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Internierung japanischstämmiger Amerikaner

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Datei:Map of World War II Japanese American internment camps.png
Die zehn Internierungslager und weitere Einrichtungen der War relocation authority im Westen der Vereinigten Staaten

Die Internierung japanischstämmiger Amerikaner war eine erzwungene Umsiedlung und Internierung von annähernd 120.000 Japanern und japanischstämmigen Amerikanern von der Westküste der Vereinigten Staaten während des Zweiten Weltkriegs. 62 Prozent der Umgesiedelten waren Bürger der Vereinigten Staaten. Während etwa 10.000 in der Lage waren, in einen anderen Teil des Landes gemäß ihrer eigenen Wahl umzuziehen, wurde der Rest – schätzungsweise 110.000 Männer, Frauen und Kinder – in hastig aufgebaute Lager im Landesinneren umgesiedelt, genannt War Relocation Centers.

Geschichte der Internierung

Datei:Posted Japanese American Exclusion Order.jpg
Befehl an alle japanischstämmigen Bewohner San Franciscos, sich innerhalb einer Woche an Sammelpunkten zum Abtransport einzufinden.
Datei:Manzanar Relocation Center, Manzanar, California. Street scene of barrack homes... - NARA - 538128 - restored.png
Manzanar im Staubsturm am 3. Juli 1942

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor und dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg vom Dezember 1941 wurden nicht nur japanische Staatsangehörige in den Vereinigten Staaten, sondern auch alle amerikanischen Staatsbürger japanischer Abstammung als Sicherheitsrisiko (Enemy Alien) eingestuft. Die Maßnahme stützte sich auf weitverbreitete rassistische Vorurteile und in Fortsetzung verschiedener diskriminierender Einschränkungen, darunter dem Immigration Act of 1924, der die Zuwanderung von Japanern verbot. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor hatten im Zuge des Niihau-Zwischenfalls zudem US-Bürger japanischer Abstammung einem auf der Insel Niʻihau notgelandeten japanischen Militärpiloten gewalttätig Fluchthilfe geleistet.

Am 19. Februar 1942 unterzeichnete Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 9066, auf deren Grundlage große Teile der Pazifik-Anrainerstaaten zum Sperrgebiet erklärt wurden. Alle Bewohner Kaliforniens, des westlichen Oregons und Washingtons sowie eines kleinen Streifens im Süden Arizonas und Alaskas mit japanischen Vorfahren wurden durch die War Relocation Authority (Kriegs-Umsiedelungs-Behörde) in Internierungslager östlich der Pazifik-Region eingewiesen. Eine vergleichbare Ermächtigung zur vollständigen Internierung von deutsch- und italienischstämmigen Bewohnern der Ostküste wurde nicht umgesetzt. Rund 11.000 Deutsche und Deutschstämmige und etwa 3000 Italiener wurden aber individuell interniert.<ref>German American Internee Coalition: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Website (Memento vom 14. September 2013 im Internet Archive) (englisch)</ref>

Im Dezember 1944 wies der Supreme Court die Klage des japanischstämmigen Amerikaners Fred Korematsu gegen die Internierung ab und urteilte, dass sie im Grundsatz rechtmäßig sei.<ref>Korematsu v. United States – 323 U.S. 214 (1944) auf Justia US Supreme Court, abgerufen am 7. Juli 2020</ref> Am gleichen Tag entschied er, dass die Internierung einer anderen japanischstämmigen Amerikanerin, Mitsuye Endos, deren Loyalität unbestritten sei, nach dem Habeas-Corpus-Grundsatz unzulässig sei.<ref>Ex parte Endo – 323 U.S. 283 (1944) auf Justia US Supreme Court, abgerufen am 7. Juli 2020</ref> Daraufhin erklärte die Bundesregierung, die Internierung bis Jahresende 1945 beenden zu wollen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs kam dem zuvor.

Insgesamt waren von den Zwangsmaßnahmen gegen die japanischstämmige Bevölkerung 116.000 Menschen betroffen; sie lebten bis 1945 in zehn Barackensiedlungen weit abseits größerer Ortschaften und unter Bewachung durch das US-Militär. Nach dem Ende des Krieges wurden ihnen unter engen Voraussetzungen einige nachgewiesene Schäden erstattet.

In den 1960er Jahren begann unter dem Eindruck der Bürgerrechtsbewegung Kritik an den Maßnahmen laut zu werden; Executive Order 9066 wurde formal am 19. Februar 1976 von Präsident Gerald Ford aufgehoben.<ref>President Gerald R. Ford's Proclamation 4417, Confirming the Termination of the Executive Order Authorizing Japanese-American Internment During World War II, Ford Library (englisch)</ref> Die Diskussion führte in den 1980er Jahren zu umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen und einer politischen Debatte. 1980 richtete der US-Kongress eine Sonderkommission zur Untersuchung der Umstände der Internierung der japanischstämmigen US-Amerikaner im Zweiten Weltkrieg ein, die {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (CWRIC).<ref name="justice_denied"></ref> Diese kam 1982 zu dem Schluss, die Entscheidungen zur Internierung dieser Menschen in Lagern sei eine „schwere Ungerechtigkeit“ gewesen, die sich aus „Rassenvorurteilen, Kriegshysterie und einem Versagen der politischen Führung“ ergab, und übereinstimmend sagte die Regierung, dass „die Entscheidung in Korematsu vom ‚Gericht der Geschichte‘ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) zurückgewiesen worden sei.“<ref name="Savage">Charlie Savage: Korematsu, Notorious Supreme Court Ruling on Japanese Internment, Is Finally Tossed Out. In: The New York Times. 26. Juni 2018, abgerufen am 7. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Etwa gleichzeitig wurden geheime Unterlagen des US-Justizministeriums gefunden, aus denen hervorging, dass dieses 1943 und 1944 bereits von verschiedenen Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten, darunter dem {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (FBI) J. Edgar Hoovers und dem Marinenachrichtendienst {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), unterrichtet worden war, dass keinerlei Fehlverhalten japanischstämmiger Amerikaner festgestellt worden sei. Diese offiziellen Berichte waren dem Obersten Gerichtshof der USA vom Justizministerium absichtlich nie vorgelegt worden; in einem Fall war der Bericht verbrannt worden.<ref name="korematsuinstitute:biogr">Fred T. Korematsu. In: Fred T. Korematsu Institute. Abgerufen am 7. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nach einem sogenannten {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (lat. in unserer Gegenwart) Gesuch, einem Antrag vor Gericht einen vorher gemachten ernsten Irrtum zuzugeben und zu korrigieren, hob 1983 das Distrikts-Bundesgericht in San Francisco Korematsus Verurteilung von 1942 auf.<ref name="korematsuinstitute:biogr" /> 1988 sprach der Civil Liberties Act of 1988 jedem noch lebenden Opfer der Zwangsumsiedelung 20.000 Dollar Entschädigung zu. 1992 wurden in einer Gesetzesänderung weitere Mittel bereitgestellt, um die Verpflichtung erfüllen zu können, und Präsident George Bush sprach eine formelle Bitte um Entschuldigung aus.

Die 1944 vom Obersten Gerichtshof festgestellte Verfassungsmäßigkeit der Internierung in Korematsu v. United States wurde erst 2018 im Fall Trump v. Hawaii<ref>Trump v. Hawaii 17-965, 585 U.S. ___ (2018)</ref> aufgehoben, wobei Chief Justice John Roberts Korematsu als „moralisch abstoßend“ bezeichnete. In der Mehrheitsmeinung schrieb er:<ref>John Roberts: TRUMP, PRESIDENT OF THE UNITED STATES, ET AL. v. HAWAII ET AL. (PDF) In: Supreme Court of the United States. 26. Juni 2018, S. 38, abgerufen am 9. August 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Korematsu war gravierend falsch am Tag der Entscheidung, wurde bereits vor dem Gericht der Geschichte widerrufen, und – um klar zu sein – hat laut der Verfassung keinen Platz in der Rechtsprechung.“

Richter Roberts zitierte dabei die Minderheitsmeinung von Richter Robert H. Jackson in der Korematsu-Entscheidung von 1944. Das Urteil im Rechtsstreit Trump v. Hawaii ließ offen, ob durch das Urteil von 2018 die Abweisung der Klage von Fred Korematsu gegen seine Internierung 1944 rechtlich aufgehoben wurde oder ob der Oberste Gerichtshof 2018 lediglich die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von 1944 missbilligt habe.<ref>Scott Bomboy: Did the Supreme Court just overrule the Korematsu decision? | Constitution Center. In: National Constitution Center. 26. Juni 2018, abgerufen am 30. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Erst fünf Jahre später, in seinem Urteil im Rechtsstreit Students for Fair Admissions v. Harvard am 29. Juni 2023, bestätigte der Oberste Gerichtshof in einer Fußnote, dass es mit seinem Urteil im Fall Trump v. Hawaii die Abweisung der Klage von Fred Korematsu gegen seine Internierung 1944 rechtsgültig aufgehoben habe.<ref>Students for Fair Admissions v. Harvard, Fußnote 3: „We have since overruled Korematsu, recognizing that it was “gravely wrong the day it was decided.” Trump v. Hawaii, 585 U. S. ___, ___ (2018)“</ref>

Die Erinnerung an die Geschichte der Japaner in den USA hält das Japanese American National Museum (JANM) in Los Angeles wach. 2025 und 2026 wird das Gebäude renoviert.<ref>Museum Hours and Admission, abgerufen am 26. April 2025.</ref> Währenddessen bietet das Museum zahlreiche Veranstaltungen an anderen Orten an, unter anderem in Schulen (JANM on the go!).<ref>Programs and Events, abgerufen am 26. April 2025.</ref> Im Zuge ihrer Politik, die Erinnerung an die Geschichte der Minderheiten in den USA zu beschneiden, kürzte die Regierung von Präsident Trump 2025 die Mitfinanzierung des Museums aus Bundesmitteln.<ref>Frauke Steffens: Der Präsident schreibt Geschichte um. Hinter Donald Trumps Kampf gegen kritische Geschichtsschreibung steckt der Wunsch, historische Verantwortung zum Verschwinden zu bringen. Rassismus soll wieder Privatsache werden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. April 2025, S. 13.</ref>

Gedenkstätten

Datei:Manzanar shrine.jpg
Gedenkstein an die Opfer im Lager Manzanar

Das ehemalige Manzanar War Relocation Center im Osten Kaliforniens ist seit 1992 als National Historic Site ausgewiesen und der Ort jährlicher Zusammenkünfte von lebenden Opfern der Internierung und ihrer Angehörigen.

Minidoka National Historic Site in Idaho wurde 2001 als National Monument eingerichtet und 2008 in einen National Historic Site umgewandelt. Die Gedenkstätte ist noch nicht ausgebaut, ein Plan liegt seit 2006 vor. Die Finanzierung ist seit 2007 gesichert, der Baubeginn steht noch nicht fest. Seit 2003 gibt es jährliche Treffen von ehemaligen Internierten und ihren Nachkommen vor Ort

Seit 2008 ist das Tule Lake War Relocation Center im Norden Kaliforniens eine Gedenkstätte, seit 2019 als Tule Lake National Monument ausgewiesen.

Mehrere der acht anderen Lagerstandorte sind als National Historic Landmarks eingestuft.

Es gab folgende Relocation Centers:

Mediale Rezeption

Dokumentarfilme

Spielfilme

Fernsehserien

  • The Terror: Infamy, (2019) 2. Staffel von The Terror (USA, seit 2018)
  • Hawaii Five-0 Episode 81, „Alte Wunden“ (USA, 2013)
  • Magnum Staffel 3, Episode 18: „Spur in die Vergangenheit“ (Originaltitel „Forty Years from Sand Island“) (USA, 1983)

Romane

Comics

  • Citizen 13660 von Miné Okubo, 1947
  • They Called Us Enemy: Eine Kindheit im Internierungslager (Originaltitel They Called Us Enemy) von George Takei et al., 2020

Lieder

Musical

Oper

Siehe auch

Weblinks

Commons: Internierung japanischstämmiger Amerikaner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur (Auswahl)

  • Jeffery F. Burton et al.: Confinement and Ethnicity – Barbed wire divider, Publications in Anthropology 74, National Park Service, Washington D.C., 1999 (auch im Volltext online: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Confinement and Ethnicity (Memento vom 10. Februar 2014 im Internet Archive))
  • Michael L. Cooper: Remembering Manzanar: Life in a Japanese Relocation Camp, Clarian Books, 2002, ISBN 0-618-06778-7
  • Mary Matsuda Gruenewald: Looking Like the Enemy: My Story of Imprisonment in Japanese American Internment Camps, NewSage Press, 2005, ISBN 0-939165-53-8
  • Janne Wakatsuki Houston: Farewell to Manzanar, SparkNotes 2003, ISBN 1-58663-831-9
  • Lawson Fusao Inada (Hg.): Only What We Could Carry: The Japanese American Internment Experience, Heyday Books, 2000, ISBN 1-890771-30-9
  • Alice Yang Murray: What Did the Internment of Japanese Americans Mean?, bedford/St. Martin’s, 2000, ISBN 0-312-20829-4
  • Greg Robinson: By Order of the President: FDR and the Internment of Japanese Americans, Harvard University Press, 2003, ISBN 0-674-01118-X
  • Yoshiko Uchida: Desert Exile: The Uprooting of a Japanese-American Family, University of Washington Press, 1984, ISBN 0-295-96190-2

Einzelnachweise

<references />