Imperialismus (Computerspiel)
| Entwickler | Frog City Software | |
|---|---|---|
| Publisher | Mindscape, Strategic Simulations | |
| Veröffentlichung | 3. September 1997 | |
| Plattform | Windows | |
| Genre | Computer-Strategiespiel, Wirtschaftssimulation, Globalstrategiespiel | |
| Thematik | Industrialisierung, Imperialismus | |
| Spielmodus | Einzelspieler, Mehrspieler | |
| Steuerung | Maus & Tastatur | |
| Medium | CD-ROM, Download | |
| Sprache | Deutsch, Englisch | |
| Altersfreigabe |
|
Imperialismus: Die hohe Kunst der Weltherrschaft ist ein Computer-Strategiespiel des US-amerikanischen Spielentwicklerstudio Frog City Software aus dem Jahr 1997. Der Vertrieb erfolgte über die Mindscape-Tochter Strategic Simulations (SSI).
Beschreibung
Es versetzt den Spieler in die Zeit der Industrialisierung von 1815 bis 1915. Mit wirtschaftlichem Geschick muss er dabei seine Nation zu einer Welt- und Industriemacht emporführen. Der Spieler hat im begrenzten Umfang diplomatische Möglichkeiten, den Verlauf zu beeinflussen. Er kann aber auch auf militärischem Wege in rundenbasierter Strategie sein Reich ausbauen, um eines Tages als „Weltherrscher“ anerkannt zu werden. Je höher der Industrialisierungsgrad ist, desto mehr Möglichkeiten bieten sich dem Spieler. Der Sieger einer Partie wird in einem sogenannten Gouverneurskonzil festgestellt, welches alle zehn Spieljahre abgehalten wird. Imperialismus bietet einen Mehrspielermodus, in dem bis zu sieben menschliche Spieler im Netzwerk oder übers Internet gegeneinander antreten können.
Durch den Abbau von Ressourcen, die auf den Feldern der Karte in bestimmten Regionen verteilt sind (Kohle und Eisen – Gebirge, Erdöl – Wüste/Sumpf/Tundra usw.), hat der Spieler nach der Erforschung der entsprechenden Technologie die Möglichkeit, weiter entwickelte Einheiten herzustellen, die ihm einen Vorteil gegenüber Konkurrenten verschaffen.
Das Spiel bezieht sich auf die expansionistischen Bestrebungen industrialisierter Nationen im 19. Jahrhundert und lässt oberflächlich die Wahl, sich auch auf friedlichem Wege den Sieg zu sichern. Dies ist allerdings viel schwerer, beziehungsweise aufgrund der Spielweise der Computergegner gar unmöglich. Der Spieler kann wählen, welche Großmacht er spielen möchte. Mit anderen Ländern kann Handel betrieben werden, wodurch sich Beziehungen verbessern können. Sind die Beziehungen zu kleineren Ländern sehr positiv, kann jenes Land zur Kolonie gemacht werden. Anderen Großmächten können Allianzen angeboten werden, die jederzeit gebrochen werden können.
Der Nachfolger Imperialismus II: Die Eroberer erschien 1999. Im zweiten Teil der Reihe wurde die Welt noch erweitert. Hinzu kam die Neue Welt, in welcher sich korrekt bezeichnete Ureinwohnervölker befinden. Diese fallen eines nach dem anderen den europäischen Mächten zum Opfer. Auch hier gilt am Ende derjenige als Sieger, der die Alte Welt beherrscht.
Gameplay
Ein Spielzug in Imperialismus beginnt mit der Lektüre des „Nationalanzeiger“, einer spielinternen Tageszeitung, welche neben fett gedruckten Schlagzeilen spielwichtiger Ereignisse (z. B. Kriegserklärungen) auch eine Reihe von kuriosen Spaß-Artikeln publiziert („Reisen in der 8. Klasse“). Überdeckt wird der Nationalanzeiger von etwaigen [Pop-ups] der Kabinettsmitglieder, die z. B. vor feindlichen Truppen-Bewegungen warnen.
Beendet man das morgendliche Briefing, gelangt man in die Hauptansicht des Spiels; eine Weltkarte samt Aktionsmenü, welches man für gewöhnlich in mindestens vier Schritten durchläuft: Transportwesen, Industrie, Handel und Diplomatie.
Transportwesen
Mit einem Klick auf das Icon Transportwesen gelangt man in das Transportbuch, welches einen Überblick über alle Güter gibt, die aktuell (farbig) oder theoretisch (ausgegraut) im eigenen Reich hergestellt und befördert werden.
Dabei wird numerisch und anhand eines blauen Balkens angezeigt, wie viele Tonnen eines hergestellten Produkts auch über den Güterverkehr (See- oder Zuganbindung) das Zentrallager der Hauptstadt erreichen.
Industrie
Im Industrie-Menü erlangt man einen Überblick über sämtliche Produktionsstätten, deren Auslastung man manuell steuern kann. Dazu gehören:
- Lebensmittelfabrik: Hier kann der Spieler aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen Konservendosen herstellen lassen
- Lagerhaus: Eine Überblick über den Lagerbestand des Reiches. Das Lagerhaus ist das einzige Gebäude im Industrie-Menü, welches lediglich eine Information anzeigt und keine Interaktion des Spielers zulässt
- Universität: Hier lassen sich – vorausgesetzt man verfügt über die entsprechenden Technologien, Arbeitskräfte und Papiermengen – 7 Spezialanheiten ausbilden: Bergmann, Prospektor, Landwirt, Forstwirt, Ingenieur, Viehzüchter, Ölarbeiter
- Kapitol: Hier ist es dem Spieler möglich, neue Arbeitskräfte aus den Provinzen zu rekrutieren
- Schiffswerft: In der Werft lassen sich sowohl Handelsschiffe als auch Kriegsschiffe herstellen
- Rangierbahnhof: Hier lässt sich die Transportkapazität des Frachtverkehrs ausbauen – ein direkter Einfluss auf das o. g. Transportwesen
- Berufsschule: Da ein ungelernter Arbeiter nur über eine einfache Arbeitskraft verfügt, ist es in der Berufsschule möglich, ihn zum Facharbeiter (2-fache Arbeitskraft) weiterzubilden, der wiederum zum Meister ausgebildet werden kann und damit eine 4-fache Produktivität erlangt.
- Garnison: Zur Produktion von Militäreinheiten, für die man Arbeitskräfte, Waffen und ggf. Pferde oder Benzin benötigt.
- Sägewerk und Möbelfabrik: In diesen Produktionsstätten werden Bauholz, Papier und Möbel hergestellt
- Textilfabrik und Bekleidungsfabrik: Hier werden Stoffe und Kleidung angefertigt
- Stahlwerk und Metallwerke: Zur Produktion von Stahl, Waffen und Werkzeugen
- Ölraffinerie und Kraftwerk: Diese Bauwerke sind erst im späteren Spielverlauf zu errichten. Die Ölraffinerie transformiert Öl in Benzin und das Kraftwerk stellt (maschinelle, nicht menschliche) Arbeitskraft her.
Handel
In der Welthandelsbörse lassen sich Waren, Aufträge, Preis, Bestand und Angebotsmenge einsehen und ggf. einstellen. Außerdem gibt das Handelsbuch einen Einblick in die aktuelle Kapazität der Handelsflotte.
Diplomatie
Das Diplomatie-Menü gibt die Weltkarte in politischer Miniaturansicht wieder und gibt dem Spieler vielfältige Möglichkeiten, mit den Großmächten (farbig dargestellt) oder kleineren Staaten zu interagieren. So ist es beispielsweise möglich Nichtangriffspakte zu schließen oder sich die Gunst eines Landes durch eine regelmäßige Geldzuwendung zu erkaufen.
Weltkarte
Im Hauptfenster selbst, der Weltkarte, hat der Spieler die Möglichkeit, alle Einheiten zu steuern, die er im Industrie-Menü beauftragt hat. Dazu gehören die Spezialeinheiten zum Ausbau der Infrastruktur, die Kriegsschiffe und auch die Landeinheiten, welche zur Verteidigung stationiert, in eine andere Provinz verlegt oder zum Angriff befehligt werden können. Handelsschiffe werden nicht selbst gesteuert.
Bergmann
Der Bergmann kann auf Hügel- oder Berg-Feldern eingesetzt werden, um die Rohstoffe Eisen, Kohle, Gold und Diamanten abzubauen. Zuvor ist jedoch eine Entdeckung dieser Ressourcen durch einen Prospektor erforderlich. Durch technologischen Fortschritt lassen sich die Minen weiter ausbauen.
Prospektor
Der Prospektor ist eine Erkundungseinheit, die auf Hügel- oder Berg-Feldern, aber auch auf Tundra- und Wüstenfeldern eingesetzt werden kann, um nach Rohstoffen zu suchen.
Landwirt
Der Landwirt trägt zum Ausbau der vorhandenen landwirtschaftlichen Nutzflächen bei. Dazu gehören die Getreide- und Obstfelder, aber auch die Baumwollplantagen. Wie der Bergmann kann auch der Landwirt nach entsprechender technologischer Ausstattung die von ihm bewirtschafteten Felder in zwei weiteren Stufen ausbauen.
Forstwirt
Auch der Forstwirt kann die entsprechenden Waldflächen bis zu drei Mal ausbauen. Jedoch gilt das nur für die eine Art Wald, welche auf der Landkarte zu sehen ist. Die andere Waldart wirft bei Bahnhofsanbindung zwar auch einen gewissen Holzbetrag ab, lässt sich jedoch nicht intensiver bewirtschaften.
Ingenieur
Der Ingenieur legt Schienen (nach entsprechender Forschung ist dies auf allen Geländeflächen möglich), baut Bahnhöfe und konstruiert Häfen sowie Festungen. Damit ist er die wichtigste und vielseitigste Spezialeinheit des Spiels. Sämtliche bewirtschaftete Flächen der anderen Spezialeinheiten können nur durch die Arbeit des Ingenieurs dazu beitragen, die entsprechenden Rohstoffe ins Lagerhaus der Hauptstadt zu befördern.
Viehzüchter
In drei Ausbaustufen kann der Viehzüchter flaches und hügeliges Weideland bewirtschaften, um entweder Rindfleisch oder Schafwolle zu erzeugen.
Ölarbeiter
Die späteste Spezialeinheit des Spiels ist dafür da, Ölraffinerien zu errichten. Diese können lediglich auf solchen Geländefeldern erbaut werden, auf denen der Prospektor zuvor Öl entdeckt hat. Auch hier sind mit den entsprechenden Technologien drei Ausbaustufen möglich.
Rezeption
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Laut dem Testfazit von Power Play biete Imperialismus eine einzigartige Mischung aus Strategie und Wirtschaftssimulation. Die Steuerung sei gut durchdacht.<ref name="PP" /> PC Player kritisierte Grafik und leichte Designmängel, lobte allerdings die Spieltiefe.<ref name="PCP" />
Trivia
- Den Weltrekord für den schnellsten Spielsieg hält der Twitch-User „seboo1337“,<ref>seboo1337 - Twitch. Abgerufen am 19. August 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> welcher 2013 das Spiel in der Standard-Einstellung (Neue Welt, Schwierigkeitsstufe „Anfänger“) in 6:30 Minuten durchgespielt hat. Der Speedrun ist auch auf YouTube zu sehen.<ref>seb oo: Imperialism Speedrun WR in 00:06:30. 11. August 2013, abgerufen am 19. August 2017.</ref>
- Mittlerweile hat sich eine kleine, aber rege Modding-Szene entwickelt, welche das Standard-Spiel mit zahlreichen Custom Maps, unter anderem einer realistischen Weltkarte, erweitert hat.<ref>Gameplay (Imp1). In: Imperialism Game Wiki. Abgerufen am 19. August 2017.</ref>
- 2012 hat sich eine Gruppe von Moddern das Ziel gesetzt, analog zu FreeCiv, auch Imperialismus als Open-Source-Projekt zu entwickeln und zur freien Verfügung zu stellen.<ref>Imperialism Remake Community - Index page. Abgerufen am 19. August 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Projekt wird jedoch seit ca. 2016 nicht mehr aktiv vorangebracht.
- Während die Original-CD-ROM-Version von 1997 nicht ohne Weiteres auf neueren Systemen spielbar ist, bietet GOG.com eine kostenpflichtige Download-Version an, die kompatibel mit Windows XP, 7, 8, 10 und 11 ist.<ref>Imperialism. Abgerufen am 19. August 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Seit 2014 existiert ein Editor für das Spiel.<ref>S-E-I - Spiel Editor zu Imperialismus 1. Abgerufen am 15. März 2024.</ref>
Weblinks
- Imperialismus bei MobyGames (englisch)
- Komplettlösung bei GameStar (deutsch)
Einzelnachweise
<references />
