im Zuge des 1925 geschlossenen Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Polen – den Treueeid zum polnischen Staat ab. Anschließend hielt sich der Bischof mit politischen Stellungnahmen zurück.<ref>Jan Draus: Błogosławiony Jozafat Kocyłowski – przemyski biskup greckokatolicki. In: Rocznik Przemyski, Band 58, Historia Nr. 4 (28), 2022, S. 239–248, hier S. 242.</ref>
Anfang 1925 führte Bischof Josaphat Kocylovskyj per Dekret in seiner Eparchie den Pflichtzölibat für Seminaristen und neuausgebildete Priester ein, der zuvor in der griechisch-katholischen Kirche – anders als in der katholischen Westkirche – nicht galt. Das führte zu starker Kritik sowohl griechisch-katholischer Kleriker als auch ukrainisch-nationaler Intellektueller, die sogar beim Papst seine Absetzung forderten. Der Heilige Stuhl, vertreten durch die Kongregation für die orientalischen Kirchen, stellte sich jedoch 1927 auf die Seite Kocylovskyjs.<ref>Jan Draus: Błogosławiony Jozafat Kocyłowski – przemyski biskup greckokatolicki. In: Rocznik Przemyski, Band 58, Historia Nr. 4 (28), 2022, S. 239–248, hier S. 243.</ref>
Zeit des Zweiten Weltkriegs
Die im Hitler-Stalin-Pakt festgelegte Grenze zwischen einer deutschen und einer sowjetischen Interessensphäre verlief genau durch Przemyśl. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 wurde das Gebiet von Kocylovskyjs Eparchie folglich teils von NS-Deutschland, teils von der Sowjetunion besetzt. Die griechisch-katholische Kirche passte sich an diese Gegebenheiten an, indem sie die faktische Verwaltung der Diözese teilte: Weihbischof Hryhorij Lakota leitete den deutsch besetzten Westteil, Kocylovskyj selbst den sowjetisch besetzten Ostteil. Die Zerstörung von Kirchen, Plünderung und Beschlagnahmung des kirchlichen Vermögens durch die sowjetischen Truppen konnte er nicht verhindern.<ref name="Draus22_245">Jan Draus: Błogosławiony Jozafat Kocyłowski – przemyski biskup greckokatolicki. In: Rocznik Przemyski, Band 58, Historia Nr. 4 (28), 2022, S. 239–248, hier S. 245.</ref>
Den Einmarsch der deutschen Truppen im Zuge des Überfalls auf die Sowjetunion im Juli 1941 begrüßte Kocylovskyj zunächst ebenso wie viele Ukrainer. Bald erkannte er jedoch die verbrecherischen Methoden der deutschen Besatzer und dass diese – anders als erhofft – keineswegs einen unabhängigen ukrainischen Staat unterstützten. Er befürwortete das Verstecken und Unterstützen von Juden durch griechisch-katholische Geistliche, wie es beispielsweise der Pfarrer der Kathedralgemeinde von Przemyśl, Wasyl Hrynyk, in den Räumlichkeiten des Domkapitels unternahm. Nachdem er sich zunächst geweigert hatte, hielt er jedoch auf deutschen Druck im Juli 1943 einen Gottesdienst für die Kollaborationstruppen der Waffen-SS-Division „Galizien“ ab. In einem Brief der griechisch-katholischen Bischöfe vom November 1943 appellierte er erfolglos gegen die Massaker der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) an polnischen Zivilisten.<ref name="Draus22_245"/>
Widerstand gegen die kommunistische Herrschaft
Mit dem Rückzug der deutschen Wehrmacht wurde Przemyśl im Juli 1944 erneut von sowjetischen Truppen eingenommen. Gemäß der Beschlüsse von Jalta wurde das Gebiet der Eparchie Przemyśl erneut politisch geteilt, diesmal zwischen der Volksrepublik Polen und der Sowjetunion. Die sowjetischen Besatzer und ihre polnischen Verbündeten begannen noch vor Kriegsende mit ethnischen Säuberungen: Die ethnischen Ukrainer (zu denen die meisten Mitglieder und Kleriker der griechisch-katholischen Kirche zählten) sollten in das Gebiet östlich der neuen Grenze, die Polen in das Gebiet westlich davon umgesiedelt werden. Bischof Josaphat Kocylovskyj verweigerte jedoch seine Mitwirkung bei der Umsiedlung und blieb im polnischen Przemyśl. In der sowjetischen Ukraine wurde die griechisch-katholische Kirche nach dem Tod des Lemberger Erzbischofs Andrej Scheptyzkyj im November 1944 zwangsaufgelöst und die Bischöfe und Priester, die sich dem widersetzten, im April 1945 verhaftet.<ref name="Draus22_246">Jan Draus: Błogosławiony Jozafat Kocyłowski – przemyski biskup greckokatolicki. In: Rocznik Przemyski, Band 58, Historia Nr. 4 (28), 2022, S. 239–248, hier S. 246.</ref>
Kocylovskyj und sein Weihbischof Hryhorij Lakota blieben zunächst in Freiheit, da sie sich auf der polnischen Seite befanden. Im September 1945 wurde aber auch Kocylovskyj wegen seines Widerstands gegen die Umsiedlung der Ukrainer auf Geheiß der neuen polnisch-kommunistischen Machthaber verhaftet und auf Schloss Rzeszów inhaftiert. Aufgrund seines Gottesdienstes für die galizische Waffen-SS-Division warfen sie ihm Kollaboration mit den deutschen Faschisten vor. Im Januar 1946 sollte er in die Sowjetunion ausgeliefert wurden und wurde an die Geheimpolizei des NKWD überstellt, die ihn jedoch nach Przemyśl zurückschickte. Möglicherweise war seine Anwesenheit in der Ukraine unerwünscht, wo im März 1946 ein Pseudo-Konzil inszeniert wurde, um die griechisch-katholische Kirche der Russisch-Orthodoxen Kirche anzuschließen. Kocylovskyj war vorübergehend wieder frei und konnte im April 1946 an der Polnischen Bischofskonferenz in Jasna Góra teilnehmen.<ref name="Draus22_246"/>
Martyrium
Am 26. Juni 1946 wurde Josaphat Kocylovskyj von der polnischen Geheimpolizei Urząd Bezpieczeństwa (UB) erneut festgenommen und an die Sowjetunion ausgeliefert. Das NKWD verbrachte ihn in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik, zunächst ins Gefängnis nach Kiew, danach in den Gulag von Tschapajewka. Dort verstarb Bischof Josaphat Kocylovskyj am 17. November 1947 im Alter von 71 Jahren.
Papst Johannes Paul II. sprach am 27. Juni 2001 Josaphat Kocylovskyj in Rom selig.
Siehe auch
Weblinks
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Einzelnachweise
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