Jagenberg (Unternehmen)
| Jagenberg GmbH
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| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Jagenberg-Group Logo-RGB.svg | |
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1878 |
| Sitz | Krefeld, Datei:Flag of Germany.svg Deutschland |
| Leitung | Mortimer Glinz
Christian Jostes |
| Mitarbeiterzahl | 1.300 (2021)<ref name=":2" /> |
| Umsatz | 280 Mio. EUR (2020)<ref name=":2" /> |
| Branche | Maschinenbau, Technische Textilien |
| Website | www.jagenberg.com |
| Stand: 21. Januar 2023 | |
Die Jagenberg GmbH ist eine Holding für Beteiligungen in den Bereichen Maschinenbau und Technische Textilien mit Sitz in Krefeld. Sie gehört seit 2003 zur Unternehmensgruppe von Jan Kleinewefers.
Geschichte
19. und frühes 20. Jahrhundert
1878 kam Ferdinand Emil Jagenberg (1817–1905) nach Düsseldorf. Seine Familie betrieb in Solingen und Altenkirchen erfolgreich ein Papiermühlenunternehmen, Ferdinand Emil hatte die Fabrik in Solingen geleitet. Nun eröffnete er den Papiergroßhandel Ferd. Emil Jagenberg in Düsseldorf.<ref name=":1">Hans Seeling: Jagenberg, Ferdinand Emil. In: Deutsche Biographie. 1974, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> Zwölf Jahre später begann Jagenberg mit dem Bau von Rollenschneidemaschinen für Papierrollen, womit die Firma die Grundlagen für die Entwicklung und Produktion eigener Maschinen legte. 1892 erhielt das Unternehmen auf eine Jagenberg-Maschine erstmals ein Patent. 1895 zog die Firma auf das Gelände der ehemaligen Kraut-Mühle in Unterbilk um, gleichzeitig ging die Geschäftsführung der offenen Handelsgesellschaft an Ferdinand Emils Söhne Emil (1866–1931) und Max Jagenberg (1867–1931) über; sie entstammten seiner dritten Ehe mit der Solinger Kaufmannstochter Hulda, geb. Neuhaus (1832–1904).<ref name="Salzmannbau Geschichte Jagenberg" /><ref name=":1" /> Neben Maschinen vertrieb das Unternehmen auch den Klebstoff Salicum.<ref name=":0">Geschichtswerkstatt Düsseldorf e. V.: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Salzmannbau und Jagenberg ( vom 25. April 2009 im Internet Archive). Abgerufen am 20. Januar 2023.</ref> 1900 gewann das Unternehmen eine goldene Medaille auf der Pariser Weltausstellung. Mit seinen Maschinen, z. B. zur Etikettierung von Bierflaschen, hatte das Unternehmen nun international Erfolg.<ref name="Salzmannbau Geschichte Jagenberg" /> 1906 wurde in Düsseldorf-Bilk ein neues Fertigungsgelände errichtet, die Jagenberg-Fabrik, dessen Hauptgebäude der denkmalgeschützte Salzmannbau ist.<ref>Monika Egbringhoff: Der Bau. In: salzmannbau.com. 2010, abgerufen am 20. Januar 2023.</ref>
In den 1910er Jahren entstanden zahlreiche Verkaufs- und Tochtergesellschaften, u. a. in London, New York und Holland. Im sächsischen Siegmar und in Rotterdam wurden Zweigfabriken errichtet.<ref name="Salzmannbau Geschichte Jagenberg" /> Im Ersten Weltkrieg lieferte Jagenberg der Rüstungsindustrie zu.<ref name=":0" /> 1917 ging die Firma an die Börse, die Jagenberg-Werke Aktiengesellschaft entstand. 1928 beschäftigte Jagenberg 1.350 Menschen. 1930 lässt sich Jagenberg, inspiriert von ähnlichen Produkten in den USA, Perga patentieren, parafinierten Karton als Milchverpackung; in der Nachkriegszeit wurde es zu einem erfolgreichen Produkt.<ref>Die Erfindung des ersten Getränkekartons Europas - die Perga Packung. In: daidalos.blog. Abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> Nach dem Tod von Emil und Max Jagenberg übernahm 1931 deren Neffe Günther Meyer-Jagenberg (1896–1967) den Vorstandsvorsitz. Während des Nationalsozialismus konnte Jagenberg weiter produzieren, unter anderem mithilfe von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. Jagenberg wurde zum Zulieferer für den Rüstungsbetrieb Rheinmetall-Borsig.<ref name=":0" /> 1939 übernahm das Unternehmen die Aktienmehrheit der Sächsischen Cartonagen-Maschinen AG (Scamag) in Dresden, im Juli 1942 erhöhte sie das Aktienkapital um 1,7 Mio. Reichsmark auf 5 Mio. Reichsmark.<ref name="Salzmannbau Geschichte Jagenberg" />
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das zerstörte Werk in Düsseldorf wieder aufgebaut, Perga und andere Unternehmenszweige werden zu eigenständigen Firmen. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden erneut Tochterfirmen, diesmal unter anderem in Kanada, Schweden, Italien und in Enfield, Connecticut. 1953 waren 1.640 Menschen bei Jagenberg beschäftigt, 1878 waren es bereits über 3.000. 1970 folgte Werner P. Roell seinem Schwiegervater als Vorstandsvorsitzender nach.<ref name="Salzmannbau Geschichte Jagenberg" /> 1971 begann die Maschinenproduktion im neu erbauten Werk in Neuss-Grimlinghausen.
1981 übernahm die Rheinmetall Maschinenbau GmbH 76 Prozent der Aktien an der Jagenberg-Werke AG, überwiegend von der Familie Jagenberg-Roell, dem Bankhaus Bagel und der Simonbank.<ref name="Salzmannbau Geschichte Jagenberg">Monika Egbringhoff: Die Geschichte von 1878 bis heute. In: salzmannbau.com. 2010, abgerufen am 20. Januar 2023.</ref><ref name=":0" /> Seit 1982 hieß das Unternehmen Jagenberg AG. Jagenberg verfügte nun über die Geschäftsbereiche Papierausrüstung, Verpackungssysteme, Verpackungstechnik und Sondermaschinen.<ref name="Salzmannbau Geschichte Jagenberg" />
In den 1980er und 1990er Jahren übernahm Jagenberg mehrere Unternehmen aus dem Maschinenbau, unter anderem Kampf GmbH & Co. KG,<ref name="Salzmannbau Geschichte Jagenberg" /> Lemo Maschinenbau sowie Bachofen + Meier AG.<ref>the alacra Store.com: Jagenberg AG acquires Bachofen und Meier AG (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive )</ref>
21. Jahrhundert
Nach der Entscheidung des Großaktionärs Rheinmetall sich von Jagenberg zu trennen, wurde in einem ersten Schritt 1999/2000 der Geschäftsbereich Verpackungstechnik an die IWKA veräußert.<ref>Jagenberg gibt Geschäftsbereich ab. In: aktiencheck.de. 25. Oktober 2001, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> Der Geschäftsbereich Papiertechnik und Maschinenbau, außerdem einige ausländische Tochtergesellschaften, wurden zum Jahreswechsel 2001/2002 an den Voith-Konzern verkauft.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verkauf von Jagenberg Papiertechnik besiegelt ( vom 1. Dezember 2017 im Internet Archive), in rp-online.de, 25. Oktober 2001. Abgerufen am 20. Januar 2023.</ref> In den darauffolgenden Jahren wurden auch die weiteren Sparten jeweils verkauft: der Querschneiderbereich an die bielomatik Leuze GmbH & Co.,<ref>RP ONLINE: Neuss: Verkauf von Bielomatik: Sechs Mitarbeiter müssen gehen. 18. Juli 2015, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> die Bachofen + Meier AG an die Maschinenfabrik Max Kroenert GmbH & Co.,<ref>Kroenert Now Parent Co. for Former Jagenberg Sub. Bachofen and Meier - Paper, Film & Foil Converter. In: pffc-online.com. 10. Januar 2003, abgerufen am 21. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> die Jagenberg Diana GmbH an Heidelberger Druckmaschinen<ref>Lücke im Portfolio geschlossen: Heidelberger Druck übernimmt Teile von Jagenberg. In: handelsblatt.com. 30. Januar 2003, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> und die Lemo Maschinenbau GmbH an einen Private-Equity-Investor.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jagenberg: Tequity übernimmt Lemo Maschinenbau ( vom 30. Mai 2008 im Internet Archive) auf neue-verpackung.de, 15. August 2003. Abgerufen am 21. Januar 2023.</ref><ref>Jagenberg verkauft Lemo Maschinenbau. In: industrieanzeiger.industrie.de. 25. August 2003, abgerufen am 21. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Sommer 2003 übernahm die Kleinewefers GmbH schließlich Rheinmetalls Beteiligungen in Höhe von 93,7 Prozent an der defizitären Jagenberg AG und der letzten operierenden Tochterfirma Kampf.<ref>Maschinenbauer verkauft: Rheinmetall gibt Jagenberg ab. In: handelsblatt.com. 22. August 2003, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref><ref>Grundkapital mehr als zur Hälfte aufgezehrt: Jagenberg rinnt das Geld durch die Finger. In: handelsblatt.com. 17. September 2003, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> Kleinewefers integrierte daraufhin den eigenen Kunststoffanlagenbau (KKA) in die Kampf GmbH & Co. Maschinenfabrik.<ref>Pressemitteilung: Kampf GmbH to Take Over KKA Kleinewefers Anlagen GmbH. In: pffc-online.com. 2. Oktober 2003, abgerufen am 21. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Kleinewefers integrierte in den folgenden Jahren zahlreiche andere Firmen und Firmenbeteiligungen in die Jagenberg-Gruppe, mit dem Ziel sie zu einer Management-Holding für Industrieunternehmen umzubauen.<ref>Geschichte. In: jagenberg.com. Abgerufen am 21. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zu den Erwerbungen zählten 2004 eine Beteiligung an der Pagendarm BTT GmbH aus Hamburg (Bau von Beschichtungsanlagen),<ref>Pressemitteilung: Unternehmen: Jagenberg AG. In: Wirtschaftswoche. 29. April 2004, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> an der WT Wickeltechnik GmbH (Schneid- und Wickelmaschinen)<ref>Maschinenbau: Aktie von Jagenberg verbucht einen Kurssprung. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 21. Januar 2023]).</ref> und 2005 an der Eduard Küsters Maschinenfabrik GmbH & Co. KG (2006 Verkauf an Andritz).<ref>Jagenberg hat ihre Anteile am Joint Venture Andritz Küsters verkauft (Ad hoc) | aktiencheck.de. In: aktiencheck.de. 27. Juni 2006, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> 2008 übernahm Jagenberg die Krefelder Firma TAG Composites & Carpets aus der Insolvenz, 2021 wurde das Unternehmen geschlossen.<ref>Werner Dohmen: Krefeld: TAG Composites & Carpets wird geschlossen. In: wz.de. 17. Februar 2021, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> Die beiden 2009 erworbenen Gesellschaften Verseidag Ballistic Protection und Verseidag-Indutex wurden 2011 an Rheinmetall<ref>Rheinmetall übernimmt Verseidag Ballistic Protection vollständig. In: griephan.de. Abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> bzw. 2020 an Serge Ferrari<ref>Norbert Stirken: Wirtschaft in Krefeld: Französische Ferrari-Gruppe kauft Verseidag Indutex aus Krefeld. In: rp-online.de. 1. August 2020, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> veräußert.
2021 stellte der Vorstand Erich Bröker einen neuen Markenauftritt für die Jagenberg AG vor, der alle damaligen 19 Unternehmen und 1.300 Mitarbeiter weltweit unter der Dachmarke vereinen sollte, zu diesem Zeitpunkt hielt Kleinewefers 100 % an Jagenberg<ref name=":2">Werner Dohmen: Krefeld: Jagenberg AG stärkt Markenauftritt. In: wz.de. 14. April 2021, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref><ref>https://web.archive.org/web/20210306141652/https://kleinewefers.de/ueber-uns.html</ref> 2022 gehörten laut eigenen Angaben 23 Gesellschaften zur Jagenberg AG.<ref>Jagenberg Company presentation. (PDF) In: jagenberg.com. April 2022, abgerufen am 21. Januar 2023.</ref> Seit dem 12. November 2025 firmiert das Unternehmen als Jagenberg GmbH.
Literatur
- 50jähriges Jubiläum der Jagenberg-Werke A.-G., Düsseldorf. In: Wochenblatt für Papierfabrikation 59 (1928), S. 615.
Weblinks
- Frühe Dokumente und Zeitungsartikel zur Jagenberg in den Historischen Pressearchiven der ZBW
- Literatur von und über Jagenberg im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Der Salzmannbau
- Jagenberg VariTop Slitter Rewinder auf youtube.com
- Box Folder Gluer Jagenberg Diana 90-1 auf youtube.com
- Perga-Packung, 1950er Jahre, Sammlung Domäne Dahlem, auf museum-digital.de
Einzelnachweise
<references responsive />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Infobox Unternehmen/Logoeinbindung
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Weblink offline
- Holdinggesellschaft
- Maschinen- und Gerätehersteller
- Textilmaschinenbauunternehmen
- Produzierendes Unternehmen (Krefeld)
- Ehemals börsennotiertes Unternehmen (Deutschland)
- Unternehmensgründung 1878