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International Encyclopedia of Unified Science

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die International Encyclopedia of Unified Science war eine von Otto Neurath, Rudolf Carnap und Charles W. Morris herausgegebene Buchserie.

Entwurf

Die Erarbeitung einer „International Encyclopedia of Unified Science“ wurde 1936 auf dem ersten „Congress for the Unity of Science“ beschlossen. Der 1938 gestartete Versuch, eine „Einheitswissenschaft“ zu schaffen, knüpfte an frühere Bemühungen von Francis Bacon, Raimundus Lullus, Descartes und Leibniz an.<ref>Otmar Seemann: Inkomplett erschienene Lexika und Enzyklopädien. Ein Nachtrag zu Krieg: MNE. In: Karl H. Pressler (Hrsg.): Aus dem Antiquariat. Band 8, 1990 (= Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel – Frankfurter Ausgabe. Nr. 70, 31. August 1990), S. A 329 – A 334, hier: S. A 332.</ref>

Idee

In der Umsetzung zwar unvollendet<ref>Vgl. Otmar Seemann: Inkomplett erschienene Lexika und Enzyklopädien. Ein Nachtrag zu Krieg: MNE. In: Karl H. Pressler (Hrsg.): Aus dem Antiquariat. Band 8, 1990 (= Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel – Frankfurter Ausgabe. Nr. 70, 31. August 1990), S. A 329 – A 334, hier: S. A 332.</ref> zeichnete sich der Entwurf der Enzyklopädie dadurch aus, dass sie Manifestation der einheitswissenschaftlichen Wissenschaft nach der Programmatik des Logischen Empirismus dienen sollte. Dieses Medium sammelt in geordneter Form die generierten Wissensbestände, pflegt und aktualisiert sie. Die Enzyklopädie ist demnach ein wachsendes Modell, das grundsätzlich so wenig abgeschlossen sein kann wie die Suche nach Erkenntnissen selbst.<ref>Neurath, Otto (1938): Einheitswissenschaft als enzyklopädische Integration. In: ders.: Gesammelte, philosophische und methodologische Schriften 2. Hrsg. v. Haller, Rudolf/Rutte, Heiner. Wien 1981, S. 889</ref>

Weil sie eine entscheidende Rolle im einheitswissenschaftlichen Erkenntnisprozess einnimmt, dient sie der intra- und interdisziplinären Verständigung der Wissenschaftler untereinander und ist somit Medium im Sinne einer Kommunikationsplattform.<ref>Groß, Angelique: Die Bildpädagogik Otto Neuraths. Methodische Prinzipien der Darstellung von Wissen. Veröffentlichungen des Instituts Wiener Kreis. Springer. Heidelberg 2015, S. 22ff</ref>

Aufgrund ihrer alltagssprachlichen Basis ist die Enzyklopädie allgemeinverständlich, sodass sie zudem ein verbindendes Element zwischen Wissenschaft und Gesellschaft darstellt: Sie ist nämlich dem gesellschaftlichen Umfeld verfügbar, vermittelt demnach Erkenntnisse auch an die Gesellschaft und gilt deshalb als {{

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}}.<ref>Stadler, Friedrich: Wien — Berlin — Prag. Zum Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie. In: ders./Haller, Rudolf (Hg.): Wien — Berlin — Prag. Der Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie. Wien 1993, S. 32</ref>

Weil die Enzyklopädie zugleich die gesellschaftliche Teilhabe an empirischer Erfahrung ermöglicht, stiftet sie die für wissenschaftliche Erkenntnisprozesse wichtige intersubjektive Nachprüfbarkeit. Insofern gilt sie als Kontroll- und Erkenntnisinstrument. Sie erst schafft für alle Forscher die gleiche Erkenntnisfähigkeit und für die Gesellschaft den intellektuellen und empirischen Nachvollzug.<ref>Groß, Angelique: Die Bildpädagogik Otto Neuraths. Methodische Prinzipien der Darstellung von Wissen. Veröffentlichungen des Instituts Wiener Kreis. Springer. Heidelberg 2015, S. 22ff</ref>

Methode

Insofern die Verständigung innerhalb der Wissenschaft und zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft eine zentrale Rolle einnimmt, sind sprachliche Konventionen zur sprachlichen Standardisierung unabdingbar.<ref>Uebel, Thomas: Vernunftkritik und Wissenschaft. Otto Neurath und der erste Wiener Kreis. Wien/New York 2000, S. 331</ref> Dementsprechend wird die Einheitswissenschaft weiterhin bestimmt durch eine allen gemeinsame Einheitssprache.

Die einerseits entstehende Einheitssprache rekrutiert sich aus der Alltagssprache, die freilich unpräzise, grob und vielfach metaphysisch ist. Sie soll logisch gereinigt und in ein annähernd klares, physikalistisches Begriffsystem überführt werden.<ref>Neurath, Otto u. a. (1929): Wissenschaftliche Weltauffassung. Der Wiener Kreis. In: ders.: Gesammelte, philosophische und methodologische Schriften 1. Hrsg. v. Haller, Rudolf/Rutte, Heiner. Wien 1981, S. 305</ref> Diese gereinigte Alltagssprache wird ergänzt durch ein hochwissenschaftliches Lexikon von Spezialterminologien, welches für die Verwendung innerhalb der Einzelwissenschaften konzipiert ist.<ref>Neurath, Otto u. a. (1933): Einheitswissenschaft und Psychologie In: ders.: Gesammelte, philosophische und methodologische Schriften 2. Hrsg. v. Haller, Rudolf/Rutte, Heiner. Wien 1981, S. 609</ref> Andererseits bedient sich die Enzyklopädie methodisch der bildpädagogischen Methode (s. Wiener Methode der Bildstatistik oder Isotype).

Didaktik

Ihr zwiebelartiger Aufbau ist jedoch durch die Didaktik bestimmt: Es gibt einen Kern aus zwei Bänden, der eine strukturelle Einführung in die Einheitswissenschaft liefert.<ref>Neurath, Otto (1938): Einheitswissenschaft als enzyklopädische Integration. In: ders.: Gesammelte, philosophische und methodologische Schriften 2. Hrsg. v. Haller, Rudolf/Rutte, Heiner. Wien 1981, S. 892</ref> Eine erste Schicht aus sechs Bänden informiert über methodologische Grundsätze der Einheitswissenschaft.<ref name="neurath893">Vgl. Neurath 1938, S. 893</ref> Alle weiteren Schichten sind einzelwissenschaftlichen Erkenntnissen vorbehalten.<ref name="neurath893" /> Dabei wird unterschieden zwischen acht Bänden mit Erkenntnissen und Hypothesen und weiteren zehn Bänden mit entsprechenden technologischen Anwendungsfeldern.<ref>Müller, Karl H.: Symbole Statistik Computer Design. Otto Neuraths Bildpädagogik im Computerzeitalter. Wien 1991, S. 19,28</ref> Weiterhin beinhaltet die Enzyklopädie ein dreisprachiges Wörterbuch der Einheitssprache, einen bibliografischen Überblick, einen Index sowie zehn bildpädagogische Supplementbände.<ref>Neurath, Otto (1936): Eine internationale Enzyklopädie der Einheitswissenschaft. In: ders.: Gesammelte, philosophische und methodologische Schriften 2. Hrsg. v. Haller, Rudolf/Rutte, Heiner. Wien 1981, S. 722</ref>

Institutionelle Einbindung

Institutionell verantwortlich für die Entwicklung der Enzyklopädie zeichnet Neurath ab 1933 das Mundaneum Den Haag, das 1937 von dem eigens gegründeten International Institute for the Unity of Science abgelöst wurde.<ref>Hofmann-Grüneberg, Frank: Radikal-empiristische Wahrheitstheorie. Eine Studie über Otto Neurath, den Wiener Kreis und das Wahrheitsproblem. Wien 1988, S. 35f</ref>

Umsetzung

Von Otto Neurath ursprünglich auf bis zu 26 Ausgaben und zusätzliche 10 Bildbände konzipiert, wurden nach Neuraths Tod 1945 die beiden wissenschaftstheoretischen Kernbände unter dem Titel „Foundations of the Unity of Science“ publiziert. Sie enthalten jeweils mehrere Monografien, Neurath selbst hat zwei Schriften dazu beigetragen.<ref>Neurath, Paul: Otto Neurath (1882–1945). Leben und Werk. In: ders./Nemeth, Elisabeth (Hg.): Otto Neurath oder die Einheit von Wissenschaft und Gesellschaft. Wien/Köln/Weimar 1994, S. 92</ref>

Obgleich 1971 zwanzig Bände erstmals zusammenhängend erschienen, bleibt der einheitswissenschaftliche Enzyklopädismus Neuraths eine Projektidee und Utopie.<ref>Hofmann-Grüneberg, Frank: Radikal-empiristische Wahrheitstheorie. Eine Studie über Otto Neurath, den Wiener Kreis und das Wahrheitsproblem. Wien 1988, S. 36</ref>

Inhalt

Die Bandzahl bezieht sich auf Otto Neurath, Rudolf Carnap, Charles Morris (Hrsg.): International Encyclopedia of Unified Science. 2 Bände. University of Chicago Press, Chicago / Cambridge University Press, Cambridge 1938 ff.:

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

<references />