Zum Inhalt springen

Johann Robert Schürch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Johann Robert Schürch Selbstportrait 1.jpg
Johann Robert Schürch Selbstportrait

Johannes (Johann) Robert Schürch (* 18. November 1895 in Aarau; † 14. Mai 1941 in Ascona) war ein Schweizer Zeichner, und Graphiker. Er gilt als „einer der wichtigsten Vertreter der frühen Moderne in der Schweiz“.<ref>Aargauer Kunsthaus | Johannes Robert Schürch. Abgerufen am 20. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bilder stehen dem Spätexpressionismus nahe.<ref name=HLCH/>

Kindheit und Ausbildung

Robert Schürch (den zweiten Vornamen gab er sich später selber) wurde 1895 in Aarau geboren; sein Vater betrieb eine Druckerei, seine Mutter war Lehrerin. 1907 starben sowohl sein Vater als auch seine beiden Schwestern an Tuberkulose.<ref name=Sikart>Franz Müller: Schürch, Johannes (Johann) Robert. In: SikartVorlage:Abrufdatum</ref> Schürch lebte ab dann bei seiner Mutter in Aarau, Zürich, und erhielt dort eine Ausbildung zum Werbemaler. 1916 zogen beide auf den Rat Ferdinand Hodlers hin nach Genf. Schürch besuchte die Ecole des Beaux-Arts und wurde Ateliergehilfe Ferdinand Hodlers. 1918 starb Hodler, und Schürch malte ihn auf dem Totenbett. 1921 arbeitete er in dem Dorf Choëx, im Wallis, und von 1921 bis 1922 in Florenz, kopierte Werke in den Uffizien.<ref name=HLCH>Tapan Bhattacharya: Johann(es) RobertSchürch. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 22. August 2011.</ref>

Karriere

Von 1922 bis 1932 lebte und arbeitete Schürch als Zeichner und Maler bei seiner Mutter in einem zum Atelier umfunktionierten Waldhaus in Monti ob Locarno.<ref name=affe>Angelika Affentranger-Kirchrath: Aargauer Kunsthaus | Meister der Unmittelbarkeit. Abgerufen am 20. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Diese rund zehn Jahre waren, trotz materieller Armut und wenig äußerem Erfolg als Künstler, die entscheidendsten für sein Lebenswerk. In dieser Zeit fand und entwickelte Schürch seinen persönlichen künstlerischen Ausdruck, seine eigene Bildsprache. In diesen 1920er bis 1930er Jahren entstanden die kleinformatigen "Spontanzeichnungen" in Tusche und Aquarell.<ref name=affe/>

Zwischen 1932 und 1934 lebte er in Brione sopra Minusio, ab 1934 in Ascona. Nach Freundschaften mit verschiedenen Frauen lernte er 1935 die zwanzig Jahre jüngere Erica Leutwyler kennen, die seine Partnerin wurde. Er hatte Kontakt zu den Künstlern des Monte Verità. Ab 1937 lebte er mit seiner Lebensgefährtin Erica Leutwyler in Ascona.<ref name=HLCH/>

1939 starb Schürchs Mutter in Monti; er wurde zum Grenzdienst eingezogen.

Persönliches und Tod

1940 erkrankte Schürch an offener Tuberkulose. Am 14. Mai 1941 starb er 45-jährig in Ascona.

Werk

Grosses Selbstbildnis, 1930, Johann Robert Schürch (1895–1941) Zeichner, Maler, Graphiker
Grosses Selbstbildnis, 1930

Sein Lebenswerk besteht aus über 7000 Zeichnungen<ref>arttv: Das Aargauer Kunsthaus entdeckt Johannes Robert Schürch neu. 19. September 2024, abgerufen am 20. Oktober 2024.</ref> und wenigen Ölbildern.

Der gestalterische Einfluss seines Meisters Ferdinand Hodler ist in den frühen Werken zu finden, kaum aber in seiner Motivwahl: In Genf, Florenz und Mailand verarbeitete er vornehmlich beobachtete und erdachte Szenen aus den Lebensbereichen der einfachen, oft auch gesellschaftlich randständigen Menschen, die ihm zu existentiellen Situationen, zu primären Wahrnehmungen, Trieben, Gefühlen und auch Traditionen, ein von den Zivilisationsnormen unverstelltes Verhältnis zu haben schienen. Dabei steht bei ihm nicht unbedingt der gesellschaftskritische Ansatz im Vordergrund, eher ein selbstverständliches, im besten Sinn solidarisches Verhältnis zu allem Ursprünglicheren.

Die künstlerische Verarbeitung galt dann der Vermittlung, der Differenzierung, der Vertiefung und Verfeinerung dieser Aussage. Er selber notierte: "…Auch zieht mich das Groteske und Satirische kolossal an, es ist eine Macht, eine Kraft, die ich weniger erklären kann; ich glaube es ist eine Formenfülle, alles aufeinander zu türmen, was irgendwie möglich ist …Das ästhetisch Schöne ist ein von uns gemachter Begriff, der mit der Schönheit nichts zu tun hat … Man muss sprechen durch die Farbe und Form, aber die Form darf keine leere Form sein…" (in einem Brief an seinen Mäzen Sponagel).

In den rein landschaftlichen Motiven bezieht sich Schürch sichtlich unmittelbarer auf die gewachsene Natur; im Naturhaften hoffte er seine Sehnsucht nach einer Einheit aller Existenz stillen zu können. Aber auch in der Landschaft werden Beobachtungen nur selten naturalistisch abgezeichnet, sondern meist als Bildelemente in erfundenen dynamischen, grosszügigen, dabei aber klar strukturierten Kompositionen gefasst.

In den spontanen Notationen seiner inneren Bilder überzeugt das virtuose Variieren von zugreifender Motivumgrenzung einerseits und in anderen Bildzonen die höchst sensible, andeutend umschreibende und nur sanft modellierende Strichführung andererseits. Das Erscheinungshafte der Bildthemen wird durch ins Unbegrenzte führende Linien und Räume angedeutet, die Überlagerung der Motive aus verschiedenen Wahrnehmungswelten – Beobachtung, Erinnerung, Vorstellung und Traum – gehen ineinander über. Auch die Lavierung vieler Zeichnungen, in grauen oder zurückhaltend expressionistisch getönten Farben, verstärken den Eindruck des Visionären; sie ordnen sich unter und akzentuieren gleichzeitig.

Den Nachlass von Schürch verwaltet die Erica Ebinger-Leutwyler Stiftung, die sich als Kompetenzzentrum für den Künstler versteht.

Datei:Johann Robert Schürch Zwei Prostituierte und Freier.jpg
Johann Robert Schürch, Zwei Prostituierte und Freier

Rezeption

In der Schweizer Kunstgeschichte tritt Schürch meist neben seinen Nachbarn und Freunden Fritz Eduard Pauli und Ignaz Epper als einer der bedeutenden Expressionisten auf<ref>Hans A. Lüthy, Hans-Jörg Heusser: Kunst in der Schweiz 1890-1980. Orell Füssli Verlag, Zürich 1983, S. 47 f.</ref>; seine spontanen oft lavierten Zeichnungen vor allem aber weisen in eine andere, eher surrealistische Erlebniswelt.

Einzelnachweise

<references />

Literatur

  • Beat Bucher, Peter F. Althaus: Johannes Robert Schürch 1895–1941. Visionär in der Enge. Hirmer Verlag, München 2025, ISBN 978-3-7774-4572-4.
  • Peter F. Althaus: Johann Robert Schürch In: Architektur und Kunst, Bd. 53, Heft 9, 1966, doi:10.5169/seals-41252#1396, S. 1–6; derselbe: Johannes Robert Schürch. Limmat Verlag, Zürich 1991; derselbe: J.R. Schürch. Edizioni Galleria Matasci Tenero, Tipografia Poncioni SA, Losone 1992.
  • Erica Ebinger-Leutwyler (Hrsg.): Johannes Robert Schürch: Aquarelle/Gouachen. Luzern 2008, ISBN 978-3-906365-45-9; dieselbe (Hrsg.): Zeichnungen / Johannes Robert Schürch. Textskizze von Dieter Roth, Luzern 2001, ISBN 3-9522238-0-8.
  • Claudio Guarda: Johannes Robert Schürch. Edizioni Matasci, Tenero 2004.
  • Nachruf auf Johann Robert Schürch In: Architektur und Kunst, Bd. 28, 1941, S. 147–148.
  • Johann Robert Schürch. Mit einer Einführung von Kurt Sponagel. Büchergilde Gutenberg, Zürich 1944.
  • Johann Robert Schürch: Nel Föhn della quotidianità. Nuova Prearo Editore, Milano 1987.
  • Johannes Robert Schürch: Tambour Macabre. Zeichnungen. Limmat Verlag, Zürich 1990, ISBN 3-85791-164-6.
  • Johannes Robert Schürch: 1895–1941, hrsg. v. Peter F. Althaus. Trad. dal tedesco: Maria Magrini. Mailand 1991.
  • Kurt Sponagel: Johann Robert Schürch als Radierer In: Architektur und Kunst, Bd. 40, Heft 9, 1953, doi:10.5169/seals-31012#820, S. 301–304.

Ausstellungen

  • Johann Robert Schürch Retrospektive, Aargauer Kunsthaus Aarau, 11.06.-11.07.1976
  • Spirit. Werner Coninx Museum in Zürich, 2005
  • Alles sehen. Aargauer Kunsthaus, 2024

Weblinks

Vorlage:Hinweisbaustein