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Johann Evangelist Hafner

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Johann Evangelist Hafner (* 17. Mai 1963 in Rain am Lech) ist ein deutscher katholischer Theologe, Religionswissenschaftler und Philosoph, der unter anderem für seinen an Niklas Luhmanns Systemtheorie orientierten Forschungsansatz bekannt ist. Er ist Professor an der Universität Potsdam.

Leben

Hafner wuchs in einem christlich geprägten Elternhaus auf; sowohl Vater Johann (1934–2017, Schulrektor) wie Mutter Rosa (1936–2008) waren Pädagogen.

Johann Evangelist Hafner studierte nach dem Abitur von 1982 bis 1988 katholische Theologie und Philosophie an der Universität Augsburg, an der Universität München und 1984/85 an der Universität Vigan (Philippinen). 1989 schloss er sein Diplomstudium mit einer Arbeit zu Einflüsse Martin Heideggers auf Bernhard Welte ab. 1995 wurde er in Philosophie mit der Arbeit „Über Leben. Philosophische Untersuchungen zur ökologischen Ethik und zum Begriff des Lebewesens“ mit summa cum laude promoviert. 2001 folgte die Habilitation für Fundamentaltheologie mit einer Arbeit zu „Selbstdefinition des Christentums am Beispiel der Ausgrenzung der Gnosis durch Justin und Irenäus - rekonstruiert mit Luhmanns Codetheorie“ (Systematische Theologie).<ref name=":0">Silvana Grabowski: Lebenslauf. Abgerufen am 11. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Von 1990 bis 2003 war er Assistent am Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Universität Augsburg. In dieser Zeit war er Visiting lecturer für Systematische Theologie an der University of Dayton/USA (1996/97) und übernahm Lehraufträge an der Universität Eichstätt (1998 bis 2001). Von Juli bis August 2004 war er Gastdozent am Pontifical Athenaeum of Philosophy and Theology in Dharmaram Vidya Kshetram, Bengaluru (Indien).<ref name=":0" />

Unter Ablehnung eines Rufs an die W2-Professur „Systematische Theologie“ an der Universität Koblenz-Landau ist Hafner seit 2004 Professor für Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt Christentum an der Universität Potsdam.<ref name=":0" />

2007 übernahm Hafner den Vorsitz der Prüfungsausschüsse für Religionswissenschaft und LER (Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde). Zusätzlich war Hafner von 2010 bis 2014 Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam. Im Wintersemester 2015/16 war er Visiting Professor an der University of Southern California<ref name=":0" />. Seit 2017 ist er Direktor vom „Forum Religionen im Kontext“. Er ist Geschäftsführender Direktor der Institute für Lebensgestaltung-Ehtik-Religionskunde<ref name=":1">Wenke Papenhagen: Prof. Dr. Johann Ev. Hafner. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und für Jüdische Studien und Religionswissenschaft.<ref>Leah Teßmann: Geschäftsführung. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2024 war er Gastprofessor in Tirana.<ref>Johann Ev. Hafner. Herder Korrespondenz, abgerufen am 11. April 2026.</ref>

Seit 2005 ist er nebenberuflicher Ständiger Diakon. Hafner ist als solcher in der Propsteigemeinde St. Peter und Paul Potsdam tätig.<ref>Gemeinderat | Katholische Kirche im Potsdamer Land. Abgerufen am 2. Dezember 2025.</ref> Zudem ist er verantwortlich für den Hochschulgottesdienst an der Universität Potsdam.<ref>Agnieszka Bressa: Detail. Abgerufen am 12. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Er ist Kuratoriumsmitglied des Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien<ref>Kuratorium. Abgerufen am 29. März 2026.</ref> und Assoziiertes Mitglied des Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg.<ref>Prof. Dr. Johann Evangelist Hafner. 25. September 2018, abgerufen am 11. April 2026.</ref>

Hafner ist verheiratet und hat drei Kinder.

Rezeption und Forschungsarbeit

Forschung

Seine Forschungsschwerpunkte sind das Revolutionäres Christentum in den Philippinen, Niedrige Transzendenz: Engel und Mittlerwesen, Religiöse Gruppen in Potsdam und Brandenburg, Systemtheorie und Mehrweltentheorien.<ref name=":1" />

Er war Mitarbeiter des Hefts der 60. Ausgabe aus 2008 der Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte.<ref></ref> In dieser Arbeit widmete er sich der Fronleichnamsprozession aus einer systemtheoretischen Perspektive.<ref></ref>

Er war Mitwirkender am von der Deutschen Forschungsgemeinschaft von 2012 bis 2016 geförderten Projekt „Mitteleuropäische Nationalsynoden in der katholischen Kirche nach dem zweiten Vatikanischen Konzil - Die Würzburger Synode im Vergleich“.<ref>DFG - GEPRIS - Mitteleuropäische Nationalsynoden in der katholischen Kirche nach dem zweiten Vatikanischen Konzil - Die Würzburger Synode im Vergleich. Abgerufen am 11. April 2026.</ref>

Zudem erarbeitete er am Institut mehrere Arbeiten zu Angelologie.<ref name=":2" />

Am Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft in Potsdam gehörte er zum Herausgeberkreis eines 2021 erschienenen Buches zum Genozid an den Jeziden.<ref name=":2">Davide Liberatoscioli: Forschungsprojekte. Abgerufen am 11. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und dem Auswärtigen Amt geförderte Forschungsvorhaben entstand in Zusammenarbeit mit der Universität Dohuk in Irakisch-Kurdistan. Es dokumentiert 200 Aussagen von und Interviews mit Überlebenden und beinhaltet wissenschaftliche Analysen zur Geschichte der Fermane, zum internationalen Strafrecht, zur Menschenrechtsfrage, zur militärisch-strategischen Ausgangslage und zum Jesidentum aus historischer und religionswissenschaftlicher Perspektive. Zudem enthält es Statistiken zur Anzahl der Opfer, Lage der Massengräber und Kartenmaterial.<ref>Johannes Bernbeck: Ferman 74 - Der Genozid an den Jesiden 2014/15. Abgerufen am 12. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Beitragende waren unter anderem der Jurist Eckart Klein, der Psychologe Jan İlhan Kızılhan und der Religionswissenschaftlern Ulrike Kollodzeiski.<ref></ref>

Auszeichnungen

  • Universitätspreis der Universität Augsburg, 1996, für seine Promotionsschrift „Über Leben. Philosophische Untersuchungen zur ökologischen Ethik und zum Begriff des Lebewesens“
  • Deutscher Ethikpreis, 1996, für seine Promotionsschrift

Werke (Auswahl)

Monographien:

  • Über Leben. Philosophische Untersuchungen zur ökologischen Ethik und zum Begriff des Lebewesens, Ergon, Würzburg 1996
  • Selbstdefinition des Christentums. Ein systemtheoretischer Zugang zur frühchristlichen Ausgrenzung der Gnosis, Herder, Freiburg 2003
  • Angelologie, Schöningh, Paderborn 2009
  • Indigene Selbstbehauptung und katholischer Ökokommunismus. Der philippinische Rebellenpriester Conrado Balweg, Ergon, Baden-Baden 2022

Sammelbände:

  • Severin Müller, Manfred Negele (Hrsg.): Nachdenken der Metaphysik (Festschrift für Alois Halder), Wißner, Augsburg 1998
  • Joachim Schmiedl (Hrsg.): Katholische Theologie an der Universität. Situation und Zukunft, Grünewald, Ostfildern 2009
  • Susanne Talabardon, Jenny Vorpahl (Hrsg.): Pilgern. Innere Disposition und praktischer Vollzug, Ergon, Würzburg 2012
  • Stefan Gatzhammer, Dawood Khatari (Hrsg.): Ferman 74. Der Genozid an den Jesiden 2014/15. Analysen – Interviews – Dokumentation, Ergon, Baden-Baden 2021
  • Ulrike Kollodzeiski (Hrsg.): Du sollst nicht essen. Warum Menschen auf Nahrung verzichten - interdisziplinäre Zugänge, Ergon, Baden-Baden 2024

Predigten:

Weblinks

Einzelnachweise

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