Jüdischer Friedhof Groß Neuendorf
Der Jüdische Friedhof Groß Neuendorf befindet sich in Groß Neuendorf, einem Ortsteil der Gemeinde Letschin im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg.
Geschichte
Der Begräbnisort entstand um 1840 und war der jüdische Friedhof für die im Jahre 1847 von Michael Sperling (1803–1866) gegründete jüdische Gemeinde des Ortes.<ref name="jewish-places" /><ref name="alemannia-judaica" />
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Friedhof mehrfach geschändet und schließlich weitgehend zerstört. In den 1970er Jahren wurden Grabsteine zur Befestigung eines in der Nähe verlaufenden Sandwegs zweckentfremdet.<ref name="alemannia-judaica" /> Im Jahr 1992 befand sich der Friedhof in völlig verwahrlostem Zustand, Grabsteine waren zerbrochen und umgestürzt.<ref name="uni-potsdam 2" /> In den Jahren 1992/94 wurde er auf Initiative des CVJM wieder instand gesetzt<ref name="uni-potsdam 2" /><ref name="uni-potsdam 1" /> und 2008 durch das Projekt Jüdische Friedhöfe in Brandenburg in Bild und Text dokumentiert.<ref name="alemannia-judaica" />
Seit 1992 informiert neben dem Eingang des Friedhofs eine Tafel zur Geschichte des Ortes und der jüdischen Gemeinde.<ref name="uni-potsdam 2" />
Beschreibung
Der Friedhof liegt etwas abseits vom Dorf in nördlicher Richtung auf einem freien Feld<ref name="uni-potsdam 1" /> an einer unbefestigten Straße.<ref name="uni-potsdam 3" /> Er hat eine Größe von etwa sechs Ar<ref name="alemannia-judaica" /> und misst ungefähr 15 × 16 Quadratmeter. Er ist mit einer Bruchsteinmauer umgeben, in der sich zum Weg hin ein schmiedeeisernes Tor mit einem Ornament, das eine Menora zeigt, befindet.<ref name="uni-potsdam 3" />
Der älteste Grabstein (Mazevot) für das Mädchen Dobrasch Hartwich datiert aus dem Jahr 1842.<ref name="jewish-places" /> Ebenfalls erhalten ist der Stein des Friedhofsgründers Michael Sperling aus dem Jahr 1866.<ref name="alemannia-judaica" /> Der jüngste Grabstein ist von 1911.<ref name="uni-potsdam 1" /> Es sind etwa 34 bis 35 Grabsteine bzw. Grabsteinfragmente erhalten.<ref name="alemannia-judaica" /> Komplett erhalten sind noch 24 Grabsteine, bei „einem Grabstein fehlt der obere Teil mit dem Namen, auf zwei weiteren Fragmenten sind nur noch Rudimente der Inschrift sichtbar. Außerdem sind weitere sieben Grabstellen als Bruchstücke erkennbar“.<ref name="uni-potsdam 3" />
Die ältesten Grabsteine sind traditionell hochrechteckig mit bogenförmigem Abschluss ohne Sockel gefertigt, die jüngeren Steine ab 1852 sind meist höher und auf einem Sockel stehend. Die Steine sind teils nur mit einer entweder hebräischen oder deutschen Inschrift versehen, einige sowohl mit hebräischer als auch deutscher Beschriftung. Von den Steinen sind nur zehn ausgeschmückt, meist mit schlicht gehaltenem floralen Rillendekor. Auf zwei Steinen ist ein Schmetterling zu sehen, auf einem Stein segnende Priesterhände.<ref name="uni-potsdam 3" />
Literatur
- Michael Brocke, Eckehart Ruthenberg, Kai Uwe Schulenburg: Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin). Berlin 1994, S. 384–386.
- Wolfgang Weißleder: Der Gute Ort. Jüdische Friedhöfe im Land Brandenburg. Potsdam 2002, S. 65.
Weblinks
- Dokumentationsprojekt „Jüdische Friedhöfe in Brandenburg“ der Universität Potsdam
- Jüdischer Friedhof Groß Neuendorf bei The Bezalel Narkiss Index of Jewish Art
Einzelnachweise
<references> <ref name="alemannia-judaica"> Letschin - Groß Neuendorf (MOL). In: Alemannia Judaica. Abgerufen am 30. März 2026 </ref> <ref name="jewish-places"> Jüdischer Friedhof Groß Neuendorf. In: jewish-places.de. Abgerufen am 30. März 2026 </ref> <ref name="uni-potsdam 1"> Brigitte Heidenhain: Jüdischer Friedhof in Groß Neuendorf. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 30. März 2026 </ref> <ref name="uni-potsdam 2"> Brigitte Heidenhain: Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Groß Neuendorf. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 30. März 2026 </ref> <ref name="uni-potsdam 3"> Brigitte Heidenhain: Anlage des Jüdischen Friedhofs in Groß Neuendorf. In: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, Universität Potsdam. Abgerufen am 30. März 2026 </ref> </references>
Koordinaten: 52° 42′ 12,4″ N, 14° 24′ 16,8″ O
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