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Joachim von Oriola

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Joachim Roderich Salvator Graf von Oriola (* 11. Januar 1858 in Berlin; † 16. November 1907 ebenda) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt Kapitän zur See, und Militärrichter am Reichsmilitärgericht.

Leben

Herkunft und Familie

Joachim von Oriola war Angehöriger der preußischen Grafen von Oriola und das dritte von fünf Kindern des späteren preußischen Generalleutnants Eduard von Oriola (1809–1862) und dessen Ehefrau Maximiliane, geb. von Armin (1818–1894).<ref>Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 6, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. [1938], DNB 367632810, S. 452, Nr. 2069.</ref> Sein älterer Bruder war der Reichstagsabgeordnete Waldemar von Oriola (1854–1910).

Joachim von Oriola heiratete 1905 in München Maria Freiin von Hartmann (1880–1951), eine Tochter des bayrischen Generalmajors Hermann von Hartmann (1838–1912). Die Ehe blieb kinderlos. Die Witwe heiratete 1914 den Diplomaten Ludwig Graf von Spee (1870–1950).<ref>Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser. 1921. 71. Jg., Justus Perthes, Gotha 1920, S. 348.</ref>

Werdegang

Von Oriola schloss 1877 am Königlich Friedrich-Wilhelms-Gymnasium die Schule mit Abitur ab.<ref>Jahres-Bericht über die vereinigten Anstalten des Königl. Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums, der Königl. Realschule und der Königl. Vorschule zu Berlin: 1877/78. 1878, S. 58 (google.de [abgerufen am 15. Dezember 2019]).</ref> Anschließend trat er am 21. April 1877 in die Kaiserliche Marine ein und absolvierte eine Ausbildung zum Marineoffizier. 1888 war er als Lieutenant zur See auf der Habicht gelistet.<ref>Rang- und Quartierliste der Kaiserlich Deutschen Marine für das Jahr 1888. BoD 2012, ISBN 978-3-95427-160-3 (S. 49).</ref> Als Kapitänleutnant wurde er am 10. Februar 1895 durch Kaiser Wilhelm II. an die deutsche Botschaft für das Königreich Italien nach Rom kommandiert.<ref>Klaus-Volker Giessler: Die Institution des Marineattachés im Kaiserreich. Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1976, ISBN 3-7646-1626-1. S. 310. (Wehrwissenschaftliche Forschungen. Abteilung Militärgeschichtliche Studien Band 21).</ref> Dort pflegte er bis zum 30. Mai 1897 die marinepolitischen Beziehungen der beiden im Dreibund vereinten Bündnispartner; erst sein Nachfolger Korvettenkapitän Oskar Wentzel (verst.1906) wurde offiziell als Marineattaché geführt.<ref>Heinrich Otto Meisner: Militärattachés und Militärbevollmächtigte in Preussen und im Deutschen Reich: ein Beitrag zur Geschichte der Militärdiplomatie. Rütten & Loening, 1957, S. 15 (google.de [abgerufen am 19. Dezember 2019]).</ref> In Folge erhielt er Mitte März 1898 das Kommandeurkreuz des Ordens der Krone von Italien.<ref>Reichs-Marine-Amt: Marineverordnungsblatt. Nr. 4. Berlin 21. März 1898, S. 59 (bibliotekaelblaska.pl [abgerufen am 16. Dezember 2019]).</ref>

Im Frühjahr 1898 wurde er zum Stab des Oberkommandos der Marine kommandiert.<ref>Reichs-Marine-Amt: Marineverordnungsblatt. Nr. 24. Berlin 22. April 1898 (bibliotekaelblaska.pl [abgerufen am 15. Dezember 2019]).</ref> Im Oktober 1898 übernahm er, nunmehr als Korvettenkapitän, das Kommando der Habicht.<ref>Reichs-Marine-Amt: Marineverordnungsblatt. Berlin 20. Oktober 1898 (bibliotekaelblaska.pl [PDF; abgerufen am 15. Dezember 2019]).</ref> Von Oriola war von Ende Juni 1901 bis September 1901 Kommandant der Niobe und anschließend bis Oktober 1903 Kommandant des Kleinen Kreuzers Gazelle<ref>Heiko Herold: Reichsgewalt bedeutet Seegewalt: Die Kreuzergeschwader der Kaiserlichen Marine als Instrument der deutschen Kolonial- und Weltpolitik 1885 bis 1901. Walter De Gruyter, 2014, ISBN 978-3-486-85468-8 (google.de [abgerufen am 15. Dezember 2019]).</ref>, mit der er nach Kiautschou beordert wurde.<ref>Adress-Buch des deutschen Kiautschou-Gebietes. Buchhandlung Otto Rose, Tsingtau 1902, S. 20 (tsingtau.org [PDF; abgerufen am 16. Dezember 2019]).</ref> Anschließend wurde er im Dienstgrad des Fregattenkapitäns dem Chef der Marinestation der Ostsee zugewiesen.<ref>Guido von Frobel: Militär-Wochenblatt. E.S. Mittler & Sohn., 1903 (google.de [abgerufen am 15. Dezember 2019]).</ref> In dieser Position wurde er am 27. Januar 1904 zum Kapitän zur See befördert<ref>Guido von Frobel: Militär-Wochenblatt. E.S. Mittler & Sohn., 1904, S. 313 (google.de [abgerufen am 15. Dezember 2019]).</ref> und am 4. Juni 1904<ref name="MWB04">Guido von Frobel: Militär-Wochenblatt, E.S. Mittler & Sohn., 1904, S. 1694.</ref> von Kaiser Wilhelm II. auf Vorschlag für zwei Jahre zum militärischen Mitglied des Reichsmilitärgerichts bestellt.<ref name="MWB04" /><ref>Marinekabinett (Hrsg.): Rangliste der Kaiserlich Deutschen Marine für das Jahr 1906. E.S. Mittler & Sohn. Berlin 1906. S. 84.</ref> Gemäß § 82 der Militärstrafgerichtsordnung vom 1. Dezember 1898 wurde er als militärisches Mitglied des Reichsmilitärgerichts beim Antritt seines Richteramts durch den Präsidenten vor versammeltem Plenum beeidigt.<ref>M. Schlayer: Heer und Kriegsflotte, 1904, S. 243.</ref> Als militärisches Mitglied bzw. Offiziersrichter war er Teil mindestens eines siebenköpfigen Senates bestehend aus juristischen und militärischen Mitgliedern.<ref>Günther Gribbohm: Das Reichsmilitärgericht. Teil deutscher Rechtskultur in wilhelminischer Zeit, Berlin 2007, S. 7.</ref> Ob er mehreren Senaten angehörte, ist nicht bekannt.

Von Oriola war seit 1897 Ritter des Ordens der Eisernen Krone<ref>Handbuch des allerhöchsten Hofes und des Hofstaates seiner K. und K. apostolischen Majestät für 1911 (S. 285).</ref><ref>Hof- und Staats-Handbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie für das Jahr 1918, XLIV. Jahrgang (S. 150)</ref> und 1904 Ritter des Roten Adlerordens III. Klasse mit Schleife, des Kronen-Ordens III. Klasse, des Orden der heiligen Mauritius und Lazarus IV. Klasse, des Sankt-Stanislaus-Ordens II. Klasse und des Mecidiye-Orden IV. Klasse sowie Inhaber der Rettungsmedaille und der Zentenarmedaille.<ref>Deutscher Ordens-Almanach : dt. Ordensliste ; Handbuch d. Ordensritter u. Ordensdamen deutscher Staatsangehörigkeit. 1.1904/05, Berlin 1904, S. 815, linke Spalte (Digitalisat der Philipps-Universität Marburg).</ref>

Er ist auf dem Alten Domfriedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde in Berlin-Mitte beerdigt.

Literatur

  • Walter Riccius: Joachim von Oriola (1858–1907). In: Ders.: Die Institution der Marineattachés. Deutsche Marineattachés von Beginn bis 1945. Verlag Dr. Köster, Berlin 2023, ISBN 978-3-96831-040-4, S. 251–253.

Einzelnachweise

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