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Johann Tobias Gottfried Trost

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Johann Tobias Gottfried Trost (* 1651 in Halberstadt; † 2. Februar 1721 in Gotha) war ein mitteldeutscher Orgelbauer und der Vater von Tobias Heinrich Gottfried Trost.

Leben

Datei:Schloss Neu-Augustusburg Schlosskirche kastela kirko.jpg
Förner-Orgel in Schloss Neu-Augustenburg, an der Trost 1673 mitarbeitete

(Johann) Tobias Gottfried Trost wurde als Sohn des Theologen und Musikers Johann Caspar Trost dem Älteren in einer Instrumentenbauer-Familie geboren. Sein Vater, der auch komponiert und musiktheoretische Schriften verfasst hat, ist von 1661 bis 1676 als Organist an St. Martini in Halberstadt nachgewiesen. Dort wurde sein Sohn gleichen Namens sein Nachfolger. In die Amtszeit des Vaters fiel vermutlich die Geburt von Tobias Gottfried Trost. Als sicher gilt ein Einfluss von Johann Caspar Trost d. Ä. und dessen Bruder und Orgelbauer Lorenz (Sebastian) Förner auf Andreas Werckmeister.<ref>Felix Friedrich: Der Orgelbauer Heinrich Gottfried Trost. 1989, S. 12 f.</ref>

Tobias Gottfried Trost erlernte den Orgelbau bei Christian Förner, Sohn von Lorenz Förner. Während dieser etwa zehn Jahre ist seine Mitarbeit an Orgelbauten im Halleschen Dom (1667?), im Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels (1673) und in Halle, St. Ulrich (1673–1675) bezeugt.

Im Jahr 1679 heiratete er in Halberstadt und ist im Folgenden an verschiedenen mitteldeutschen Orten nachgewiesen. In Belgern wurden seine Töchter Johanna Margaretha und Christina Dorothea geboren.

Werk

Von seinen Orgelbauten ist, von wenigen Resten abgesehen, nichts erhalten. Weitere Orgelbautätigkeiten in der Leipziger Gegend werden vermutet.<ref>Felix Friedrich: Der Orgelbauer Heinrich Gottfried Trost. 1989, S. 14.</ref>

In den Dispositionen führt Trost die Tradition Förners fort. Sie spiegeln den klassischen Aufbau seines Lehrmeisters wider, lassen aber eine Vorliebe für die Sesquialtera erkennen. Die Streichregister geraten zugunsten der reich ausgebauten Zungenstimmen etwas in den Hintergrund. Trost setzt gerne typisch barocke Neben- und Effektregister wie Vogelsang, Zimbelstern und Heer-Pauken ein.<ref>Felix Friedrich: Der Orgelbauer Heinrich Gottfried Trost. 1989, S. 16.</ref>

Trost vermittelte die Orgelbaukunst Förners und seiner Familientradition seinem einzigen Sohn Heinrich Gottfried Trost.

Werkliste

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1684 Belgern Sankt Bartholomäus II/P 22 Neubau
1686–1689 Mutzschen I/P 14 Neubau
um 1689 Grimma Kloster Nimbschen Reparatur?
1694–1695 Leipzig Johanniskirche I/P 10 Neubau eines Positivs; 1742 abgetragen und nach Laußig verkauft<ref>Christoph Wolff, Markus Zepf: Die Orgeln J. S. Bachs. 2006, 71.</ref>
1695–1696 Cannewitz Neubau
1697–1701 Bad Langensalza St. Stephani III/P 34 Neubau
1697–1704 Tonna Pfarrkirche Neubau
1701–1704 Greußen St. Martini II/P 21
1711 Illeben I/P 12 Neubau
1712–1713 Ohrdruf St. Trinitatis I/P 8 Umbau des alten Positivs der Ohrdrufer Michaeliskirche zu einer Kleinorgel mit eigenständigem Pedal.<ref>Stefan Antweiler: Die Ohrdrufer Orgeln bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die Orgeln von St. Michaelis und St. Trinitatis. Kamprad, Altenburg 2022, ISBN 978-3-9875300-5-0, S. 23–27.</ref>
1717 Siebleben Pfarrkirche Neubau

Literatur

  • Stefan Antweiler: Die Ohrdrufer Orgeln bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die Orgeln von St. Michaelis und St. Trinitatis. Kamprad, Altenburg 2022, ISBN 978-3-9875300-5-0.
  • Felix Friedrich: Der Orgelbauer Heinrich Gottfried Trost. Leben - Werk - Leistung. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1989, ISBN 3-370-00287-6.
  • Christoph Wolff, Markus Zepf: Die Orgeln J. S. Bachs. Ein Handbuch. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2006, ISBN 3-374-02407-6.

Einzelnachweise

<references />

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