Zum Inhalt springen

Johann Theodor von Bayern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Johann Theodor von Bayern, Fürstbischof von Freising.png
Johann Theodor von Bayern als Fürstbischof von Freising (Gemälde im Diözesanmuseum Freising, unbekannter Meister, 18. Jh.)
Datei:Fürstengang Tafel 57 - Kardinal Johann Theodor von Bayern.jpg
Wappentafel von Johann Theodor Kardinal von Bayern im Fürstengang Freising
Datei:1703 Johann Theodor.JPG
Johann Theodor von Bayern

Johann Theodor von Bayern (* 3. September 1703 in München; † 27. Januar 1763 in Lüttich) aus dem Hause Wittelsbach war Fürstbischof von Regensburg (ab 1719), Freising (ab 1727) und Lüttich (ab 1744). Als Kardinal war er seit 1761 Kardinalprotopriester.

Leben

Seine Eltern waren Maximilian II. Emanuel und Therese Kunigunde von Polen. Ursprünglich war er für den weltlichen Stand vorgesehen, doch der Tod seines älteren Bruders Philipp Moritz am 12. März 1719 änderte die Situation: Sein Bruder Clemens August I. von Bayern übernahm die Posten im Nordwesten des Heiligen Römischen Reiches, darunter das Bistum Münster, während Johann Theodor nachrückte. So wurde er noch 1719 Fürstbischof von Regensburg, 1727 auch von Freising. Erst am 8. April 1730 empfing er die Priesterweihe. Die Bischofsweihe spendete ihm sein Bruder Clemens August am 1. Oktober desselben Jahres. Mitkonsekratoren waren der Apostolische Vikar des Nordens, Johann Friedrich Adolf von Hörde, und Weihbischof Ferdinand Oesterhoff OCist aus Münster. 1724 beteiligte er sich an der Wittelsbacher Hausunion.

Da seine beiden bayerischen Bistümer wegen ihrer geringen Größe keinen sonderlich großen Machtfaktor darstellten, war er von seinem Bruder, dem frankophilen Kurfürsten und späteren Kaiser Karl Albrecht abhängig und näherte sich dadurch ebenfalls den Bourbonen an. Deshalb unterstützte König Ludwig XV. 1732 die Kandidatur Johann Theodors für das Amt des Hoch- und Deutschmeisters. Dennoch unterlag er bei der Wahl seinem Bruder Clemens August. Am 9. September 1743 nahm ihn Papst Benedikt XIV. als Kardinalpriester in pectore in das Kardinalskollegium auf. Die Ernennung wurde beim Konsistorium am 17. Januar 1746 publiziert. Er erhielt die Titelkirche San Lorenzo in Lucina.

Seit 1744 war Johann Theodor außerdem Fürstbischof von Lüttich und gewann damit an Bedeutung. Lüttich war eine der größten Städte des Reiches, und das Fürstbistum verfügt über ein großes Territorium. Schon früher hatte allerdings der Bruder Clemens August selbst ein Auge auf dieses Hochstift geworfen, welches ihm als einziges in der Kölner Kirchenprovinz noch fehlte. Dadurch, dass sich auch der jüngere Bruder des Kurfürsten, Johann Theodor, mit kaiserlicher Unterstützung um den Bischofsstuhl bewarb, schien die Wahl ein erhöhtes innerwittelsbachisches Konfliktpotential zu bergen. Stattdessen wurde sie zu einer Demonstration dynastischen Zusammenhalts. Trotz gesundheitlicher Probleme reiste Clemens August persönlich nach Lüttich und gab bei Stimmengleichheit zwischen Johann Theodor und dem österreichischen Gegenkandidaten durch sein Votum den Ausschlag zugunsten des jüngeren Bruders.<ref>Michael Reiff: Gut bayerisch und gut kölnisch. S. 42.</ref>

Die Beziehungen zwischen Österreich und Bayern waren bis 1745 schlecht, weil sie sich im Österreichischen Erbfolgekrieg gegenüberstanden. Österreich war durch eine Reihe von Kriegen gezwungen, den Silbergehalt des Geldes zu senken, auch in den Österreichischen Niederlanden. Lüttich nutzte dies aus, indem es das alte Silbergeld gegen Unmengen von minderwertigem Lütticher Kupfergeld eintauschte, während das Silber auf der neuen österreichischen Basis zu Lütticher Silberstücken verarbeitet wurde. Dadurch erlitten die Österreicher großen Schaden; nicht nur die Wirtschaft wurde mit Lütticher Kupfergeld überschwemmt, auch die Einnahmen aus der Prägung gingen verloren. Tatsächlich führte das Haus Wittelsbach einen Wirtschaftskrieg gegen das Haus Habsburg. Erst 1753 kam es vor dem Reichsgericht zu einer Klage, die den Lütticher Fürstbischöfen die Münzprägung entzog. Danach wurde nur noch bei Sedisvakanz geprägt.

Auf persönlicher Ebene führte Johann Theodor das Leben eines großen Herrn: Ein großer Jäger, ein Liebhaber der Musik (er spielte Cello) und des Theaters, hielt er in Lüttich einen glänzenden Hof. Gut lebend, verschwenderisch und Frauen liebend (trotz seines Status als Kardinal), war er bei der Bevölkerung des Fürstentums beliebt. Asthmatisch und tuberkulös reiste er aus Sorge um seine Gesundheit häufig nach Bayern, da ihm seine Ärzte diesen Luftwechsel angeraten hatten. Johann Theodor machte den Komponisten Placidus von Camerloher zu seinem Hofkapellmeister und später zusätzlich zum Kammermusikdirektor in Lüttich.

Papst Clemens XIII. verweigerte kurz nach dem Tode des Bruders Clemens August am 11. März 1761 seine Zustimmung zur Wahl Johann Theodors zum Kölner Erzbischof und begründete dies mit skandalösem, ungeistlichem Lebenswandel.<ref>Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster. (= Germania sacra. Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. NF Bd. 37, 3). Band 3. De Gruyter, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-11-017592-4, S. 703.</ref> Mit dem Tod von Domenico Silvio Passionei wurde Johann Theodor als nunmehr dienstältester Kardinalpriester wenig später Kardinalprotopriester.

1763 starb Johann Theodor in Lüttich. Begraben wurde er in der alten Kathedrale von Lüttich. Sein Herz wurde getrennt bestattet und befindet sich in der Gnadenkapelle von Altötting. Johann Theodor entstammte der letzten Generation Wittelsbacher Fürstbischöfe. Bereits in der folgenden Generation waren nicht mehr genug nachgeborene Söhne vorhanden, um mit ihnen klerikale Ämter zu besetzen. Der bayerische Kurfürst konnte 1763 dann immerhin seinem Schwager Clemens Wenzeslaus von Sachsen die Nachfolge in den bayerischen Bistümern Regensburg und Freising sichern. Mit Johann Theodors Neffen Kurfürst Maximilian III. Joseph starb 1777 die bayerische Linie der Wittelsbacher aus.

Ahnentafel

Ahnentafel von Johan Theodor von Bayern
Ururgroßeltern

Herzog
Wilhelm V. von Bayern (1548–1626)
⚭ 1568
Renata von Lothringen (1544–1602)

Kaiser
Ferdinand II. (1578–1637)
⚭ 1600
Maria Anna von Bayern (1574–1616)

Herzog
Karl Emanuel I. von Savoyen (1562–1630)
⚭ 1585
Katharina Michaela von Spanien (1567–1597)

König
Heinrich IV. von Frankreich (1553–1610)
⚭ 1600
Maria de’ Medici (1575–1642)

Marek Sobieski (1548/50–1605)

Jadwiga Snopkowska (1556/59–1588/89)

Jan Daniłowicz (1570–1628)

Zofia Żółkiewska (1590–1634)

Antoine de La Grange d'Arquien

Anne d'Ancienville

Baptiste de La Châtre of Bruillebault

Gabrielle Lamy

Urgroßeltern

Kurfürst
Maximilian I. von Bayern (1573–1651)
⚭ 1635
Erzherzogin
Maria Anna von Österreich (1610–1665)

Herzog
Viktor Amadeus I. von Savoyen (1587–1637)
⚭ 1619
Christina von Frankreich (1606–1663)

Jakub Sobieski (1590–1646)
⚭ 1627
Zofia Teofillia Daniłowicz (1607–1661)

Henri Albert de La Grange d'Arquien (1613–1707)

Françoise de la Châtre

Großeltern

Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern (1636–1679)
⚭ 1652
Henriette Adelheid von Savoyen (1636–1676)

König Johann III. Sobieski von Polen (1629–1696)
⚭ 1665
Marie Casimire Louise de la Grange d’Arquien (1641–1716)

Eltern

Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern (1662–1726)
⚭ 1695
Therese Kunigunde von Polen (1676–1730)

Johann Theodor von Bayern

Literatur

|1=Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1 |2=Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8 |3=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2 |4=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7 |5=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3 |6=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1 |7=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4 |8=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0 |9=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1 |10=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X |11=Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6 |12=Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9 |13=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7 |14=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5 |15=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8 |16=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4 |17=Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8 |18=Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7 |19=Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1 |20=Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3 |21=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3 |22=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2 |23=Nordhausen 2004, ISBN 3-88309-155-3 |24=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9 |25=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-332-7 |26=Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8 |27=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2 |28=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7 |29=Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6 |30=Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6 |31=Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8 |32=Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5 |33=Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-690-2 |34=Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-766-4 |35=Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-882-1 |36=Nordhausen 2015, ISBN 978-3-88309-920-0 |37=Nordhausen 2016, ISBN 978-3-95948-142-7 |38=Nordhausen 2017, ISBN 978-3-95948-259-2 |39=Nordhausen 2018, ISBN 978-3-95948-350-6 |40=Nordhausen 2019, ISBN 978-3-95948-426-8 |41=Nordhausen 2020, ISBN 978-3-95948-474-9 |42=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-505-0 |43=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-536-4 |44=Nordhausen 2022, ISBN 978-3-95948-556-2 |45=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-584-5 |46=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-590-6 |47=Nordhausen 2024, ISBN 978-3-689-11006-2 |48=Nordhausen 2025, ISBN 978-3-689-11017-8 }}{{#if:|, Sp. }}{{#if:183-188|, Sp. {{#iferror:{{#expr:183-188}}|183-188|{{#expr:1*183-188*0}}–{{#expr:-(0*183-188*1)}}}}}}}}{{#if:|}}{{#if:https://web.archive.org/web/20070629091718/http://www.bautz.de/bbkl/j/Johann_t_b.shtml%7C}}.{{#if: 3 | |{{#ifeq:||}}}}

Weblinks

[{{canonicalurl:Commons:Category:{{#if:John Theodore of Bavaria|John Theodore of Bavaria|Johann Theodor von Bayern}}|uselang=de}} Commons: {{#if:Johann Theodor von Bayern|Johann Theodor von Bayern|{{#if:John Theodore of Bavaria|John Theodore of Bavaria|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}}}]{{#switch:1

|X|x= |0|-= |S|s= – Sammlung von Bildern |1|= – Sammlung von Bildern{{#if: 00

    | {{#switch: {{#invoke:TemplUtl|faculty|0}}/{{#invoke:TemplUtl|faculty|0}}
        |1/=  und Videos
        |1/1=, Videos und Audiodateien
        |/1=  und Audiodateien}}
    | , Videos und Audiodateien
  }}

|#default= – }}{{#if: John Theodore of Bavaria

   | {{#ifeq: {{#invoke:Str|left|john theodore of bavaria|9}} 
       | category: 
| FEHLER: Ohne Category: angeben!}}}}

Vorlage:Wikidata-Registrierung

|b|B|bishop|Bischof|k|K|Kardinal|p|P|pope|Papst=bishop |d|D|diocese|Diozese|Diözese|e|E|Erzbistum=diocese |conclave|Konklave|ecv|concil|Konzil|cs|consistory|Konsistorium=event |c|C|l|L|s|S|country|county|Land|Staat=country |e|E|z|Z|event|events|Ereignis|Zeit=events}}/{{#if: trim|bbayej}}.html {{#if: |{{#invoke:WLink|getEscapedTitle|}}|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}] auf catholic-hierarchy.orgVorlage:Abrufdatum (englisch)

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Personenleiste

<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />

{{#if:Navigationsleiste der Bischöfe von Regensburg (seit 1668) |Vorlage:Navigationsleiste der Bischöfe von Regensburg (seit 1668)}}{{#if:Navigationsleiste der Fürstbischöfe von Freising (1282–1803)

|Vorlage:Navigationsleiste der Fürstbischöfe von Freising (1282–1803)}}{{#if:|{{{{{3}}}}}}}{{#if:|{{{{{4}}}}}}}{{#if:|{{{{{5}}}}}}}{{#if:|{{{{{6}}}}}}}{{#if:|{{{{{7}}}}}}}{{#if:|{{{{{8}}}}}}}{{#if:|{{{{{9}}}}}}}{{#if:|{{{{{10}}}}}}}{{#if:|{{{{{11}}}}}}}{{#if:|{{{{{12}}}}}}}{{#if:|{{{{{13}}}}}}}{{#if:|{{{{{14}}}}}}}{{#if:|{{{{{15}}}}}}}{{#if:|{{{{{16}}}}}}}{{#if:|{{{{{17}}}}}}}{{#if:|{{{{{18}}}}}}}{{#if:|{{{{{19}}}}}}}{{#if:|{{{{{20}}}}}}}{{#if:|
Zu viele Navigationsleisten (>20)
}}

{{#ifeq: p | p | | {{#if: 119504979no/2013/14039310657416 | |

}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 119504979 | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 119504979 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: no/2013/140393 | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: no/2013/140393 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 10657416 | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 10657416 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung

{{#if: Johann Theodor von Bayern | {{#if: | {{#if: Bischof von Regensburg, Freising und Lüttich, Kardinal | {{#if: 3. September 1703 | {{#if: München | {{#if: 27. Januar 1763 | {{#if: Lüttich |

Vorlage:Wikidata-Registrierung