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Friedrich von der Decken (Diplomat)

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(Weitergeleitet von Johann Friedrich von der Decken)
Datei:Graf Johann Friedrich von der Decken 1769-1840.jpg
Friedrich von der Decken. Im Hintergrund des Gemäldes wurde nachträglich das Schloss Ringelheim ergänzt. Er trägt den Guelphen-Orden und den Orden vom goldenen Löwen.
Datei:Antoinette von der Decken geb von Gruben 1781-1855.jpg
Antoinette von der Decken, geb. von Gruben

Johann Friedrich Graf von der Decken (* 25. Mai 1769 in Langwedel (Weser); † 22. Mai 1840 in Ringelheim) war ein hannoverscher Generalfeldzeugmeister im Napoleonischen Krieg und Diplomat.

Herkunft

Friedrich von der Decken entstammt dem alten niedersächsischen Adelsgeschlecht von der Decken, aus dem viele hannoversche Offiziere kamen. Seine Eltern waren der hannoverische Oberstleutnant Carl Gustav von der Decken (1725–1780) und dessen Ehefrau Anna Friederike Margarethe von Münchhausen (1740–1811).

Leben

1784 trat er in die Armee ein. Er nahm am Ersten Koalitionskrieg 1793–95 teil. Decken wurde 1796 Oberadjutant des Herzogs Adolph Friedrich von Cambridge, dem er Vorlesungen über Mathematik und Geschichte hielt. 1803 trat Decken während der französischen Besatzung des Kurfürstentums Hannover in den diplomatischen Dienst. Am 28. Juli 1803 begann er, für die britische Krone ausländische Soldaten zu werben und gründete damit die King’s German Legion. Er wurde 1804 Oberst der reitenden Artillerie der KGL. Er nahm mit der Einheit zwischen 1805 und 1807 im Krieg gegen Frankreich teil.<ref name=Droegereit>Richard Drögereit: Decken, Johann Friedrich Graf von der. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 3. Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de). S. 544.</ref> Als Brigadegeneral machte er die Landungen 1805 in Hannover und 1807 in Kopenhagen mit.

Anschließend wurde er 1808 als Diplomat und Militärberater nach Spanien und Portugal geschickt, um Truppen gegen Frankreich auszuheben und zu organisieren. 1813 kehrte er nach Großbritannien zurück. Für den Sommerfeldzug von 1815 organisierte er ein hannoverisches Korps von 10000 Mann, das er in Belgien kommandierte. Er war nun als Generalleutnant Kommandeur des hannoversche Reserve-Korps mit vier Brigaden unter Oberstleutnant August Christian Ernst von Bennigsen, Oberstleutnant Karl von Beaulieu, Oberstleutnant Karl von Bulow und Oberst Rudolf Bodecker.

Nach dem Krieg und dem Wiener Kongress führte von der Decken die Oberaufsicht über die neu gegründete Artillerie- und Ingenieurschule in Hannover,<ref>Lars Ulrich Scholl: Artillerie- und Ingenieurschule 1814 bis 1834. In: Ingenieure in der Frühindustrialisierung …. S. 58 f., online</ref> lehnte militärische Auszeichnungen der Niederlande und Preußens ab, wurde aber 1833 vom englisch-hannoverschen König Wilhelm IV. (von 1714 bis 1837 dauerte die Personalunion von Hannover und Großbritannien) in den erblichen Grafenstand erhoben.<ref>Nach einem Beschluss des Deutschen Adelsrechtsausschusses von 2012 wird der Grafentitel fortgeführt von dem im ehelichen Mannesstamme von Johann Friedrich von der Decken abstammenden Primogenitus. Die Vererbung des Titels ist nicht an den Besitz von einem Gut geknüpft. Die Erstgeburtstitel werden seit 1919 nicht als Bestandteil des bürgerlichen Nachnamens vererbt wie andere Adelstitel in Deutschland. Diese Erstgeburtstitel des „historischen Adels“ werden nur im Genealogischen Handbuch des Adels fortgeführt. Die Reihenfolge der Grafen zum Titel von 1833 ist: 1. Graf Johann Friedrich hannoverscher Generalfeldzeugmeister (1769–1840) - 2. Graf Adolphus (1807–1886) Mitglied im hannoverschen Staatsrat - 3. Graf George Abgeordneter im Deutschen Reichstag (1836–1898) - 4. Graf Ernst August Journalist in London (1867–1934) - 5. Graf Guido vermisst in Russland (1923–1944) - 6. Graf Johann Georg Landwirt in Benz (1912–1998) - 7. Graf Albrecht Dipl. Phys. & Dipl. Kaufm. in Hamburg (1945- ) - 19 patrilineare Nachfolger leben zurzeit in Benzerhof, Deckenhausen, Panker, Döse etc.</ref><ref>Hermann Grote: Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogthums Braunschweig; 1852, dort zum Wappen der Grafen von der Decken: 1. Beschreibung der Wappen und 2. nichtfarbige Ausgabe Wappentafel A18 und 3. farbige Ausgabe Wappentafel A18</ref> 1817 erwarb er das ehemalige Benediktinerkloster in Ringelheim und baute Schloss und Park zu seinem Landgut aus, auf dem er ab 1833 seinen Ruhestand verbrachte.<ref>Dirk Schaper: Bürgerverein Ringelheim Das Schloss Ringelheim</ref><ref>Acten-Stücke der fünften allgemeinen Ständeversammlung des Königreichs Hannover 1866 Band mit den Akten des Jahres 1834 Urkunden No 114 und 115 S. 781 Graf Friedrich von der Decken errichtet 1834 ein Fideikommiss mit dem Gut Ringelheim und dem Vorwerk Söderhof und erhält Sitz und Stimme in der ersten Kammer der Ständeversammlung.</ref> Zuletzt gründete er 1835 den Historischen Verein für Niedersachsen und übernahm die Präsidentschaft.<ref name="Droegereit" /> Seit 1816 war er auswärtiges Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen.<ref>Mitglieder: Johann Friedrich Graf von der Decken. Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 8. September 2025.</ref>

Von der Decken galt als ein Freund des preußischen Militärreformers Gerhard von Scharnhorst. Die beiden gaben ein militärisches Journal heraus.<ref>Neues Militärisches Journal, seit 1797 Militärische Denkwürdigkeiten unserer Zeiten … 13 Bände 1788-1805, von der Decken schrieb wenigstens 16 Artikel im NMJ (1797–1803), seine Artikel sind mit v.D. unterzeichnet.</ref><ref>Joachim Niemeyer: Scharnhorst-Briefe an Friedrich von der Decken 1803–1813, Dümmler Bonn 1987, S. 9.</ref>

Familie

Friedrich heiratete 1806 Antoinette von Gruben (1781–1855). Sie war Erbin von Wechtern VI, dem heutigen Deckenhausen, in Krummendeich. Ihre Kinder waren:

Werke

Datei:Oberland von Helgoland 1826.jpg
Helgoland, Blick von der Nordspitze, 1826 aus dem Buch von Friedrich v. der Decken
Datei:VdDecken 1826 I.jpg
Helgoland, Blick von der Düne 1826, aus dem Buch von Friedrich v. der Decken
Datei:Gerhard von Scharnhorst.jpg
Gerhard von Scharnhorst war Ausbilder und Freund von Friedrich von der Decken, zusammen waren sie die Herausgeber der Zeitschrift Neues Militärisches Journal, Gemälde von Friedrich Bury
Datei:Schloss-Ringelheim-1920.png
Schloss Ringelheim erwarb Friedrich von der Decken 1817
Datei:Wappen v. der Decken-Ringelheim.JPG
Das Wappen der Grafen von der Decken Ringelheim. Der primogene Grafentitel wurde 1833 an Friedrich von der Decken verliehen, für den Aufbau der Kings German Legion und für seine Verdienste im Kampf gegen Napoleon.
Datei:Grafendiplom von der Decken 1833.jpg
Abschrift des Grafendiploms von 1833 im Familienbuch von 1865<ref>Wilhelm von der Decken, Die Familie von der Decken in ihren verschiedenen Verhältnissen … , 1865, Urkundenteil, S. 149</ref>
  • Betrachtungen über das Verhältnis des Kriegsstandes zu dem Zwecke der Staaten, Hannover 1800, Neudruck Biblio Verlag Osnabrück 1982 mit einer Einführung von Joachim Niemeyer
  • Philosophisch-historisch-geographische Untersuchungen über die Insel Helgoland oder Heiligeland und ihre Bewohner, Schuster Leer 1978, Unveränderter Nachdruck der Ausgabe Hannover 1826 mit einer biographischen Notiz online
  • Versuch über den englischen Nationalcharakter, Hannover 2. Auflage 1817 online
  • Übersicht meiner litterarischen Tätigkeit, geschrieben 1837 6 Seiten Preußisches Geheimes Staatsarchiv Berlin im Nachlass Kurt von Priesdorff Rep.92 und Abdruck in Blätter der Familie von der Decken Nr. 4 und 5 1922/1924

Literatur

Weblinks

Commons: Friedrich von der Decken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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