Jerusalemkirche (Brügge)
Die Jerusalemkirche in Brügge wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Der Auftraggeber war Anselm Adornes, Mitglied einer italienischen Kaufmannsfamilie, die im 13. Jahrhundert von Genua nach Brügge kam. Nach seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land im Jahr 1470 ließ er die bereits seit dem früheren 15. Jahrhundert bestehende Familienkapelle, inspiriert von der Grabeskirche von Jerusalem, umgestalten. Der Kirchenbau ist somit von den persönlichen Erinnerungen und spirituellen Eindrücken seiner Bauherren geprägt.<ref>Zur Jerusalemskerk in Brügge als Zitatarchitektur der persönlichen Erinnerung vgl. Jan Pieper, Anke Naujokat, Anke Kappler (Hrsg.): Jerusalemskirchen. Mittelalterliche Kleinarchitekturen nach dem Modell des Heiligen Grabes. Katalog zur Ausstellung. Aachen 2011, S. 16 f.</ref>
Kircheninneres
Der Innenraum der Chorturmkirche ist in zwei Geschosse geteilt. Im Zentrum des ersten Raumes im Erdgeschoss befindet sich ein Grabmal samt einem schwarzen Gisant von Anselm Adornes und seiner Gemahlin Margareta van der Banck. An beiden Seiten des steinernen Altars, hinter dem der Kalvarienberg aufragt, führen Treppen zum oberen Geschoss, wo sich ein weiterer Altar befindet. Von den Treppen kaschiert werden zwei Durchgänge zum hinteren Raum im Erdgeschoss der Jerusalemkirche, einer Art Krypta, von der man weiter zum Heiligen Grab gelangt. Am Fuße des Kalvarienberg-Altars sind fünf Reliquien eingelassen.
Sonstiges
Die Jerusalemkirche ist eine der wenigen Kirchen Belgiens, die sich im privaten Besitz befinden.
Um 1520 gründete sich in Brügge eine Jersalembruderschaft, der auch der Maler Jan Provost angehörte. Dessen Gemälde Kreuzigung aus dem Groeningemuseum in Brügge ist möglicherweise ein heute zerteiltes Triptychon mit zwei Abbildungen aus dem Leben der heiligen Katharina (Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam und Königliches Museum der Schönen Künste (KMSKA), Antwerpen) und ursprünglich bestimmt für den Altar der Jerusalemkirche, die als Reliquien einen Splitter vom Kreuz und ein Stück Seide der heiligen Katharina bewahrt.<ref>Crucifixion collectie.museabrugge.be/en</ref>
Unmittelbar neben der Kirche, in ehemaligen Stiftungshäusern sowie im früheren Wohnhaus der Familie Adornes, befinden sich die Adornesdomein mit einem Museum und einer Kunstausstellung<ref>Adornesdomein. Abgerufen am 21. Juli 2022.</ref> sowie das Kantcentrum, ein Museum zum Thema Spitze sowie Spitzenateliers.
Die Jerusalemkirche ist Drehplatz einer Szene des Films Brügge sehen… und sterben?. Allerdings wird dort der Eindruck erweckt, es handele sich um die Heilig-Blut-Basilika.
Siehe auch
Literatur
- Mitzi Kirkland-Ives: "Capell nuncapato Jherusalem noviter Brugis": The Adornes Family of Bruges and Holy Land Devotion, in: The Sixteenth Century Journal, Vol. 39, No. 4 (Winter, 2008), pp. 1041–1064, https://doi.org/10.2307/20479137, https://www.jstor.org/stable/20479137
- Véronique Lambert: The Adornes domain and the Jerusalem Chapel in Bruges, AUP: Amsterdam, 2018, ISBN 978-94-6298-992-4
- Nadine Mai: Jerusalem-Transformationen : die Brügger Jerusalemkapelle und die monumentale Nachbildung der Heiligen Stätten um 1500, Schnell & Steiner 2021, 978-3-7954-3657-5
- Bryony Coombs, Jill Harrison, Giovanna Guidicini (Hg.): Anselm Adornes. Travel, Trade, Cultural Exchange, and Intellectual Networks in Scotland, Bruges, and Jerusalem (Late Medieval and Early Modern Studies), Brepols 2026, gebundene Ausgabe ISBN 978-2-503-61007-8, E-book ISBN 978-2-503-61008-5
Weblinks
Einzelnachweise
<references /> Koordinaten: 51° 12′ 44,7″ N, 3° 14′ 1,3″ O
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