Jüdischer Friedhof Heerstraße
Der Jüdische Friedhof Heerstraße im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf liegt im nördlichen Bereich des Forstes Grunewald in der Heerstraße 141.<ref name="denkmaldatenbank.berlin" />
Beschreibung
Der geometrisch angelegte etwa 3,4 Hektar große Friedhof wurde nach der Teilung Berlins und der Spaltung der jüdischen Gemeinde in eine Ost- und eine Westgemeinde zu Anfang der 1950er Jahre von Hermann Zvi Guttmann unter Mitarbeit des Gartenarchitekten Bernhard Kynast geplant. Guttmann entwarf zunächst die Gesamtanlage mit Friedhofshalle und Nebengebäuden am Friedhofszugang,<ref name="denkmaldatenbank.berlin" /> die Bauausführung wurde Curt Leschnitzer übertragen. Im November 1955 wurde der Friedhof eingeweiht.<ref name="berlin 1" /> 1959 bis 1960 wurde der Gebäudekomplex nach Plänen von Josef M. Lellek durch einen eingeschossigen Anbau für die Gartenarbeiter des Friedhofes vergrößert.<ref name="denkmaldatenbank.berlin" /> 1966 und 1979 wurde der Friedhof auf insgesamt 4,5 Hektar erweitert.<ref name="juedische-allgemeine 1" /><ref name="juedische-friedhoefe 1" /> Weitere 1200 neue Grabstellen sind ab 2026 durch den Ankauf einer Erweiterungsfläche von zwei Hektar geplant.<ref name="juedische-allgemeine 1" />
Der Friedhof ist in verschiedene Abteilungen gegliedert für Einzel-, Familien-, Wahl-, Urnen- und Kinderfelder, ein Feld für nichtjüdische Ehemänner und das „Feld der Frommen“, der auf Blumen- und Pflanzenschmuck auf den Grabstellen verzichtet.<ref name="denkmaldatenbank.berlin" /> Fünf alte Grabsteine rechts und links des Mittelwegs sind Funde von dem im 15. Jahrhundert geschlossenen jüdischen Friedhof in Spandau, dem Juden-Kiewer. Auf dem Friedhof befinden sich über 5.000 Grabsteine, von sehr schlichten Steinen bis zu großen Grabmalen aus schwarzen Marmor mit vergoldeten Inschriften.<ref name="juedische-friedhoefe 1" />
Nach zwei Anschlägen auf den Friedhof im September und Dezember 1998, bei denen der Stein auf dem Grab von Heinz Galinski fast vollständig zerstört wurde,<ref name="berlin 1" /><ref name="berliner-zeitung 1" /> ereignete sich am 16. März 2002 ein weiterer Bombenanschlag auf den Friedhof. In sämtlichen Fällen konnte die Täterschaft bisher nicht ermittelt werden.<ref name="berliner-zeitung 2" />
Gedenkstätte
Die Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des NS-Regimes wurde 1960 von Josef M. Lellek aus Muschelkalkquadern der zerstörten Synagoge in der Fasanenstraße errichtet.<ref name="berlin 1" /> Der 2 m × 1 m × 1 m messende Gedenkstein ähnelt einem Sarkophag und zeigt einen Davidstern. Er trägt zuoberst die hebräische Inschrift: „Der Allmächtige gedenke der Seele“, gefolgt vom deutschen Text „Denen die unter der Herrschaft des Unmenschen ihr Leben lassen mussten zum ewigen Gedächtnis 1933–1945“. Abschließend ist auf Hebräisch zu lesen: „Möge die Seele im Bunde des ewigen Lebens aufgenommen sein“.<ref name="denkmaldatenbank.berlin" />
Vor dem Mahnmal wurde 1984 eine Urne mit Asche von Opfern aus dem Konzentrationslager Auschwitz beigesetzt. Um den Gedenkstein stehen in weitem Rund kleine rote Grabplatten, die Überlebende des Holocaust für ihre ums Leben gekommenen Angehörigen errichten ließen.<ref name="berlin 1" />
Gräber
Als Ehrengräber des Landes Berlin werden die folgenden Grabstätten gepflegt:
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Heinz Galinski
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Hans Rosenthal
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Siegmund Weltlinger
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Jeanette Wolff
- Heinz Galinski (1912–1992), Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland
- Hans Rosenthal (1925–1987), Fernsehmoderator, Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde
- Siegmund Weltlinger (1886–1974), Politiker (CDU) und Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin
- Jeanette Wolff (1888–1976), Politikerin, Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde<ref name="berlin 1" />
Weitere bekannte Persönlichkeiten
- Gerhard Baader (1928–2020), Medizinhistoriker
- Gad Beck (1923–2012), Widerstandskämpfer
- Martin Berliner (1896–1966), Schauspieler
- Jack Bilbo (1907–1967), Schriftsteller, Maler, Zeichner, Galerist, Gelegenheitsarbeiter, Schiffsjunge, Kapitän, Abenteurer, Lebenskünstler und Bohemien
- Artur Brauner (1918–2019), Filmproduzent
- Alexander Brenner (1925–2015), Diplomat und Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Max Buchsbaum (1918–1992), Schauspieler
- Ernst Deutsch (1890–1969), Schauspieler
- Hans Freund (1901–1951), Widerstandskämpfer
- Wolf Gradis, Mediziner und Musiker
- Lotti Huber (1912–1998), Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin und Autorin
- Heinrich Eduard Jacob (1889–1967), Schriftsteller und Journalist
- Ernst Kaeber (1882–1961), Historiker und Direktor des Berliner Landesarchivs
- Jerzy Kanal (1921–2015), Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Berlin
- Julius Klausner (1874–1950), Unternehmer, Gründer der Firma Leiser-Schuhe
- Josef M. Lellek (1893–1965), Architekt
- Gerhard Löwenthal (1922–2002), Journalist und Politikwissenschaftler
- Kurt Messow (1888–1955), Jurist und Schriftsteller
- Estrongo Nachama (1918–2000), Oberkantor der Jüdischen Gemeinde
- Karena Niehoff (1920–1992), Feuilletonistin und Kritikerin
- Abraham Pisarek (1901–1983), Fotograf
- Alexandra Ramm-Pfemfert (1883–1963), Übersetzerin, Publizistin und Galeristin
- Rafael Roth (1933–2013), Unternehmer
- Adolf Schoyer (1872–1961), Unternehmer und Industrieller
- Coco Schumann (1924–2018), Jazzmusiker und Gitarrist<ref name="juedische-allgemeine 1" />
- Michel Schwalbé (1919–2012), Geiger, Konzertmeister der Berliner Philharmoniker
- Julius Sternberg (1879–1971), Kaufmann, Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Spandau von 1922 bis 1935
- Michael Stone (1922–1993), Journalist, Schriftsteller, Literatur- und Theaterkritiker
- Nadja Strasser (1871–1955), Feministin und Schriftstellerin
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Martin Berliner
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Jack Bilbo
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Alexander Brenner
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Max Buchsbaum
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Ernst Kaeber
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Jerzy Kanal
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Karena Niehoff
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Michel Schwalbé
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Michael Stone
Siehe auch
Literatur
- Joachim G. Jacobs: Die Erweiterung des Jüdischen Friedhofs am Scholzplatz in Berlin. In: Die Gartenkunst. Nr. 15, Januar 2003, S. 159–169.
- Vorlage:LuiseLexBez
Weblinks
- Jüdischer Friedhof Heerstrasse in Charlottenburg, Berlin – Find a Grave Friedhof. In: de.findagrave.com.
- Jüdischer Friedhof Charlottenburg, Berlin, Berlin, Germany. In: billiongraves.com.
Einzelnachweise
<references>
<ref name="berlin 1">Jüdischer Friedhof Heerstraße/Scholzplatz. In: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Abgerufen am 25. März 2026</ref>
<ref name="berliner-zeitung 1">Michael Helberg, Marlies Emmerich: Staatsschutz hat Ermittlungen übernommen: Anschlag auf Grabmal von Heinz Galinski. In: Berliner Zeitung vom 29. September 1998. Abgerufen am 13. März 2022</ref>
<ref name="berliner-zeitung 2">Marlies Emmerich: Jüdische Gemeinde fordert nach Anschlag mehr Schutz für Friedhof: "Das ist ein feiger Akt der Barbarei". In: Berliner Zeitung vom 18. März 2002. Abgerufen am 13. März 2022</ref>
<ref name="denkmaldatenbank.berlin">Jüdischer Friedhof mit Gedenkplatz und Gedenkstein für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. In: Denkmaldatenbank Landesdenkmalamt Berlin. Abgerufen am 25. März 2026</ref>
<ref name="juedische-allgemeine 1">Christine Schmitt: Friedhof Heerstraße braucht mehr Platz. In: Jüdische Allgemeine vom 18. Januar 2026. Abgerufen am 25. März 2026</ref>
<ref name="juedische-friedhoefe 1">Der Friedhof Berlin Heerstraße. In: juedische-friedhoefe.info. Abgerufen am 25. März 2026</ref>
</references>
Adass-Jisroel-Friedhof | Heerstraße | Judenkiewer Spandau | Köpenick | Mitte | Schönhauser Allee | Spandau | Weißensee
Koordinaten: 52° 30′ 19″ N, 13° 13′ 22″ O
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