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Jens-Peter Köster

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Datei:Jens-Peter Koester.JPG
Jens-Peter Köster, vor 2010

Jens-Peter Köster (* 29. April 1942 in Magdeburg) ist ein deutscher Professor der Angewandten Sprachwissenschaft und der Phonetik im Ruhestand.

Lebensweg

Jens-Peter Köster, Sohn von Ilse Köster, geborener Brünjes, und des Kunstmalers Werner Köster, besuchte in der Altmark und nach der Übersiedlung der Familie in die Bundesrepublik in Westfalen und Niedersachsen die Schule. Nach dem Abitur begann er zum Sommersemester 1963 das Studium der Allgemeinen Sprachwissenschaft, Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Anglistik und Romanistik an der Christian-Albrechts-Universität Kiel und wurde im gleichen Semester Mitglied des Weinheimer Corps Alemannia Kiel. Nach dem Grundstudium wechselte er 1965 an die Sorbonne in Paris, wo er zusätzlich noch Phonetik studierte und 1966 das Diplôme de Phonétique erwarb. Er kehrte nach Kiel zurück und schloss 1968 seine anderen Studiengänge mit dem Staatsexamen für das Lehramt und Magister Artium ab.

Es folgten Anstellungen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Anglistik in Kiel und Stuttgart, als Lecturer in Germanistik in Reading in England und von 1969 bis 1974 als Wissenschaftlicher Assistent in Phonetik an der Universität Hamburg. 1973 wurde er dort im Hauptfach Phonetik summa cum laude mit einem opus eximium zur Geschichte der Sprachsynthese zum Dr. phil. promoviert. Von 1972 bis 1984 war er an der Herausgabe von Hamburger Phonetische Beiträge beteiligt, ab 1982 an Speech Communications und ab 1984 an Contributions to Phonetics and Speech Communications sowie Beiträge zur Phonetik und Linguistik.

1974 folgt er einem Ruf auf eine Professur für Angewandte Sprachwissenschaft (Phonetik) der Universität Trier, nachdem er Rufe auf Professuren für Angewandte Sprachwissenschaft der Universität Laval in Quebec und der Freien Universität Brüssel ausgeschlagen hatte. Einen weiteren Ruf auf eine Professur für Sprachkommunikation der Universität von Florida in den USA im Jahre 1990 lehnte er ebenfalls ab.

Köster hatte 1969 Nicole Ehlinger geheiratet und wohnte in Perl im Saarland. Aus seiner Ehe ging eine Tochter hervor.

In Trier begründete Köster das eigenständige Fach Phonetik und wurde 1991 auf die hierfür neu geschaffene Professur berufen, die er bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahre 2007 innehatte. Als Phonetiker wurde er international bekannt und baute Trier zu einer wissenschaftlichen Hochburg der forensischen Phonetik aus. Durch Anwendung phonetischen Wissens konnte er wissenschaftliche Methoden entwickeln, die in stimmenvergleichenden Gerichtsgutachten zur Überführung von Straftätern genutzt werden.

Seine Forschungsschwerpunkte umfassten Allgemeine und Angewandte Phonetik, Forensische Kommunikation, Angewandte Linguistik, Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen, Phonologie sowie Englische und Romanische Philologie.

Im Rahmen der akademischen Selbstverwaltung leitete Köster seit 1974 das Fach Phonetik der Universität Trier. Von 1991 bis 1995 war er Senator der Universität Trier, von 1991 bis 1993 Prodekan des Fachbereichs Sprach- & Literaturwissenschaften der Universität Trier, von 1993 bis 1995 dessen Dekan. Seit 1988 ist er Leiter der Transferstelle für Phonetik der Universität Trier.

Über nahezu vier Jahrzehnte engagierte er sich in internationalen wissenschaftlichen Vereinigungen. In der International Society of Phonetic Sciences (ISPhS) war er von 1971 bis 1987 Auditor, von 1987 bis 1995 Vizepräsident, von 1991 bis 1998 Generalsekretär, von 1995 bis 1998 Geschäftsführender Vizepräsident und von 1998 bis 2003 Präsident. Seit 2003 ist er Altpräsident der ISPhS. Von 1996 bis 2002 war er Vorsitzender des Forschungskomitees der International Association for Forensic Phonetics and Acoustics (IAFPA), von 1997 bis 2004 Vorsitzender des Akkreditierungskomitees der IAFPA. Seit 2003 ist er Mitglied des Ständigen Rats für die Organisation Internationaler Kongresse für Phonetik (Permanent Council of the Organization of International Congresses of Phonetic Sciences), der für die wissenschaftliche Planung und inhaltliche Organisation des alle vier Jahre stattfindenden Kongresses für Phonetische Wissenschaften zuständig ist.

2005 wurde Jens-Peter Köster die Mitgliedschaft des Kösener Corps Marchia Brünn zu Trier verliehen.

Ehrungen

Jens-Peter Köster wurde 1979 von der International Society of Phonetic Sciences (ISPhS) als „Fellow“ ausgezeichnet.<ref name="Awards">Awards der ISPhS</ref> 1985 verlieh ihm die ISPhS den „Kay Elemetrics Award“<ref name="Awards" /> und 1986 den „Svend Smith Memorial Award“.<ref name="Awards" />

Die American Academy of Forensic Sciences (AAFS) ehrte ihn 1995 als „Fellow“.

Die Acoustical Society of America (ASA) zeichnete Köster 1996 als „Fellow“ und 2002 mit dem „Silver Certificate“ aus.

Veröffentlichungen

Bücher

  • Historische Entwicklung von Syntheseapparaten zur Erzeugung statischer vokalartiger Signale nebst Untersuchungen zur Synthese deutscher Vokale. Hamburg 1973.
  • Untersuchungen zur Phonetik und Linguistik, Miszellen I-X. 10 (selbständige) Bände. Hamburg 1973–1985.
  • mit Viktor A. Borowsky: Neue Tendenzen in der Angewandten Phonetik I. Hamburg 1985.
  • mit Viktor A. Borowsky: Neue Tendenzen in der Angewandten Phonetik II. Hamburg 1987.
  • Neue Tendenzen in der Angewandten Phonetik III. Hamburg 1990.
  • mit Angelika Braun: Studies in Forensic Phonetics. Trier 1995.

Aufsätze

(Auswahl aus 51 wissenschaftlichen Aufsätzen)

  • mit Svend Smith: Zur Interpretation elektrischer und photoelektrischer Glottogramme. Folia Phoniatrica 22, 1970, S. 92–99.
  • Rôle de l’intonation dans l'information émotionnelle de phrases allemandes synthétisées. In: A. Rigault, R. Charbonneau (Hrsg.): Proceedings of the 7th International Congress of Phonetic Sciences. Montreal 1971; Den Haag 1972, S. 914–929.
  • Beurteilung synthetischer vokalartiger Signale durch Schüler unterschiedlicher Altersstufen und ihre Konsequenzen für den Sprachunterricht. Hamburger Phonetische Beiträge 9, 1973, S. 47–84.
  • Künstliche Intonationsmuster im Urteil deutscher und nicht-deutscher Hörer. Hamburger Phonetische Beiträge 13, 1974, S. 21–39.
  • Abriß historischer Ansätze der Sprachsynthese. In: Speech Analysis and Synthesis. IV, 1975, S. 41–104.
  • mit Jean A. Dreyfus-Graf: Phonokodes und die Perzeption konstruierter Sprachen. Hamburger Phonetische Beiträge 7, 1976, S. 35–82.
  • Giulio Panconcelli-Calzias Beitrag zur Geschichte der Phonetik. In: H. Hollien, P. Hollien (Hrsg.): Current Issues in the Phonetic Sciences. Amsterdam 1979, S. 37–47.
  • Künstliche Sprache und Ausspracheschulung. In: Hamburger Phonetische Beiträge. Band 40, 1982, S. 25–40.
  • Auditive Sprechererkennung bei Experten und Naiven. In: Rudolf Weiss: Festschrift für Hans-Heinrich Wängler anlässlich seines 60. Geburtstags, Hamburg 1987, S. 171–180.
  • mit Herbert R. Masthoff: Ein ökonomisches Verfahren zur automatischen Erkennung verbaler Steuerbefehle. In: Viktor Borowsky und Jens-Peter Köster: Neue Tendenzen in der Angewandten Phonetik II. Hamburg 1987, S. 117–128.
  • An automatic word recognition procedure and its application to phonetic training. Festschrift für Gerhard Nickel, Heidelberg, 1988, S. 418–427.
  • mit Bernard Harmegnies: Effet du type d'échelle fréquencielle sur la reconnaissance du locuteur par méthodes spectrales. In: J.-P. Köster: Neue Tendenzen in der Phonetik III. Hamburg. 1990, S. 59–69.
  • mit Herbert Masthoff: Automatische und halbautomatische Erkennung von Sprechern an Hand ihrer Stimme. In: Kurt Nixdorff: Anwendungen der Akustik in der Wehrtechnik. Meppen, 15.–17. September 1992, S. 135–146.
  • Profiles in Phonetics: Giulio Panconcelli-Calzia. The Phonetician CL-61, 1993, S. 3–10.
  • mit Herbert R. Masthoff: Ein Verfahren zur akustischen Gütekontrolle an Keramikprodukten. Fortschritte der Akustik, Dresden 1994, S. 749–752.
  • mit Herbert R. Masthoff: Auswertung des Mündungsknalls zur Identifikation von Faustfeuerwaffen. In: Kurt Nixdorff: Anwendungen der Akustik in der Wehrtechnik. Meppen, 13.–15. September 1994, S. 292–302.
  • mit Herbert R. Masthoff: Identifikation von Sprechern bei Flüsterstimme. In: Kurt Nixdorff: Anwendungen der Akustik in der Wehrtechnik. Meppen, 13.–15. September 1994, S. 270–277.
  • mit Olaf Köster: Leistung neuer Verfahren zur Aufschönung vertäubter Sprachaufzeichnungen. In: Kurt Nixdorff: Anwendungen der Akustik in der Wehrtechnik. Meppen, 17.–19. September 1996, S. 48–58.
  • Giulio Panconcelli-Calzia: Un contributo italiano alla scienza della fonetica in Germania. In: Daniela Giovanardi e Harro Stammerjohann: I Lettori d’italiano in Germania. Tübingen, 1996, S. 59–68.
  • mit Olaf Köster: Acoustic excitation of the vocal tract: synchronization of digital high speed imaging, EGG, and the speech wave. In: Angelika Braun: Untersuchungen zur Stimme und Sprache. Stuttgart. 1996, S. 1–11.
  • mit Victor Omozuwa: Intrinsic F0 of Voiced Intervocalic Consonants and Tones: An Electroglottographic study. The Nigerian Journal of the Humanities 8, 1996, S. 92–106.
  • mit Harry Hollien: Speaker Identification by Aural-Perceptual Approaches. Beiträge zur Phonetik und Linguistik 46, 1996, S. 135–152.
  • mit Angelika Braun: Auditive Sprechererkennung durch geübte und ungeübte Hörer. In: Rüdiger Hoffmann: Phonetik – Sprachsignalverarbeitung – Rehabilitationstechnik. Professor Dieter Mehnert zum 65. Geburtstag, Dresden 2000, Studientexte zur Sprachkommunikation, Band 18, p. 41-52
  • mit Carsten Grasmück: Die Auswirkung von MP3- und ATRAC-Kompression auf sprechertypische Parameter des Sprachsignals. In: Bodo Nolte: Anwendungen der Akustik in der Wehrtechnik. Meppen, 14.–16. September 2004, S. 126–132.
  • mit Olaf Köster: The Auditory-perceptual Evaluation of Voice Quality in Forensic Speaker Recognition. The Phonetician 89, 2004, S. 9–37.
  • mit Angelika Braun, H. J. Künzel und H.-J. Odenthal: Speaker Recognition in Germany. In: Dietrich Wolf: Beiträge zur Geschichte und neueren Entwicklung der Sprachakustik und Informationsverarbeitung. Werner Endres zum 90. Geburtstag, Dresden 2005, S. 78–86, Reihe: Studientexte zur Sprachkommunikation, Band 35 (R. Hoffmann).

Literatur

Quellen

Einzelnachweise

<references />

Siehe auch

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